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2^t« Sonntag den 22. Oktober 1871.

BestMiu-gen auf »en Gietzeiier Aiei«er*

Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Erpedition abbolen lassen, erhalten denselben für das IV. Quartal 1871 zu 1 fl.

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Gefundene Gegenstande:

Ein kleines rothes Portemonnaie mit werthlosem Inhalt, ein kleines schwarzes Portemonnaie mit 13 Kreuiern ein g'tnrfpmnnnnio on ,

eine kleine schwarze Brieftasche mit Briesen an Musketier Conrad Ritz, eine kleine schwarze «röche, mehrerearoß/ünd'ein' Meiner V"? 2aUbJfetteP'

buntes halbseidenes Halszuchelchen, ein Eßbesteck (enlhaltend Messer, Gabel, Löffel und Glas), ein schwarzer Glacehandschuh e"ntoftenfarrmeh Ä* bcuxt,d,er- M- ,em U-berzug, ein weißes Tascheniuch m,t g-sticklcm Namen e. S. und ein Grobherzoglich Hessisches Militär - Verdienstkreuz, gestiftet den September 1870 we-llgen-urfelter später3B°<6en bei UnS 3U mC,bm' Wibri8enfaUä bic,c K-g-nstSnde auf Verlangen an die Finder zurüekgegeben oder

Gießen, dm 21. October 1871. Grobherzogliche Polizei-Verwaltung der Prooinzialhauptstadt Gießen.

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Politischer

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T, "geladen.

fX 30$an$.

Preis Lierteljahrtg 1 fi. 12 fr. mit vrtngerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fi. 27 fit.

Gießener Anzeiger.

vrfchemr täglich, mir Hu?« nähme Montags.

Sxpedttivn: Eanzletberg Ltt. B. Rr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.

9tbeinifcf>ett lar.

nen sieben- n. wir dem Herrn * a. d. Lda.

;entuTfli in Eicha r PH. Zimmtfl

\ Agentur.

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zur Annahm zu jeder übr

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i. d. Lumda,

:iw-Gesellschaft, u.'oerstlöerungs«

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Das neue deutsche Reich ein zuverlässiger Hort des Friedens.

Die Thronrede, mit welcher der Kaiser den Reichstag eröffnet hat, begnügt sich nicht mit der allgemeinen Wendung, daß die Beziehungen Deutschlands zu allen auswärtigen Regierungen friedliche und von gegenseitigem Wohlwollen ge- nagene sind: sie geht vielmehr mit besonderer Befriedigung näher ein auf die Pflege freundschaftlicher Beziehungen zu den beiden östlichen großen Nachbarn des deutschen Reichs; sie erwartet von den wiederholten Begegnungen des Kaisers mit den Herrschern jener beiden Nachbarreiche eine Kräftigung des Vertrauens auf eine friedliche Zukunft Europas, und in der Kräftigung des Vertrauens sieht sie eine Bürgschaft für die Verwirklichung der auf Erhaltung des Weltfriedens ge­richteten Wünsche und Hoffnungen.

Mit besonders herzlichem Nachdruck betont die Thronrede die Herstellung eines Vertrauensverhältnisses zwischen Deutschland und dem österreichisch-ungarischen Kaiserstaate, die durch ihre geographische Lage und ihre geschichtliche Entwicklung so zwingend und so mannichsach auf freundnachbarliche Beziehungen zu einander angewiesen seien, daß die Befreiung der letzteren von jeder Trübung durch die Erinnerung an Kämpfe, welche eine unerwünschte Erbschaft tausendjähriger 23er- gangenheit waren, dem ganzen deutschen Volke zur aufrichtigen Befriedigung ge­reichen werde.

Gewiß, diese Befriedigung ist allgemein, nicht blos in Deutschland, sondern auch in Oesterreich, ja in allen Landern, deren Wünsche auf Erhaltung des Frie- bens gerichtet sind, und sie ist um so größer und starker, da sie nicht nur einem flüchtigen Gefühle, sondern der festen Ueberzeugung von einer geschichtlichen Noth- Wendigkeit entspringt. Auch in früheren Jahren haben ja Preußen und Oesterreich wiederholt sich die Hände zum Bunde gereicht, und ihre Freundschaft konnte ja mehrere Jahrzehnte lang mit einem gewissen Recht für den Schlußstein des großen Allianzsystems gelten; aber es war die Freundschaft zweier mißtrauischen Neben­buhler, die stets den Keim des Zerwürfnisses und der Verfeindung in sich trug. 8s war eine gemachte Freundschaft ohne Vertrauen. Denn in der deutschen Frage waren und blieben sie Gegner, mochte diese Gegnerschaft auch noch so künstlich durch eine verderbliche an dem Mark der beiden Staaten nagende Tentenzpolitik verdeckt werden. Das Gefühl blieb jeder Zeit auf beiden Seiten lebendig, daß die erste freie Regung Preußens sich gegen Oesterreich wenden und eine Ausein­andersetzung üjter die deutsche Frage herbeizuführen suchen werde. Zugleich aber auch entwickelte sich in Deutschland immer kräftiger und bewußter die Uebcrzeu gung, baß nach dieser Auseinandersetzung beide Mächte von der Natur der Dinge selbst auf die Anbahnung freundschaftlicher und vertrauensvoller Beziehungen wür­de« hingewiesen werden.

Und eine Freundschaft ohne Argwohn und Neid, das ist ja in der That bas segensreiche Ergebniß, welches aus dem grundlegenden, und sprechen wir rs offen aus völkerversöhnenden Kriege von 1866 hervorgegangen ist. Jetzt sehen wir in Deutschland und Oesterreich, wie nahe wir uns stehen, wie nach allen Dichtungen hm unsere Interessen gleichlausen, und Nichts hindert uns, Die Inter tffengemeinschaft zum Ausgangspunkt für eine ganz Europa umfassende Friedenö- bolitik zu machen.

In dieser Beziehung ist es nun von besonderer Wichtigkeit, baß auch zwi­schen Deutschland und Rußland wohlwollende und fnevliche Beziehungen obwalten, bie zu sehr auf den belderseitigen Interessen beruhen, um leicht ourch die unsinni- 8en Phantastereien der mo-kowitischen Partei erschüttert zu werden. Die Freund- schäft zwischen Deutschland und Rußland wird aber dazu beitragen, auch bie Be- siehungen zwischen Oesterreich unb Rußland günstiger zu gestalten und dadurch ttne friedliche Entwicklung der orientalischen Frage vorzubereiten.

Von einem Bündniß nach Dem Muster der heiligen Alliance kann natürlich »icht die Rebe sein. Für eine Tenbenzpolittk fehlt jede Voraussetzung uno bei «llcn Eabtnetten ohne Ausnahme auch durchaus die Neigung. Die Melternich'jche

Tenbenzpolitik ist seit Gründung der großen Nationalstaaten Italien und Deutsch­land, seit ter Betheiligung der volksthümlichen Kräfte am Staatsleben im ganzen Curopfl ein für allemal überwundener Standpunkt; sie gehört zu den Tobten, die kaum noch als Gespenster wieberzukehren und die Lebenden zu erschrecken wagen.

n /~nfLa^nn. Deutschland ist stark genug, um in jeder Verbindung seine volle Selbstständigkeit zu behaupten, um in keiner seine Interessen berührenden An­gelegenheit die zweite Rolle zu spielen.

... Annäherung Deutschlands an Oesterreich in ganz Europa als ein

kräftiges Friedenshand gilt, hat die Presse fast aller Länder mit besonderer Ge- nngthuung hervorgehobcn. Europa wird uns aber auch die Anerkennung nicht vertagen .onnen, baß wir im Bewußtsein unfmr Kraft aufrichtig bemüht sind, den Frieden mit Frankreich zu befestigen und dadurch, so weit es in unserer Macht fleht, auch zu diesem Lande ein innerlich friedliches Verhältniß zu gewinnen. Mit vollem Recht hebt die Thronrede hervor, daß die Aufmerksamkeit Der Regierung Der Ausbildung und Befestigung des mit Frankreich neu geschloffenen Friedens gewidmet gewesen sei. Die Reichsregierung hat der französischen Regierung wieder­holt Beweise wohlwollenden Entgegenkommens und Vertrauens gegeben; sie hat keinen Zweifel darüber bestehen lassen, baß ihr jede Speculation auf die innere Zerrissenheit Frankreichs fern liege, daß sie vielmehr die Kräftigung der gegen- irartigen Regierung, die Wiederherstellung geordneter und fester Zustände in Frank­reich aufrichtig wünsche. Sie hat in allen späteren an den Friebensschluß sich ankuüpfenden Verhandlungen den Bedürsniffen Frankreichs und seiner Regierung in liberalster Weise Rechnung getragen und damit bewiesen, baß sie keinesweg- ge,onnen ist, unter Verfolgung ber altfranzösischen Maxime die eigene Stärke auf die Schwäche und Zersplitterung der Nachbaren zu begründen. Das deutsche Reich sucht die Bürgschaft für die Eonsolibirung des gejammten europäischen Systems ni$t in Der schwäche, sondern in der Kraft seiner Glieder. Damit weift es jede Eroberungspolitik von sich ab, damit macht es sich in Wahrheit zum Hort des

ar?1* sollte die Hoffnung so ganz utopisch sein, daß einst auch unser westlicher Nachbar dies anerkennen werdet

Darmstadt, 18. Oktober. Der Gemeinderath hat einen Antrag angenommen, ber bezweckt, bet Ver Regierung dahin zu wirken, daß die Gemeinden bei An- iteuung der Lehrer ein Präsentationsrecht erhalten, bei Aufstellung der Lections- plane zugezogeo werden und ber Ortsschulvorflanb von der Bürgerschaft gewählt und birect der Oberftuvienbirection untergeordnet werbe. Es hieße dies mehr ober weniger Euiancipation der Schule von der Kirche. Die Motion ist den Vorständen der größeren Städte des Großherzogthurns zu einem gleichen Vorgehen mitgetheilt worden. (F. I.)

Mainz, 18. Oktober. Wahrend die Arbeiter dtr Ludwigsbahn-Werkstätten in Folge Bewilligung ber lOstündigen Arbeitszeit und 25 pEt. Lohnerhöhung in ver Maschinen'Werkstätte morgen allgemein wieder bie Arbeiten aufnehmen werden, da die anderen Stellen durch Zuzug übersetzt werben konnten, bauert ber Stnke ver Lederfabrikarbeiter bis jetzt ^Abends) fort. Polizeimannschaft unb Genbarmerie- Piquets unb -Ronben scheinen imHeilig-Geist" unb einigen Wirthslocalen um Dtc Mayer-, Michel- unb Deninger'schen Fabriken sich aufhaltenden Arbeiter von neiteren tumultuarischen Schritten abgehalten zu haben. Die Inhaber Der Fabriken poben eine Lohnerhöhung von 10 pEt. bewilligt, übrigens erklärt, die Werkstätten für Jeden geschloffen zu halten, welcher ihre erweiterten Bedingungen nicht bis Ibeute Abend augenoinmen habe. Die Theilung der auf etwa 30,000 Gulden Kapital fundirteir Kranken- und Unterstützungskaffe bildete eine Der rundweg ab­geschlagenen Forderungen ber Fei.rnben ^meistens unverheiratheten) Arb.iter. Viele verheirathete Arbeiter dieser Fabriken haben nur unfreiwillig an dem Stnke Thkil genommen. Die Schreiner- und Zimmergesellen haben ihre Agitation auf bas nächste Frühjahr verschoben. Als Euriosum sei noch erwähnt, baß in dieser Be-