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PreiS 'oiermjthrtg 1 fL 12 fr. mit Brinqerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig > fl. 27 kr

Gießmer Anzeiger.

Erscheint täglich, mit Aus «ahme Montag-.

Expedition: Lanzleiberg Lit. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Areis Kichen.

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Ne. 22«. Freitag den 22. September 1871.

®=S" Einladung MN Abonnement

auf den

Gietzener Anzeiger.

Derselbe erscheint täglich, mit Ausnahme Montags, und beträgt der Abonnementspreis in der Stadt Gießen vierteljährlich 1 fl. 12 fr. frei in s Haus geliefert.

Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, das Blatt auch im IV. Quartal 1871 zusenden und den Abonnementsbetrag wie früher durch Quittung erheben lassen.

Diejenigen, welche den Anzeiger Abends bei der Erpedition abholen lassen, erhalten denselben zu 1 fl. pro Quartal.

Für alle außerhalb Gießen wohnenden Abonnenten beträgt der vierteljährige Abonnementspreis 1 fl. 27 fr. incl. Postaufschlags. Dieselben können nur bei der Post oder den Landpostboten abonniren. Damit wir nun in den Stand gesetzt sind, die Auflage des Blattes bestimmen zu fönnen, ersuchen wir Alle, welche auf den Gießener Anzeiger noch abonniren wollen, dies sofort jetzt bei der ihnen zunächst gelegenen Postanstalt oder den Landpostboten zu thun, da wir uns sonst nicht verbindlich machen fönnen, vollständige Exemplare zu liefern. Die Redaction.

Amtlicher Theil.

B e k a n n t m a ch u n q,

die gesetzlichen Forderungen an Studirende aus dem Sommer-Semester 1871.

Die in diesem Sommer entstandenen gesetzlichen Forderungen an StHirende müssen bis zum 29. d. Mts. mittelst spicifleirter Rechnungen zur Anzeige gebracht und längstens bis zum 11. November d. I. geltend gemacht h-vrden, widrigenfalls dieselben den ihnen durch Art. 136 der Statuten zu­gewiesenen Vorzug verlieren.

Gießen, den 1. September 1871. Großherzoglicheo Universitäts - Gericht.

H a b e r k o r n. (3722)

Politischer Theil

21. September.

j- Die katholische Partei, die soeben ihr großes Stelldichein zu Mainz mit einer großen Tafelei beschloß, bei der es an den herkömmlichen Trinksprüchen und Aaheiterungen nicht fehlte, entwickelt eine außerordentliche Thätigkeit in ganz Deutschland, und man darf sich leider nicht verhehlen, daß sie bei der zum großen Theil herrschenden Unzufriedenheit in den unteren Ständen nicht an Terrain ver­loren hat. Der Grund dieser nicht wegzuleugnenden Erscheinung ist natürlich nicht in der Anerkennung der von Rom ausgehenden und vom katholischen Cleruo energisch befürworteten geistlichen Lehren zu suchen, sondern in der Thatsache einer gsschloffcnen Opposition gegen die Regierungen und die nationale Partei. Der Militarismus und die thatsächliche Unterstützung desselben durch jene Partei bilden den Ausgangspunkt der Angriffe der klerikalen gegen die liberale Partei, womit sie die Massen zu ködern suchen. Daß die Ultrawontanen mit dieser Agitation Zwecke verfolgen, welche auf einem ganz anderen Gebiete als dem rein politischen zu suchen sind, ist selbstverständlich keinem unbefangenen Politiker verborgen, indessen handelt es sich für die extremen Parteien, die Radikalen, Socialisten und Parti- eularisten, nicht darum, di: Herrschaftsgelüste der Clerikale» zu bekämpfen, sondern sich der CentrumSfraction zur Bekämpfung des Scheinconstitutionalismus uno des flachen Liberalismus anzuschließen. Wer sich irgend auf das Wesen des Zeitgeistes versteht, kann sich durchaus nicht wundern, daß für die vermittelnden Parteien heutzutage die Chancen außerordentlich ungünstig liegen; die Gegensätze, Vie zwi­schen dem Militarismus und dem politischen Radikalismus einerseits und zwischen der Kapitalsmacht und den arbeitenden Klassen andererseits herrschen, haben sich seit Beendigung des letzten Krieges so geschärft, daß eine Versöhnung, eine Der- mittlung kaum denkbar ist. Diejenigen Politiker, welche sich gleichwohl versuchen, unterziehen sich einer sehr undankbaren Arbeit, denn die Massen, die für den ruhi­gen steten Fortschritt kein Verständniß haben, für Schlagwörter dagegen weit em­pfänglicher sind, betheiligen sich jetzt an den Kämpfen unseres öffentlichen Lebens in einer Weise, wie dies nie geschehen ist, seitdem wir tu die Arena veS Consti- tutionalmus eingetreten sind. Wer heute politische Erfolge erringen will, muß unbedingt mit den Müssen, mit den numerisch überwiegenden unteren Ständen rechnen. Will die liberale Partei nichi ganz und gar an Einfluß verlieren, so muß sie künftig eine andere Taktik befolgen, sie wird, da die politischen Fragen zum großen Theil durch die socialen abgelöst sind, ihre Aufmerksamkeit in weit höherem Maße als bisher den socialen Bestrebungen zuwenven müssen, oder sie wüßte denn ganz und gar in das Lager der Gouvernementalen übertreten. Letz­tere» wäre für sie der Todesstoß, das Beharren auf dem rein politischen Gebiete wäre aber auch nichts weiter wie der Scheintod.

t Mit dem nun zur Wahrheit gewordenen Projekt der St. Gotthardt- Eisenbahn, welches sich nach Bewältigung aller Schwierigkeiten bekanntlich dem Beginne seiner Ausführung naht, wird Deutschland in eminenter Weise befähigt, d:n französischen Verkehrslinien nach Ostasten auf alle Dauer dir wirksamste Con- cvrrenz und den Transitverkehr Englands, speeiell die Beförderung der britisch-

ostindischen UeberlandSpost für immer sich eigen zu machen. Die Kriegsereignisse sind hier Deutschland noch besonders zu statten gekommen; durch die Wieder­erwerbung von Elsaß-Lothringen dürfte es befähigt worden sein, einen Weg für die englisch-ostindische UeberlandSpost herzustellen, wie man keinen kürzeren für lange Zett auffinden wird. Zwischen Ostende und Brindisi, welche nunmehr von einer internationalen Commission als Ein- und Ausschiffungshäfen für die Ueber- landpost definitiv bestimmt sind, dürfte sich der kürzeste Weg über Brüssel, Namur, Luxemburg, Straßburg und Basel nach dem St. Gotthardt Herstellen lassen. Zwar bietet sich bereits bis an den Fuß des St. Gotthardt, bis Luzern am Vierwald­städter See, auf dieser Strecke ein ununterbrochener Schienenweg bar, doch würde, wie man an unterrichteter Stelle annimmt, derselbe zwischen Luxemburg und Straß­burg noch corrigirt und abgekürzt werden föi.nen, so namentlich durch den Bau einer direkten Bahn zwischen Metz und Straßburg, welche schon in der nächsten Zeit lediglich au» strategischen Gründen zur Ausführung kommen dürfte. Dieser neue, alsdann fast schnurgerade gelegte Weg von Ostende nach dem St. Gotthardt würde die beiden jetzt für Beförderung der UeberlandSpost sich darbietenden Wege über den Mont Cenis und über den Brenner weit hinter sich zurücklaffen.

Eine Generalvcrfügung des GeneralpostdirectorS instruirt die Postanstalten wiederholt, bei der Annahme von Packtten mit verschärfter Aufmerksamkeit darauf zu sehen, daß, wenn zur Signatur sogenannte Fahnen rc. zur Anwendung kommen, dieselben auch haltbar befestigt sind und daß im Allgemeinen die Sendungen deut­lich und dauerhaft möglichst per Adresse signirt sind. Unregelmäßigkeiten in Viesen Beziehungen, welche erfahrungsmäßig auf die Ordnung im Päckereibetriebe sehr störend wirken, müssen gegenwärtig um so mehr vermieden werden, als der beginnende lebhaftere Postverkehr eine besondere Sicherstellung nach allen Seiten hin dringend erfordert.

Bekanntlich sind von den Aufsichtsbehörden genaue Ermittelungen darüber angestellt, wie hoch sich die Zahl der von den Eiscnbahnverwaltungen bereits be­stellten und demnächst zur Ablieferung kommenden Güterwagen belaufen wirv. Nach der für die preußischen Bahnen angefertigten amtlichen Zusammenstellung be­läuft sich dieselbe auf nahezu 10,000 Güterwagen, welche bis zum 1. Aug. v. I. bereits in Bestellung gegeben und zum nicht geringen Theile bereits abgeliefert sind, während die durchschnittliche Mchrbeschaffung während der letzten zehn Jahre sich zwischen 4000 unv 5000 Güterwagen jährlich beläuft. Für Vie Staat-bahnen sinv noch weitere umfangreiche Beschaffungen cingeleitet. Wenn auch ver herrschende Wagenmangel auf den Eisenbahnen durch diese Maßregeln in beruhigender Weise beseitigt wird, so ist es doch nicht möglich, dem augenblicklichen Bedürfniß so schnell abzuhelfen, als es den Wünschen des Publikums entspricht.

Das Projekt in Betreff vcr Anlage VeS Nhei.i-Main-Kanals zwischen Frank- surt a. M. und Mainz hat eine Aenverung seit der Gründung eines deutschen Reiches dahin erfahren, daß der Kanal nicht mehr auf der rechten Seite vcs Mains, sondern auf der linken, also aus hessischem Gebiete, gebaut werden soll. Die Handelskammer zu Frankfurt a. M. hat diese Absicht dem Handelsministerium