J“ 6eflhiin
°*”9 t,
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hießen
Donnerstag dm 22. Juni
1871«
Wahlen werden dem Süden Frankreichs eine Gelegenheit geben, die Maske fallen
ein ausführliches Programm für eine communistifche Revolution vorgesunden, wcL
irt a. M.
ibemittelti
w
^poiheknische
tgelllich verübter.
v Hohler.
festhaltet im Geiste der Wahrheit, wie Ihr beharret in diesem Gehorsam gegen den Episcopat, der, in sich einig, auch Euch in der Einheit stärkt und Euch er» muthigt, der irregeleiteten Zeit entgegenzutreten. Beharret indessen in Gehorsam gegen Eure Vorgesetzten, da sie Euch nie etwas befehlen werden, was gegen den Glauben und die Religion ist, so wird jede Zwietracht fern von Euch bleiben. Bleibet Ihr folgsam dem Beispiele unserer Väter im Glauben, dann werdet Ihr stark durch die Gnade, die Ihr in der heiligen Firmung empfangen, als wackere Soldaten den Kamps des Herrn zu kämpfen. Für die Erhaltung dieser Gesinnung kräftige Euch der Segen des Stellvertreters Christi, den ich Euch ertheile, indem ich zu Gott flehe, daß er Euch fruchtbar mache an Frömmigkeit und Tugend. Dieser Segen geleite Euch in die Heimath, stärke Euch in der Todesstunde und führe Euch zu jener Freude, wo wir Alle einst ewig vereinigt sein werden."
In Oesterreich tritt die Reaction immer kecker auf. Die katholische Partei wirbt ganz offen für die Wiederherstellung der weltlichen Gewalt des PapstthumS (ganz ebenso wie bei uns tn Deutschland) und dringt aus die Beseitigung veS Grasen Beust, der ein intimes Verhältniß Italiens zu Oesterreich als ein wesentliches Erforderniß für die auswärtige Politik der österreichisch-ungarischen Monarchie betrachtet, was jedoch den Feudalen sowohl wie den Katholiken etwas nebelhaft
Erscheint täglich, mit Au^ nähme MontagS.
Expedition: Canzletberx Lit. B. Nr. 1.
vorzukommen scheint. In jedem Falle hat Gras Beust in den entscheidenden Kreisen schon jetzt bedeutend an Autorität und Einfluß verloren.
Der Berichterstatter der „Times" in Paris bringt einen ungemein inter» cffanten Brief über Frankreichs Aussichten für die nächste Zukunft, aus welchem wir ohne weitere Einleitung das Folgende im Auszuge mittheilen:
So ganz befriedigend ist der Zustand von Paris keineswegs; denn die Anhänger der Commune kommen wieder zu Athem; sie erholen sich von der Panique ihrer Niederlage und gewinnen wieder frischen Muth — nicht als ob eine neue Schilderhcbung möglich wäre, aber sie sangen an, geheime Zusammenkünfte zu orgauisiren, um über die Lage der Dinge zu berathen, um Manifeste zu erlassen, um im Süden Frankreichs zu agitiren, und kurz, um uns von einer Tyatsache zu überzeugen, an welcher wir bereits zu zweifeln anfingen -- daß sie noch immer existiren. Der Belagerungszustand, welcher gestern bereits hätte aufgehoben werden sollen, besteht noch immer fort, Schildwachen und Patrouillen sind zahlreicher denn je; gestern wurde ein neues Decret mit Bezug auf Revolver und auf Petroleum erlassen; täglich noch werden Dorräthe von Brennmaterialien und Zerstörungswerkzeug aller Art tn den Abzugscanälen gefunden, und allen Anzeichen • " f Die bevorstehenden
publik.
Eine Privatdepesche der Berliner „Germania" vom 16. bringt folgende wörtliche Ansprache der Papste« an die deutsche Deputation: „Bevor ich Euch entlasse, will ich einige Worte an Euch richten, und zwar in italienischer Sprache, denn Deutsch verstehe ich nicht, und Lateinisch oder Französisch würde doch einem
Derselbe erscheint täglich, mit Ausnahme Montags, und beträgt der Abonnementspreis in der Stadt Gießen vierteljährlich 1 fl 12 fr. frei in s Haus geliefert.
Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, das Blatt auch im III. Quartal 1871 zusenden und den Abonnementsbctrag wie früher durch Quittung erheben lassen.
Diejenigen, welche den Alizeiger Abends bei der Expedition abholen lassen, erhalten denselben zu 1 fl. pro Quartal.
Für alle außerhalb Gießen wohnenden Abonnenten beträgt der vierteljährige Abonncmentspreis 1 fl. 27 fr. incl. Postaufschlags. Dieselben fönnen nur bei der Post oder den Landpostboten abonniren. Damit wir nun in den Stand gesetzt sind, die Auflage des Blattes bestimmen zu fönnen, ersuchen wir Alle, welche aus den Gießener Anzeiger noch abonniren wollen, dies sofort jetzt bei der ihnen zunächst qeleqencn Postanstalt oder den Landpostboten zu thun, da wir uns sonst nicht verbindlich machen fönnen, vollständige Exemplare zu liefern Die Redaction.
»gtt.
lernet (Jo>
lhtki (ohne sibesttllgeld
initunß i"
mrt- $* au5 aö<"
,l(itt *
PrciS Liecteljährtg 1 fl. 12 kr mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 fr.
Bekanntmachun g.
Die Viehprcisvertheilungen betreffend.
Der Unterzeichnete macht die Aussteller von Vieh nochmals besonders darauf aufmerksam, daß die Musterung durch die Experten an den Tagen der Viehpreisver- tbeilunaen Vormittags 8 Uhr beginnt, weßhalb sämmtliches Vieh, welches um einen Preis concurriren soll, bis zu dieser Stunde auf dem Festplatz aufgetneben sem muß.
Laubach, den 17. Juni 1871. Der Präsident des landwirthschafllichen Vereins von Oberhessen:
Otto, Graf zu Sölms-Laubach.
©ar Einladung pun Abonnement
auf den
Ne. 112.
121. Juni.
•J- Uebcr die Berechnung der Dienstzeit der an dem Kriege gegen Frankreich Theil genommenen Mannschaften bei ihrer Pensionirung sind nachstehende Bestimmungen ergangen: Denjenigen Betheiligten, welche in jedem der beiden Jahre 1870 und 1871 an einer Schlacht, einem Gefecht resp einer Belagerung Theil genommen, oder welche je zwei Monate aus dienstlicher Veranlassung in Frankreich zugebracht haben, kommen zwei KriegSjahre in Anrechnung. Denjenigen dagegen, welche diese Bedingungen nur in einem der Jahre 1870 oder 1871 erfüllt, sowie Denjenigen, welche, ohne an einem Kampfe Theil zu nehmen, nur in beiden Jahren zusammen zwei Monate fortlaufender Zeit aus dienstlicher Veranlassung in Frankreich zugebracht haben, ist nur ein Kriegsjahr tn Anrechnung zu bringen. Die Anrechnung des Jahres 1871 als Kriegsjahr für Diejenigen, welche in diesem Jahre nicht an einem Kampfe bethetligt gewesen, findet jedoch überhaupt nur tn dem Falle statt, wenn die Betreffenden bis zum 2. März d. I. mindestens zwei Monate aus dienstlicher Veranlassung in Fsankreich anwesend waren.
-j- Der Oberst Graf Waldersee, der bisherige Mllitärbevollmächtigte Preußens am Tuilerienhofe, ist jetzt nach Paris abgereist, um dort als charges d’alFaires des deutschen Reichs zu figuriren; eine regelmäßige Vertretung Deutschlands tu Paris soll erst nach der vollständigen Rückkehr unserer Truppen aus Frankreich eingerichtet werden. In unseren gouvernementalen Kreisen lebt man stärker als je der Meinung, daß die republikanische StaatSsorm von der Versailler National Versammlung noch längere Zeit wird aufrecht erhalten bleiben, und zwar so lange, bis die Orleans so weit Terrain gewonnen haben, daß sie offen mit ihren Plänen hervortreten und dieselben verwirkltchen können. Daß der Chef der französischen Executive, Herr ThierS, die Orleans entschieden begünstigt, liegt trotz aller ent- gegenstehenden Behauptungen klar auf der Hand, auch glaubt man schon jetzt nicht mehr, daß der Widerstand der großen Städte gegen die Beseitigung der Republik zu einer Revolte oder zum Bürgerkriege führen werde, denn die Bevölkerung ganz Frankreichs, mit Ausnahme derjenigen von Paris, ist ganz unleugbar der Wiedereinsetzung der Monarchie viel günstiger gestimmt, als der Beibehaltung der Re-
> 0 e s- ?’
fljfr n-'p
J"'eiT' Äci« 'n 7?^
nro&tn Td-ile von Euch ebenfalls unverständlich sein. War ich sagt, soll Euch gemäß glimmt da« Feuer noch Immer unter der r.schc ort. für die -zukunft stärken, Euch dienen und Euch stet« Gott empfehlen. Denn e« Wahlen werden dem Süden Frankreich« eine Gelegenheit ßi ist mir fürwahr ein großer Trost, wenn so viele brave Katholiken au« allen Theilen zu lassen, und c« müßte mit sonderbaren Dingen zugehen, wenn sie ohne Störungen Deutschland«, so viele treue Töchter sich zu den Füßen de« Statthalter« Ehristi verliefen. Bei einem in Lyon verhafteten ondividuum wurde vor einigen Tagen hinbegeben, um den Ausdruck ihrer Liebe und die Gaben ihrer Anhänglichkeit ein ausführliche« Programm für eine eommunPtsche Revolution »orgesunden, wel- niederzulegen. Gott vergelte Euch diese Gesinnung, die um so verdienstliche., al« chc« in drei Abtheilungen zerfallt: 1) Für die Bildung eine« gehe men Woa fahri«. Ihr unter so schwierigen Verhältnissen lebt, vielfach zerstreut unter Leuten, welche ansschuffe«; 2) für die Bildung eine« «en ralau«schuffe« der N-tion-Igarde (man nicht denselben Glauben mit Euch bekennen. Da« macht er Euch mehr al« Andern muß bedenken, daß die Regierung e« noch mmer nicht tl'wagthat, die Aationa - schwer, offen und frei für Euren Glauben einzutretin. Aber ich weiß, wie Ihr garde von Lyon zu entwaffnen, und daß diese setzt die gefährlichste Waffengewalt
ivie burtb die I t BiUigkt.it *
Rotten Aal«-. U'l'nen Jbflltr. ■fn usid billige ^?'Ngungtki.-I eiWerung unittj
Ermittelung v« n Gießen, nftobt.
ii Gch.
Wr.


