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PreiS vtertUjührig 1 ft 12 fr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 fr.

Erscheint täglich, mit Aus­nahme Montags.

Expedition: Canzleiberg 9lt B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kietzen.

Nr. $8 Dienstag den 12. März a Ä*871.

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BestciLnttgen auf Scu GieGeuer Anzeigen bei allen Post-Expeditionen un^ den Land-Postboten entgegen genommen.

Amtlicher T h e i L

Gießen, am 17. Mar) 1871.

Betreffend. Das Bundesgesetzblatt des Deutschen Bundes.

Das G r o IM) r r $ o ij H ch c K reis a mt G l e l) e n

an dir Groh>irr)0! l'chen Bürge,mristrrri n drs Kreifrs.

Wir sind veranlaßt, Sie auf den Artikel 2 der Verfassungsurkunde des Deutschen Reiches besonders aufmerksam zu machen. Nach diesem Artikel erhalten die Bundesgesetze ihre verbindliche Kraft durch ihre Verkündigung von Bundeswegen im Bundesgesetzblatt. Sofern nicht in dem publicirten Gesetze ein anderer Anfangstermin seiner verbindlichen Kraft bestimmt ist, beginnt die letztere mit dem vierzehnten Tage nach dem Ablauf desjenigen Tages, an welchem das betreffende Stück des Bundesgesetzblattes in Berlin ausgegebcn worden ist.

Ein nochmaliger Abdruck der Bundesgesetze im Regierungsblatt wird für die Regel nicht stattfinden.

Zugleich empfehlen wir Ihnen, nicht gelieferte Nummern des Bundesgesetzblattes bei der Postexpedition Ihres Bezirks sofort zu reclamiren und nach dem Schlüsse eines jeden Kalenderjahres das Bundesgesetzblatt, sobald das dazu gehörige Register eingctroffen ist, einbinden zu lassen.

v. Starck.

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Politisch

Deutsch und Französisch. Al- Frankreich ren Krieg gegen Deutsch land eröffnete, berief sich Kauet Lome Napoleon auf die angebliche Mission der Franzosen, an der Spitze der EiviUfation zu marschiren und zur Erfüllung de Mission halte er die bestialischen Horden der afrikanisch n Wüsten berufen.

Napoleon hat f<;ne Miision verfehlt; die R.publk ist proclamirt worden aber diese Staatsform, welche nach den Versicherungen aller Propheten der Frei beiis- und Frudenel gue dazu ausersehen fein soll, d,n ewigen Frieden aus doe Princip der Volker-Verbrüderung zu gründen, beginnt tnmit : den Racckrteg zu organisiren.

Tod und Verderben allen Deutschen! ist die Lotung für ganz Paris und für einen großen Theil der Franzosen, ohne baß selbst die unständigeren Or­gane der öffenil'chen Meinung den Muth'zeigten, die brutalen Ausschweifungen dis Pöbels zu brandwarken oder gegen die Hetzereien der Demagogie Einfache zu thun.

ES ist ein trauriges Schauspiel, welches die Franzosen uns auch in dieser Beziehung Verbieten und kann wohl nchl dazu dienen, sie in der Achtung der gebildeten Welt zu rchabilitiren.

Gewiß hinterläßt jeder Krieg tiefe Spuren in den Gemüthern und die durck die Kampfksleitenschaft angeregten Schwingungen vibriren fort in den Herz'n der Sieger wie der Besiegten.

Als unsere Väter aus den Freiheitskriegen heimkehrten, brachten sie einen tiefen Ingrimm gegen alleswälsche Wesen" mit, welches sich bis zur Earrica- tur verirrte und leider auch von der politischen Reoclion ausgebeutet wurde. Wir wollen n cht auf die sittlichen Gründe der damaligen Volkc-stimmung in Deutschland tiefer eingehen; gewiß -aber wirkte auf dieselbe auch die Mißstim mung ein, welche die ungenügende Erfüllung berechtigter, durch äußerste Opser und große Siege bestätigter Ansprüche erzeugte.

Uno wenn heut die Stimmung in Deutschland ganz anderer Art ist, wenn wir von dem besiegten Feinte zwar nicht mit Händedruck scheiden, aber auch ohne krampfhafte Erregung, sondern mit dem männlichen Gleichmuth, welcher aus der erprobten Schatzung der beiderseitigen Machtoerhältnisse entspringt, so findet diese Stimmung ihre Befestigung in der Gewißheit, daß wir nicht vergeb lich den hart n Kamps durchgefochten haben.

Wir haben nicht für unklare Ideale gestritten; das politische Bewußtsein ist mit der Arbeit ter Waffen Hand in Hand gegangen und der Friede ist nach Maßgabe unserer wohlverstantenen Interessen abgeschlossen worden.

Wir haben daher, soweit es anging, die nationale Empfindlichkeit der Franzosen schonen können; je kräftiger unser Selbstbcwußtsein, um so leichter tourte es sich mit dem Paroxismus verletzter Eitelkeit abfinden können und sich mit mitleidigem Lächeln begnügen, wenn tue Franzosen sich durch üble Nachrede an uns zu rächen suchten.

Aber Vie Franzosen begnügen sich nicht damit, uns zu verläumdcn und sich selber zu belügen; sie gben sich einer in bübische Feindseligkeit übergehenden Leidenschaft hin, für deren Erklärung unsere Kaltblütigkeit nicht ausreicht und deren Duldung uns übel anstehen würde.

Möglich, daß, nachdem den Franzosen der gewaltige Unterschied zwischen deutscher und französischer Nationalkraft in das Bewußtsein eingedrungen ist, die Beschämung der französischen Eitelkeit die Natur des Hasses annehmen kann und angenommen hat es ist für den Sieger schwer, sich völlig in die Seele des Besiegten hineinzudenken aber der tiefste Ingrimm sollte nicht bis zu dem Grade der Verrücktheit gehen, von welcher die Franzosen jetzt befallen sind, indem sie dem internationalen Verkehr zweier Völker ein Ende machen, und sie Frank reich vor jeder friedlichen Berührung mit Deutschland absperren möchten.

Kann aber der Wahnsinn fo weit gehen, so fordert er auch die Remedur heraus und um so schlimmer für die Franzosen, daß sie die Pflicht zu dieser ÜlimtDur derselben Macht auferlegen, unter deren Streichen sie so eben noch er-

er Theil.

lagen und deren starke Hand noch immer drohend über ihre Häupter sich aus- strcckt.

Zwar das deutsche Reich, welches wir wieder aukgerichtet haben, ist nicht das weilandRömische Reich deutscher Nation" ober cs ist mächtiger, als jene» war und jeder deutsche Bürger hat sich das Recht erstritten, überall mit dem­selben nationalen Sechstbewußtsein auftreten und die schuldige Achtung vor seiner Nationalität fordern zu dürfen, welche einst der Romer mit seinem: civis ro- manus sum in Anspruch nahm.

Die Franzosen haben den zweideutigen Anspruch auf ihren civilisatorischen Beruf im Kriege schlecht girechtfirtigt und schicken sich an, denselben durch heim­tückischen Raeenkampf im Frieden gründlich zu compromittiren doch das ist ihre Sache; Deutschlands Pflicht aber wird es sein, über die Beobachtung inter­nationaler Pflichten zu wachen und das in den Franzosen erloschene Bewußtsein des Rechts durch stramme Handhabung der Gerechtigkeit zu schärfen.

Die europäische Presse beschäftigt sich momentan sehr lebhaft mit dem Schicksal der neuen Provinzen, die als Re'cheland unmittelbar unter die Autorität des Kaisers gestellt werden sollen. Alles, was darüber berichtet wird, gehört zum größten Theile in das Gebiet mehr oder weniger glücklicher Eombin.rtionen; sicher ist bis jetzt nur, daß zunächst ein Provisorium stattfinden wird, dem allerdings in vielleicht schon kurzer Frist das Definitivum folgen kann. Für jetzt und die nächste Zeit wird weder eine Territorialvertretung noch eine ReichScertretung für Elsciß- Lothr ngen etabhrt werden; in wie weit aber eine Recrutirung in den neuen Van- destheilen schon jetzt zulässig erscheint, darüber wird der Reichstag in Gemeinschaft mit der Bundesregierung entscheiden.

Die Ergebnisse der PontuSconserenz werden überall in einem dem Frieden günstigen Sinne geleulet. Daß Rußland das Recht wiedererhalten, an seinen eigenen Küsten Hälen anzulegen, und in letzteren eine unbeschränkte Zahl Kriegs­schiffe zu halten, wird keine Gefahr für den Orient und Europa werden, da auch der Türket das Recht wiedergegeben, den Kriegsschiffen befreundeter Mächte den Bosporus und die Dardanellen zu öffnen. Es ist vielmehr durch die Aufh'bung der Bestimmungen des Pariser Friedens von 1856 aus dem Völkerrecht eine Anomalie beseitigt, welche einen möglichen Anlaß zu einer Friedensstörung von Seiten Rußlands geben konnte. Rußland würde es nun schwer werden, nach einem neuen Vorwande zu suchen, um einen Eonflict mit der Türkei heraufzu­beschwören, in welchem es seine Pläne gegen den Orient verwirklichen möchte. Auch wird bis dahin Deutschland eine solche Macht erlangt haben, daß es eine ebenso wirksame Schranke gegen ehrgeizige Pläne im Osten wie im Westen werden wird. Englands und Oesterreichs Ansehen hat freilich durch die PontuSconserenz eine Einbuße erlitten, indessen kann die Schwächung dieser beiden Mächte, nament­lich der letzteren, nur im Interesse Deutschlands liegen, seitdem es kaum noch einem Zweifel unterworfen sein kann, daß Oesterreich seiner traditionellen deutsch- freundlichen Politik nicht entsagt bat.

A « S dem Felde.

DerStaatsanzeiger" bringt über den sieb.»monatlichen Verlauf des nun beendeten Krieges eine Zusammenstellung verschiedener militänsch-statistischer Daten, welche nicht ohne Interesse sind. Dieselbe lautet:

Der Krieg wurde am 19. Juli 1870 von Paris aus erklärt, am 28. Jan. 1871 durch die Eap'tulation von Paris auf den meisten seiner Schauplätze, am 16. Februar auch für das letzte der KriegStheater beendet; er hat somit eine Dauer von im Ganzen 210 Tagen gehabt.

In d-n ersten Tagen dieses Zeitraumes, nämlich bis zum 26. Juli, wurde die Mobilmachung der gesammten norddeutschen Armeen, in derselben Zeit auch