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Allem auSzustatten, was sie für tüchtige Leistungen nöthig hat, hat die Regierung den Ständen eine Vorlage unterbreitet, welche für das demnächst beginnende Herbst- semester einen weiteren Nachtragcredit von 13,500 fl. beansprucht. Diese Summe soll dazu dienen, um die bereits theilweise eingeleiteten Verhandlungen wegen Berufung neuer Lehrer, wenigstens in der Hauptsache, zu Ende zu führen und außerdem der Schule die nothigen Lehrmittel zu sichern. Insbesondere ist eine Ergän- zung des Lehrkörpers bezüglich der allgemeinen Schule in Aussicht genommen. Da der in Rede stehende Gegenstand seiner Natur nach sehr dringlich ist, wird der Finanzausschuß in den nächsten Tagen hierüber in Berathung treten. (F.I.)
Frankfurt, 17. Juli. Am Samstag kam hier ein Zug der Neckarbahn mit 11 Millionen Francs aus Straßburg an, welche auf die hiesige Kreiskaffe gefahren wurden. Zwei kräftige Einzelner-Gäule genügten jedesmal, eine Million fcrtzu- fahren. Bei der Ankunft wurde hier der Abgang eines Sackes mit 10,000 Frcs. entdeckt, während aus anderen Säcken zusammen 2000 FrcS. fehlten. Ueber den Verbleib des Geldes ist bis jetzt noch nichts ermittelt.
Ems, 15. Juli. Der Kronprinz Friedrich Wilhelm wird aus seiner Rückreise von München EmS berühren und zur Begrüßung seines VaterS, des Kaisers Wilhelm, Dienstag, 18. I. M., Abends hier eintreffen. Mittwoch, 19. Juli, wird der Kronprinz hier und in Coblenz zubringen. Seit Mittwoch befindet sich auch ein ägyptischer Prinz hier: Halim Pascha, dec Oheim des Khedive. In der Be- gleitung des Letzteren befindet sich auch eine ägyptische Prinzessin, die Tochter Halim's, und außerdem ein Gefolge von 10 bis 12 Personen.
Berlin, 15. Juli. Einen hohen Grad von Unduldsamkeit und kaum zu begreifender Engherzigkeit legt der Senat der Berliner Universität an den Tag. Bei Beginn des Krieges wurde laut Senatsbeschluß allen denjenigen bei der hiesigen Universität immatrikulirien Studenten das Academische Bürgerrecht entzogen, deren Aufenthaltsorte nicht ermittelt werden konnte. Die Liebe zum Vaterlande hat die meisten dieser quasi steckbrieflich verfolgten Musensöhne das Cerevis mit der Pickelhaube vertauschen lassen und das Decret des noch mit einem ellenlangen Zopf behafteten UiiversilätSsenats in Vergessenheit gebracht. Jetzt nach Beendigung des Krieges haben sich die meisten dieser Verschollenen beim Senat wieder gemeldet, aber das Strafverdict besteht noch immer in altem Glanze! Die beiden Semester, welche diese jungen Männer dem Vaterlanve zum Opfer gebracht haben und die ihnen von weiten des patriotischen Rectors nicht angerechnet werden, sind noch nicht genug; der Senat möchte in edler Spekulation daraus noch einen Profit für das UniversitätSsäckel ziehen, etwa in Gestalt einer neuen Immatrikulation, der sich die lorbeergeschmückten VaterlandSvertheidiger zu unterwerfen haben. — Cs erben sich Gesetz und Rechte wie eine ewige Krankheit fort; Vernunft wird Unsinn, Wohlthat Plage!
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Dresden, 17. Juli. Der Kronprinz von Sachsen erhielt von dem Kaiser von Rußland ein Telegramm, in welchem ihn der Kaiser zum russischen Feldmar- schall ernennt.
Gumbinnen, 17. Juli. Amtlich wird bekannt gemacht, daß die Cholera in Wikowysczki (russisch Polen, Gouvernement Angostowo) auSgebrochen ist und in wenigen Tagen 34 Opfer forderte. In Wilna herrscht die Krankheit bereits über 4 Wochen, in welchen täglich 10 Todesfälle vorkamen. Die Verbreitung der Krankheit geschah von Wirballen aus.
Agram, 15. Juli. In Pakrac (Slavonien) ist ein großer Conflict zwischen dem Landvolk und der Ftnanzwache wegen unbefugten Tabakbaues ausgebrochen. Ein Respicient und ein Finanzwachmann wurden schwer verwundet, zwei Landleute getödtet. Die Untersuchung ist im Zuge. (Pr.)
Paris, 15. Juli. Der Hang des Parisers zu abenteuerlichen Unterstellungen verläugnet sich bei keiner Gelegenheit. Die unsinnigste Interpretation eines Räthsels findet stets die liebevollste Aufnahme. Diese Charactereigenthümlichkeit der Metropole bewährte sich beim Ausbruche der gestrigen Katastrophe im Fort Vincennes auf's Ueberraschendste. Man erzählte sich in den östlichen Stadtvierteln, die preußische Garnison von St. Denis habe die französischen Truppen von Vincennes meuchlings überfallen; eine blutige Schlacht sei im Gange; der Gouverneur von Paris eile den Angegriffenen mit 50,000 Mann zu Hilfe; der Frankfurter Friedens- vertrag fei ein für alle Mal zerrissen: die förmliche Kriegserklärung werde noch vor Abend erfolgen u. s. w. Kurz, es herrschte eine allgemeine Panik vor den „verrätherischen Barbaren"; die Stimmen der vernünftiger Urtheilenden wurden nicht gehört; alle gesunde Logik schien über Bord geworfen. Der electrische Draht wird Ihnen inzwischen den wahren Sachverhalt gemeldet haben. Der Umfang der Beschädigungen, sowie die Zahl der Opfer läßt sich zur Stunde kaum absehen. Erwähnen möchte ich an dieser Stelle eine Thatsache, die von der fran- zösischen Presse höchst wahrscheinlich in gewohnter Weise verdreht werden wird. G*gen 4 Uhr eilten einige bayerische Militärärzte in Uniform herzu, um den Ver- wundeten Hilfe angedeihen zu lassen. Anstatt die humanen Absichten der Aerzte bereitwilligst gutzuheißen, begann der Pöbel die „Eindringlinge" alsbald zu insul- tiren und schließlich nach der Wache zu schleppen, wo sie eingesperrt wurden. Die Boulevardblätter werden natürlich die unsinnige Behauptung aufstellen, die „Prus- siens" (auch die Bayern sind „PrussienS") hätten die Volksmenge mit Revolvern attakirt, oder was sonst die erfinderische Phantasie sensationslüsterner Federn aushecken mag. Diesen Finesien sei hierdurch vorgebeugt. — Ein charakteristischer Zug französischen NationalhumorS: Im Quartier Latin haben die Buchhändler eine neue Karte von Frankreich ausgehängt. Dieselbe zeigt die neukn Grenzen an, zählt aber gleichwohl die verlorenen Departements zum französischen Territorium. Diese Kühnheit ist,durch folgende Anmerkung gerechtfertigt: „Frankreich hat durch den Frankfurter Frieden etwa drei Departements mit 1,600,000 Seelen verloren. Da dieser durch den monströsesten Mißbrauch der Gewalt herbeigeführte Znstand nur von ganz vorübergehendem Character sein kann, so behalten wir die alte Zahl der Departements bei, — nicht aufhörend, das Geraubte zurückzufordern. Der Rhein ist und bleibt also ein französischer Fluß, trotz aller monströsen Gewali- thaten der deutschen Armeen. (F.I.)
Paris, 17. Juli. Die Zahlung der ersten halben Milliarde hat noch nicht beendigt werden können in Folge der materiellen Schwierigkeiten, welche mit dem Endossement der Wechsel verbunden sind. Die Preußen werden die Departements Eure, Somme und Seine inferieure räumen, sobald die Zahlung beendigt ist. Man versichert, die Regierung werde Maßregeln zur Zahlung der folgenden Mil- liarden treffen, um die Räumung der übrigen Departements zu beschleunigen.
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Berlin, 17. Juli. Die „Nordd. Allg. Ztg." bespricht in einem Leitartikel die Haltung des deutschen Episkopats bei dem Concil und erwähnt, der Episkopat wisse, daß es durch die schroffe Anwendung des neuen Dogmas die Regierungen in einen Conflict hineintreibe. Der Staat solle nicht in das Glaubens- gebiet übergreifen, andererseits müsse aber die Kirche die Grenzlinie respectiren, welche sie vom Staate trennt. Die Uebergriffe in die Staatsgewalt, welche das Unfehlbarkeitsdogma veranlaßt, müssen von der Staatsgewalt zurückgewiesen werden. So entstehe der Conflict, aber es sei keine Rede von einer Verfolgung der Kirche, im Gegentheil sei der Staat durch das neue Dogma bedrängt und zur Abwehr gezwungen.
München, 16. Juli, 1 !/2 Uhr. Nach einer auf dem Oberwiesenfeld stattgehabten Parade ist soeben unter Kanonendonner und Glockengeläute der Truppeneinzug beim schönsten Wetter und unter dem unbeschreiblichen Jubel der Bevölkerung programmgemäß erfolgt.
München, 16. Juli. Nach der vom Könige abgenommenen Parade überreichte der Kronprinz von Preußen an einen Hauptmann (v. d. Tann) und fünf Offiziere Namens des Kaisers das eiserne Kreuz erster Klaffe. Am Siegcsthor hielt der Bürgermeister Erhardt an den König und den Kronprinzen Ansprachen. Nach Beendigung des Einzugs fand in der Residenz Militärbankett statt. Der Toast des Königs auf die siegreiche Armee und deren Führer wurde vom Kronprinzen in längerer, mit allgemeiner Begeisterung aufgenommener Rede mit einem Toast auf den König von Bayern erwidert. In der Theatervorstellung kam es u wiederholten stürmischen Ovationen für den König und den Kronprinzen. Bei >er Hinweisung des Prologs auf die Hoffnungen, welche das Reich auf König -Udwig und Kronprinz Friedrich Wilhelm setze, reichte der König stehend und Angesichts des Publikums dem Kronprinzen die Rechte und nicht enden wollender )ubel erfüllte das Haus. Die Illumination der Stadt ist die glänzendste, die Machen je gesehen. Kein Haus ist unbeleuchtet. Um 10i/2 Uhr durchfuhr der ^>of mit dem Kronprinzen und dessen Begleitung die Stadt. Hierbei, wie überhaupt, rief das Erscheinen des Kronprinzen die allgemeinste Theilnahme des überaus zahlreichen, aus allen Landestheilen zusammengeströmten Publikums hervor.
München, 16. Juli. Heute, am Tage des festlichen Einzuges der aus dem selbe heimkehrenden Truppen, richtet der König im Eingang eines Armeebefehls, welcher zahlreiche Ordensverleihungen und Belobungen für die siegreiche Armee ringt, nach der „Allg. Ztg." nachfolgende Ansprache an dieselbe:
„An mein Heer! Der gewaltige, Deutschland aufgezwungene Krieg ist be- ndet, auch Bayern zu unvergänglichem Ruhm. Meinem tapfern Heere gebührt in reiches Maß an den Ehren dieses Kriegs, ohnegleichen in der Geschichte Deutsch- rnds. Mit dessen wichtigsten Kämpfen und Belagerungen verflochten, glänzt in rster Linie auch der bayerische Name an den Tagen mächtiger Entscheidung. Weißen- urg und Wörth, Beaumont und Sedan, die Gefechte von Plessis - Piquet und »chatillon vor Paris, die Feldschlachten bei Orleans und in den'Ebenen der Loire
nnt> ebensoviele herrliche Denkmäler des bayerischen Waffenruhms. Doch uch alle, denen nicht gleich ihren glücklicheren Waffenbrüdern im Kampfe zu siegen ergonnt war, die Truppen, welchen der mühevolle Schutz der Verbindungen des )eers und des besetzten feindlichen Gebiets oblag, wie jene, welche die Deckung er eigenen Festungen und die Pflicht steter Sorgfalt für die Neukräftigung der Vlwathlande rurückhielt - auch sie haben mit pflichttreuer Thätig- . J? J ,uJ9Abe erfüllt. Mit stolzer Freude spreche ich denn heute von Neuem < . . ... " 9 Dank aus meinem gesammten treuen Heere, sowie Allen, deren )a notlSmus in liebevoller Sorge für die leidenden Opfer des Kriegs sich be- Ä E ^bgtem Herzen gedenke ich am heutigen Tage dieser Opfer, deren Zlut dem Wohle des Vaterlandes floß, der schmerzlichen Wunden, die der Krieg. Mlagen. jn das Hochgefühl wohlbegründelen Triumphes mischt sich die Trauer :
Vermischtes.
* Berlin, 15. Juli. Eine heitere Episode von ernster Stätte. Einen un- gelecktecen Angeklagten hat die verhäiignißvolle Schranke des hiesigen CriminalgerichtS seit ihrem Ausrichten noch nicht gesehen, wie den Kornträger Fuhrmann, der sich heute nebst seinem Freunde Engel auf eine Anklage wegen Mißhandlung verantworten sollte. Schon die Physiognomie deS Zuschauerraums ließ etwas Außerordentliches erwarten; sonst fast ganz verödet, war er heute bis auf den letzten Platz mit den breitschultrigen Sackträgern von der Getreidebörse gefüllt. Schlag 11 Uhr erschien Fuhrmann, augenscheinlich stark angeheitert, im Vorzimmer des Gerichtssaales, die Vorladung wie eine Stegestrophäe in der Luft schwenkend: „Juten Dag, hier bin ick, tck soll hier wat auSjefceffen haben; aber man fir, ick verlange meine Stunden!" — Ein Beamter in Civil fragt ihn, in welcher Sache er vorgeladen sei. „Ach wat, Sie! Sie können mir doch nischt sagen, Sie haben ja nich mal 'nen Orden! Aber man fir, ick verlange meine Stunden!" Trotz seiner Eile muß Fuhrmann bis 1 Uhr warten, ehe die Anklagebank für ihn und seinen nicht weniger beschwipten Freund Engel leer wird, mit einem schallenden „Juten Morsen, Herr Staatsanwalt!" tritt ec in den Saal. — Es sollen die Personalien der Angeklagten festgestellt werden. „Det wissen Sie ja allens, wie ick heeße, antwortet Fuhrmann, dtzt steht allenS in de Akten!" — Sie sind Kornträger? „Nee, blos Arbeeter, nich veredigt." — Sie sind mehrmals wegen Vermögenöbeschadigung, Körperverletzung und Diebstahls bestraft. „Erlooben Sie mal, Herr JerichtShof, det jeht Ihnen jar nischt an, det iS jar nich nöthig, det hier'n Jeder hört, wat ick schon abjemacht habe; hier handelt et sich um 'ne janz andre Sache, bloS um 'ne Keilerei!" — Der Vorsitzende sucht den Angeklagten zu beruhigen; dieser geräth aber immer mehr in Aufregung. „Ach wat, erlooben Sie mal, hier iS jar nischt zu erlooben, wenn Sie mir hier wieder allenS verschmeißen wollen: ick habe ooch Jefühl, um det laß ick mir nich gefallen, un wenn Sie mir jleich wieder in de „Jke" (daS Gefängniß) spunnen. — Der Gerichtsdiener will den Angeklagten besänftigen. „Sie, verstehn Sie, kommen Sie nich zu dichte ran, sonst jibt et wat raus! Seit 66 hab ick keenen Diebstahl mehr jemacht, also braucht det ooch Keener zu wissen." — Es wird die Anklage verlesen, welche Engel und Fuhrmann beschuldigt, den Schankwirth Föllner vorsätzlich mißhandelt zu haben. Fuhrmann will seinen Freund Engel vertheidigen, weil dieser sich nickt mit Redensarten behelfen könne; als ihm dies untersagt wird, legt Engel selber einen recht artigen Zungenschlag an den Tag. Seiner Ansicht nach ist die Anklage ein kolossales Lügengewebe. Sie Beide seien in FöllnerS Keller gekommen, hätten dort einen Schnaps getrunken, seien mit Föllner in Wortwechsel gerathen und im Verlauf desselben mit einem Revolver bedroht worden. „Et war soon franzeescher, von de Annerion," ergänzt Fuhrmann mit entsprechender Geste. „Na und schießen wer' ick mir doch nich lassen, fährt Engel fort, und da habe ick soone Handbewe-' jung gemacht, un da wer ick wvll dem Kerl an de Backe gekommen sind." — „Un ick ooch, det stimmt," bestätigt Fuhrmann. — Der Schankwirth Föllner soll als Zeuge vernommen werden Fuhrmann überschüttet ihn jedoch mit einer solchen Fluth von Schimpfreden, daß der Staats^ anwalt gegen ihn eine sofort zu vollstreckende dreitägige DiSciPlinarhaft beantragt. Jetzt wird Fuhrmann wild; er versucht sich über die Schranke der Anklagebank hinweg auf den Staatsanwalt zu stürzen und schreit: „Na, so wat lebt nich. Sie wollen hier eenen anständigen Menschen
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zu betrachten ist, daß die von den Ständen genehmigte Dotation des hiesigeni zumal um Jene, welche ihr Leben gelassen auf feindlicher Erde. Ihre Namen -a. Qß nnn «f** """ " ~Z1 mögen leuchten als erhebendes Beispiel höchster Vaterlandsliebe, im Glanz UN-
verwelklichen Nachruhms. Und nun, ihr Tapfern alle meines Heeres, bewahret und pfleget auch unter den Segnungen des Friedens die echten Kriegertugeuden, durch welche ihr denselben uns wiedergewonnen. Und auch ihr, die ihr nun in die bürgerlichen Verhältnisse zurückkehrt oder ausscheidet aus den Reihen der Armee — möget ihr jener herrlichen Tugenden stets eingedenk sein, daß sie in lebendiger Kraft sich halten in meinem Volke, und das Vaterland in euren Söhnen dereinst den Heldenmuth der Väter wieder finde."
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