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Preis Liectellährig 1 fl. 12 fr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 kr.

Gießmer Anzeiger.

Erscheint täglich, mit AuL» nähme Montags.

Expedition : Lanz leib erg Ltt. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kießen.

Nr. 163. Dienstag den 18. Inti 1871«

BefteLLrmgen auf den Gießener

A m t S i ch e r T h e i l.

Bekanntmachun q.

Betreffend: Anmeldung und Prüfung der einjährig Freiwilligen.

Diejenigen Militärpflichtigen, welche als einjährig Freiwillige dienen wollen und im Großherzogthum Hessen nach §. 20 der MilitLr-Ersatz-Jnstruction vom 26. März 1868 (Regierungsblatt Nr. 21) gestellungspflichtig sind, haben ihre Anmeldung schriftlich, unter Berücksichtigung der §S- 148, 149, 151, 152, 153, 154 und 155 der erwähnten Militär-Ersatz-Instruction bis

zum JO. August dieses Jahres

bei der unterzeichneten Commission einzureichen, falls sie sich der im September d. I. stattfindenden Prüfung zu unterziehen beabsichtigen.

Der M eldung sind beizulegen:

a) ein Geburtszeugniß (Taufschein),

b) eine beglaubigte Einwilligung des Vaters oder des Vormundes,

c) ein Unbescholtenheitszcugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realschulen, Progymnasien und höheren Bürgerschulen) von dem Director, beziehungsweise Rector der betreffenden Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute aber von der Polizei-Obrigkeit auszustellen ist.

Bei Nichtbeobachtung der bestehenden Vorschriften, oder Einreichung des Gesuchs nach dem angegebenen Termine, kann die Zulassung zu der nächsten Prüfung nicht stattfinden.

Diejenigen, welche auf die ergangene Meldung den Berechtigungsschein nicht zugeschickt erhalten, haben demnächst zur Prüfung zu erscheinen, da eine specielle Einladung hierzu nicht erfolgt.

Der Prüfungstermin, sowie das Local, worin dieselbe vorgenommen wird, kann erst später bekannt gemacht werden.

Die unterzeichnete Commission macht außerdem auf folgende Bestimmungen aufmerksam:

Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Militärdienst darf nicht vor dem vollendeten 17. Lebensjahre und muß bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. Februar des Kalenderjahres nachgesucht werden, in welchem das 20. Lebensjahr vollendet wird.

Mit der Anmeldung um Zulassung zum einjährigen Militärdienst ist die Aufgabe des Rechts, an der Loosung Theil zu nehmen, verbunden.

Ausnahmsweise kann der durch die versäumte rechtzeitige Anmeldung verloren gegangene Anspruch durch die Resolution der Ersatzbehörden dritter Instanz wieder verliehen werden, wenn der betheiligte Militärpflichtige noch nicht an einer Loosung Theil zu nehmen verpflichtet war, oder vermöge seiner Loos- Nummer disponibel geblieben ist.

In letzterem Falle darf diese Vergünstigung indcß nur dann eintreten, wenn der deßfallsige Antrag vor der zweiten Aushebung, bei welcher der betheiligte Militärpflichtige zu concurriren hat, formirt wird.

Gesuche um Wiedcrverlcihung der durch versäumte rechtzeitige Meldung verloren gegangenen Berechtigung sind an die zuständige Kreis - Ersatz - Com- Mission zu richten.

Darmstadt, den 5. Juli 1871. Großherzogliche Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige:

Pabst. Strecker.

Politischer Theil.

forte zu dienen. Die Orleans, deren dreifarbiges Banner Karl X. nach England vertrieb, dürften unter diesem Wahrzeichen keine Heeresfolge leisten.

Für Frankreich hat das Manifest des Grafen Ehambord einen unzweifel­haften Werth, den nämlich, daß es die Situationen klärt. Die legitimistische Partei ist in voller Auflösung begriffen, ein Theil derselben desavouirt den Herrn und Meister; die Fusion, welche bereits zu einem Phantom zusammengeschwunden, ist :n ein Nichts zerflossen, und die Republik, die der Graf von Ehambord mit bewundernöwerther Dreistigkeit durch Uiurpirung des TitelsKönig" Hinwegwischen wollte, diese Republik wiro der alleinige lachende Erbe sein, der auf die Ruhe­stätte des gottbegnadigten KönigthumS auf's Neue die Worte schreibt:Nicht- gelernt uud nichts vergessen!"

curioseMann und König" versucht es zur Abwechselung mal mit der weißen Fahne. Der Kreuzzug für Rom ist über Bord geworfen, aber was der KönigS- macher in confufer Weise von Elsaß und Lothringen, von Phantomen, Unduld­samkeit, feudalen Rechten, von den arbeitenden Klaffen und von der Bewegung des vorigen Jahrhunderts redet, klingt im Munde dieses Hasenherzens, das erst von Brügge aus, wo er seinenKönigssitz" aufgeschlagen bat, die stolzen Worte wagte:Franzosen, ich bin in eurer Mitte!" unsterblich lächerlich.

Die weiße Fahne, das Erbtheil Karl'S X., an welche sich eine ganze Ge­schichte jesuitischer Allmacht und despotischer Geistesknebelung knüpft, ist wahrlich nicht darnach angethan, für die monarchistische Campagne als begeisternde Stan-

t Eine Verlängerung des Provisoriums in Bezug auf den Militäretat des deutschen Reiches ist zwar in RcichStagSkreisen in Aussicht genommen, weil man damit der Bundesregierung einen Dienst leisten zu können glaubt; indessen wird sich die letztere auf ein solches Provisorium schwerlich einlassm wollen, vielmehr aus der Lage der europäischen Verhältnisse den Anspruch herlciten, den jetzigen

schen Versumpfung Frankreichs noch ein Fünkchen persönlicher Einsicht gerettet hat mußte damit das Schicksal dieses Thronspeculanten besiegelt sein.

Graf Chambord war blind dagegen. Während die Wahlen vom 2. Juli

Das mittelalterliche Manifest, welches s. Z. den Franzosen die Aussicht eröffnete, mit der Rehabilitirung des legitimen Herrscherhauses eine Eopie der heiligen Kreuzzüge nach Rom aufzuführen, konnte unmöglich nach dem Geschmacke der Franzosen sein. Ein Mann, Der nach den herben und schmerzlichen Lehren der letzten zwei Jahre es wagen kann, als vornehmsten Punkt sein/S Prätendenten. Programms den Kampf der Finsterniß gegen das Licht zu proclamiren, der in einem Zuge für den Gefangenen im Vatikan das verloren gegangene Prestige wieder erobern und Frankreich sofort unter die Herrschaft des Elerus und der ultramontanen Eoterie zu bringen trachtete, der ferner in dem Bewußtsein des erlittenen FiaSco die verlorene Position durch kriechendes Schweifwedeln um den kaiserlichen" Generolfisimus Mac Mahon reoccupiren zu können wähnte ein solcher Mann konnte vielleicht von den Puppen der clerikalen Partei alsRetter der" Gesellschaft bejubelt werben; allein bei jedem Franzosen der aus Der morali-

i Die Proklamation des Grafen Chambord, welche in Frankreich immer noch auf der Tagesordnung steht, klingt wie der Schwanensang des traurigen Prätendenten; sie läutet unter dem Gespött Der wiu| yyumcvrv war ouno oagegen. revayreno Die Lvayien vom z. ^juit lachenden Erben die Hoffnungen der legitimistischen Partei zur ewigen Ruhe ein. mit überzeugender Gewalt den Willen der Nqtion bekundeten, ohne Behelligung Frankreich fühlt mit richtigem Jnstinct, daß Spott unv Hohn die einzige Antwort von dynastischen Jntriguen den Wiederaufbau des Staates zu vollenden, erläßt auf die so unbewußt lächerliche Kundgebung des Bourbonensprößlings ist, der sich Henri V. mit unglaublicher Ungeschicklichkeit ein neues Manifest, das seine An- bereits in den Hermelin Heinrich'- IV. hineingewachfen wähnte uud die weiße Hänger in Verzweiflung, die übrige Welt in ungeteilte Heiterkeit versetzte. Der Fahne ohne weiteres auf ein neues Tuilcnenschloß pflanzen zu können meinte. - f «*» «... - - -

Die legitimistischen Geier, welche sich auf den französischen Eadaver zu stürzen lauerten, schienen manche Zeit ihrer Beute nicht mehr ferne. DaSHaus von Frankreich" schien bereits neu aufgerichtet, und wie einst Heinrich IV. im Büßer, gewande nach Canossa pilgerte, um Gregor VII. seine Unterwürfigkeit zu docu- mentircn, so sollte die jüngere Linie zum legitimen Prätendenten wallfahrten, um durch die Fusion den Act der Unterwürfigkeit und Anerkennung De# Chambordisti- schen Rechts zu besiegeln, die Trikolore der weißen Fahne zu subordiniren und das erlauchte Königthum von Gottes Gnaden mit dem ganzen Nimbus des mo­narchischen Rechts und Dem Kometenschweife politischer ReactionSgelüste, kirchlichen ZelotiSmuS und bourboniftischen Unduldsamkeit feierlichst einzusühren.

Die naive Ungeschicklichkeit DcS Grasen Chambord hatte bereits seine Aktien aus ein Minimum niedergedrückt, Die Wahlen vom 2. Juli schlossen ihn aber von der Concurrcnz um die neu zu begründende Regierungsform in Frankreich vollends aus.