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3) Mahlprüfungen. Die früher beanstandeten Wahlen der Abgg. Dr. Schleiden (Altona), Müllauer (Gumbinnen) und Schraps (Zwickau) werden für giltig erklärt.
Schluß l1/» Uhr. Nächste Sitzung Montag 12 Uhr. Tagesordnung: Antrag von Braun (H»rsfeld) wegen des Parlamentsgebäudes, Antrag von Harkort (Haqen) wegen des Stettiner Barkschisses „Ferdinand Ni eß", Wahlprüfungen.
München, 8. April. Die „Allg. Ztg." schreibt: „Wie verlautet, soll daS erzbischöfliche Ordinariat es der Erwägung des Herrn StiftSpropsteS v. Döllinger anheimgestellt haben, sich selbst die Frage zu beantworten, ob nicht seine Erklärung vom 28. März d. I. ipso facto die Excommunication zur Folge gehabt habe. Dem gegenüber dürste vielleicht die Bitte an den Herrn Erzbischof nicht unangemessen sein, rr möge auch an sich die Frage richten: ob nicht er selbst bereits seit längerer Zeit der Strafe der Excommunication verfallen sei. Wie bekannt, hat derselbe am Schluß des vergangenen Jahres mit der überwiegenden Mehrheit der Ersten Kammer den Verfassungsverträgen mit dem Norddeutschen Bunde zugestimmt. Diese Handlung involvirt nach päpstlichem Strafrecht, da durch jene Verträge ein protestantischer Fürst mit ausgedehnten Machtbefugnissen an die Spitze Deutschlands gtstellt wurde, das Vergehen der Ketzcrbegünstigung, auf dessen Begehen nach der „für ewige Zeiten gültigen" Bulle Paul's IV. Cum ex apostolalus officio die ipso facto eintretende Strafe der Excommunication gesetzt ist. Gilt die eine Excommunication, so gilt auch die andere. Die übrigm Strafen, welche in jener Bulle für eben dasselbe Vergehen angedroht sind, mögen dort nochgelesen werden. Es sind u. A. I ersänne, Testaments- und SuccesfionS- unfähigkeit, so wie Verlust alles Eigenthumö zu Gunsten desjenigen, welcher dasselbe zuerst hinwegnimmt, sofern dieser sich im Gehorsam des römischen Stuhles befindet."
Telegraphische Depeschen.
A Berlin, 15. April. Der BundeSrath beschloß, daß die Elbzollab- theilungskosten den gejammten deutschen Staaten zur Last fallen und nicht von Norddeutjchland allein getragen werden sollen.
+ Kissing en, 15. April. Der Kaiser von Rußland wird Mitte Mai zum Curgcbrauche hier eintnffen und auf seiner Durchreise dem berliner Hose einen mehrtägigen Besuch abstatten.
+ Zürich, 14. April. Das Kriegsgericht hat die wegen der in der Tonhalle gegen die deutsche Festster begangenen Exc-sse angeklagtcn Didier, Raimond, Poire und Peyre zu je drei Monaten Gefängntß und Tragung der Kosten verur- theilt. Das ErtVnntniß bestimmt ferner, daß dieselben dem Verwundeten Riedel 3000 Francs und dem Besitzer der Tonhalle 700 Francs für Beschädigungen, und der Wirtschaft 100 Francs Entschädigung zahlen. Die übrigen Angeklagten sind wegen mangelnden Beweises freigesprochen. -
A Bern, 15. April. Dir Actionäre der Weisen-Bank (Len & Comp.) hielten eine Versammlung ab und setzten eine Siebenercommission ein, welche in Der nächsten außerordentlichen Generalversammlung Bericht erstatten soll, über Die Beziehungen Der Falliten Esches-Bodmer und über Die Frage Der persönlichen Haftbarkeit der Vorsteherschaft. ,
4- Wien, 15. April. Professor Oppolzer ist gestorben. Die Wiener Zeitung veröffentlicht ein kaiserliches Handsch.-etbrn d. d. Merau, 11. April, weiches Grocholski zum Minister ernennt.
+ Wien, 15. April. Der Gemeinderath nahm mit eminenter Majorität den als dringlich gestellten Antrag an; dem Professor Döllinger in München die dankbare Anerkennung für (ein Verhalten gegenüber den Beschlüssen des vatikanischen Concils, sowie die Sympathiecn der wiener Bevölkerung auSzusprcchen. Gleichzeitig wurde beschlossen, eine Petition an das Gesammt-Ministerium zu richten wegen gesetzlicher Regelung der Verhältnisse zwischen Staat und Kirche.
+ Paris, 15. April, Abends. Das osficielle Journal bringt folgende Depesche von General Endes von diesem Morgen: „Alles scheint jetzt vorbei; die Nacht war fürchterlich; ocr Kampf hörte seit 10 Uhr Abends nicht auf. Das Fort von Danvres hält dem sehr heftigen Angriffe des Feindes Stand, der unter schweren Verlusten auf der ganzen Linie zurückgeschlagea wurde/'
Die Eommune hat das 18., 19. und 20. Bataillon der Nationalgarde ausgelöst.
Die Barrikaden-Commission setzt ihre Operationen fort. D'e Kanonade dauerte heute Nachmittag mit größter Lebhaftigkeit und von lebhaftem Gewehr- fcuer unterstützt, fort. Es heißt, Fort Jssy habe stark gelitten. Der Telegraphendienst hat in Paris wieder begonnen.
A Versailles, 15. April. Das Parlament in Versailles hatte eine Commission niedergesetzt, um zu untersuchen, ob die in dem Briefe oeS Erzbischofs von Paris geführte Klage gegen Die grausame Behandlung der Gefangenen von Seiten Der NcgierungStruppen begründet seien. Diese Commission dementirt entschieden alle diese angeblichen Grausamkeiten. — Lockrey wurde gestern in Neuilly verhaftet, nach Versailles gebracht und gut behandelt. — Der Fiwinzminister legt das Budget vor. Das Militärbudget ist wegen Mangels an Material in unveränderter Form vorgelegt. In Den übrigen Ministerien wird eine ßrfoarnifj von 107 Millionen in Aussicht gestellt. Für das zweite Halbjahr ist eine Re- venucschätzung unmöglich. Eine Mehrbesteuerung des Landes wird nicht beav- sichtigt. — Das Preßgesetz ist angenommen. ... _
A London, 15. April. Die „Times" sagt in einem Leitartikel: Das Benehmen Der namentlichen Leiter oer Commune gibt eine große Idee von ihrer Energie und es wäre ungerecht zu läugncn, daß sie im ungleichen und Hoffnung--
SuffhnD wird mithin vollständig unterdrückt werden müssen, sollen geregelte Zu- flänfct in Frankreich wieder heimisch werden, und daß die Versailler Regierung die Macht dazu binnen kurzem erlangen wird, steht außer allem Zweifel; die Truppen Der ehemaligen kaiserlichen Armee werden in Bälde wieder vollzählig aus sranzost- echem Boden sein und bann die Versailler Regierung die zur Pacification des j-andeS erforderlichen Mittel in Händen Hadem Letztere« wäre übrigens schon I^gst eine vollzogene Tba,fache, hätte die französische Regierung der deutschen Bunvesrcgierung größere Bürgschaften für ihre Loyalität gegeben, wären nicht so Hochfahrende unb das deutsche Nationalgefühl verletzende Aeuß.ruugen von Seiten tc« äbcrrn Thier« an die Mitglieder der Executive gefallen. Hätte die Versailler R'gie'rung die Intervention der deutschen Truppen unter gewissen Garantien nach, gesucht so würde letztere jedenfalls längst erfolg, sein unb Frankreich erfreute sich schon sei, geraumer Zei, ber B-bingungen, unter denen allein eine gesund- Re- gtntration des französischen Staatswesen- möglich ist. Der französische Hochmuth schabet sich auch hier wieder am meisten selber.
D,e V-rwcndung der Kriegskostencntschädigung wird, dem Vernehmen nach, den Reichstag in dieser Session nicht mehr beschäftigen.
Die , Verite" vom 10. April meldet: „Gestern kamen die Frauen der G> meinten von Colombe« unb Argenteuil in Masse zu den Preußen, welch- Sanno!« besetz, halten. Ganz außer sich vor Angst, weinend und hänbenngend, flehten si- Den Schutz der Preußen gegen die Föberirten an, welche alle möglich n Grausam- feiten bei ihnen begingen. Die letzten Tag- habe man einige ihrer Männer weg- „esührt, um sic mit Gewalt in die Nationalgarbe zu stecken, unb mehrere erschossen, welche ihre Dörfer nicht verlassen wollten. Die grausamen und wilben Handlungen versetzten die Dörfer in Wuth, und die Unglücklichen wußten sich nicht ander« zu helfen, als baß sie ihr Land den Deutschen anvertrauten. In Folge dessen verließ heute Morgen ein 6000 Mann starke« deutsche« Corps Sannoi«/um Argenteuil und Colombc« zu besetzen." — Nach dem „©Dir" haben Cie Preußen von St. Dem« eine Bewegung nach Vorwärts gemacht und Glaceere besetzt. Ungefähr 200 Meter von ben Festungswerken entfernt sollen sie zwei I S-Pfünd-r ausgestellt haben, wclche bi- Eisenbahn beherrschen. S,. Denis selbst soll eine Verstärkung von 5000 Mann erhalten haben. Da« nämliche Blatt meldet, baß am 10. April Ab-nb« wer Generalstabsosfiziere der Commune nach St. Denis gekommen sind, um Die Er- mächtigung zu verlangen, Die preußischen Linien umgehen zu können. Zugleich baten fie, DaS Fort AubervilUerS zeitweilig besetzen zu dürfen. Der preußische General empfing sie sehr schroff, warf ihnen vor. Daß sie mit Waffen erschienen seien, Drohte ihnen mit Verhaftung und beschränkte sich schließlich Daraus, sie entwaffnen zu lassen. Ihrem Gesuche wurde selbstverständlich nicht entsprochen.
Berlin, io. April. Die jüngst gemeldete Nachricht, daß Weber von Baden noch von Württemberg Ansprüche auf Abtretung von Elsaß und Lothringen ge- macht woroen, gewinnt vollste Bestätigung; dagegen stellt es sich heraus, Daß Baiern allerdings die Abtretung von Weißenburg und Umgegend beansprucht und einen bezüglichen Antrag bei dem BundeSrathe vorbereitet. Ob diesseits Zusagen gemacht worden oder nicht, läßt sich selbstverständlich nicht feststellen; nur scheinen nach ziemlich untrüglichen Anzeichen die maßgebenden Stellen nicht dagegen ein- genommen zu sein. steht fest, daß Barem bemüht ist, und nicht ganz ohne Erfolg, sich eine seinen Wünschen geneigte Partei in We ßenburg zu schaffen. Im Reichstage wünscht man keine Theilung, und wird man lebhaften Verhandlungen in Demselben entgegm,sehen Dürfen. Nach Ansicht gut unterrichteter Per- fontn möchte es zu einer Gränzregulirung kommen, Die man allerdings im Jahre 1814 versäum, hatte. Ob Baiern wirklich Weißenburg erhallen wird, bleibt abzuwar,-n; wirb dies aber erreich,, so wird von einer anderen Mach, (wahr- schcinlich von Baden) beantragt werden, daß das übrige Elsaß und Lothringen an Preußen fällt. Die Elsässer selbst sind jedenfalls am meisten damit zasneden, paß Die von Frankreich abgezweigten Lan?estheite zunächst ungetheilt und unmittelbar Rkichsland bleiben.
M. Berlin, 14. April. Deutscher Reichstag. Die heutige 15. Plenar- sitzung eröffnete Präsident Dr. Simson mit geschäftlichen Mitteilungen. Die Plätze im Hause sind ziemlich zahlreich besetzt, Die Tribünen dagegen überfüllt; am Tische der Bundescommissare Minister Delbrück und mehrere süddeutsche
Minister.
Auf der Tagesordnung stehen:
1) Dritte Lesung der revidirten Verfassung. — Prof. Ewald (Hannover) Vrotestirt in seiner bekannten Weise gegen die Ereignisse des Jahres 1866, zieht eine Parallele zwischen den kaiserlichen Prärogativen in dem alten und neuen Kaiserreich, die natürlich zu Ungunsten des jetzigen ausfällt, und bemängelt Dann unter mehrfacher Heiterkeit des Hauses Da« NationalitätSprincip. Wolle Deutschland sich Elsaß und Lothringen emverleiben, bloS weil diese Territorien ehemals zu Deutschland gehörten, so müsse es auch seine HanD nach Luxemburg und Dratschösterreich ausstrecken. — Darauf wird die Verfassung in Den einzelnen Artikeln und im Ganzen fast einstimmig angenommen; dagegen sind nur Die Polen, Prof. Ewald (Hannover) und Pros. Wigard (Dresden).
2) Dritte Lesung des Gesetzes über die Einführung norddeutscher Bundesgesetze in Baiern. Dr. Erhard (Dinkelsbühl) wünscht vom Bundeskanzleramt Auskunft, ob und wann die besonders für Baiern sehr wünschenswerthe Vorlage einer allgemeinen Prozeßordnung zu erwarten ist? — Minister Delbrück. Die Vorarbeiten Dafür sind ziemlich abgeschlossen, Der Entwurf wirD in kürzester Frist Dem BundeSrathe mit Dem Anträge zugehen, eine neue kommissarische Berathung über den Gegenstand einzuleiten, weil Die Beschlüsse der im vorigen Jahre zu gleichem Zweck zusammengetretenen Commission in Folge Der inzwischen veränderten Umstände vielfach modificirt werden mußten. Ob es aber trotz Der thun- lichsten Beschleunigung möglich sein wird, daS Gesetz schon in Der nächsten Session einzubringen, bleibe fraglich. — Prof. Grell (Passau) protestirt Namens seiner politischen Freunde gegen Die Neuerung des Art. 8 betreff« drs Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten. — Mit beinahe Stimmeneinheit wird N" angenommen; dagegen nur einige Baiern. ___
losen Kampfe ihr Bestes gclhan haben.
Pifltri und Rouher sind gestern in Brüssel wieder eingetroffen.
A Coustantinopel, 15. April. Rußland agitirt für Die Rückkehr Rumäniens zu Dem Status, wie vor Fürst Cuja.
Die Verfassung A Washington, 15. April Der Senat mahm Dm Kukluxplan an und lermächtigte den Pmsidknten, nölbigcnfalls Die Habeas CorpuSacte zu suSpenDucn.
Versteigerungen.
1494) Dienstag den 18. b. Mts-, Vormittags 9 Uhr,
soll aus dem Rathhause dahier der pro
1871
Alögeineine r Anzeiger.
erforderlich werdende Pflastersand versteigert werden.
Gießen, den 15. April 1871.
Großherzoglichc Bürgermcistercl Gießen.
Vogt.
Holzoersteigerung in der Furstl. ^^Gnmbwotb- nachst-h-nb-s G°hö„
74 Stecken Buchen- u. Eicken Scheidholz,
73
dergl. Prügelholz, dcrgl. Stockholz,
Obnförstrrn Hohensolms
1498) Künftigen Montag, den 2i. d. Mts., «u
soll in den Districtcn „Pfaffenmark" und 138


