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Expedition: Lanzleibecg

Sit. B. Nr. 1

Anzeige- und Amtsölalt für den Kreis Kielen.

Samstag den 16. Dcccmbcr

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Die am 1. December vorgenommene Volks-

Darmstadt , 10. December.

Dringham zugegen

Nach

Bissungen ist in der

Nr. 293 .itfwmr

sich durchaus nicht einigen können, geneigt, sich wenigstens für eine klerikale und sociale Reaction gegen die Republikaner zu verbinden. Dagegen wühlen aber anderseits wieder die Prinzen Orleans, da sie in einer Zeit der völligen Reaction alle Bedeutung verlieren wurden. Durch ihre Geld- und Entschädigungeforderung haben die Prinzen Orleans ihrem Ansehen bei den Legitimisten gründlich geschadet und sich eie Mißachtung der Republikaner zugezogen. Letztere halten sich für die gesetzlichen Erben der von Louis Napoleon dem Staate überwiesenen Güter der Familie Louis Philipp's. Kurz, in jeder Beziehung haben sich die Prinzen zwi- scheu zwei Stühle gesrtzt, unb das Interesse des Augenblicks wird von der Angst und Verlegenheit, die sie in der von ihnen selbstgeschaffenen Lage zur Schau tra­gen, in Anspruch genommen. Für jetzt scheinen sie den Eintritt in die Kammer nicht brüskiren zu 'wollen. Die kategorischen Erklärungen der Herrn Thiers haben ihnen imponirt; sie furchten, daß er ihnen, wenn sie ihre Sitze eingenommen haben, sogleich mit einer strengen Interpellation entgegen treten werde. Zunächst wird die Geldfrage die Hauptrolle spielen.

Die PetersburgerBörsenzeitung" vorn 10. ds. betrachtet den Toast des Kaisers bei oem Gcorgsfeste nicht als einfachen Freundschaftsgruß, sondern vom russischen Gesichtspunkte als politisches Zukunftsprogramm Rußlands und als Ver­warnung der politischen Leidenschaften. Der Bund Deutschlands und Rußlands bedeute einen dauerhaften Univerfalfrieden und ist gegen die zerstörenden Elemente Europa's gerichtet, ohne deshalb eine Reaction zu fein. DieBörsenzeitung" schließt: Westeuropa hegt M.ßtrauen; das Ausland glaubt, Rußland berrohe die Dort geschaffene Ordnung, dies ist ein eitler Schrecken. Mit den gründlichen Re­formen der gegenwärtigen russischen Regierung hörte die frühere russische Po­litik auf. _________________________

neuesten Zählung nicht mit einbegriffen. Die Bevölkerung dieser Gemeinde hat sich in den letzten Jahren überraschend vermehrt uno dürfte die Zählung, wie eine kompetente Persönlichkeit versichert, über 6000 Köpfe ergeben, so daß Darm­stadt und Büssungen zusammen gegenwärtig eine Bevölkerung von 40,000 Köpfen

Brodpreise vom 16. bis 22. December 1871,

nach eigener Erklärung der Bäcker:

4 Pfund gemischtes Brod 22 fr. 2 Pfund gemischtes Brod 11 fr. 4 Pfund Roggenbrob 19 fr. 2 Pfund Roggenbrod 91/2 fr.

Darstellen.

Darmstadt, 11. December. Der Professor an der polytechnischen Schule zu Stuttgart, Konigl. Württemberg. Baurath, Eduard Sonne, hat einen Ruf al- ordentlrcher Professor der Ingenieurwiffeuschaften an der polytechnischen Schule da­hier, insbesondere für das Lehrfach des Straßen- und Eifenbahnbaues, erhalten und angenommen.

Darmstadt, 12. December. Gestern wurde der Tunnel von Hetzbach durch die Verwaltung der Ludwigsbahn befahren. Von heute an werden bereits Ma- terialzüqe denselben offnen.

Darmstadt, 14. December. Nach einer heute früh dahier einzetroffenen Depesche über das Befinden des Prinzen von Wales waltct wieder mehr Hoff­nung ob. Der Schlaf war etwas ruhiger, und es ist eine geringe Abnahme in den Kranköeitssymptomkn zu bemerken.

Aus Rockenberg wird denH. V." gemeldet: Fast wäre Über das hiesige LandeSzuchtbaus ein ähnliches Unglück gekommen wie eS die Zeitungen neulich über das Gefängniß zu Biuchfal berichteten. Zwei der hiesigen Strafgefangenen, von denen der Eine schon vor längerer Zeit auf noch unlekannte We>se aus einem Zellengeiängniß entwichen war, hatten vom Lazareth des Zuchthauses aus einen Durchbruch versucht und waren zu diesem Zwecke mit gut geschliffenen Messern, Seilen, Feuerzeug u. f. w. versehen. Doch von den im Innern des Hauses die Wache habenden Wärtern ertappt, wurden sic sogleich zur Einzelhaft in die Kerker abgesühit. Nach einiger Zeit merkte einer der MilitärposttN Rauch und Flammen. Einer der eingekerkkrten Sträflinge hatte mittelst des Strohes, dos ihm zur Lager- , stätte diente, die Thure des Kerkers in Brand gesteckt. Glücklicherweise konnte : man j tzt ter Flamme noch leicht Herr werden und so den Brand im Keim er» 1 sticken. Beide Strafgefangene erfordern in Zukunft die allerstrengste Bewachung, denn sie scheinen ihren vereitelten Plan nicht aufgegeben, sondern nur aus gün­stigere Zeit verschoben zu haben.

1 Berlin, 13. December. Officiöser Meldung zufolge hat sich das Befinden 1 des Fürsten Biömarck so weit gebessert, daß der Reichskanzler bereits kurze Spazier- gänge in dem Garten feines Hotels wagen konnte.

i Berlin, 13. December. DieProvinzial-Eorrefpondenz" bemerkt zu dem 1 Trinkipruch des Kaisers von Rußland: Die erhabenen Worte des Kaifcrs werden 1 überall in Deutschland als Bestätigung der Zuversicht bezüglich der Stellung der . beiden großen Nachbarstaaten freutigen Wiederhaü finden und den Widersachern 1 Deutschlands, welche bei ihren Plänen auf die erkalteten sreundschafilichrn Be- 1 z'ehungen zu Rußland rechneten, ernste Belehrung und Warnung fein. Bt- r zuglich Der Botschaft Thiers' schreibt dasslbe Blatt: Die wiederholte rückhaltlose

1871

Dre Botschaft Thiers' hat in Wien die unfreundlichste Beurtheilung erfahren; die Stelle, die von Oesterreich handelt, wird gelinde gesagt als eineIn- soleni" teS alten Herrn betrachtet, der nicht vergessen sollte, daß Oesterreich trotz 'einer Niederlagen und trotz seiner inneren Wirren nie so tief sinken konnte, um Die Erlenntmß seiner Loge und die richtige Beurtheilung derselben einzubüßen, w'.e denn überhaupt der Unterschied zwischen den Oesterreichern und den Franzosen be- steht, daß die ersteren mit einem P.ssimismus behaftet sind, der sie ihre eigenen Niederlagen und Colomitaten viel hoffnungsloser darst.Ven und ausposaunen laßt, als sie in der That sind, eine Eigenschaft, über die bekanntlich Frankreich nicht tu klagen hat. In den osficiellen Kreisen scheint man die Botschaft deS Herrn ThieiS mehr oder weniger ignorirt zu haben, was allerdings die richtigste Wurdi- auna derselben wäre. -

Die Stockung der politischen Geschäfte in Versailles rührt großentheils von der schwächlichen und zweideutigen Haltung der Orleans her. Indem sie nach dem Ruf guter Bürger strebcn und als solche ihren Sitz in der Nationalversammlung in Anspruch nehmen, während sie durch ihre monarchischen Anhänger sich einen höheren und glänzenderen Sitz Dorbereihn lassen, machen sie sich für alle Parteien unbrauchbar. Die Legitimisten sehen spöttisch auf ihre Bettelei um den Sitz in her Kammer herab und sind zugleich auf sie ärgerlich, weil sie durch ihre Wuh- lereren für eine eigene orleanist sche königliche Zukunst Die Verständigung mit dem Grafen von Ehambord unmögl ch machen. Zwar sind die Anhänger Der b-tden bourbonischen Linien für den äußersten Fall, daß die prinzlichcn Thronbewerber

denn der Andreasorden ist der höchste russische Orden.

Der beinahe hoffnungslos gewordene Zustand des Prinzen von Wales fährt fort Vie allgemeine Teilnahme zu erregen. W e demEcho" telegraphirt wird, ist Der prinzliche Kaplan in das Schloß befohlen worden, um dem Sterbenden 1 jeden Augenbl'ck Die letzten Tröstungen Der Religion spenden zu können. Der Prinz | befindet sich fortwährend in einem schlaftrunkenen, träumerischen Zustände, uno kommt selten, und nur auf sehr kurze Zeit zum Bewußtsein. Weder bet dem ersten noch bei dem jetzigen Besuche der Königin in Sandringham war der Prinz im Stande, seine Mutter zu erkennen. Gelegentlich fragt er nach irgend Etwas oder irgend Jemand, aber ehe man ihm antworten kann, verfällt er wieder in seinen lethargischen Zustanv. Als ein gutes Zeichen erachtet man es noch immer, daß der Patient im Stande ist, ein wenig Nahrung zu sich zu nehmen. Die Pein- zefstn von Wales und Prinzessin Alice theilen sich in die Pflege des Schwer kranken, die beiden hohen Frauen wachen Tag und Nacht an feinem Lager unr sind nur mit Muhe zu bewegen, sich ein bischen Ruhe zu gönnen. Die Königin entfernt sich ebenfalls nur selten aus Dem Krankenzimmer und wacht mit mütter­licher Sorgfalt über jeder Bewegung ihres Sohnes. Mit Ausnahme der Kmder des Prinzen von Wales sind fämmtliche Glieder der königlichen Familie in San

14. December.

Es waren bisher noch Differenzen zwischen Baden und Preußen in Bezug auf die Unterstellung des badischen Militärs unter die preußische Mckitärkirchen ordnung vorhanden. Diefdb-m sind jetzt, wie dieElberf. Ztg." bestimmt hört, ausgeglichen. Preußm würdigt Die Gründe der badischen Generalsynode und ver­zichtet auf Die Unterstellung.

DemFr.-B!." zufolge ist dem Gmeral-Feldmarschall Grafen Msltke von dem Kaiser von Rußland der St. Andreasorden verliehen worden. Diese hohe Auszeichnung wird bekanntlich, außer an fürstliche Personen, nur selten vergeben,

ile« sind ammtltche wlreder Der tonigncyen tfanuiit öan- ^uiuqiuui, '..... ,-----

nnfl-gam' Di- Sympalhi«, dik sich in aUtn Schichten der Gesellschaft jählung ha« für unsere Stadt, emschlichltch de« gegenwärtig durch Beuriaubungen

für den tydilrankcn Thr°n-rh-n und di- königlich- Famili- kundgibt, grenz, an'a sehr »ermindert.n Militär«, eine Be°°Ik--ung van 33^872 İps-n> erg-d-ru Nach Wunderbare. In samm.l.chen Kirchen der Metrapale und der Provinzen wurden der ,m Jahre 1868 »org.nawm-ne«. Zahlung betrug die Bevölkerung,31 076 und für die G.nesung de« Prinzen, sowie für di- Königin, die Prinzessin von Wal.« nach der 865 »°rg-n°wm-n-n Zahlung 29^24 Kop e. B'ffungen >st m der und alle M>tgl.eter der königlichen Familie Gebete veranstaltet, die de, Erzbischof ....."'*» Bevatkeruna dieser Gemeinde bat

von Canterbury in Gemäßheit eines darauf bezüglichen Erlasses de« geheimen Staatsrathes eigens abgefaßt halte. Bulletins über Den Zustand des Prinzen wurden am Sonnabend in allen Gerichten, Aewtern, Theatern und auf allen zu- fälligen Meetings verlesen. Selbst in Der Wcchensitzung Der Clerkenwelldemokraten, Der sogenanntenRothen", machte Der Vorsitzende den Anwesenden MittheUung über den gefährlichen Zustand des Prinzen, und trotz Der republikanischen Ten- dknzen der Versammlung gab dieselbe ihrer Sympathie für die kummervolle- nigin entsprechenden Ausdruck. Am Sonnabend Abend waren aus Pietät für Den kranken Thronerben sogar fast sämmtliche hauptstädtische Theater mehr oder weniger leer. Während des Sonntags, wo keine Zeitungen erscheinen, erreichte Die Auf- gong des Publikums ihre Klimax. Taufende belagerten Marlboroughhouse, das Stadtpalais des Prinzen im Pall Mall/ und wartete bis in Die sinkende Nacht hinein auf Nachrichten aus Sandringhaw. Die Menge zerstreute sich erst, als gegen 11 Uhr Nachts dos letzte Bulletin Den hoffnungslosen Zustand des Prinzen meldete In den Provinzen scheint, den vorliegenden Berichten zufolge, dieselbe Bet.übniß und Theilnahme für Den Prinzen und seine Familie vorzuherrschen, wre in der Hauptstadt. Allenthalben sind alle Zusammenkünfte, Festlichkeiten u. s. w. abgefagt worden, und man kann wohl sagen, daß dos ganze Land bereits in halber