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15. August.

t Da- Gesetz, betreffend die Gewährung von Beihilfen an Reservisten und Landwehrmänner, ist kaum in der Ausführung begriffen, ja cs wird dem Anscheine nach nie in dem Sinne ausgeführt werden, wie cs der Antragsteller im Reichs­tage, Herr v. Bunsen, wollte; das Dotationsgesetz für die Generale erfreut sich dagegen größerer Fürsorge Seitens der Behörden, denn es ist bereits in Vollzug gesetzt, die Dotationen sind gezahlt. Die davon Betroffenen sind die fünf KriegSministcr v. Roon, v. Fabrice, v. Prankh, v. Wagener und v. Beyer, ferner die drei Staatsmänner Delbrück, Bray und Mittnacht, und endlich die acht Ge­nerale v. Moltke, v. Blumenthal, v. Stiele, v. Manteuffel, v. Fransccky, v. Werder, V. Kirchbach und v. Goben.

t 3n Luxemburg ist neuerdings wieder eine Agitation gegen den Anschluß an Deutschland in Schwung gesetzt, deren Gehässigkeit unscrer Prcffe hoffentlich den Sporn gibt, auf eine sehr baldige Regelung derLuxemburgischen Frage" energisch hinzuwirken, schon um deshalb, weil bei deren Lösung nicht sowohl der Umfang des Landes, als vielmehr die hohe strategische Wichtigkeit desselben in Betracht kommt, die zumal bei einem Defensivkriege gegen Frankreich in helles Licht treten würde. Wer würde Deutschland denn aber auch jetzt hindern wollen und hindern können, einen echt deutschen Volksstamm sich wieder einzuvcrlciben, dessen Particularismus eventuell dem Vaterlande große Gefahren zu bereiten im Stande ist.

In Gemäßheit der Verhandlungen vom 11. Mai d. I. zur Feststellung der näheren Modalitäten der Ausführung der zwischen Baden und Preußen abgeschlos­senen Militärconvention vom 25. November 1870 werden diejenigen lebensläng­lichen Unterstützungen, welche von dem Großherzoge von Baden solchen Unter- ofsizieren und Soldaten der preußischen und anderer Bundestruppen bewilligt worden sind, die bei Niederkämpfung des Aufstandes im Großherzogthum iw Jahre 1849 verstümmelt oder sonst gänzlich erwerbsunfähig geworden, mit Eintritt der Militärconvention, d. i. mit dem 1. Juli d. I aus dem BundeS-Invaliben- Fond übernommen.

Wie wir hören, ist die Einführung der Metallpatrone für die fämmtlichen Gewehre der deutschen Armee eine nunmehr fest beschlossene Sache. Die Versuche, nun über die eventuell bevorstehende Umänderung der Gewehre selber einen defini­tiven Beschluß zu fassen, sind dagegen noch nicht zum Abschluß gelangt. Doch neigen sich die Stimmen jetzt wesentlich der Einführung eines dem Werder'schen Gewehre sehr nahe kommenden Modells zu. Ganz neuerdings soll noch ein von einem englischen Erfinder offerirtes neues Modell in den Bereich der Prüfungen hineingezogen sein.

Endlich wird es uns klar, weshalb wir Deutschen in den Augen gewisser Franzosen eine so servile Bande sind: der Schulzwang ist der Grund unseres un­verwüstlichen Servilismus. In einer Polemik vomUniverS",Monde" und Union" gegen dasJournal des Debats", das Ideen über die Einführung des unentgeltlichen Unterrichts und des Schulzwangs verrathen hat, erklärt die Union, den unentgelmchen Unterricht könnte mun sich zur Roth noch gefallen lassen, weil

Geldfrage sei, aber die Schulpflicht seidie Verknechtung des mensch- uchen Geistes . Ein beredteres Zeugniß von der Bedeutung des Schulzwana.es kann von klerikaler Seite kaum gegeben werden. Das Journal des Debats ent- gegnet der Union:Wir begreifen nicht, wie der Menschengeist durch den Unter­richt verknechtet und durch die Unwissenheit frei gemacht werden kann. Allerdings behauptet Die Union, wir verlangten einen atheistischen Unterricht. Wo hat sie das gelesen ? Wir verlangen blos Zwang des Unterrichts, der geschöpft werden dann aus jeder Quelle, die man wollen mag, sei eS in den Staatsschulen, in den Anstalten der Congregationen oder in der Familie; die Wahl sei Sache der Fa­milie, und es kommt wenig darauf an, wo das Kind unterrichtet wird, wofern es nur unterrichtet wird." Bescheidener und gegen die clerikalen Schulanstalten toleranter kann man sich kaum ausdrücken; aber, wie man sieht, wäre die Ein­führung deutscher Schulverhältnisse in den Augen der clerikalen Organe gleich- bedeutend mit dem Untergänge der Geistesfreiheit in Frankreich, von welchem, wie der Monde täglich verkündigt, die moralische Wiedergeburt Europas aus­gehen soll.

T Ließen, 13. August. Der ordentliche Professor der hiesigen juristischen Facultät, Dr. Bülow, hat nun den Ruf nach Tübingen angenommen, wird aber erst Ostern 1872 dorthin übersiedeln und nächstes Wintersemester noch hier In- stitutionen und römische Rcchtsgeschichte, sowie den deutschen Civilproceß lesen.

t Berlin, 12. August. In den Zeitungen ist neuerdings vielfach von außer- ordentlichen Maßnahmen der deutschen Bundesregierung angesichts der verschlim­merten Stimmung in den neuen, von Frankreich abgetretenen Landestheilen die Rede gewesen. Auf Grund authentischer Nachrichten darf ich Sie jedoch versichern, eaß daran kein wahrcs Wort ist. Es ist weder eine Vermehrung der Polizei- keäfte im Elsaß beabsichtigt, noch wird eine Einstellung der Rekruten für die nächste Zeit erfolgen, auch sonst tritt in keiner Weise eine Verschärfung des dortigen Kriegs- zustvndes ein. Was aber die Auswanderungen anlangt, so haben diese gerade in Der letzten Zeit wesentlich nachgelassen. Nur die ultramontane Agitation wird nach wie vor lebhaft betrieben; indessen werden die harten Schläge, welche die Clerikal n aller Orten erleiden, auch auf Den Elsaß in einer Weise rückwirken- den Einfluß üben, welche die Agitation der Schwarzen wesentlich paralisiren dürfte.

Berlin, 14. August. Fürst Bismarck wird Abends 8y2 Uhr über München nach Gastein abreisen. DieKreuzztg." bezeichnet die Annahme, daß die Do- tationsangelegenheit bereits erledigt fei, für nicht richtig.

Stuttgart, 10. August. Es ist authentisch, daß die Kriegsminister von Bayern, Baden und Württemberg sämmtlich an Der Dotation Theil nehmen.

Salzburg, 13. August. Kaiser Wilhelm traf gestern Abends 8 Uhr hier- selbst ein und wurde vom Statthalter und dem Stadtcommandanten begrüßt. Heute Morgen 9 Uhr erfolgte die Weiterreise nach Gastein.

Gastein, 13. August, 7 Uhr Abends. Kaiser Wilhelm ist soeben hier ein- getroffen und imHotel Straubinger" abgestiegen.

Pesth, 12. August. DieReform" bringt folgendes Bukarester Telegramm: Eine entsetzliche, verzweifelte Conspiration wurde entdecke. Die Ruhe ist sehr ge­fährdet. Der Fürst will längere Zeit im Kloster bleiben. Die Rumänen fordern offen seine Abdankung. Zahlreiche Bojaren und Soldaten sind zur Partei Kusa's übergetreten."

eine Arbeit, welche übermenschliche Kräfte oder Monate lange Arbeit zu erfordern scheint. Herr Thicre selbst, sagt man, wäre zur Milde geneigt. Er möchte mit Ausnahme der wirklich gravirend mit der Commune Verknüpften das Recht der Gnade durch die souveräne Nationalversammlung auegeübt sehen. Aber die Mehr- heit dieser Volksvertretung sagt sich nicht, ohne Berechtigung, daß sie sich in jedem Freigelassenen, in jedem nicht Verbannten oder nicht Deportirten einen TodfeinD erhält, dessen feindselige Gesinnungen wohl eine Zeit lang künstlich unterdrückt sein können, Die aber nur des günstigen Moments harren, um abermals lichrerlch auf- zubrennen. Diese Erwägung erhält durch die nicht mehr abzuläugnende Thatsache einen gewissen factisch-n Untergrund, daß die wahren Häupter der communistischen Bewegung weder im Kampfe gefallen, noch nach dem Kampfe erschossen, noch endlich in Hast gerathen sind. Die Führer ersten Ranges befinden sich meist in London oder bereits in Amerika, und die glücklich Entkommenen zweiten und Dritten Ranges sind theils in Brüssel, theils in Genf, in welch letzterer Stadt sie sich sogar so zahlreich eingefunden haben, daß man ihren Zusammenkünfren den Namen der Genfer Menagerie" geben konnte. Wie sich jetzt herausstellt, scheint auch DeleScluze, der letzte Dictator Der Commune, glücklich nach London gelangt zu fein, und es ließen selbst Beweise vor, die seinen angeblich auf einer Barrikade beim Chateau d'Eau erfolgten Tod als eine leere Phantasmagorie erkennen lassen, die lediglich ersonnen worden, um seine Flucht zu begünstigen. Auf Der andern Seite zeugen diese RevenantS, diese wiederauflebenden Gespenster wiederholt für Den geringen GraD von Glaubwürdigkeit, welchen die Reporter Der Pariser SenfationSblätter besitzen. Alle diese Berichterstatter gaben Die detaillirtesten Erzählungen vom Tode der Herren Deleocluze, Jules Valles, La Cecilia und tutti quanti, die noch heute fröhlich und guter Dinge leben und in französischer Sprache Spiegelberg's Schelmen­lied:Geh' ich vorbei am Rabensteine" aus Schillert Räubern variiren.

Der Mont-Cenis-Tunnel ist am 10. August von Buffolem bis Bardonnechia auf einem Eisenbahnzuge von den Herren Grattoni und Amilhan mit Dem besten Erfolge vollständig Durchfuhren worden. Die Einweihung dieser unterirdischen Derkehrsstraße wird wahrscheinlich am 17. September erfolgen.

Die Verhandlungen des Versailler Kriegsgerichtes gegen die Häupter der Commune, soweit diese sich unter der Hand Der Justiz befinden, entsprechen wenig Den Erwartungen, welche man im Publikum an Dieselben geknüpft hat, Da die bis- her zur Vernehmung gelangten Zeugen mit ihren Aussagen für Die B'urthcilung Der Angeklagten neue Gesichtspunkte nicht eröffneten, und was Das Verhör Der Angeklagten selbst anbetrifft, so hat Dasselbe bei Ferre, Der auf seinem Schweig- systeme beharrt, gar nichts ergeben, während Affy, nicht ohne Geschick, sich und seine Freunde am 18. März als im Stande Der Nothwehr befindlich hinstellt Wie tmmer in Frankreich, wird der politische Prozeß auch Diesmal Seitens Der Vertheidigung lediglich als ein Piedestal benutzt, mit Hilfe dessen Die piaiDirenden ADvocaten sich in Den Augen des Publikums zu erhöhen gedenken. Das Beispiel Gambetta's, Der feine vorzeitige Berühmtheit lediglich einer Vertheidigungsrede verdankt, welche er bei Gelegenheit Der denkwürdigen Baudin-Affaire gehalten, ist zu verlockend, und die Mehrheit der jungen Advocaten, Die jetzt in Versailles vor Dem Kriegsgerichte zu plaidiren berufen sind, baut auf Den Prozeß Der Commurn Die ausschweifendsten Plane in Bezug auf den Ruf, Den sie sich in feinem Verlaufe zu erwerben hoffen. Diese Herren von der Vertheidigung suchen mit Ausbietung uöer möglichen winkeladvocatorischen Kniffe die Verhandlungen in die Länge zu ziehen, und scheint eS ihnen vor Allem Darum zu th.m zu sein, ihre Namen recht ost in den stenographischen oder analytischen Berichten Der verschiedenen Zeitungen peDruit und sich aus diese Weise Reclame gemacht zu sehen. So bietet Denn Der h a sm r?-er Verhandlungen bisher ein Bild Dar, in welchem nur Der Präsident / ~curaröeri$t«We« einigermaßen vortheilhast hervortritt, Da er mit Mäßigung

Übergriffen des öffentlichen Anklägers als den Frivolitäten Der An- ?r.t,n9 .rnD selbstgefällig geschwätzigen Juristerei der Advocaten entgegen zu Nh m<tn abcr bevenkt, Daß im Ganzen 33,000 Gefangene ihres fcet a(foP in Saft7 f°9ar ann^men ®B' 66 «ehr als die Hälft- ®rI Befindlichen als ganz unschuldig oder wenig compromittirt IN J" ' ''' 7.". s° bkiben immer noch «ind-st-n- 15,000 G-sang-a" t a foatcn- Erhöht ,«n nun nach oem neuen

«Tnrm mA?, f« h» fc® rr'* t b'6raaUi dir Zahl von fünfen, was schon an sich enorm war-, so biteben für jeden Gerichtshof noch immer 1000 Angeklagte übrig.

Btrsuillts, 9. August. Hier ist alle Welt des Jubels voll über Die gestern dichte Räumung Der Stadt Troyes durch die deutschen Truppen, ein Zugeständ- ' uiß, welches General v. Manteuffel um so eher gewähren konnte, als diese Haupt­stadt des Departements Der Aube bekanntlich aus Dem linken Seine-Ufer liegt und dessen gänzliches Verlassen schon in Den Präliminarien, sobald es Die Umstände gestatten, ohne Weiteres in Aussicht genommen war. Noch freudiger erregt erschien man im Finanz-Ministerium durch die Nachrichten, welche Herr Pouyer-Quertier aus Comp-egne, Dem Deutschen Hauptquartier, mitgebracht haben soll, wo derselbe den letzten Sonntag verbrachte. Wie es scheint, schwebten schon icit etwa 14 Tagen Unterhandlungen über die Frage, ob nicht Die im Frtedensverirage stipulirten Zahlungsbedingungen dahin abgeändert werden könnten, daß Deutschrnnd Wechsel, auf größere Fristen (nicht auf Sicht) von französischen Häusern ersten Ranges, auf deutsche und englische Firmen gleichen Rufes gezogen, an Zahlungsstatt der- gestalt annehmen wolle, daß die Aushändigung solcher Frist-Wechsel im Betrage von 500 Millionen Der vollen Zahlung gleichgeachtet würde und auch dieselben Folgen nacy sich zöge. Man begreift, daß unter den Folgen lediglich Die sich an eie Wechsclzaylung anschließenDe Räumung der Pariser Forts und der Der Haupt- üaDt benachbarten Departements verstanden werden solle. Wie gesagt, hierüber schwebten Die UnttrhanDlungen, als gerade die Tochter des Finanz-Ministers, die Gräfin La Roche-Lambert, in Privat-Angelegenheiten in Compiegne ein traf, welche durch ihren Gemahl einer Dem General v. Manteuffel seit lange näher bekannten Familie angehört. Herr Pouyer - Quertier erzählt nun, daß seine Tochter mit größter Zuvorkommenheit aufgenommen und er selbst mit ihr zum Diner beim Oberbefehlshaber Der Occupationstruppen eingelaDen worden fei. Er habe Die Gelegenheit sofort benutzt, um mit Dem General von seinen Wünschen und Bestrebungen zu sprechen; Doch habe Dieser dieselben nur ad referendum nehmen können, Da er zu diplomatischen Unterhandlungen nicht ermächtigt sei. Er habe indrß die Be­fürwortung des Finanzplanes des französischen Finanz - Ministers ntcht abgelehnt

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