Hundert Damen
△ Rouen, 13. März.
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eines Güterzuges mit solcher Gewalt an den preußischen SanitätSzug VIII, daß der Arztwagen zertrümmert und auf die Seite geworfen wurde. Eine angstvolle Zeit war es, bis man über das Schicksal der im Wagen befindlichen Prof. Mosler aus Greifswald und Dr. Scholz aus Eldena Gewißheit hatte. Mit nicht geringer Mühe war es verbunden, sie aus dem auf die Seite geworfenen Wagen zu befreien. Als besonderes Glück ist es anzusehen, daß dieselben bei dem Unfälle nicht verletzt worden sind. Beide Wagen waren so fest in einander gefahren, daß ihre Trennung zunächst nicht zu ermöglichen war und sie in Folge der starken Beschädigungen unbrauchbar geworden sind.
Zürich, 11. März. Heute ist Infanterie und Cavallerie einberufen. Die Regierung erläßt eine Proclamation zur Ruhe. Am Abend wird eine neue Storung erwartet. Die Internationalen scheinen die Aufregung zu ihren Zwecken be- nutzen zu wollen. Die „Neue Züricher Zeitung" sagt über die Excesse am 9. ds.: „Die Schmach, die Zürichs Ehre angethan, das Blut, das über schnöden Rechts- bruch vergossen worden, der Schimpf, der selbst vor der Würde der Frauen nicht zurückbebt, die Gewaltthat, die selbst vor den obersten Staats- und Militärbeamten nicht einhielt, der Bruch des Asylrechtes, dessen ein Rudel französischer Offiziere sich schuldig gemacht, — sie wollen gesühnt sein und die Sühne wird nicht aus- bleiben." Das Blatt schließt den Artikel voll Entrüstung so: „Es ist ein trauriges Andenken, welches Frankreichs Söhne damit in die Annalen unserer Geschichte eingezeichnet haben."
Zürich, 13. März. Die „Neue Züricher Zeitung" meldet: Die anläßlich der Unruhen verhafteten Personen sind meistens ehemalige Zuchthaussträflinge, Vaganten und verführte Arbeiter. Die Untersuchung ist anhängig. Weitere Excesse sind kaum zu befürchten. Der CantonSrath ist versammelt. Die erwarteten Bun- destruppen sind gestern eingerückt.
Telegraphische Depeschen.
+ Berlin, 13. März. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt gegenüber der Behandlung von Deutschen, welche zur Ordnung ihrer Angelegenheiten und zur Wiedereröffnung von Geschäften nach Frankreich zurückgekehrt sind: „Wir haben Frieden geschlossen und wollen den Frieden aufrichtig und ehrlich halten, vorausgesetzt, daß das französische Volk den Frieden hält; wir werden aber, wenn die französische Regierung dem Unfug nicht steuert und friedliche, kein Gesetz über- schreitende Deutsche nicht schützt, genöthigt sein, uns über die Frage der Re- präffalien schlüssig zu machen."
+ Berlin, 14. März. Betreffs der Frage, ob die französische Regierung das Teeret, durch welches die Deutschen ausgewiesen wurden, als aufgehoben ansehe, hat Jules Favre, da Thiers erst heute zurückkehrt, 48 Stunden Bedenkzeit ^CtCTn aus Belgien heimkehrenden französischen Kriegsgefangenen werden
ihre Waffen zurücklaffen, welche von der belgischen Regierung bis nach dem definitiven Friedensschluß aufbewahrt werden sollen.
+ Berlin, 14. März. Die „Kreuzzeitung" bestätigt, baß zum Chef der Cwllverwaltung in Frankreich, soweit dieselbe in den occupirt bleibenden Departe- ments von den deutschen Behörden gehandhabt wirb, der sächsische Kriegsminister von Fabrice ernannt worden ist, wogegen die bisherigen Generalgouvernements aufgelöst werden sollen.
+ Berlin, 14. März. Die „Spener'sche Zeitung" bestätigt, baß zu den Frtedensverhanblungen in Brüssel unsererseits v. Balan und v. Arnim designirt find; ersterer empfing bereits seine Instruction, letzterer wirb sie in der heute hier stattfindenden Ministerialsitzung erhalten. Die Vollmachten Berber sind an den Kaiser abgegangcn und werden von da unmittelbar nach Brüssel gesandt.
+ Ferneres, 11. März (über Saarbrücken). Das Befinden des Kaisers hat sich gebessert. Der Kronprinz ist heute früh nach Amtcns von Rouen abgereist; ihn begleitete der Generallieutenant Treskow. Die Abreise des großen Hauptquartrers bleibt bis jetzt auf den 13. d. M. festgesetzt, Abends Ankunft in Nancy, dort am 14. Ruhetag, am 15. Weiterreise über Metz und Saarbrücken nach Frankfurt. Der Kronprinz trifft am 14. von AmienS in Nancy ein und reist von dort mit dem Kaiser weiter. Die Ankunft in Berlin erfolgt spätestens am 18. ds. Mts.
Heute ist Favre hier eingetroffen, um mit dem General Stosch über den Verpflegungsmodus der deutschen Occupationstruppen zu verhandeln da sich mehrere Schwierigkeiten hcrauSgestellt haben, deren Lösung nicht bis zum Abschlüsse des definitiven Friedens avfzufchieben ist.
+ Nancy, 14. März. Der Kaiser ist gestern 7 Uhr Abends in Begleitung des Prinzen Karl hier eingetroffen. Der Kronprinz wird heute erwartet. Mor» gen früh ist Abreise nach Metz.
4- Epernay, 13. März, Mittags. Der Kaiser, Prinz Karl und Graf Moltke sind soeben hier emgetroffen und festlich empfangen worden.
+ Paris, 12. März, Abends. Die Preußen haben heute Versailles geräumt. Ern Regiment ist heute Mittag von hier dorthin abgegangen, um die Einführung der Garnison vorzubrrciten. Ein Uebereinkommen ist gestern in Fer- rieres unterzeichnet worden, wonach die französischen Kriegsgefangenen aus Deutsch- land wieder heimgefübrt werden sollen. Die Unterdrückung der sechs Ultrablätter hat keine aufregende Wirkung geübt, wenn auch die meisten Journale sich tadelnd darüber aussprechen. Die „Patrie" sagt, die Preußen hätten am 6. März aber- mals in Troyes 240,000 Francs requirirt.
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+ Paris, 13. März. Das „Journal des Drbats" bespricht den rothen Maueranschlag, der gestern verbreitet wurde und welcher der Armee Ungehorsam und Aufstand predigt: „dergleichen darf unter keinem Vorwande geduldet werden", äußert das Journal des Debats; „unsere Armee hat bereits in Folge ihres Man- gels an Manneszucht genug gelitten; hoffen wir, daß man den demagogischen Wühlern fernerhin nicht gestatte, die Soldaten zum Unfug anzuleiten."
Thiers wird morgen erwartet. Nach zuverlässigen Berichten haben die Na- tronalgarden, welche die Kanonen auf Montmartre bewachen, selbst von der Militärbehörde Bespannung verlangt, um die Kanonen nach dem Artrüeriepark der Avenue Wagram überzuführen. Man versichert, daß ein Theil der Kanonen diesen Morgen schon hingebracht worden ist. Der Maire Clemenceau hat em Manifest erlassen, welches sehr versöhnlich gewirkt hat.
, 13. März. Das Ministerium des Innern hat den Grenrvak-
behorden notificirt, daß das die Pcßvorschriften betreffende Augustgesetz fortbestehe und ebenso selbstverständlich vorläufig die Nichtzulassung der deutschen Untertanen
x ö ^O6DM°8 der in Deutschland functionirenven französischen Gefanotschaitskanzleten. 1
..... .SMfentJonnte nun der Versammlung den Trost ankündigcn, das mt-
üÄtüdtn*n fMni8W*‘“ 3nternirt-n Lhrtnh hpd Kk .! pr ü ?er ^klagcrer gegen den Haupteingang, welcher Chorals „Nun danket alle Gott" erfolgte und wobei zwei mit Mist- gabeln bewaffnete Manner zu Gefangenen gemacht wurden, zeigte, wie wünschens- werth dieser Schutz war. Prof. Joh. Scherr, der Verfasser von „Blücher und serne Zelt", hatte als Zweiter das Wort. Er sprach so treffend, daß ihn ebenso häufig rauschende Bravos als ernfallenbe Steine unterbrachen. Der Einfluß des lnzwlschen angelangten Militärs, Reservisten von ungefähr 40 Jahren, zemte sich vorläufig einzig m der kräftigeren Zunahme de- Stein-ombardem-nts ' " " ™... ®£t ^Deutsche Licdeikranz trug nun ras Franke-Abt'sche Siegeslieb »or. X an£mbä‘,3r °er M^kbühne ein
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uber 40,°00 SD?ar .; abge^alten. Verschiedene Einwohner hatten ihre Häuser schwär, drapirt. Der preußische Commandant hat Befehl gegeben, sie je mit 60 Mann Einquartierung zu belegen. anc
+ Lille, 13. März. Die Arbeitseinstellung in Roubaix schrumpft lufam, nten; zum Theil haben die Leute die Arbeiten wieder aufgenommen.
△ Brüssel, 14. März. Man schreib, dem „Echo du Parlament" au« Eonstanttnopel: Bei den besten und unterrichtetsten Diplomaten der Pforte bai die ^oee Wurzel gefaßt, daß Preußen oder vielmehr Deutschland gezwungen f, ruh°r ober spater in Krieg mit Rußland zu gerathen, Oesterreich werbe Deuts», land in diesem Kampfe unterstützen, welchem es danach die Deutschen Oesterreich« überlassen werde. Letzterem stehe indessen nichts im Wege, sich im Orient aus,» dehnen und endlich den Traum des Grafen Beust zu realistren, einem Traum welchem der Dualismus sein Entstehen verdankt: die Schöpfung eines aroie»' ungar.fch-slavifchen Reiches, mit den Ungaren an der Sp^e Man darf 2- mcht staunen, daß die hohe Pforte, welche, wie es scheint, an die Möglichkeit eine« baldigen Confliets glaubt, im Begriffe ist, eine Armee zu organistren, so zahlreich wie ste die Lander be« Halbmondes feit einem Jahrhundert nicht gc ehen habe«
+ Bern, 13. Marz. Der Bundesrath beschloß, die Züricher Vorgänge vo« Bundeswegen in strafrechtliche Untersuchung zu ziehen. Gestern blieb die Ruh" ungestört. Die aufgedotene Artillerie ward wieder entlassen. ’
+ London, 13. März. Lord Granville machte im Oberhaus- und Enfiele im Unterhause folgenve Mittheilung: Die Pontusconferenz, der französische Gr- sandte mit einbegriffen, untcrzcichncte heute den Tractat, welcher die das Schwari- Mcer neutralisirenden Vertragsbestimmungen wieder abschafft. Die bisherigen Be. schrankungen de« Sultans in Betreff der Schließung der Dardanellen und de« Bosporus würben dahin abgeändcrt, baß bie Pforte dieselben auch in Frieden«.
C*ref" ÄrlC36Wci? befreundeter Mächte erschließen darf, wenn sie die« JUI Durchführung der Par.,er Stipulationen nöthig erachten sollte. Der Tractat be- stimmt eine zwolsfahrige Fortdauer der bestehenden Donaucommission und fortaesetm Neutralisation der tn dieser Beziehung geschaffenen und noch zu schaffenden Ar- beiten, doco wirb brr Pforte als Territorlalmacht die Berechtigung Vorbehalten Kriegsschiffe in die Donau abzusenben. Die Conferenz unterzeichnete auch noch ein be ondere« Protokoll, wonach vermöge Völkerrechts keine Macht cinfeitia Ber. ttuge losen ober abandern dürfe. Morgen findet die förmliche Schlußsitzung stall
. Miigsten und kampflustigsten deutschen Studenten und Arbeiter voran, bewaffneten sich m,t Stuhlbeinen, Mufikpulten, Draperiestangen -e und postttteü sich an der «was vertief, liegenden bedrohten Thür. Es war ein angstvoller men., um so mehr, als die Damengallerie der Gefahr am nächsten ?aa und e Frauen beretts schreiend flohen. Da stürz.e bie Thür ein, und den Degen in b Faust brang.en die nobeln Offiziere, die vor Werder und Manteuffel Stand gehalten hatten, in die wehrlose, friedliche Versammlung. Allein em Donnerwetter von allerband Gegenständen hagette auf ihre Köpfe nieder, und Ne wendeten steh zum Ruckzuge. Schon waren aber die Vordersten gefaßt; triuwphirend sprangen zwei deutsche Studenten hervor und präsentirten der donnernd applaubirenden Ver- SSÄ 6Ä-
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Das gestörte deutsche Fest in Zürich.
~ ei"em Kölner, der zufällig aus einer Geschäftsreise in Zürich zum Fest- der Deutschen kam, welches sie zur Feier der wiedererlangten deutschen Reicbseinbeil veranstaltet halten, erhalt die „Köln. Ztg." folgenven betrübenden Bericht:
„Zurich, 10. Marz. Meine hiesigen Freunde luden mich auf gestern Abend zu einem Feste der hiesigen Deutschen und bcutschfreunbllch gesinnten Schweim ein, welches sie schon auf früher hatten anberaumen wollen, aber wegen der UM. 6aI6USflllhUr$ älrmec verschoben hatten. Ich ging um
8 Uhr nach dem Fest,okole, der Tonhalle, welche einfach, aber würdig du.» große schwarz-weiß-rothe und schwarz-roth-golbene Fahnen, sowie durch ein schöne« B ld der Germania geschmückt war. Auf dem vor der Tonhalle liegenden freien ""sch'cbene verdächtige Gruvpen, welche Zurufe wie: „Dütscher un6bln*Plr,U^n^t* 1C' Endeten. 34 »erstanb mich noch nicht auf die Sprach- und achtete Die Sache wenig.
Die Bedeutung wurde mir erst klar, als der Festpräsident, Herr Prof Di WiSlicenuS, die Versammlung, welche auf den Gallericn einige Hundert Dameii ag müfftDti.id>Cin'3,tf*l,U|ennnen 6citte' mil tem «senthümlichen Aviso eröffnete: etwa Bersammlung dringend bitten, sich nicht um das zu kümmern, wo«
X X f UnC untev feintn Umständen das Haus zu
llö»n « üOe Bekehrungen getroffen, daß allfällige Versuche, das Fest j« stören, mit Energie würden unterdrückt werden." ”
Ein durch die Fenster fliegender und polternd niederfallendcr Stein war d-t erste Beweis für die Nothwendigkeit dieser Proclamation.
Musik und Gesang eröffneten nun das Fest, und der Präsident beaann dü Festrede. Bald unterbrachen hereinfliegende Steine die Ruhe- allein mit eiserne Kaltblütigkeit beschwor der Redner die Versammlung, jmi'i Iftitnhpfjedoch man parirte Ordre Mit wunderbarer Folgsamkeit. Ueber den Inhalt dieser und der folgenden Rebe die »orzuglich und namcntltch anerkennrnd für die LicbeSthatigkeit der Schweiz Hören saß beti*tcn' 6a id> -'was ungünstig zum


