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Preis vierteljährig 1 ft 12 fr. Blt Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 ff. 27 fr.

Gießener Anzeiger.

Erscheint täglich, mit Aus­nahme Montags.

Expedition: Canzleiberg Ltt. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsßtatt für den Areis Kielen.

Donnerstag den 16. März

1871.

Nr. 64.

Sttit werden noch fortwährend sowohl bei der Expedition, Canzleiberg B. 1, als auch

Beftellungkn (tUf PCit ö>tV^CliCl m allen Post-Expeditionen und den Land-Postboten entgegen genommen.

Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Erpedition abbolen lassen, erbalten denselben für den Monat März zu 20 fr.

Amtl i d) e v Thei l.

Rr. 8 des Bundes-Gesetzblattes des Deutschen Bundes, ausgegeben zu Berlin am 3. März 1871, enthält:

(Nr. 616.) Bekanntmachung der Nachträge zum Wahlreglement vom 28. Mai 1870 (Bundes-Gesetzblatt S- 275.) Vom 27. Februar 1871.

Nr. 9 des Bundes-Gesetzblattes des Deutschen Bundes, ausgegeben rn Berlin am 3. März 1871, enthält:

(Nr. 617.) Verordnung, betreffend die anderweite Bestimmung des Tages für die Einberufung des Reichstages. Vom 26. Februar 1871.

Nr. 10 des Bundes-Gesetzblattes des Deutschen Bundes, ausgeqeden zu Berlin am 7. März 1871, enthält:

(Nr. 618.) Verordnung, betreffend die Aufhebung der Ausfuhr- und Durchfuhrverbote. Vom 4. März 1871.

Gieren, den 11. März 1871. Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

v. S t a r ck.

Politischer Theil.

15. März.

Wie versichert wird, soll, um einen schleunigen Ersah der im letzten Feld- jugt erlittenen Verluste zu bewirken, mit ter Heimkehr ter Truppen in ihre fünf- tjgkn Garnisonen eine umfassende Beurlaubung der länger gedienten Mannschaften kintreten, wogegen dann entweder eine erhöhte Einberufung der diesjährigen Re- ttulenclasse, oder wahrscheinlicher noch eine solche von Mannschaften der ersten Closse der Ersatzreserve statthaben würde. Bekanntlich hat auch nach dem Kriege von 1866 der gleiche Vorgang stattgefunden. Eine theilwcise Mitheranziehung hr Erfatzreserve ist außerdem schon im Verlauf des Kriegs erfolgt. Der Uebel- stand, daß sich die Erfatzreserve nicht schon im Frieden wenigstens nothdürftig militärisch ausgebildet befindet, hat sich jedoch im Verlauf des letzten Krieges indem Grade fühlbar gemacht, daß hierfür fernerhin wohl eine Aenderung in's Auge gefaßt werden dürfte. Es haben, um nur immer schnell neue Kräfte he- tanzuziehen, selbst die ältesten Landwedrjahrgänge zum Dienst einberufen werden miiffen, während die im 20sten bis 25sten Lebensjahre befindlichen Mannschaften ter Ersotzrlserve nur als ein Aushülsematerial für die Rtcrutirung benützt wer- den konnten. Eine veränderte Bestimmung hierüber möchte außerdem schon da- tuich bedingt werden, daß mit 1873 die gesetzlich bestimmte Reduktion der Land- Lehrverpflichtung bis zum vollendeten 32. Lebensjahre in Ausführung tritt, wo- turch gegen das bisher noch in Kraft befindliche Derhältniß zunächst der Armee kill sehr beträchtlicher Ausfall an gedienten Mannschaften erwachsen würde, welcher iei ter so sehr gesteigerten Wehrkraft aller anderen Staaten dringend eine Deckung blünsprucht. Ueber die Mitheranziehung der Wehrpflichtigen, wie der schon ge- dienten Mannschaften in den neuerworbenen deutschen Landeötheilen zu ihrer Anstellung in die deutsche Armee, gehen die Angaben noch weit auseinander. Wahrscheinlich wird in Betreff derselben wie 1866 in Hannover, Hessen und den ankeren annectirten LandeStheilen verfahren werden. Die Zahl der schon ge­dienten Mannschaften dieser neuen Gebiete wirb auf 1820,000 angegeben. Sei 1,6OO,OOO Einwohnern würde deren jährliches AuShebungScvntingent 16,000 Uccruten betragen. Die Friedensstärke der gefammtcn deutschen Armee aber würde sich bei jetzt etwa 40 Millionen Einwohnern auf 400,000 Mann berech­nen. Die vor dem Kriege von 1870 in Norddeutschland wie in den vier süd­deutschen Staaten unterhaltene Truppenstärke betrug hingegen für den Norddeut- [eben Bund 299,000, für Baiern 34,662 , für Württemberg 13,468, Baden 14,189, Hissen 8,430 Mann, wovon sich indeß für diesen letzten Staat ein Tüttel der norddeutschen Armee bereits eingerechnet befand, so daß also der Ge» simmtbcstand der deutschen Hccreestärke bis dahin nur etwa 370,000 Mann be- lragen würde, wobei sich indeß durchgehends die Officiere und Beamte nicht mit eingerechnet befinden. Eine Erhöhung der Truppencontingente, wofern eine solche biflimmt werden sollte, würbe indeß ausschließlich nur Süddrutschland zur Last sollen, das bisher, statt dem Derhältniß seiner Bevölkerung entsprechend, 80,000 Mann Friedensstärke auszustellen, nur 68,319 Mann factisch ausgestellt hat. *66 Verlautet jedoch noch nicht, daß hierin irgend eine wesentliche Aenderung beab- sildtttzt würde, und bürste die neue Organisation der gesammtdeulschen Armee »shrscheintich nur in dem bisherigen Umfange erfolgen.

M. Unsere Mittheilungen über die Anordnungen betreffs Zurücksührung du Armee auf den FriedenSsuß können wir heute dahin ergänzen, daß diejenigen Fniwilligen, welche bi- zur vollständigen Ableistung ihrer Dienstpflicht bei den Truppen verbleiben wollen, bis dahin weiter bienen können, alle übrigen aber, welche nur für die Dauer des gegenwärtigen Krieges freiwillig Dienst nahmen, [»fort zur Entlassung kommen. Die Mannschaften der Ersatzreserve, welche drei Monate unter der Fahne waren, werden als ausgedient betrachtet, alle anderen litten in das Verhältniß der Ersatzreserve zurück, jedoch mit der Maßgabe, daß Vit bei der Entlassung brotlos dastehenden auf ihren Wunsch im Dienste verbleiben finntn. Endlich werben einer soeben ergangenen Ordre zufolge nach vollständiger Durchführung der Demobilisirung der Armee die vier ältesten Jahrgänge der Landwehr zum Landsturm Übergeführt unv ihrer ferneren Dienstpflicht enthoben.

Unter den an das deutsche Reich fallenden 1,119,115 Einwohnern des E1- iasscS befinven sich 234,691 Protestanten, die sich aus das Departement Nieder­

rhein mit 121,213 und auf das Departement Oberrhein mit 53,478 vcrtheilen. In Lothringen finven sich nur in dem Departement der Vogesen Protestanten, und zwar mit der geringen Zahl von 4668.

Der Debit französischer Zeitungen ist von den norddeutschen Postanstalten für das zweite Quartal wieder ausgenommen worden.

DieSituation" veröffentlicht den Text der, Protestation, welche der Kaiser Napoleon an den Präsidenten der Notional-Versammlung gerichtet hat; er lautet:

An den Präsidenten der National Versammlung in Bordeaux. Herr Prä­sident ! In dem Augenblick, wo alle Franzosen tief betrübt über die Bedingungen des Friedens nur an die Leiden des Vaterlandes dachten, hat die National- Versamwlung die Absetzung meiner Dynastie ausgesprochen unv behaupt«, baß ich allein verantwortlich sei für vaS öffentliche Unglück. Ich protestire gegen diese ungerechte und ungesetzliche Erklärung.

Ungerecht, denn als der Krieg erklärt ward, hatte das Nationalgefühl, überreizt durch Ursachen, die von meinem Wellen unabhängig waren, eine allge­meine und unwiderstehliche Ueberstürzung (entrainement) hervorgebrachk.

Ungesetzlich, denn die Versammlung, zu dem einzigen Zwecke erwählt, um Frieden zu machen, hat ihre Vollmachten überschritten, indem sie Fragen ent­schied, welche über ihre Eompetenz waren; wäre sie selbst eine constituirente Ver­sammlung. so wäre sie doch nicht im Stande, ehren Wellen dem der Nation zu substituiren. Das Beispiel der Vergangenheit ist da, um eS zu beweisen. Die Feindseligkeit der Constituante ist 1848 an ter Wahl des 10. Decembers ge­scheitert und 1851 bot das Volk durch mehr als 7 Millionen Stimmen mir gegen die ges'tzgebende Versammlung Recht gegeben.

Die politische Leidenschaft kann, nicht gegen das Recht überwiegen, und das französische öffentliche Recht für die Gründung jeder legitimen Regierung ist bas Plebiscit. Außerhalb von diesem besteht nur Usurpation für die Einen, Unterdrückung für die Anderen. Auch bin ich bereit, mich vor dem freien AuS- crucke des nationalen Wellens zu beugen, aber nur vor diesem.

In Gegenwart schmerzlicher Ereignisse, welche allen Entsagung und Selbst- verläugnung auferlegen, hätte ich gern Schweigen gewahrt, aber die Erklärung der Versammlung zwingt mich, im Namen der beleidigten Wahrheit und der verkannten Rechte der Nation zu protestiren.

Empfangen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner Hochachtung.

Wilhelmshöhe, 6. März 1871. Napoleon.

Unter den pariser BanquierS, welche keine Deutschen mehr in ihren Ge­schäften haben wollen, befindet sich auch Fould; derselbe sandte einen seiner Be­amten weg, der lange Jahre in seinen Diensten war und 25,000 Franken Ge­halt hatte. Seine früheren Kollegen wollten nicht mehr mit ihm dienen. Man weiß nicht, wer seine gute Stelle erhalten wird. Der bekannte Wagen-Fabri­kant Binder, wie auch Fould deutscher Abstammung, macht in den Blättern be­kannt, daß er iee Zukunft keine deutschen Arbeiter mehr anstellen wird. Das In­stitut und die Academie framjaise haben sich auch gegen die Deutschen erklärt und wollen in Zukunft keine Correspondenten mehr unter den Deutschen haben. Das Institut dürste aber dabei wohl am meisten verlieren. Im Norden Frank­reichs ist die antideutsche Bewegung auch losgegangen. In Bordeaux ebenfalls. Die dortigen Kaufleute wollen keine Deutschen mehr annehmen und sogar alle Geschäfte mit Deutschland einstellen. Ein neues Kaffeehaus auf dem Boulevard Malesherbes, dessen Besitzer ein Deutscher, est gänzlich verwüstet worden. Dem Manne selbst gelang es, sich durch eilige Flucht zu retten. Er war in den letzten Tagen nach Paris zurückgekommen. Das Publikum behauptete, er habe gegen die Franzosen gekämpft. Das Boulogner Gehölz ist jetzt dem großen Publikum verschlossen. Man läßt dasselbe nämlich Herrichten, d. h. die Ver­wüstungen, welche dort angerichtet, so viel als möglich repartren.

Mannheim, 10. März. Auf der benachbarten Stakioil Friedrichsfeld fuhr heute Morgen 4 Uhr, wie es scheint in Folge grober Nachlässigkeit, die Locomotive