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gegenkommend. Die internationale Conferenz wollte den Preis einer einfachen Transit-Depesche, der bis jetzt außer in Bayern 20 Silbergroschen betrug, durch den internationalen Vertrag für ganz Deutschland feststellen lassen. Bayern hat indessen auf Transittarif von 24 Silbergroschen bestanden, und so hat man, wie schon gemeldet, diesen höheren Tarif für den internationalen Transit in ganz Deutschland annehmcn müssen. Hier hat sich die Sonderstellung, welche der Ver­sailler Vertrag Bayern in Sachen de- telegraphischen Verkehr- zugestanden, nicht vortheilhast erwiesen.

DieNeue freie Presse" vom 11. d. M. meldet als ganz bestimmt, daß die Minister Schasste und Habietinek ihre Demission eingereicht haben, weil der Graf Beust nach den Insulten, welche dem Minister Iirecek in der Aula der Universität zugesugt worden, noch unter den Studenten verblieb. Es sollen über­haupt abermU- alle Hebel angesetzt sein, den Grasen Beust zu stürzen.

Aus Rom wird vom 9. d. M. gemeldet: In gut unterrichteten Kreisen wird erzählt, daß der Minister der auswärtigen Angelegenheiten in seiner jüngsten Unter­redung mit dem französischen Geschäftsträger habe hören müssen, daß Frankreich nicht eher einen ordentlichen Vertreter nach Italien schicken könne, al- bis die Umrisse der italienischen Politik eine bestimmtere Gestalt angenommen haben würden".

Der französische Kriegsminister hat, wie gemeldet, unlängst ein Rundschreiben erlassen, worin er die Corpschess aufforoert, diejenigen O fiziere namhaft zu machen, welche im Stande wären, ihren Kameraden und den Unteroffizieren Unterricht in der deutschen Sprache zu geben. Da-Journal de- Debat»" schließt daran fol­gende Betrachtungen: E- wäre zu wünschen, da- durch den ^rieg-minister gegebene Beispiel wurde auch durch den Minister des öffentlichen Unterricht- befolgt. Wenn die Kenntniß der deutschen Sprache unsere Offiziere mit der geschicktesten militäri­schen Organisation von Europa vertraut machen soll, so würde sie ihrerseits unsere Studirenden über die Fortschritte in einem Linde aufklären, in welchem der EultuS der Geiste-arbeiten besonder- hoch in Ehren steht. Wir besitzen in dieser Beziehung ein Vorurtheil, dessen wir un- nicht schnell genug entledigen können: es gilt für au-gemacht, besonders in philosophischer Hinsicht seien die Deutschen Träumer. Da- ist aber nur ein Vorwand, um sich nicht mit ihnen zu beschäftigen. Dieser Vorwurf wäre vielleicht zutreffender, wenn wir den Muth hätten, ihn uns selbst zu machen. In jedem Falle haben wir im letzten Feldzuge geträumt, während die Deutschen sich wach erhielten. Wenn wir unsere alte Ueberlegenheit wieder­finden wollen, sei e- in der reinen Wissenschaft oder in der Kriegskunst, so werden wir gut thun, die Deutschen so geduldig zu studiren, wie Deutschland Frankreich studirt hat.

LautJournal de Belfort" sollen alle kleinen FortS im Jura und Doubs, die Cttabelle von Besan^on mit einbegriffen, abgetragen und nach einem neuen Plane wieder aufgebaut werden. Was Besanyon anbelangt, so sollen die Mauern und Festungswerke dieser Stadt bis zu den nächsten Hügeln vorgerückt und alle Engpässe befestigt werden, durch welche die unglückliche Ostarmee ihren Rückzug bewerkstelligte.

Die Mormonen, gegen welche die Regierung der Vereinigten Staaten end- lich eingeschrttten ist, scheinen in England Propaganda machen zu wollen. In einer der Vorstädte London- hat eine Mormonenconferenz stattgefunden, bei welcher mehrereHeilige vom Salzsee" zugegen waren.

Die russischen Zeitungen enthalten ziemlich ausführliche Mittheilungcn Über da- neue, dem chinesischen Vasallen Khan von Kuldju entrissene und vom General KolpakowSki sofort reorganisirte Gebiet. Für die Umgestaltung desselben ist es bezeichnend, daß sofort Schritte gethan worden sind, um die Sclaveret aufzuheben, welche bisher auf nahezu 100,000 Bewohnern diese- Lande- lastete; der bisherige Gebieter desselben ist in eine Provinzialstadt internirt und dadurch für alle Zeiten unschädlich gemacht worden. Natürlich hat diese neue Erweiterung de- russischen Machtgebiete- unter den Bewohnern Mittelasien- große Aufregung heroorgerusen; wie es heißt, will der Sultan von Ehiwa sich an die Spitze eines Bündnisses sämmtlicher turkestanischer Völker stellen, um einen entscheidenden Streich gegen den unaufhaltsam vorrückenden mächtigen Feind zu versuchen.

Darmstadt, 11. Octobcr. Den ersten Gegenstand der Tagesordnung für die heute stattgehabie Sitzung der ersten Kammer bildete der Antrag der Abgg. Hallwachs, Kraft, Kempff und Bindewald, die Vorlage eines revidirten Wahlgesetzes für die Wahl der Abgeordneten betreffend. Dem Antrag ihres Ausschusses Folge leistend, trat die Kammer den jenseitigen Beschlüssen bei; das Ersuchen der 2 Kammer:.Großh. Regierung wolle das Wahlgesetz noch im Jahr l87l zur Ver­abschiedung vorlegen", wurde jedoch dahin abgeändert, daß anstattnoch im Lause de- Jahre- 1871" gesagt wurde:so bald als möglich."

Den zweiten Gegenstand der Tagesordnung bildete die Vorlage des Großh. Ministeriums de- Innern, die Erhöhung des der polytechnischen Schule gewährten Staatszuschusses um den Betrag von 13,500 fl. betr.

Die zweite Kammer hatte bekanntlich die Regierungsvorlage abgelehnt und beschlossen: die Regierung zu elmächtigen, innerhalb der Glänzen de- den Ständen bei der Proposition vom 3. October 1867 vorgelegten Budgets die Ausgaben für das Polytechnikum für spätere Zukunft von jährlich 44,434 fl. jetzt schon für den Rest der Finanzperiode Ausgaben nach Verhaltniß der Zeit zu bestreiten.

Der Ausschuß der i. Kammer beantragte Beitritt zu diesem Beschlüsse; ein Mitglied beantragte Verwilligung der Regierungsvorlage. Bet der Discussion, welche anläßlich dieser Anträge eröffnet wurde, ergriff zunächst der Kanzler der Landesuniversität das Wort. Geheimerath Dr. Birnbaum sprach sich gegen die Regierungsvorlage und für die Beschlüsse der 2. Kammer aus. Er bestritt das Bedürfniß nach Errichtung eines Polytechnikum- und erblickt in derselben eine Gefahr für die Landesuniversität. Es werde eine zweite, mit der Unioersttät in Eoncarrenz tretende naturwissenschaftliche Facultät errichtet. Daß man hierbei ver Universität im Auge habe, beweise die Thatsache, daß man die Wlederbesetzung des Lehrstuhls für Jngenieurwiffcnschasten verweigert habe, vergleicht hierauf die Gehaltverhältnifte der an der Universität und an dem Polytechnikum angestellten Professoren und erwähnt, daß man als Minimum für einen dchrer an dem Letzteren eine Besoldung von 1500 fl. festgesetzt habe. Er mache darauf aufmerksam, baß es ordentliche Professoren an der Universität gäbe, welche ntcht einmal 1200 fl. bezögen. Prälat Dr. K. Zimmermann hält sich für verpflichtet, da man die Anstalt einmal in das Leben gerufen, auch die­selbe zu unterstützen und erklärt in erster Linie für die Regierungsvorlage, eventuell für die Beschlüsse der 2. Kammer stimmen zu wollen. Freiherr Riedesel zu

Eisenach: Er stimme mit Geheimerath Dr. Birnbaum überein. Er müsse nur einige- bezüglich der Ausbildung der Reallehrer, die man dem Polytechnikum an- vertrauen wolle, hinzusetzen. Er bestreite, daß man denselben dort eine Bildung crtheilen könne, welche der auf der Universität erworbenen gleich komme. Man würde höchsten- Routinier- erhalten, und die jungen Leute würden als halb Ge­lehrte in das Polytechnikum hinein, als Verkehrte aber wieder herauskommen. End­lich weise er darauf hin, wie die von der Regierung wiederholt verlangte Er­höhung de- Staatszuschusses hinlänglich darthue, wie es dem Großherzogthum nicht möglich sei, mit anderen Anstalten, welche, wie beispielsweise die polytech­nische Schule in Aachen mit 80,000 Thalern jährlich dotirt seien, in Eoncurrenz zu treten.

Der al- Regierung-commiffär anwesende Geheimerath Schleiermacher hält sich für verpflichtet, die Angriffe, welche gegen die Wirksamkeit des Polytechnikum- gerichtet feien, zurückzuweisen. Die Resultate, welche es bisher erzielt, sowie der Lehrplan und die gesammte Einrichtung der Anstalt leisteten Bürgschaft für die Zukunst. Die gefürchtete Eoncurrenz mit der Landesuniversität fei bis zu einem gewissen Grade vorhanden und fei ntcht zu vermeiden. Die Regierung habe jedoch in dieser Beziehung die Grenzen des Nothwendigen nicht überschritten. Die von dem Kanzler der Landesuntversität berührten Gehaltsverhältnisse anlangend, be­merke er, baß an Der Universität bas Honorar für Die Vorlesungen dem Oocenten, an Dem Polytechnikum aber der Anstalt zu Gate komme. Graf v. Görz, Erl., bemerkt mit Beziehung auf den mehrfach in der Presse gegen die oberhessischen Ab» geordneten erhobenen Vorwurf de- Partikulari-mu- , daß dieser Partikulari-mu- bis zu einem gewissen Grave vorhanden sei. Er sei jedoch defensiver Natur, seit Jahren bemühe man sich, alle- in Darmstadt zu centralisiren. Es sei ein noch nicht oft genug berührter Punkt, wie häufig man Anforderungen der LandeS- universttät nicht bewilligt und gesagt habe, seien Die erforderlichen Mittel nicht vorhanden. Nun wolle man noch eine zweite Universität neben der bestehenden in Darmstadt schaffen. Redner erklärt schließlich seine Uebercinstimmung mit dem von dem Freiherrn Riedesel bezüglich der Ausbildung Der Lehrer Gesagten. Dom- 'capitular Dr. Mousang erklärt sich in erster Linie für Die Regierungsvorlage. 'Unter Hinweisung auf Den Aufschwung, welchen Industrie und Handel genommen, erklärt er Die Vermehrung Der höheren naturwissenschaftlichen Unterrichtsanftalten für ein Bedürfniß. Dem Freiherrn Riedesel erwidert er, daß die Größe deS Staatszuschusses für den Werth der Anstalt nicht entscheidend sei. An den kleine­ren Lehranstalten trete der Schüler dem Lehrer näher, gerade an den kleinen Univer­sitäten hätten sich von jeher Die Genies ausgebildet. Herr Mönch constatirt, daß er sich im Ausschuß für die Regierungsvorlage ausgesprochen. Bei Der Abstim­mung wird letztere gegen 6 Stimmen abgelchnt und trat da- hohe Hau- den Beschlüssen der 2. Kammer bei.

lieber folgende Gegenstände der Tagesordnung faßte die 1. Kammer gleich­falls mit denjenigen de- anderen Hauses übereinstimmende Beschlüsse:

1) über Den Antrag Der Abgeordneten Heß und Bindewald, Die Errichtung eine- Gebäudes für Die technischen Fächer an Der Landesuniversität Gießen;

2) Den Antrag des Abgeordneten Curtmann, die Aufbesserung Der aus Der Schullehrer-Wittwenkaffe zu zahlenden Pensionen;

3) den Antrag de- Abgeordneten Keil von Fürth, die Erhöhung der Besol­dungen und Gehalte Der Volksschullehrer aus Staatsmitteln;

4) den Antrag des Abgeordneten Kolb, Die Vermehrung des für die Realschule in Alsfeld bewilligten Zuschusses aus Staatsmitteln;

5) Den Antrag De« AbgeorDneten Goldmann auf Vorlage eine- Gesetzes, die Ausgleichung der Kriegsleistungen;

6) Den Antrag des Abgeordneten Volhard auf Vorlage eines Gesetzentwurfs, die Befreiung der Unterofflziere und Soldaten des stehenden Heeres, mit einem Gefammteinkommen unter 1500 fl., von Der Einkommensteuer während Der Zeit ihrer Mobilmachung;

7) Die Eingabe des Handelsoereins für Darmstadt und Bessungen, die Herbei­ziehung der Actiengefellfchaften zu den Communallasten;

8) die Eingabe des Handelsoereins für Darmstadt und Bessungen, die Heran­ziehung des gefammten Einkommensteuerkapitals zu den Eommunallasten;

9) das Gesuch mehrerer Hauptzollamt-asststenten zweiter Klasse, Gehaltser­höhung;

10) Die Vorstellung mehrerer Steueraufseher Der Provinz Starkenburg und Rhein­hessen, Gehaltserhöhung;

11) Den Antrag Des Abgeordneten Huy, Die Erbauung Der Odenwaldbahn.

Berlin, 12. Octo'oer. Wie aus Versailles gemelDct wird, hat Hr. Thiers dem Grafen Arnim gegenüber Den Wunsch ausgesprochen, Daß die Diplomatischen und consularischen Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland wieder her­gestellt würden. Die kaiserliche Regierung wird es ihrerseits an Geneigtheit nicht fehlen Uffen. Wenn Die französische Regierung an Stelle de- jetzigen Geschäfts­träger- einen Botschafter aboronet oder dem Marquis de Gabriac Botschafterrang ertheilt, so wirb Die Ernennung des Grafen Arnim zum deutschen Botschafter nicht auf sich warten lassen. Graf Arnim hat, wie e« scheint, Den Erwartungen, welche hier auf ihn gesetzt wurden, durch seine Haltung in Versailles und Paris durch­aus entsprochen.

Wie DieBr-1. Ztg." von hier erfährt, wird Der Gegenbesuch des Kaiser- Franz Joseph in Berlin noch immer gegen Ende October in Aussicht gestellt. Al- Detail führt man an, daß Die Kaiserin Elisabeth gleichfalls im Berliner Hof­lager erscheinen wird und Die Grafen Beust und Andrassy Den Kaiser begleiten werden.

Berlin, 12. October. Soviel wir über Den Verlauf Dej Berathungen in Der am 10. d. M. abgehaltenen Eonseilsitzung erfahren, Dürfte in Bezug auf die geschäftliche Behandlung des Militäretats diejenige Entschließung getroffen sein, welche schon seit einiger Zeit dahin erwartet wurde, daß eine Verlängerung de- Pauschquantums auf ein Jahr beim Reichstage beantragt werden soll. Dabei wird von einer Erhöhung der Pauschsumme oder von extraordinären Forderungen, von denen vielfach gesprochen wurde, allen Anzeichen nicht die Rede sein, sonder» e- bei Der früher» Forderung sein Bewenden haben.

Berlin, 13. Oct. Die Eröffnung de- Reichstag- findet Montag 1 Uhr statt. DieKreuzzeitung" erklärt die Gerüchte über angeblich beabsichtigte Er- höhung^der Dotationen für durchweg erfunden.

Stuttgart, 12. Oct. Dem Vernehmen nach ist der preußische General von Stulpnagel zum Commandanten Des würrtembergischen Armeekorps ernannt worden.

Paris, 13. Oct. Der Cassationshof hat die Berufung von Ferre, Lullier,

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