Einzelbild herunterladen

taillier trug übrigen-, wie au- Wien gemeldet wird, Sorge, jenen Widerstand von vornherein als einen principiellen zu kennzeichnen und keinen Zweifel darüber zu lasse», daß e- ihn freue, von dem angenommenen System, keinen Botschafter zu ernennen, Oesterreich-Ungarn gegenüber eine Ausnahme machen zu dürfen.

Es wird amtlich darauf aufmerksam gemacht, daß der Eintritt in Frankreich nur gegen Vorzeigung eines giltigeu Reisepasses gestattet wird, und daß dazu das Visa eines französischen Consularagenten erforderlich ist. Die Gebühren für ein solche- Visa betragen zehn Franken. Reisende, welche nur im Besitz einer Paßkarte find, werden an der Grenze zurückgewiesen.

Die Deputation lothringischer Hüttenwerk-Jntereffenten hat ihren Aufenthalt in Berlin «och verlängert, um mit den Mitgliedern de- Reichskanzleramts über die Regelung der ihre Industrie zunächst betreffenden Fragen zu conferiren. In erster Linie handelt es fich dabei um die Feststellung eines einheitlichen Tarifs auf den elsaß-lothringischen Bahnen, auf deren verhältnißmäßig kurzer Strecke, als Rückwirkung des Krieges, zwei oder drei verschiedene Tarifsätze für Waarentrans- Porte bestehen. Die Deputation findet überall das freundlichste Entgegenkommen.

Der Generalkonsul des deutschen Reiches in London, Herr Wilke, macht bekannt, daß in Angelegenheiten der VersicherungsgesellschaftAlbert" alle die- jenigen, welche ihren Anspruch nicht gegen dieAlbert", sondern gegen eine der mit dieser verschmolzen gewesenen, im Separatconcurse befindlichen Gesellschaften geltend machen wollen, diesen Anspruch bis spätestens 31. Juli d. I. anzumelden haben. Ebenso haben bis zum 31. Juli d. I. die Inhaber von Renten (annuilies), sowie diejenigen, welche eine AurstattungSsumme (endowment) zu fordern haben, gleichviel ob der Anspruch gegen dieAlbert" oder gegen eine ihr einverleibte Gesellschaft aufrecht erhalten wird, ihren Originalcontract vorzulegen. Die Liqui- datoren hoben bisher den Grundsatz ausgestellt, daß eine kumulative ForderungS- anmeldung gegen dieAlbert" und gegen eine der mit ihr verschmolzenen Gesell- schäften unzulässig ist; diejenigen, welche jetzt ihre Befriedigung aus der Masse einer der letzteren Gesellschaften verlangen, laufen daher Gefahr, mit ihrem An­spruch an die Masse derAlbert" abgewiesen zu werden. Herr Wilke ist gern bereit, die Mittheilung deutscher Versicherter an die Liquidatoren zu vermitteln.

Das neue Manifest des Grasen von Chambord wird von derPall Mall Gazette" erbarmungslos verarbeitet.Wir haben nie sonderliches Vertrauen zu den Aussichten des Grafen auf den Thron Frankreichs, noch zu feiner Tüchtigkeit als Herrscher gehabt; allein wir müssen gestehen, von seinen Talenten zum Selbst- morde hatten wir noch keine entfernte Ahnung. Das erste Anzeichen in dieser Richtung lieferte der Brief vom 6. Juni, in welchem den geschlagenen und mit Schmach bedeckten Soldaten des Kaiserreichs in einer Weise geschmeichelt wurde, die eher eines Commis Voyageur, als eines Fürsten würdig war, und die den betreffenden Herren selbst Ekel erregen mußte. Dieser Brief reichte vollkommen hin. Er machte Den Prinzen für Jedermann, der von einem Fürsten Würde, oder, wenn nicht Würde, doch wenigstens Selbstachtung erwartet, vollkommen unmöglich. Allein der Graf ist entschlossen, eines schauerlichen Todes zu sterben, und während er noch von der selbst geschlagenen Wunde blutet, greift er wieder zur Feder und zerfleischt sich aus'- Reue. Er hat einen neuen Brief geschrieben, einen meiner- lichen, jammerseligen Brief, in welchem er vor das Publikum tritt, um die weiße Fahne an seine Fürstenbrust zu pressen, während er mit der andern freien Hand Jedermann Anerbietungen gemacht, den Communalisten wie den Constitutionalisten, kurz Jedermann, besonders aber den Soldaten:Franzosen! Ich bin in eurer Mitte," rüst er,aber ich muß scheiden!" Warum, wird nicht gesagt, thut auch nichts zur Sache; denn wahrscheinlich spielt der Graf doch nur die Rolle des Liebenden, der, in Zähren zerfließend, ausrust:Geliebte, ich muß mich aus deinen Armen reißen! ' dabei aber höchstens beabsichtigt, nur desto fester in die besagten Arme geschlossen zu werden.Ich verlasse daher mein Chambord, das euer Ge- schenk war; aber ehe ich scheide, muß ich euch sagen, daß ich mich nicht von euch trenne!" Und dann werden uns nach einigen Andeutungen von dem Reiche, das auf breitester Grundlage mit allgemeinem Stimmrechte rc. gegründet werden soll, unter Schluchzen einige geschäftsmäßige Winke gegeben, die ausnehmend königlich lauten und mit der Erklärung schließen, daß Heinrich V. die weiße Fahne nicht verlassen kann. Das ist ein würdiges Ende für eine Proklamation, welche pathe­tisch sein soll und ihren Zweck verfehlt, weil sie höchstens lächerlich ist."

Die mit letzter Post eingetroffenen Newyorker Blätter veröffentlichen das folgende Telegramm aus Kingston, Jamaica, vom 23. Juni: Von St. Thomas liegen Depeschen bis zum 17. d. M. vor, denen zufolge der Vereinigten-Staaten- KriegsdampferWatara" am 12. von San Domingo abgegangen war und am 4. mit etwa 1500 Mann bet San Juan einen Angriff gegen eine etwa gleich starke Truppenmacht Eabral's ausgeführt hatte. Die letzteren wurden mit schwerem Verluste zurückgeschlagen, verloren 2 Kanonen, 18 Gefangene und das Lagerfuhr­werk. General St. Clair wurde getödtet. Als Cabral sah, daß er fich zurück- ziehen müsse, befahl er, das Pulvermagazin in die Luft zu sprengen. Dies ge­schah, und fast die ganze Stadt San Juan wurde zerstört. Präsident Baez, welcher während der Action in Azua geblieben war, ist seither nach der Haupt­stadt zurückgekehrt.

Darmstadt, 11. Juli. Heute langte hier die erste Abschlagszahlung von der französischen Kriegs-Kontribution Seitens des Reiches an Hessen in der Höhe von 2y2 Millionen Thaler an. Dieselbe gehört nicht zu Den Summen, welche auf Hessen zur Versorgung der Invaliden, zur Entschädigung der Reservisten und Landwehrmänner kommen. Der ganze auf Hessen fallende Antheil der Kriegs- Contribution soll 34 Millionen Thaler betragen. (Mainztg.)

Biebrich, 10. Juli. Herzog Adolph von Nassau ist gestern Nachmittag nach einem mehrwöchentlichen Aufenthalte auf Gräfenberg wieder in Frankfurt ein­getroffen.

t Berlin, 12. Juli. Nach hier eingetroffenen Soldatenbriefen aus Rheims, das den deutschen Truppen während des Krieges einen ganz erträglichen Aufent- halt bot, ist das Leben dort ein recht unangenehmes geworden; Die Soldaten Dürfen nicht mehr einzeln auf Der Straße erscheinen, wenn sie nicht die größte Gefahr für ihr Leben laufen wollen. Tagtäglich finden bis in Die Nacht hinein Die blutigsten Schlägereien zwischen Truppen und Der zahlreichen Arbeiterbevölkerung statt, wobei bereits mehre Deutsche ermordet wurden. In Folge dessen wird feit Dem 5. d. Der Belagerungszustanv mit unnachsichtlicher Strenge gehandhabt, Pa­trouillen zu 50 Mann durchziehen unaufhörlich Die Stadt, bei Strafe Der Arre- tirung Dürfen die Einwohner nicht mehr zu Zweien auf der Straße stehen bleiben, »ud mehre Franzosen sind bereits standrechtlich füsilirt. Die Geisel des Krieges,

so fürchterliche Wunden sie auch schlug, scheint an den Franzosen ganz spurlos vorübergegangen zu sein; sollten nicht die französischen Behörden die Mission ia sich verspüren, einer möglichen Wiederkehr derselben vorzubeugen?

Fürst Bismarck will absolute Ruhe auf seinem TuSkulum Varzin haben, und die ist ihm Denn auch nach Der Titanenarbeit des letzten Jahres in ausreichendem Maße zu gönnen. Wie gestern dieNordd. Allgem. Ztg.", so lügt heute Die Kreuzzeitung" in Dem ihr eigenen Lapidarstil Die Ueberfüllung des Varziner Briefbeutels mit Den unbeDeutenDpen Gesuchen, und knüpft Daran die Mahnung: Für solche Correspondenzlustige, Die auf das Bedürfniß des Fürsten-ReichSkanzlerS nach Ruhe keine Rücksicht nehmen, mag es gut fein , wenn sie erfahren, daß Fürst Bismarck von diesen tausend Briefen nicht einen lesen kann und Darf, von Beant­wortung zu schweigen. ä>

Der neue französische Geschäftsträger am hiesigen Hofe, Marquis De Gabriac, hat bereits mit feiner Gemahlin das seit Jahresfrist vollständig verödete Hotel Der ranzösifchen Gesandtschaft Hierselbst, am Pariser Platz, bezogen.

Berlin, 13. Juli. Eine Bekanntmachung des k. Bankdirectoriums zeigt an, daß Die Bank-Commandite zu Frankfurt a. M. ihre Wirksamkeit am 18. Juli beginne.

München, 8. Juli. Arn 24. und 25. Juni hielt Der Bischof Heinrich von Passau zwei Predigten, worin er Der Gemeindebürgerschaft dieser Stadt vorwarf: daß in Bayern, vorzugsweise in Niederbayern und ganz besonders in Der Stadt Passau, sich Bestrebungen kund gäben, den Neligionskrieg zu entzünden; diese Be- tredungen seien eine Schmach und Schande, die mit unauslöschlichen Zügen in >er Geschichte Der Stadt Passau verzeichnet bleibe.In Der Stadt Passau ägte Der Bischof wörtlich gab jede Siegesnachricht Anlaß zu einem neuen Saufgelage, und buchstäblich folgte ein Rausch auf Dem andern. Während unsere braven Truppen für uns ihr Blut vergossen haben, wurde in Passau in ausge- lassenster Weife gefressen, gesoffen und jubilirt. Während unsere Truppen mit den größten Entbehrungen zu kämpfen hatten, wurde hier Dasjenige, was man zur Linderung ihrer Leiden hätte verwenden können, verputzt und durch die Gurgel gejagt." Und endlich machte Se. Gnaden der Stadt das Kompliment,daß in Passau Saufereien und Unzucht an Der Tagesordnung feien, und daß diese Stadt noch das Schicksal von Sodom und Gomorrha erreiche". Diese gegen die ganze Einwohnerschaft gerichtete Anschuldigung begründet Der Bischof damit, daßer allein Daß ausschließliche Recht habe, seinen Diöcesanen über ihr religiöses und sittliches Verhalten ein Zengniß auszustellen". Hiergegen veröffentlichen Magistrat und Gemeinde-Ausschuß von Passau einen förmlichen Protest, welcher die ober- hirtlichen Injurien in würdiger und maßvoller Weise zurückweist, und damit schließt, daß alle in den angeführten Predigten erhobenen Vorwürfe alsunwahr" und unverdient" erklärt werden.Wir haben" heißt es Darinnie an Den bischöflichen Rechten gerüttelt, und lassen auch heute Die Frage unerörtert, ob ein Bischof feine Zeugnisse in jeDer Form und in der verletzendsten Weise ausstellen Darf, und ob wir auf Dem vom hochw. Herrn Bischof betretenen Wege wirklich vollständig rechtlos sind. Aber Dagegen protestiren wir mit aller Entschiedenheit, daß der hochw. Herr Bischof berechtigt sei, uns in politischen und weltlichen An­gelegenheiten irgend ein Zeugniß auszustellen; auch in religiösen Angelegenheiten verwahren wir uns dagegen, daß der hochw. Herr Bischof Thatsachen entstelle." Charakteristisch ist noch, daß dieser Protest mit allen gegen die einzige Stimme des gleichwohl mitunterzeichneten Vorstandes des Gemeinde-Ausschusses, Herrn A. Pummerer, beschlossen wurde. Wie übrigens Bischof Heinrich die liberalePassauer Zeitung" in den Bann gethan hat, so scheint anderswo Der Beichtstuhl benützt zu werden, um DerAllgemeinen Zeitung" beizukommen. Wenigstens läßt sich dies aus folgender offener Zuschrift schließen, welche imSalzburger Volksvlatt" an Die Adresse des Pfarrers Fleißner bei der Dortigen Spita'.kirche gerichtet wirD. Sie lautet:Seitens meiner Gemahlin wurde mir Die befremdende Mittheilung gemacht, daß Sie dieAugsburger Allgemeine Zeitung", eines der anerkannt besten deutschen Blätter, als ein auf dem Index stehendes, mithin für Katholiken verbotenes Blatt bezeichneten. Ich muß dies entschieden in Abrede stellen. Ich halte es übrigens für unchristlich, Durch derartige Pressionen den Hausfrieden einer Ehe zu stören. Würde DieAllgem. Ztg." heute wirklich auf Den Index kommen, Dann müßten wohl Die gelefensten Blätter Der Welt der Konsequenz halber ein gleiches Schicksal erleiden. So weit sind wir nun , gottlob , doch noch nicht ge­kommen, und um so unangenehmer berührt es mich, daß ein Mann im Priestcr- gewand einer gutgläubigen Katholikin derartige Verhaltungsmaßregeln an die Hand giebt, Die bei gemischten Ehen zumal nur Zwietracht und Unfriede säen. Indem ich Ew. Hochwürden dringend ersuche, im Interesse des Friedens derartige unauthentische Pressionen in Zukunft lieber doch unterlassen zu wollen, zeichnet achtungsvollst Salzburg, 7. Juli 1871. Graf zu Sayn-Wittgenstein, Villa Eisen­heim." (F- I.)

München, 10. Juli. DieAugsb. Allgem. Ztg." theilt das folgende Akten­stück mit:

Den Truppen des 1. bayerischen Armeecorps sowie Der k. preußischen 8. Infanterie-Division wurden in Journalen namentlich in de«Times" vom 15. September v. I. durch Veröffentlichung eines Schreibens des Herzogs von Fitz-James d. d. Paris, 12. September der Vorwurf gemacht, im Kampf um Bazeilles am 1. September v. I mit ungerechtfertigter Grausamkeit gegen Die Bewohner des genannten Ortes gehandelt zu haben. Bayern und Preußen sollen, um die Einwohner für ihre Theilnahme an der Vertheidigung zu strafen, das Dorf angezündet haben. Die Garde nationale fei größtentheils geblieben, Die Einwohnerschaft hätte sich tn die Keller geflüchtet gehabt; Weiber, Kinder, alle wären verbrannt worden. Von 2000 Einwohnern wären kaum 300 übrig ge­blieben, welche erzählten, die Bayern hätten ganze Familien in Die Flammen zu- rückgestoßen und Die Frauen erschossen, welche entfliehen wollten. Um nicht bloße Behauptungen Diesen Anklagen entgegenzustellen und um Die Unwahrheit derselben actenmäßig beweisen zu können, habe ich während des Krieges nicht geantwortet, nach Abschluß des Friedens aber durch die gefällige Vermittelung des Deutschen EivilcommissärS von Den französischen Behörden, namentlich Dem Herrn Bellomet, Maire von Bazeilles, einen erschöpfenden amtlichen Bericht über alle während Des Kampfes vom 31. August und 1. September verunglückten Einwohner erholt. Nach diesem officielle« Bericht beträgt Die Gesammtzahl Der Todten, Verwundeten und Vermißten der Einwohnerschaft 39, Darunter verbrannt und erstickt 3 bett­lägerige Frauen, 3 Männer unD 2 Kinder; getödtet, vermißt und verwundet wäh­rend Des zweitägigen Kampfes 1 Frau und 30 Männer, in Summa 39 Per­sonen. Der größte Theil Des Dorfes wurde ein Raub Der Flammen Durch die zweitägige gegenseitige Beschießung und den sechsstündigen mörderischen Straßen-