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Preußen das Ausharren des Fürsten Karl ermöglichen und damit Ereignisse hintan­halten zu tonnen, teren Rückschlag allerdings zunächst Oesterreich-Ungarn empfin­den würde.

Mit der Herstellung der neuen Zolllinie an der deutsch-französischen Grenze wird Elsaß-Lothringen ringsum von Zollschranken umgeben sein, denn auch die bisherige Zollvereinslinte am Rhein wird vorerst noch nicht weggeräumt werden. Als Grund ihres vorläufigen ferneren Bestehens wird angegeben, daß die in Elsaß- Lothringen in den letzten Monaten aufgehäuften französischen Maaren einigermaßen aufgebraucht sein müßten, ehe die bisherige ZollvereinSgrenze der freien Einfuhr aller Maaren au« Elsaß-Lothringen geöffnet werden könne. Vielleicht greift man zu dem Auskunftsmittel, den durch Ursprungszeugnisse als wirklich elsaß-lothrlngische Erzeugnisse nachweisbaren Maaren sofort den freien Eingang nach Deutschland zu ermöglichen.

Die neuesten Nachrichten aus Algier sprechen von nichts als angezündeten Wäldern, welche sehr oft dik Meierhöfe der Kolonisten bedrohen. Die Straße zwischen Riskra und Botna, welche sich einige Zeit einer relativen Ruhe erfreute, ist von Neuem sehr unsicher geworden. DerAkhbar" veröffentlicht ein Telegramm des Generals Saussier aus Badj Medschana vom 30. Juli, welcher berichtet, Don-Messay, fürchtend, der General werde ihm den Rückzug abschneiden, habe sich mit seiner Cavallerte auf die Straße von Hodua geworfen und die Versammlungen der Medschana verlassen, welche sich auch dem General auf Gnade und Ungnade ergeben haben. DerTell" von Blidah berichtet, Scherschel wäre am 27. Juli noch blokirt gewesen. Die Bewohner befürchten Wassermangel, da die Wasser­leitungen abgeschnitten worden. Bis jetzt »st man auf die römischen Cisternen an­gewiesen, doch erschöpft sich der in ihnen enthaltene Wasservorrath täglich mehr und mehr. Wir erzählten schon, daß Zürich verproviantirt worden ist, es müßte aber eine stärkere Garnison bekommen. Das Dorf Novi ist durch die Fregatte Kleber geschützt, welche die Araber in Respekt hält.

Marburg, 7. Aug. Am 5. d. M. wurde Professor Dr. I. Cäsar mit 17 von 24 Stimmen zum Rector der Universität für das Jahr von Michaelis 1871 bis 1872 g wählt.

Frankfurt, 9. Aug. Der ständige Ausschuß des Deutschen Schützenbundeö wird zu Ende dieser Woche in unserer Stadt zu einer Conserenz zusammentretcn, auf welcher rieben anderen VereinSangelegenheiten auch die Frage erledigt werden soll, ob, wann und wo ein allgemeines Bundesschießen (Schützenfest) stattfinden soll. Sämmtliche Mitglieder des Ausschusses haben bereits ihre Theilnahme zuge- sagt. Der gegenwärtige Vorort Wien dirigirt die Verhandlungen.

t Berlin, 9. August. Von einer großen Engherzigkeit kann man die Re­gierung nicht freisprechen, wenn man die Maßregeln betrachtet, die zur Ausführung des Gesetzes, betreffend die Beibülfc für Angehörige der Reserve und Landwehr getroffen werden. Den wohlthätigen Kern umgiebt man mit einer so harten Schaale, daß es fast zur Unmöglichkeit gemacht wird, die Nuß zu knacken und ein hiesiges Witzblatt traf den Nagel auf den Kopf, als es dieser Tage den nicht sehr voluminösen Schatz der vier Millionen als ein wohl gepanzertes und gift- speicndes Ungeheuer darstellte, vor dessen Unnahbarkeit sogar die Sieger von Wörth und Spicheren die Segel streichen müssen. Der Magistrat der Haupt- und Re­sidenzstadt des Deutschen Reiches, über dessen Stadtpakast der Dante'sche Spriich: Ihr, die ihr eintretet, laßt die Hoffnung draußen", trefflich am Platze wäre, hat bekanntlich die schon so wenig populäre Verfügung des Oberpräsidentcn der Provinz Brandenburg noch mehr angefeindet, indem er die ausnahmsweise berech- tigte Forderung nach einerBürgschaft" zur Rege! machte. Die Bedingung dieser Bürgschaftsstellung verdanken wir aber dem sächsischen Provinziallandtage, wie denn der Oberpräsident der Provinz Sachsen seinem brandenburger Kollegen, ja selbst dem Magistrate der Kaiserstadt Berlin in Engherzigkeit durchaus nichts nach- giebt. Dort ist der Grundsatz als maßgebend hingestellt worden, daß nur solchen Militärs, welchen die Wiederaufnahme ihres bürgerlichen Berufs ohne eine außer­ordentliche Beihülfe gänzlich unmöglich gemacht oder doch in hohem Grade er­schwert sein würde, Darlehen von mäßigem Betrage gegen eine geringe Verzinsung sowie unter der Bedingung einer Abtragung durch halbjährige Theilzahlungen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes gewährt werden, wobei die Bestellung einer Sicherheit durch eine Hypothek oder genügendeBürgschaft" gefordert wird. Da­gegen sind alle Personen von der Gewährung einer Unterstützung ausgeschlossen, welche ihren Lebensunterhalt lediglich durch ihrer Hände Arbeit gewinnen, oder bei ihrer Rückkehr in die Hcimath ohne Weiteres in die bis zu ihrer Einberufung zur Fahne innegehabte Stellung und Thätigkeit wieder eingetreten sind." Für den armen Arbeiter, der sich mit seiner Hände Arbeit das verdient, was er noth- dürftig zum täglichen Lebensunterhalt braucht, und dessen Familie wahrlich nicht während des Krieges existiren konnte, um ohne Schulden zu contrahiren, für den sollen also die Pforten zur Schatzkammer verschlossen bleiben. Ob bei den jetzt so hoch gehenden Wogen der socialen Bewegung und nach den Großthaten unse- rer Armee eine so verletzende Verfügung sehr geschickt ist, darüber wird das pa- triotische Gefühl des Einzelnen, ob sie gesetzlich berechtigt ist, darüber wird viel- leicht der deutsche Reichstag zu entscheiden haben.

Die seit etwa einer Woche durch die Presse gehenden Mittheilungen über das Vorschreiten der Cholera beruhen fast sämmtlich auf Ungenauigkeiten und Uebertreibungen. Nach osficiellen Nachrichten sind in Danzig nur 8 Personen an der cholera nostras erkrankt, aber keine verstorben.

t Berlin, 9. August. Wohnungsmangel und Arbeitseinstellungen, die Folgen jeder einzelnen dieser brennenden Fragen und ihre wechselseitigen Beziehungen, be- hrrrschen zur Zeit die Konversation in allen hauptstädtischen Kreisen, vom Kaffee- tifch bis zum grünen Tisch der Bureaukratie. In den Arbeiterkreisen wird die Unzufriedenheit durch die Lohnschreier der Socialdemagogie unablässig geschürt, und auf Seiten der Arbeitgeber giebt man sich leider! ganz unverhohlen Hoffnung hin, die Staatsgewalt werde bei den aus die Dauer unausbleib- nchen Ausschrertungen der Arbeiter energisch gegen dieselben vorgehen. Diese Zuversicht ist denn auch nicht zu unterschätzen als Beweggrund für das feste Zu- fammenstchen der Arbeitgeber, und die momentane Folge derselben zeigt sich in immer bestlmmter auftretenden Gerüchten von bevorstehenden Revolten.So lächer- nch auch solche Gerüchte klingen sagt ein scheinbar inspirirter Artikel des hie­sigen Fremdenblattes so werden sie doch vielfach nacherzählt, und es fehlt nicht an unzufnedenkn, welche an diese Gerüchte glauben und deren Ausführung als unvermeidlich hinstellen. Allerdings sind die epidemisch austretenden Arbeiterstrike geeignet, insofern eine Besorgniß zu erregen, als die Mittel der Arbeiterfamilien'

durch das Stuken mehr als erträglich erschöpft werden und in manchen Familien wohl zur Zeit der Micthezahlung ein arger Nothstand eintreten kann. Dafür aber die Hausbesitzer verantwortlich machen zu wollen, wie dies in einer Demonstra­tion geschehen vor dem Rosenthaler Thore, wo ein todter Hund, dem man den Bauch aufgeschlitzt und aufgehängt, einen Zettel um den Hals trug, nach dessen Inhalt es jedem Hauswirthe so ergehen sollte, der am 1. October gegen seine Miether hart erscheint das wäre denn doch ein Terrorismus, der nicht ge­duldet werden darf. Wenn die persönliche Freiheit von denen, die durchaus frei­sinnig sein wollen, so gemißbraucht wird, daß sorgsame Familienväter, welche ar­beiten wollen, nicht arbeiten dürfen und mitstriken müssen, wird es Aufgabe der Obrigkeit sein, solche verworrene Begriffe von Freiheit durch Maßregeln zu corri- giren, welche die Vernünftigen der Gefahr entheben, mit den freiheitlichen Ideen ihrer Mitarbeiter zu Grunde zu gehen." Was mich betrifft, so glaube ich nicht, daß dieObrigkeit" sich jemals zur Korrektur verschrobener Ansichten Her­rchen wird, sofern es sich dabei um ein Verlassen des gesetzlichen Bodens handelt; ich theile Ihnen den Artikel nur mit, um Ihnen zu zeigen, welch' böse Stimmung gegenwärtig in der Hauptstadt weht.

t Berlin, 9. August. Nach des Krieges Last und Mühen haben noch viele der tapferen Landwehrmänner, welche so freudig den häuslichen Herd verließen, recht unangenehme Scenen in der Heimath durchzumachen gehabt. So sind beim hiesigen Stadtgericht bis jetzt nicht weniger als 75 Ehescheidungsklagen anhängig gemacht worden und zwar von solchen Landwehrmännern, die ihre Frauen bei ihrer Rückkehr in unnormalen Verhältnissen, woran den Männern keine Schuld bei- zumeffen, angetroffen hatten.

Ueber die Zahlung der zweiten Kontributionsrate von 500 Millionen Francs wird berichtet, daß dieselbe in Straßburg und zwar in Wechseln auf verschiedene europäische Plätze uni in englischen und belgischen Banknoten erfolgt ist. Es sind darunter 10 Mill. Frs., 14?/. Mtll. holl. Fl., 71/2 Mill. pr. banco, 5 Mill. Thlr. und 3 Mill. Lst.

München, 10. Aug. Der König ist heute Mittag über Regensburg nach Schwandorf abgereist, wo ein Zusammentreffen mit dem deutschen Kaiser stattsindet. Die Rückkunft des Körrigs erfolgt heute Nacht um 11 Uhr. DenNeuesten Nachrichten" zufolge soll Minister v. Schlör seine Entlassung erbeten und erhal- ten haben.

München, 10. Aug. In gut unterrichteten Kreisen wird versichert, daß Graf Hegnenberg-Dux das Ministerium des Auswärtigen übernommen habe und seine Ernennung unmittelbar bevorstche.

Straßburg, 7. Aug. Man schreibt aus St. Amarin demIndustrie! alsacien": In gewissen Gemeinden unseres Kantons gehen Thatsachen vor, welche den Eltern 14- bis 18jähriger Knaben ernste Besorgnisse einflößen. Zwei Fremde, die in den benachbarten Ortschaften Herumstreifen, suchen die Jünglinge zu um­stricken und sie durch trügerische Versprechungen zu verleiten, auf daß sie das väterliche Haus verlassen. So sind in dieser Woche fünf Minderjährige allmählich aus der Gemeinde Moosch verschwunden, und zwar ohne Wissen ihrer Eltern, welche lange fruchtlose Nachforschungen angestellt haben, um die Spur ihrer Söhne wieder aufzusinden. Auch im Kanton Thann sollen junge Leute auf diese Weise verschwunden sein.

Weißenburg, 5. Aug. Man schreibt derKarlsruher Zeitung": Schon seit einigen Tagen bemerkte man hier zahlreiche Fremde, thctlweise in Trauer- kleidern; Kränze und Blumen wurden geschäftig durch die Straßen getragen; der Kirchhof wurde nicht leer von Besuchern. Es galt dem Jahrestage der Schlacht von Weißenburg. Trüb und regnerisch brach der gestrige Tag an; ebenso düster war die Stimmung der hiesigen Bevölkerung. Um 10 Uhr war Trauergottcsdienst in der katholischen Kirche, die bis auf den letzten Platz gefüllt war. Daran reihte sich die Errichtung eines Denkmals auf dem Militärfriedhofe, wo die Gefallenen und an ihren Wunden Gestorbenen des 4. August, Deutsche und Franzosen, fried- lich nebcncinandcr ruhen. Alle Gräber waren neu hergerichtet worden, die fran­zösischen aber an dem reichen Blumenschmuck schon von Weitem kenntlich. Nach­dem das Denkmal, ein einfacher Sandstein-Obelisk, mit der Inschrift:A nos fröres, morts sur le champ de bataille le 4 Aoüt 1870, enthüllt worden war, trat Herr Anwalt Böll vor und hielt in französischer Sprache eine kurze Anrede, welche die hiesige Schlacht mit der bei den Thermopylen verglich. Durch die Uebermacht sei das heldenmüthige Häuflein der Franzosen erdrückt worden, aber wie damals die unterliegenden Spartaner und nicht die Perser ewigen Ruhm davongetragen hätten, so diesmal die Franzosen und nicht die siegenden Deutschen. Betäubende Vivo la krance-Rufe folgten zwar auf die Rede, doch muß zu Ehren der Einwohnerschaft beigcfügt werden, daß Herr Böll hier schon lange als Narr gilt. Die hiesige deutsche Kolonie war fast vollzählig nach Bergzabern hinüber­gegangen, wo in Gegenwart des königl. Regierungspräsidenten der Pfalz, mehrerer Offiziersbeputaiionen und unter ungeheurem Zulauf aus der ganzen Umgegend den dort an ihren Wunden gestorbenen deutschen Kriegern gleichfalls ein Denkstein gesetzt wurde. Man sah, wie auch dem geringsten Einwohner klar war, daß es sich bei dem Kamps am 4. August v. I. um die Existenz des Städtchens handelte, und jeder Theilnehmer war ganz von dem Gefühl beherrscht, welch entschcidungs- reicher Kampf an dem Tage von Weiß nburg so glücklich begonnen wurde. Die Festredner erfüllten ihre Aufgabe vortrefflich, und namentlich die an die Schul­jugend gerichtete Anrede hat alle Anwesenden im Innersten gepackt.

Madrid, 7. Aug. Eine Massendeputation hat sich zum König begeben mit der Bitte, den Papst zur Uebersiedelung nach Spanien zu bewegen.

Local-Notizen.

Beschlüsse

aus der Sitzung des Gemcinveraths vom 27. Juli 1871.

Anwesend waren: der Großherzogliche Bürgermeister Vogt und die Gemeinderathsmitglieder Berg, Bücking, Ebel, Felfing, Gail, Haustein, Körber, Löber, Nagel, Pietsch, Ricker, Rosen­berg, Silbereisen, Wallenfels und Heß.

1) Auf Nachsuchen beschließt der Gemetnderath, dem Stadtbaumeister wegen mehrerer dringen­den Arbeiten von Belang eine Beihülfe auf Kosten der Stadt vorübergehend zu gewahren.

2) Ein Gesuch deö Advocaten Engelbach und Genoffen um Herstellung einer AbjugSrinn« auf dem nach ihren Häusern führenden Weg wurde dem Baumeister überwiesen, um Vorschläge zu machen, wie daS Gesuch in geeigneter Weise zu berücksichtigen sei.

3) Eine Klage deS Professors Naumann gegen die Stadt Gießen auf Berichtigung von 186 fl. 5 kr. Servisgelder von, für das Militär gestellten Räumen, wurde dadurch beseitigt, daß der Gemeinderath beschloß, diese Gelder vorbehältlich deS Ersatzes aus der betreffenden Kricgökaffe einstweilen vorzulegen.

4) Auf Vorstellung von Alfons Bünger dahier, in welcher um die Intervention d,S Ge­meinderaths in einer, gegen den Bittsteller erhobenen Anzeige über Umgehung der Octroigesetz«

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