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in ortsüblicher Weise unter dem Anfügen bekannt zu machen, daß Einsprachen gegen die Richtigkeit und Vollständigkeit der Listen während der Offenlegungsfrist bei Vermeidung des Ausschlusses bei Ihnen vorzubringen seien.

3) Die Entscheidung über solche Einsprachen steht, wenn die Erinnerungen nicht sofort von Ihnen für begründet erachtet werden, uns zu. Da wir bei deren Ertheilnng an bestimmte Frist gebunden sind, so haben Sie in vorkommenden Fallen die betreffenden Akten uns nach Ablauf der Reclamationsfrist ungesäuwt vorzulegen.

4) Im Falle einer Berichtigung der Wählerliste sind die Gründe der Streichungen und Nachtragungen am Rande der Llste unter Angabe des Datums von Ihnen kurz anzumerken.

In Verhinderung des Krelsraths:

K e k u l e , Kreisassessor.

Gießen, am 9. Januar 1871.

Betreffend: Die Reichstagswahlen. e . t

gas Eratzherzogliche Krcisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien Allendorf a. d. Lahn, Grnningen, Hausen, Klein-Linden, Sich, Rieder-Bessingen, Ober-Bessingen und Ruttershausen.

Wir erinnern Sie wiederholt an Erledigung der Verfügung vom 20. December 1870 binnen 21 Stunden bei Meidung von

2 ff. Strafe. In Verhinderung des Kreisraths:

Kekule, Kreisassessor.

Betreffend: Die Führung der Handelsregister, in specie Einträge der im Jahre 1870 hinzugüommenen Gewerbtreibenden. r r

Das Großhcrzogliche Stadtgericht

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Bezirks.

Gießen, am 8. Januar 1871.

Gießen

Sie wollen uns ein, auf Grund der einem jeden von Ihnen von dem Großherzoglichen Steuercommissariate zukommenden Liste der Gewerbtreibenden Ihrer Gemeinden zu fertigendes Verzeichniß über Diejenigen, welche sich im Zahre 1870 neu etablirt oder ihr bereits bestandenes Gewerbe, insbesondere durch Handelsbetrieb erweitert haben, mit Angabe der Art des Gewerbes eines jeden Einzelnen, baldigst vorlegen, um etwa nöthig scheinende Einträge in das Handelsregister vollziehen zu können.

M u h l.

Politischer

T h e i l.

11. Januar.

Wann die Conferenz, die zu London über die russische Kündigung der Pontus- Convention entscheiden soll, zusamaieatritt, w-rd immer ungewisser. Es bestätigt si-, daß JuleS Fivre Paris nicht v rlaffen will, und so lanjc über die Wahl eines andern Vertreters Frankreichs nichts entschieden ist, wird die Conferenz ver­tagt bleiben, ohne daß man angeben könnt', aus wie lange.

Ueber die Gründe, die JuleS Favre zum Verbleiben in Paris bestimm n, lauten die Nachrichtn sehr verschieden. So wird aus Bordeaux derDaily News" von ihrem Dortigen Correfpondenten geschrieben:Obwohl Herr JuleS Favre eine Zusicherung vom preußischen Hofe empfangen, daß er einen Geleitsschein haben könne, um nach London zu reisen, so sind die damit verbundenen Bedin­gungen nicht derartig, um angenommen werden zu können. Ich höre, daß akan ihm nicht gestattet, nach Bordeaux zu kommen, und daß er sein Eyrenwort geben soll, nach beendigter Mission nach Paris zurückzukehren. Es wäre eines franchsi schen Bevollmächtigten nicht würdig, sich irgend solchen Bedingungen zu unter­werfen. ES ist noch fraglich, ob die Conferenz, die, um auf Frankreich zu warten, verschoben worden, überhaupt zusammentreten wird. Die Ansicht, daß Frankreich durch Absendung eines Bevollmächtigten nichts Gutes entsprießen könne, falls seine Regierung nicht anerkannt sei, greift täglich mehr um sich. Ich habe Grund zur Vermuthung, baß wenn JuleS Favre nach London gehen sollte, auch Gambetta sich dorthin begeben wird."

DieWiener Abendpost", den jüngsten Artikel derNorddeutschen Allge­meinen Zeitung" reproducirend, constatirt mit aufrichtiger Befriedigung, daß die politische Haltung, welche die österreichisch-ungarische Monarchie gegenüber der neuen Gestaltung der Verhältnisse in Deutschland angenommen, in den deutschen Preßorganen ohne Unterschied der Partei volle Würdigung und rückhaltlose An­erkennung findet. Mit seltener Uebereinstimmung (sagt dieAbendpost") knüpfen diese Organe an die freundschaftliche Annäherung Preußens und Oesterreichs die Hoffnung auf die friedliche Consolibirung der europäischen Verhältnisse. Die Abendpost" begleitet diese Erwartung mit den besten Wünschen für deren Er­füllung und begrüßt die in den Blättern des großen deutschen Vaterlandes sich kundgebende Sympathie für Oesterreich-Ungarn mit freudiger Genugthuung. Die Abendpost" bedauert die Versuche gewisser österreichischer Preßorgane, Die freund­lichen Schritte des Wiener Cabinets als Scheinacte darzustellen und weist derlei tendenziöse Verdächtigungen auf das Entschiedenste zurück.

Allen gegenteiligen Nachrichten gegenüber kann DieC. S." die bestimmte Versicherung geben, daß Graf Bismarck sich in der PontuS-Angelegenheit noc keiner Seite hin irgend wie gesunden, daß er sich vielmehr vollkommen freie Hand behalten hat. Schon der Umstand, daß er den Zusammentritt der Conferenz zur Regelung der Angelegenheit vorgeschlagen, mußte ihm diese Haltung als die rich­tige anzeigen.

Sämmtliche czechische Blätter leiten aus der den Tyrolern gewährten Con- cession die Nothwendigkeit des Zugeständnisses eines böhmischen Nationalheeres ab.Wenn die kleine Grafschaft Tyrol eine Landesarmee besitze, sagen sie, könne sie auch dem Königreich Böhmen nicht verweigert werden. Böhmen habe heute bereits czechische Soldaten, welche von der herrschenden Bewegung mit ergriffen und vom slavischen Geiste erfüllt seien. Hierin sei ein großer Fortschritt geschehen. Wenn sich Die Ereignisse von 1848 und 1849 wiederholen sollten, so würde die Haltung der czechischen SolDaten eine andere als damals fein."

Aus Konstantinopel den 31. December wird gemeldet: Ein hiesiges Witz­blatt wurde wegen unehrerbietigen Artikels über Den Kaiser von Rußland auf zwei Monate suöpendirt. Der Vicekönig von Aegypten bot der Pforte 20,000 Mann zur Unterdrückung des Aufstandes in Jemen an.

Kriegsnachrichten.

Gießen, io. Jan. Es geht uns von befreundeter Hand nachträglich ein Feldpostbrief zu, worin das Gefecht bei Bonny beschrieben wird. Es heißt darin unter Anderem:Ich will Euch in Eile ein paar Zeilen schreiben, was mir beinahe nicht mehr möglich gewesen wäre. Das 2. hessische Infanterie-

Regiment, 1 Batterie Artillerie und 1 ChevauxlegerS-Regiment bildeten ein De­tachement. Die Franzosen griffen unS in einer Stärke von 12,000 Mann an. Dinier uns waren keine Truppen. Wir standen wie eine Mauer und schossen noch auf 15 Schritte, aber Die Uebermacht war zu groß; unser linker Flügel wurde umgangen und wir wären alle in Gefangenschaft geraden, wenn wir nicht ein urchtbares Schnellfeuer nnterhalten hätten. Wir zogen uns dann 11/2 Stunden zurück, wo Die 18. D-vision eintreffen soll, wie man spricht, und wir wollen den Franzosen Dann .wieder etwas eintränken. Hauptmann Weber wurde verwundet, wir mußten ihn am 31. December zurücklaffen. Als wir am 1. Januar vor- rürfien, fanden wir ihn, die Augen ausgestochen, die Flechsen ver­schnitten und ausgezogen (!). Einer unserer braven Hessen fiel über einen zerstörten, auf Der Erde liegenden Telegraphendraht, Die Franzosen waren 15 Schritte hinter uns, er bat um Pardon, streckte sein Gewehr, aber es half nichts, sie stachen ihn zusammen. Verwundete, welche wir nicht mitnehmen konnten, haben sie vermetzelt. Ich versichere Euch, es geschahen Gräuelthaten über Gräuelthaten.

Der große Wolf ist auch verwundet, jedoch sehr leicht, wir haben ihn mitgeführt. Lieutenant Schaeg und Oberlieutenant Haupt sind jetzt zum zweitenmal verwunvei. Ich bin, Gott sei Dank, durchgekommen. Wir haben in 5 Tagen an Todten, Verwundeten und Gefangenen 70 Mann Verlust. Dies war eine Neujahrsnacht und ein NeujahrStag, welche mir ewig im Gedächtniß bleiben."

Ans Versailles vom 3. Januar erhält dieDaily News" folgende Mit- theilungen über Die Wirkungen des Bombardements vor Paris:Die gegen­wärtige Lage der Dinge von Paris ist sehr bedrohlich für Die Franzosen. ES ist klar, Daß wir in eine Periode thätiger Operationen gegen Die Außenwerke getreten sind. Gewalt soll mit Hungersnoth concurrtren in Dem deutschen Programm für Januar. Der Verlust von Mont Avron und die zum Schweigen gebrachten öst­lichen Forts lassen Dem General Trochu wenig Hoffnung auf seine schwere Ar­tillerie ; auf jeden Fall sind die Deutschen in dem Glauben bestärkt, Daß sie in einem Artilleriezweikampf siegen, und in anderen Plätzen leicht dasselbe thun können, was im Mont Avron geschehen. Werden die Außenwerke genommen und die Forts zum Schweigen gebracht, so zerstört dies, obwohl es nicht zu einer sofortigen Ucbergabe führen Dürfte, jede Möglichkeit erfolgreicher Ausfälle. Außer­dem würde ein solches Ereigniß die Belagerer bei gutem Muth erhalten und die deutsche öffentliche Meinung befriedigen. Ich höre, daß deutsche Spekulanten Vorbereitungen für Den Fall Der Stadt treffen und Daß in Den Hospitälern in Der UmrunDe von Paris Extrabetten bereit gehalten werden, als ob De-; Schluß, kampf über kurz oder lang erwartet werde. Man glaubt, Die Franzosen werden wahrscheinlich ien Angriff auf die Außenwerke durch einen letzten großen Ausfall rächen und mit einem Theil Der Armee an mehreren Punkten auszubrechen ver­suchen. Unter Solchen, Die am besten unterrichtet sind, mache sich Der Eindruck geltend, daß sie nie geringere Aussicht auf Erfolg hatten als jetzt. Die Deutschen sind der Ansicht, daß das Ende bald kommen müsse, und ihre Lebensmittelzufuhren werden zur Hand fein, um Die erschöpften Märkte Der Stadt, wenn dieselbe fällt, zu füllen. Wie man sagt, sinD für Privatrechnungen Schafheerden nach Dem Westen unterwegs. Trotz Allem, was die preußische Regierung für Die Pariser thun mag, wird sich ein große- Feld für da- Privatgeschäft eröffnen. Man muß jetzt eine Pause in Den Kriegsoperationen in Den Provinzen erwarten, Da Moltke wahrscheinlich Den Truppen Befehle erteilen wird, während das Ende Der großen Belagerung herbeigeführt wirD, in Der Defensive zu verharren."

Mit der unseren osficicllen Berichten eigenthümlichen Einfachheit und Kürze meldet der Generalquartiermeister von PodbielSky da« Eintreten in eines der wich­tigsten Stadien des ganzen Krieges:Im Lauf der Nacht wurde die Stadt Paris von Den Diesseitigen Batterien stärker beschossen." Das Bombardement der Stadt Paris hat also begonnen und zwar nicht erst am 8. Jan., sondern schon am 5. D. M. Arn 5. d. erschien, wie eine Korrespondenz desSchw. M." meldet, der amerikanische Generalconsul Oberst Reed, um Klage über Den nicht anponcirterr Beginn de- Bombardement- zu führen. Nach Mittheilung desselben Blattes hatten Die Bayern bereits am 6. Jan. Brandraketen nach Paris geworfen und einige Häuser Der Vorstadt Vaugirard in Brand gesteckt. Auch am 8. Januar sah man von Versailles aus, wie die unten folgende Depesche derTimes" zeigt, Häuser