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begeben hatte. Nach dem Vorbeimarsch hielt der Kaiser an die versammelten Commanveure folgende Anrede:

Sie werden mit Mir fühlen, meine Herren, unter welchen Eindrücken Ich heute das Gardecorps wieder gesehen, nachdem es sich mit einem Heldenmuthe ge- schlagen, der Meine höchste Anerkennung verdient, und die Ich Mich gedrungen fühle, gerade hier Ihnen auszusprechen. Mit Schmerz vermisse Ich viele Tapfere in ihren Reihen; denn solche Thaten, solche Erfolge verlangen Opfer. Wie Ich immer vom Gardecorps erwartet, hat es auch diesmal das Beispiel in Tapferkeit, Hingebung, Ausdauer gegeben, aber die ganze Armee hat auch unter einander gewetteifert in Leistungen, die nicht allein den ruhmreichsten in der Geschichte sich anreihen, sondern uns auch zu einem Ziele geführt haben, welches durch den gestern vollzogenen ehrenvollen FriedenSschlutz für alle Zeiten in der Geschichte unseres Vaterlandes fortleben wird. Daher gebührt dieser heldenmüthigen Armee und Ihnen, meine Herren, insbesondere Mein tiefgefühlter Dank und Meine volle An- erkennung. Vergessen wir aber nicht, daß wir Alle der Vorsehung unseren Dank schulden, welche gewollt, baß wir das Werkzeug sein durften, um so große welt- historische Ereignisse herbeizuführen. Leben Sie wohl bis zum Wieverschen in der Heimath."

/X Berlin, 5. März. DerStaatSanzeigcr" bringt eine Verordnung des Kaisers von gestern, wonach die Aus- und Durchfuhrverbote sofort ausgehoben werden.

Wien, 5. März. Die heute erfolgte Confiscation derNeuen Freien Presse" erregte die größte Sensation und übte auf die Börse einen nicht unbedeu- tenden Einfluß. Der Grund der Confiscation liegt in der Enthüllung über Ministerpläne und parlamentarische Abwehr.

Graz, 6. März Der Statthalter hat das öffentliche Abhalten deut­scher Siegesfeste in Steiermark verboten. Die Regierungszeitung kritisirl aufs Heftigste Vie Absichten dleser Sicgesfeierllchkeiten.

/X Bern, 6. März. Der Director der Handelsbank, Muralt, ist flüchtig. Der Staatskassier Eggimann, welcher mit ihm Beziehungen haben soll, wurde seines Amtes enthoben. Eine Untersuchung ist eingeleitet.

4- Paris, 5. März, Mittags. Alles laßt hoffen, daß die Ruhe nicht wird gestört werden. Mehrere Bataillone Nationatgarde wollen die Kanonen wieder- haben, die am Montag vom Wagramplatze weggenommen worden sind. Die Militärbehörde hat ihnen geantwortet, daß sie dieselben noch einige Tage unter ihrer Hut halten wolle. Die Barrikaden sind fast überall verschwunden. Mehrere Bataillone haben einen Protest unterschrieben gegen das Treiben des angeblichen republikanischen Central-Comite's der Nationalgarde, baS Vie Bevölkerung gehetzt zu haben scheint.

Von heute ab geht Die Post täglich zweimal, um 9 Uhr Vormittags unv 7 Uhr Abends, nach England und Belgien ab.

4- Bordeaux, 4. März. Picard kehrt heute Abend nach Paris zurück. Die Versammlung ward um 2 Uhr 40 Mia. eröffnet; die Ereignisse von Paris verursachten viele Bewegung im Saale. Ducuin verlangt, die Versammlung solle eine Dankbezeigung an Die Bevölkerungen von Belgien unD England richten. Das Wort England veranlaßt bittere Aeußerungen, die an Heftigkeit wachsen vei tu Verlesung des Vorschlages. Die Rufe Nein! Nein! in Bezug auf England er- schallen von allen Seiten; ein Deputirter rcclamirt gegen die Verlesung des Vor­schlages, ehe derselbe zuvor Dem Präsidenten vorgelegt sei. Der Vorschlag wird verworfen. Ein Deputirter giebt sein Erstaunen zu erkennen, daß noch keine neue Präsecten ernannt worden. Er verlangt, Daß alle von der Delegation von Bor­deaux ernannten Präsecten vom Amte abtreten. Picaro antwortet, inDern er die Verantwortlichkeit unD Handlungsfreiheit für Die R gierung beansprucht, welche nur nach der persönlicyen Berechtigung der gegenwärtigen Präfecten urtheilen würde. Mehrere Deputirte bringen einen Vorschlag ein, Den Einwohnern von Elsaß und Lothringen, welche französisch bleiben wollen, in Algerien 100,000 Hectaren der besten Ländereien zu verleihen. Die Commission wird dieses in Er­wägung nehmen. Ein Deputirter verlangt, daß die Delegation von Bordeaux in Anklagestand versetzt werde. Jules Simon ersucht Die Kammer, nicht auf Den Weg cer Beschuldigungen und Anklagen einzugehen, wodurch nur Unruhe und Spaltung ins Land gebracht werden würde.

Pyat unv Malon sind gestern Abend nach Paris abgereist, Rochefort bleibt noch in Bordeaux; die Deputieren von Elsaß haben eine Commission -von vier Mitgliedern ernannt zur Vertheidigung der politischen und commerciellen Inter- essen des Elsasses, welche zu Brüssel während Der Friedensverhandlungen anwesend sein soll. Die dazu Gewählten sinv Tacharv, Hartmann, Saglio und Borsch.

/X Bordeaux, 5. März. DerMoniteur" publicirt einen inspirirten Leit- artikel. In demselben heißt es: Das ganze Frankreich ist noch unter Dem schmerz­lichen Eindrücke des großen Opfers, welches ihm die schweren Ereignisse auferlcgt haben. Es muß jetzt Die unverzeihlichen Fehler der unklugen Politik büßen, welcher das ganze Unglück, das Frankreich jetzt überwältigt, zuzuschreiben ist. Die spätere unparteiische Geschichte wird Frankreich die Schuld seines unerklärlichen Zusammen- bruches abnehmen, wenn sie schildert, wie Der so lange bestehende Traum, Vaö linke Nheinufer zurückzuerobern, in Wirklichkeit zum Verlust des Elsasses und des größten Theils der ostfranzösischen Festungen führen mußte; aber die Stunde ist noch nicht gekommen, den Schuldigen Die Verantwortlichkeit zuzuschreiben, die sie trifft. Für Den Augenblick müssen wir oas uns bereitete Schicksal ohne Illusion und ohne Entmuthigung annehmen und wie Der größte Bürger, der jetzt an der Spitze unserer Regierung steht, nur an die Rettung Frankreichs denken, damit wir

die Wunden des Landes heilen, seine Ruinen wieder aufbauen, uw die große Nation zu bleiben, wie wir mit Recht uns nannten. Wir müssen vereint bleiben, unsere Zeit nicht mit unfruchtbaren Streitigkeiten virlieren; wir müssen auf alle Träumereien verzichten und uns nur an Der Wirklichkeit halten.

Die Regierung legte dem Parlamente einen Vorschlag vor, eine Commission zur Untersuchung der KriegScontracte zu ernennen.

+ Bordeaux, 5. März. Der Moniteur spricht von beunruhigenden Ge­rüchten aus Paris und sagt:Die Wahrheit ist, daß eine sehr große Erregung an verschiedenen Orten des rechten Seine-Ufers und in Den Stadtvierteln Belle- Ville und Montmartre herrscht; wir müssen aber hinzufügen, daß aus verschil denen pariser Depeschen, deren letzte von 6 Uhr Abends datirt ist, klar hervor geht, daß, Dank den ergriffenen Vorsichtsmaßregeln nirgends ein Zusammenstoj erfolgt ist. Man ist fest überzeugt, daß die Gemüther sich wieder beruhige, werden."

General Bourbaki ist in voller Genesung.

Die von Der Regierung verfügte Unterdrückung Der Privat-Telegraphie hat auf das Seinc-Departernent keine Anwendung.

A Bordeaux, 6. März. In Den Journalen wird seitens Der Finanzkreise Dringend verlangt, daß über Die Lage Der französischen Bank eine besondere Ver­öffentlichung gegeben werde. Die Situation derselben war am t. September, dem Tage von Sedan: Baarvorrath 850 Millionen, Portefeuille 1440 Mill., Bank­noten (Notes) 1730 Mill., Depositen 848 Mill. Man will über die Verände­rungen, welche durch die Regierung der nationalen Vertbeicigung herbeigesührt wurden, Kenntniß erhallen, und zieht Die Wahrheit der Ungewißheit vor.

4- London, 6. März. Eine TimeS'Depesche ans Versailles vom 5. März sagt: Die deutschen Truppen haben bereits begonnen, vertragsmäßig das zu räu­mende Gebiet zu verlassen. Der Kaiser soll sich im Laufe dieser Woche nach FerriereS begeben und auf seiner Fahrt Die sächsischen, bayerischen und toürttem- dergischen Truppen besichtigen. Man glaubt, Die Räumung des Mont Valerien sei bis zum 7. März, die des linken Seineufers bis zum 19. vollendet.

Dasselbe Blatt meldet aus Paris: Die mobilen Nationalgarden werden am Montag beginnen, die Stadt zu verlassen.

4- London, 6. März. Es verlautet, Napoleon werde bald in Chiselhurft eintrtffcn.

Spanier, neuest. 3% 30

4O/o 3V2°/o

Börsennaclidchlen.

6. März 1871.

Actien.

Frankf. Bank 133 */4

Frankf. Vereine-Kasse 1O43/«

Darmst. Bankact. 328

Wien Bankactien 694 Galizien 2373/4

Bayer. 5%

n 4/20/0 1jährige 96

40/g 1jährige 89>/2 Wiirtemb. 41/2ü/o Obi. 94/< Baden 4/2°/o obL °- E- L- 94 Oesterr. Silberrenle 5)3/4

Papierrente 481/g

n 50/0 M.

Amerik. Bonds

Preuss. 4'/20 ü Oblig. 94*/4

Frankf. 31/2''/q Obi. 81

Nass. 4i/2o 0 Obi. 94^

Kurhess. 4% 853/4

Gr. Hess. 5% Obi. lUi7/e

steuerf. 1881r 100V8 1882r 96Vs 1885r 96% 1887r 96%

Actien.

Oest. Creditact. 2431,2 5% östr. F. St. E. B. 365 Lombard. Bahn 163 Vs Ludwigsh.-Bexbach 169

Maxbahn IIOV4

Bayer. Ostbahn 126

Hess. Ludwigsb.-Act. 112

Alsenzbahn-Actien 851 4

Oberhessen 69 */2

Wechsel.

Amsterdam k. 8. 100*/q

Augsburg k. S. 997/s

Berlin k. 8. 105

Bremen k. 8. 97

Cöln k. 8. 104%

Hamburg k. S. 88*/4

Leipzig k. 8. 105

London k. 8. 119%

Lyon k. 8.

Paris k. 8. 9 41/2

Wien k. 8. 95Vs

ditto m. 8.

ditto 1. 8.

Dis conto 31 2% G.

Prioritäten.

3% öster. Stsb.-Prior. 55%

3°/q öst. s. Lombard 73

3% Livorneser 315/s

5°/q Toscaner 50l/z

5% Elisabeth.-Prior. 77

do. II. Emiss. 76

Goldborten.

Pr. Gassen-Sch. 1 447/f>-451/6

Sachs.

Div. Cassen-A.

Pr. Friedrdor 9 5859

Pistolen . . 9 4547

doppelte 9 4850 Holl. fl. 10 St. 9 5456 Ducaten . . 5 3537

20 Frankenst. 9 26f 2271/z Engi. Sover. 11 5559 Rass. Imper. 9 4348 Dollar in Gold 2 2728

AnlelieiiBlooBe.

Kurh. 40 Thlr. Loose 641/2 Nassau 25 fl. 38/2

4% bayr. Präm.-Anl. 108 Vj Ansbacher 7 fl. 12

40/0 badische Loose 108 Badische fl. 35 Loose 61 Oestr. fl. 250 v. 1854 70 1858r Prioritätsloose 157 1860r Loose 773/8 1864r n 1171/2 Braunschweiger 16 74 Stadt Madrid 2P/8

hiTuiimmiiiiiw 1 wmwtt TTnrrr.iiT~i7ir v.

lieber Land und Illeer.

Allgemeine Jllnstnrtc Zeitung,

herausgegeben von

F. W. Hackländer, bietet in wöchentlich erscheinenden reich illustrirten Nummern von je 2>/r bis 3 größt Folio-Bogcn für nur Linen Maler vierteljährlich über 130 der prachtvollsten Vilder und den Inhalt von mindestens IO Rlnnandänden der ersten lebenden Schrisistesser.

Bei baldiger Bestellung können noch die Nummern von Anfang des Hahr- j gcings 1. October 1870 bis dahin 1871 nachgeliefert werden. (.745) I Alle Postämter und Buchbandlungen nehmen Bestellungen an.

Allgemeiner Anzeiger«

Besondere Bekanntmachung.

754) Im Firmen-Negistcr des unterzeich veten Gerichts sind heute folgende Einträge vollzogen worden:

1) Die Inhaber der Firma:Emmclius <t Scheid", Namens Earl Emmclius und Louis Scheid zu Giessen, haben mit dem 1 Januar L Z. ihr Cigarren Fabrikations Geschäft aufgelöst und ist die Firma er loschen.

~) Louis Scheid zu Gießen betreibt da­selbst seit 2. Januar l. I. eine Cigarren- fabrik mit Handel en gros und hat seiner Ehefrau Louise, gebornen Glöckner, daselbst I'rocura eriheilt,

'Haok Hanau zu Gießen als Inhaber

der Firma :Gebrüder Kaufmann" daselbst Hai seinem Sohne Eduard Kaufmann von da am 2. d. Mts. Procura ertheilt

Gießen, den 3. Februar 1871. Großherzogliches Stadtgericht Gießen.

Muhl, Stadtrichter.

Versteigerungen.

761) Montag den 13. Marr

soll das den Kindern des verstorbenen W. Keßler von Beuern gehörige Schrcinerwert zeug, welches sich noch in gutem Zustande befindet, in der Wohnung des G g. D a ut in öffentlich gegen gleich baare Zahlung dci-- steigert werden. Der Vormund.

691) Donnerstag den 16. März d. I-, Nachmittags 2 Uhr,

sollen auf dahiesigem Ratbhause erboerthel- thungsbalber die den Peter Pistor's Erben gehörigen Immobilien:

Flur Nr. o.Rlftr.

11 Hofraithe, auf d.'e Bach,

3 Hofraum, Miststätte das,

13 Grabgarten daselbst,

159 Acker, zehntfrei, in den Güntbersgräben, gibt 36 kr. Rente,

398 Acker, zebntsrei, am Heeg­strauch, stößt auf dieAccker,

si/140 342 Acker, zcbntfrei, am Erd­

kauter Weg bis an den Grü- ninger Pfad, 1 ibt 453/4 kr. Rente,

38'3511.36,5 210 Wiese, zehntfrei, hinter dem Waldbrunnen, gibt 34 kr. Rente, unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen, meistbie­tend versteigert werden.

Bemerkt wird, daß in der Hofraithe seit längeren Jahren eine frequente Wäscherei betrieben wird, welche mit übernommen werden kann; ebenso kann in derselben Gerberei und Färberei betrieben werden.

Gießen, den 1. März 1871.

In Auftrag:

Semmler, Ortsgerichtsmann