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Vxvedttton: Lanzlelberg Ltt. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hieben.

Sonntag den 3. Tecembci

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Ne. 282.

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Unbemittelte

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. Juni und , 30,000, bezahlt.

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Gikßrn, am 30. November 1871

Betreffend: Die Vollziehung des Gesetzes vom 6. Juni 1853, die Versicherung der Gebäude gegen Feuersgrfahr und die Vergütung der Brandschäden.

Das (6ru |) I) r r $ü i)lid)r Krrisamt Gießen

an die Grossherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Wir fordern Sie auf, alsbald unter Zuziehung des Gemeinderaths die vorgefchriebene jährliche Revision der Brandkataster vor- zunehmcn und das Ergebniß binnen 14 Tagen vorzulegen.

In Verhinderung des Kreisraths: Ke tu 16, Kreisassessor.

Der Kampf des Staates mit der Kirche nimmt immer neuere Dimensionen an; aber die ^biete, aus welchen er gefühlt wird, und die Streitpunkte sind nicht überall dieselben.

Der Kampf umdie zwei Schwerter", welcher jetzt in Deutschland geführt wird, ein Kampf, welcher schon die Geschichte des Mittelalters beherrschte, ist in neuen Formen entbrannt und wird den neuen Verhättniffn entsprechend zum Aus- trag gebracht werden, aber auch dem deutschen Geist entsprechrnd, welcher darauf halten wird, prinzipielle Gegensätze auch einer principieUen Losung entgegen zu sühren.

Vielleicht eben deshalb setzt die Kirche ihr AeußersteS an den Kampf mit dem deutschen Geiste, wahrend ihr anscheinend von anderer Seite viel Schlimmeres zugisügt worden ist und zugedacht wird, als ihr von Deutschland droht, welches sich nur in dem Recht: seiner naturgemäßen Entwicklung nach eigenen Lebens- gesltzcn nachzugehen sicherstellen will.

Welch' schlimme Erfahrungen hat das Papstthum gerade in katholischen Ländern zu mach.n gehabt und welchen Bedrängniss.n ist es gerade jetzt ausge­setzt! Aber wenn auch nicht ohne schwere Sorgen, so doch mit uneischütterter Zuvcrsicht scheint der UltramontaniSmuS den ihm von dieser Seite zu Leibe gehen­den Angriffen die Stirn zu biete«. Er hat in Oesterreich die Aufhebung des Concorvats erlebt, ohne daß Staat und Kirche als solche einander zum entschlos­senen Kampfe gegenüber traten, wenn auch individuelle Confliete nicht ausblieben; er hat sich die Angriffe auf Kirche und Kirchengut gefallen losten; er wird es erleben, daß das clerikale Ministerium in Belgien, dem Geiste des delgischin Eon- stitutionalismuS gemäß, welcher der unzulänglichen liberalen Minorität der Kam­mer regelmäßig die douce violence der Straßenlrawalle zu Hilfe führt, einem liberalen we chen muß; die Straßen von Pans sind noch gerölhet von dem Blute ermordeter Priester, und über das Patrimomum d»s heiligen Stuhles schaltet und waltet der nationale Wille Italiens; aber der UltramontaniSmuS hat nur Deutsch­land im Auge.

In Bezug auf die Drangsale, welchen er anverSwo begegnet, kann er sich mit Den Aklba trösten,daß Alles schon tagewesen". Und wie sehr er mit dieser Tröstung Recht hat, beweist ja eben wieder die Beflissenheit, mit welcher H-rr Thiers sich um die Gunst bewirbt, dem Papste ein Azyl in Frankreich gewähren zu können.

Aber so stark weiß sich das Papstthum zur Zeit noch, daß es lieber *im Vatikan verweilt und die Fluthen der Volksbewegung an dessen Mauern branden hört, als sich nach dem alten Königsitz nach P^u zu begeben, mitten durch ein Spalier von Kniebeugungen, welches ihm Herr ThierS in verfühnri>chcn Farben auSmalt. Man weiß im Vatikan, daß das nach Frankreich auS^kwanoerte Papst- thum Jahrhunderte zu seiner Rückk.hr braucht, wählend ter in Rom gefangene oder nach einem italien-schen Acht gefluchtete Papst niemals allzu lange Zeil auf seine Befreiung zu warten brauchie. Die Einladung nach Frankreich reicht sicher- lich schon au», um feine Position im Vatikan vertheitigungssähiger zu machen, als sie cs bis dahin gewesen ist, und die vor Elv ta vecchia ankernde französt chc Fregatte wird ihm mehr Selbstgewißheit geben, als das italieniiche Garantiegef.tz.

Es sind eben nur ouheil che und vorübcrgeh nde Gefahren, welchen das Papstthum in den Confl clen mit den katholischen Ländern begegnet, brausende Zeitströmungen, welche sich zugleich in ihrer U berstüizung erfctbpien, oder politische Interessen, welche sich mit den entgegengesitzien kreuzen, oder Inirignen, wttche nur einen temporären Eharacter tragen. Da n endet sich schnell und unvermuihct die Scenerie, und die überstandene Gefahr gibt ein Recht der 10if<|ligung aller und Erhebung neuer Ansprüche. Ab.r der UltramontaniSmuS rony, was ihm ter deutsche Geist beteuiet, weicher durch eine neue Reformation sich von Rom be freien will. Wir beziehen dieses Wort nicht aus die innerhalb der katholischen

Kirche auSgebrochene Bewegung, ^errn Nachhaltigkeit und Jntensivität sich erst zu bewähren haben wird, sondern aus das Verhältneß von Staat und ^Kirche und ihre Machtgebiete.

Noch einmal hat sich der UltramontaniSmuS erhoben, um die Grenzsteine zu verrücken, und wie im Mittelalter der gewaltige Jnnocenz so.t der unu.ittelbaren göttlichen Einsetzung der geistlichen Gewalt deren Superiorität über die weltliche ableittte, so haben die vatikanischen Beschlüsse und das UnfehlbarkeitSdogwa dem Papstthum den Anspruch zugewiesen, in oberster Instanz allen Lebensverhältniffen Richtschnur und Regel vorzuschreiben.

Nur vorübergehend zuckten anderswo die Geister zusammen vor der unge­heuren Tragweite dieses neuen Dogma'S; nur Deutschland hat den Kampf aus­genommen, weil es eine wahre Achtung vor den beiden größten Mächten geschicht- lieber Entwicklung: Staat und Kirche, besitzt und mit Ernst erwog, daß beide, weil sie verschiedene Aufgaben zu erfüllen haben, auch auseinander zu halten, da­mit das Zweckmäßige nicht leide über den idealen Anspruch, und das sittliche Ideal nicht nach ZweckmaßigkeitSrücksichten verkümmert werde.

Es ist ein großer, welthistorischer Kampf, in welchen wir eingetreten sind, und er wird schwerlich zu Ende geführt werden können, ohne daß der Fanatismus sich hineinmischt. Aber die Gertheidigung der Freiheit des Staates ist keinenfalls rine Aggression!

Frankfurt, 30. November, lieber den gegenwärtigen Stand der diploma- tischen Verhandlungen im Schooße der internationalen Commission erfahren wir nachträglich, daß die am Ende voriger Woche erfolgte Rückäußerung des kaiser­lichen Cabinets auf die französischen Schlußvorschläge in wesentlichen Punkten Modifikationen verlangt hat, so daß möglicher Weise ein Abbruch der Verhand­lungen hätte erfolgen können. Die französische Regierung hat jedoch Anfangs dies.r Woche die von Kaiser und Reich gewünschten Abänderungen des internatio­nalen Vertrags genehmigt, und es dürfte somit der definitive Abschluß desselben in aller Kürze, jedenfalls im Laufe der nächsten Woche, erfolgen.

t Berlin, 30. November. Deutscher Reichstag. 35. Sitzung. Präsident

Dr. Simfon eröffnet die Sitzung um 12'/, Uhr. Auf der Tagesordnung steht:

1) Zweite Lesung des Gesetzes, betreffend die FriedenSpräfenzstärke des deut­schen Heeres und die Ausgaben für die Verwaltung desselben für die Jahre 1872, 1873 und 1874. Zu dem Entwürfe, dessen Wortlaut wir schon früher mit» feilten, haben Miquel, Dr. Bamberger und v. Unruh (Magdeburg) ein Amen­dement eingebracht, welches das geforderte Pauschquantum nur für die Jahre 1872 und 1873 bewilligen will.

Dr. Reichensperger (Köln) wendet sich gegen die Rede v. Treitschke'S in der vorigen Sitzung und weist den Vorwurf zurück, als wollten die Gegner des Pausch­quantums der Militärverwaltung ein Mißtrauensvotum auSstellen.

v. Forckenbeck hält die Frage des Pauschquantums durchaus nicht von so hoher Bedeutung, wie man sie hier hinstellt. Für ihn sei die Frage die, ob der Fall der Ausnahme des Art. 71 der Verfassung vorliege, ob solche Verhältnisse vorhanden seien, welche nach diesem Artikel die Bewilligung des Pauschquantums für mehrere Jahre rechtfertigen, und das müsse er bejahen.

Dr. Bamberger empfiehlt das oben erwähnte Amendement, da es für die Regierung doch angenehmer fein müsse, mit diesem Reichstage, den sie kenne, die Milttärfrage zu regeln, als mit dem kommenden, der vielleicht eine Majorität gegen die Regierung bringe. Als vorsichtiger Geschäftsmann müsse die Regierung immer mit bekannten Elementen rechnen, oder sind wir denn Roßtäuscher, welche ein­ander betrügen wollen? (Heiterkeit.) Darüber seien doch Alle einig, daß bas Miliiär noihwendig ist und daß wir einen ausgezeichneten Kriegsminister haben. Die Frage, ob Frankreich einen neuen Krieg beginnen werde, möge man doch so