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Deutung fähig, aber doch immer noch viel präciser wie „gewerbliche Anlagen'. Dasselbe gelte von dem im Amendement gebrauchten Worte „Triebwerk", mit dem man jede einzelne Maschine bezeichnen kann. Die meisten der Amendements ver- langen, der Unternehmer solle beweisen, daß er an dem Unfall keine Schuld trägt, daß er die nothtgen Sicherungsvorkehrungen bet dem Betriebe beobachtet habe; bei näherer Ueberlegung werde man jedoch leicht begreifen, daß dies fast nie möglich ist. Er bitte demnach, die Regierungsvorlage pure anzunehmen. — Ein Antrag auf Schluß der Diskussion wird angenommen, und daraus § 2, unter Ablehnung aller Amendements, in der Regierungsvorlage angenommen.
§ 3, zu welchem ebenfalls eine Reihe Amendements vorliegt, kommt nach kurzer Debatte in folgender Form zur Annahme: „Der Schadensersatz ist zu leisten: 1) im Fall der Tödtung durch Ersatz der Kosten einer versuchten Heilung und der Beerdigung, durch Erstattung des Vermögensnachtheils, welchen der Ge- tödtete während der Krankheit durch Erwerbsunfähigkeit oder Verminderung der Erwerbsfähigkeit erlitten hat; war der Getödtete zur Zeit feines Todes gesetzlich verpflichtet, einem Andern Unterhalt zu gewähren, so kann dieser insoweit Ersatz fordern, als ihm in Folge des Todes der Unterhalt entzogen worden ist; 2) im Falle der Körperverletzung durch Ersatz der Heilungskosten und des Vermögens- nachtheilS, welchen der Verletzte durch eine in Folge der Verletzung eingetretene zeitweise oder dauernde Erwerbsunfähigkeit oder Verminderung der Erwerbsfähigkeit erleidet."
Schluß 3^ Uhr. Nächste Sitzung Montag 11 Uhr. Tagesordnung. Fort- setzung der heutigen; Wahlprüfungen.
Paris, 29. April. Der „TempS" schlägt eine neue Basis für Unterhand, langen vor, welche er wie folgt formulirt: Wir verlangen und fordern die Bürger auf, eS mit uns zu verlangen: 1) einen Waffenstillstand von 25 Tagen; 2) die Wahl einer neuen Commune nach den Bestimmungen des von der Assemblee votirten Gesetzes, mit dem Mandat auf Basis der Erhaltung der Republik, der municipalen Freiheiten und einer vollkommenen und allgemeinen Amnestie, mit Ver- sailles zu unterhalten. — Die „Commune" schreibt: Kaum den Händen der Advokaten entschlüpft, fällt Paris in die Hände von Idealisten. Die Mitglieder der Commune repräsentiren eine Menge von Secten mit mehr oder weniger barbarischen Namen, als da sind: der Communismus, der Babourismus, der Collec- tini-mus, ver Individualismus, des JacobiniSmus, der HebertiSmuS, der Unitaris- muS, der Föderalismus. Sir sind plötzlich alle zu Macht gekommen, ohne sich zu träumen, daß die Aufgabe einer Regierung nicht darin besteht, die Charte des Jahres 2000 oder das Symbol der Apostel zu redigiren, sondern Maßregeln anzuordnen und die durch die Lage erforderten Beschlüsse von Tag zu Tag zur Ausführung zu bringen. Auch ihre Handlungen zeigen einen wachsenden Mangel an Uebereinstimmung mit ihren Principien.
London, 29. April. Der „Spectator" findet die Hauptschwäche des Cabinets in seiner auswärtigen Politik während des Krieges. Der Enthusiasmus für ein Cabinet, welches Englands Einfluß aufgebe, sei daher unmöglich. — Der „Economist" meint, der Doppelpfennigaufschlag und die Einkommensteuer wären angenommen und bereits vergessen worben, allein die Aenderung des Vorschlags schwäche die Kraft, ihn durchzusetzen. Die Regierung verwerfe die Sistirung der Leibrenten und hielte den Aufschlag von ii/2 Pfennig der Einkommensteuer für genügend. Das Blatt sagt in seiner Sonntagsrevue, daß das dritte dieswöchentliche Budget, das geistlos, unoriginell und ungerecht sei, wahrscheinlich angenommen rot ree. —
Rom, 22. April. Die über daS Befinden des heiligen Vaters tn den letzten Tagen verbreiteten Nachrichten sind je nach den Quellen beruhigend oder befürchtend, klerikal oder liberal. Ich kann Ihnen als verlässig melden, daß sich, wie es bei dem hohen Alter natürlich ist, täglich mehr unverkennbare Zeichen von dem Zusammenfallen des ehrwürdigen Greise« Herausstellen. Außer dem Leibarzte Vtale und dem Hof-Chirurgen Costantini wurde Doctor Mazzoni zu einer Consultation gerufen. Die Asthma-Anfälle und große Athemnoth stellen sich öfter ein, und zwar mit heftigem Husten; dagegen ist Pius IX. an manchem Tage wieder so
frei von allem, was nach Gebrechlichkeit aussieht, daß man an eine Verjüngung
über Nacht glauben möchte. Er geht gewöhnlich am Stocke; wenn er mit be- suchenden Fremden nach der Audienz im Garten spozirt, zieht er es vor, mit
zurückgeschlagenen Armen zu gehen. In der Mittagsstunde empfing er heute eine
aus Geistlichen und begüterten Kupferminenbesitzern bestehende Deputation aus Steiermark, besonders aus der Diöcese Seckau, welche ihm eine ErgebenheitSadreffe und Geschenke zu Füßen legte. (K. Z.)
Rom, 28. April. Der Cardinal Leni« Amat, welcher AuSglcichsversuche zwischen Rom und Florenz anzubahnen versucht, wurde gestern Nachmittag zum Papst beschieden. Später conferirte derselbe noch eine Stunde lang mit Cardinal Antonelli.
Konstantinopel, 28. April. Das Kriegsschiff „Medari Marzet" ist abermals mit neuen Truppen nach Arabien abgegangen. Die Absicht der Pforte ist, die Grenze von Egypten nach Arabien hin zu besetzen. — Conemenos-Bey, gewe- (euer Pfortegesandter in Petersburg, ist zum Pfortegesandten in Athen ernannt.
Telegraphische Depeschen.
4- Paris, 30. April, Abenvs. Im Fort Jssy sind die Casematten eingeschossen, die Einschnitte zerstört und von den 60 Kanonen 30 demontirt. Die Artilleristen widersetzten sich den Befehlen des Kommandanten Megy, erklärten, sich nicht länger halten zu können und vernagelten die Hälfte der Kanonen. Die ganze Garnison, aus 300 Mann Infanterie und 30 Artilleristen bestehend, verließ das Fort.
Das Fort ist für den Augenblick verlassen. Cluseret will neue Streitkräfte dahin schicken. Don der Porte Maillot bis Asnieres herrscht heute Ruhe. Die Preußen drohten, aus die Chasseur-Escadron der Versailler zu schießen, welche die Pariser bis Garenne verfolgte und die Brücke und Insel bei St. Denis pas- stren wollte.
△ Paris, 30. April. Das Heer der Föderirten wurde in zwei Theile ein- getheilt, welche von Dombrowsky und Blamcowsky (?) commandirt werden.
A Versailles, 30. April. Zwei Brigaden nahmen heute Nacht Park, Schloß und Kirchhof von Jssy. Es wurden 100 Gefangene gemacht und 8 Ka- nonen erbeutet. Der Verlust ist gering.
A Versailles, 30. April. Depeschen aus den Departements melden, daß die Gemeindewahlen überall ruhig und ohne große Bethetligung stattgefunden haben. Rente 52.75.
A Versailles, 30. April. Nachts. Eine Delegation aus Havre schlug bei Thiers als Weg zur Ausföhnung vor, die Regierung möge die Commune
anerkennen. Die Nationalversammlung weigerte sich, auf diesen Vorschlag einzugehen. Kanonen, welche von Rennes nach Versailles gesandt wurden, sind unterwegs vernagelt worden. — Das Benehmen der Versailler gegen die Gefangenen ist äußerst brutal. Der Herzog von Andiffert und PaSquter, die Führer der Orleanisten erklären überall öffentlich, daß Die Fussion zwischen den Orleans und Bourbonen eine vollendete Thatsache sei. Beide würden in der Zukunft in lieber* einstimmunq handeln.
A Versailles, 1. Mai. Das „Univers" schreibt: Nach den Mittheilungm eines Mitglieds des Verwaltungsraths der französischen Bank hätte sich die Bank noch nicht zu beklagen, denn seit dem 18. März seien der Bank nur 4 Millionen abverlangt worden; eine geringe Summe, wenn man bedenkt, zu welchen Ausgaben die Insurgenten täglich gezwungen sind. Es ist zum Beispiel unbestreitbar, daß der Sold der Nationalgarde täglich 700,000 Fr. erfordert. Rechnen wir hierzu die sehr niedrig gegriffene Summe von FrS. 100,000 für alle anderen Bedürfnisse, so resultirt sich vom 18. März bis heute eine Summe von 33 Millionen 600,000 Frs. Wir geben zu, daß die Requisitionen, Plünderungen, Verkäufe und Octroieinnahmen auf das Maximum von ca. 3 Millionen zu schätzen sind, welche geheime Hand ist es also, welche die fehlenden Millionen vorae- schossen hat? ö
△ Versailles, 1. Mai. Gestern Abend wurde ein Parlamentär nach Jssy gesandt, um eS zur Uebergabe aufzufordern. Die Besatzung verlangte, daß ihr eine Frist bewilligt werde. Der Parlamentär kehrte zurück. Die Unterhandlungen werden wahrscheinlich heute wieder ausgenommen.
△ Versailles, 1. Mai. Abends. Das Fort Jssy hat capitulirt.
A Parts, 30. April. Die Aufregung auf den Boulevards ist ungeheuer. Der moralische Eindruck des Falles von Jssy ist groß. Die Föderirten halten sich verrathen.
A Brüssel, 29. April. Der „Etoile belge" meldet aus Paris vom 28., Abends 7 Uhr: Heute erfolgte ein allgemeiner Angriff dex Regierungstruppen auf allen Punkten. Die Batterien zu Clamart und Meudon richteten ein heftiges Feuer gegen Jssy, dessen Feuer Nachmittags zum Schweigen gebracht war. Augenblicklich findet eine Umgehung des Forts statt unter einem Gewehrfeuer zwischen den Truppen von Versailles und den Föderirten. Zwischen den Batterien von Hautmeuvon und den Kanonenbooten an der Point du jour-Brücke ist eine starke Kanonade im Gang. Ueberall wird Generalmarsch geschlagen, die Bataillone sammeln sich auf dem Concordienplatz.
A Brüssel, 1. Mai. Der „Etoile belge" meldet aus Paris vom 30. v. M-, 7 Uhr Abends: Der Kampf bauerte bis zum Einbruch der Nacht. Das Bombardement von Jssy ist sehr heftig, 2000 Granaten fielen in dasselbe, worauf eS von den Föderirten geräumt wurde.
A London, 1. Mai. „Daily News" meldet aus Paris vom 30. April: Wroblewsky ist schwer verwundet. Zwischen Jssv und der Enceinte werden Barrikaden gebaut. Die Versailler Truppen haben Die Redoute von Genevilliers aufgegeben.
A London, 1. Mai. „Daily News" führt in ihrem Leitartikel aus, daß die heutige Niederlage des Cabinets ein nationales liebel sei und hoffe, daß das Cabmet Die Sistirung der Leibrenten annehmen werde.
A London, 1 Mai. Man schreibt der „Times" aus Paris: Die Commune verlangt Freiwillige. Es scheinen jedoch keine sich stellen zu wollen. Deshalb sieht man täglich, wie Leute, welche während der Nacht verhaftet worden sind, nach den Forts hinausgebracht werden, wo man sie durch folgende Mittel zu Freiwilligen (?) zwingt: Man stellt sie in die erste Reihe, um sie nöthigen- falls zwischen zwei Feuer zu bringen.
Ein Ambulanz-Chirurg sagt aus, daß ein Viertel der Verwundeten die Wunden in den Rücken empfangen haben. Die zweite Reihe hatte Feuer auf sie gegeben.
Literarisches.
Zwei lustige Soldaten - Lieder, illustrirt von Ludwig Löffler. (Stuttgart, Eduard Hallberger.) Diese köstlichen Produkte echten Volkshumors, welche während des nunmehr glücklich beendigten glorreichen Krieges entstanden, sind, mit volksthüm- lichen Sangesweifen versehen, allüberall in Deutschland mit Jubel ausgenommen und ebenso heimisch geworden, wie sie unfern braven Soldaten auf dem anstrengenden Marsche und im Bivouak allezeit aufheiternde, ermunternde, freundliche Begleiter waren. Es sind, wie „Prinz Eugen, der edle Ritter", Volkslieder im besten Sinne, welche die Zeit, die sie heroorgebracht. Überdauern, und im Volke und der Armee noch lange, lange fortleben werden. In der vorliegenden, wie wir hören auf vielfach ausgesprochene Wünsche erfolgten Ausgabe, welche mit Löffler's überaus komischen Illustrationen geschmückt ist, bilden die Lieder ein sehr ansprechendes Erinnerungszeichen besonders für die heimkehrenden Soldaten der tapferen deutschen Armee, denen sie umsomehr empfohlen fein mögen, als der Reinertrag vom Verleger für dic bcutfdje Inva- lidcnstiftung bestimmt ist.
Börseniiachrlchten.
1. Mai 1871.
Aetlen.
Oest. Creditaot. 267
50/g östr. F. St. E. B. 402 Lombard. Bahn 167 Ludwigsh.-Bexbach 1691/3 Maxbahn 113 l/i
Bayer. Ostbahn 128*/e Hess. Ludwigsb.-Act. 149 Alsenzbahn-Actieu 851/4 Oberhessen „ 701/4
Prioritäten.
3O/o Öster. Stsb.-Prior. 56/g 30/0 öst. s. Lombard 73 30/0 Livorneser 323/8
50/g Tosoaner 501/3
50/g Elisabcth.-Prior. 771/3 do. II. Emiss. 753/4
Änlehenalooge.
Kurh. 40 Thlr. Loose 651/4 Nassau 25 fl. 391/z
40/g bayr. Präm.-Anl. 107 Ansbacher 7 fl. 12
40/g badische Loose 1061/4 Badische fl. 35 Loose 60i/s Oestr. fl. 250 v. 1854 72>/z 1858r Prioritätsloose 155*/2 1860r Loose 79i/4 1864r „ 1193/4
Braunschweiger 17i/8 Stadt Madrid 21%
Wechsel.
Amsterdam k. 8. 100
Augsburg k. S. 997/s
Berlin k. S. 105
Bremen k. S. 97
Cöln k. 8. 104-,6
Hamburg k. 8. 88’,ö
Leipzig k. S. 104 '/g
London k. 8. 119’ 2
Lyon k. 8. —
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Holl. fl. 108t. 9 54—56 Ducaten . . 5 35—37 20 Frankenst. 9 261/3—27’/g Engi. Sover. 11 54—58 Ross. Imper. 9 45—48 Dollar in Gold 2 27—28
Freust 41/2% Oblig. 94‘/4 Frankf. 3i/2% Obi. 82</4 Nass. 41/2% Obi. 933/4 Kurhess. 4% „ 85 */2 Gr. Hess. 5°/0 Obi. 101
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n n 1885r 961/3
n „ 1887r 97
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Frankf. Bank 1333/4
Frankf. Vereins-Kasse 104i/a
Darmst. Bankact. 341
Wien Bankactien 709
Galizien 252‘/4


