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B- 1,1

Preis vierteljährig 1 fi. 12 h\ mit Vringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 fr.

Gießener Anzeiger.

Erscheint täglich, mit Aus­nahme Montags.

Expedition: Canzleiberg Lit. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kießen.

Nr. 1^0. Samstag den 29. Octobcr 1870.

rttfF hupft werden noch fortwährend sowohl bei der Expedition, Canzleiberg B-1, als auch

Wlf Ptli \$>lX^VUVV bei allen Post-Expeditionen und den Land-Postboten entgegen genommen.

Die bereits erschienenen Nummern werden nachgeliefert.

Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Erpedition abvolen lassen, erhalten denselben pro IV. Quartal 1870 zu 1 fl.

Brodpreife vom 29. October bis 5. November 1870,

nach eigener Erklärung der Bäcker:

4 Pfund gemischtes Brod 19 fr. 2 Pfund gemischtes Brod 9y2 fr. 4 Pfund Roggenbrot» 16 fr. 2 Pfund Roggenbrot) 8 fr.

Amtlicher Thei L

Befanntmachung.

Da die Rinderpest in der Provinz Oberhessen erloschen ist, hat die Königlich Preußische Regierung zu Wiesbaden die durch Bekannt- machung vom 12. v. Mts. getroff nen Anordnungen aufgehoben, mit dec einzigen Ausnahme, daß das Verbot des Abhaltens von Vieh­markten und des Handels mit Rindvieh in einem dceimeiligen Umkreise der Orte Gießen, Friedberg und Butzbach bis zum 28. November l. I. bestehen bleibt.

Gießen, den 27. Oktober 1870. Großherzogliche Provinzial-Direction Oberheffen.

Dr. G o l d m a n n.

Gefundene Gegenstande:

Ein baumwollener Regenschirm (noch neu), ein großer seidener Sonnenschirm und ein alter Schirm.

Die Eigenlhüiner werden ausgefordert, sich binnen 3 Wochen bei uns zu melden, widrigenfalls diese Gegenstände auf Verlangen ar. die Finder zurückgegeben oder später zu Gunsten der Armenkasse werden versteigert werden.

Zugelaufen: Ein kleiner schwarz und weißer Hund.

Gießen, den 28. October 1870. Großherzogliche Polizei-Verwaltung der Provinzialhauptstadt Gießen.

R o v e r.

Politisch

28. Octobcr. v-'

Die Abreise der bayerischen Minister in da» deutsche Hauptquartier bildet tue schließt che Bestätigung der von Zeit zu Zeit gemeldeten günstigen Nachrichten über den Gang der deutschen V-rfassungsVerhandlungkN. Daß die betreffenden Herren nach Versailles gingen, ist em Beweis, daß ein posit.ves Resultat erzielt ward. Man kann solche Schritte unterlassen, aber nicht halb- oder zurückthun. Was vor einigen Tagen angedeutet wurde, hat durch die Mitentsendung des Justiz- Ministers Lutz seine Bestätigung erhalten. Hr. v. Lutz hat für den Mmisterrath lie ganze Frage des Anschlusses bearbeitet und sich dabei feinerlei Nedenhülfe be- tient (wchhalv in den verschiedenen Ministerien selbst die Herren Mrnisterialrälhe über den Plan und Gang der Verhandlungen im Dunkeln gelassen waren); e» jst veßhalb p-ssend erschienen, daß Hr. v. Lutz seine Modifications-Vorschläge per- sonlich im Hauptquartiere vertrete. Eine persona grala wird er dort nicht sein, va man weiß, daß er neben dem Kriegsminister am entschiedensten in der Krisis Über die Kriegsfrage dem Könige zur Seite getreten ist und bereit war, auch gegen ein ablehnendes Votum der Kammermehrheit die Vertragspflichten zu er­füllen. lieber die Einzelheiten, welche durch die Aenderungs-Vorschläge der bayeri­schen Regierung zur Verhandlung fommen, lassen sich zur Stunde noch feine Mit­tbeilungen machen. Hr. Delbrück hat schon hier in verschiedenen Punkten die Annahme für zulässig erklärt, bei anderen freilich mit der größten Entschiedenheit das Gegenthcil geltend gemacht; aber, wie gesagt, daß man bayerisch.rseitS das Hauptquartier in einer Angelegenheit beschickt, in der man nicht unverrichteter Sache Heimkehren kann, muß jedem Ruhigurtherlenden über Den Ausgang Der Verhandlungen jeden Zweifel nehmen. Der bayerische Kriegsminister w.rd sicher­lich alle Die Anerkennung im großen deutschen Heere finden, welches fein rastlos s «Arbeiten für die Armee-Resorm verdient, und ein sehr guter Gedanke ist es, daß Hr v. Prankh die einzelnen Regimenter und Abtheilungen Der beiden bayerischen AnneecorpS besuchen will. Im persönlichen Zusammensein mit dem hohen Ober- Dundesfeldherrn des deutschen HeereS und seinen Ministern wlrd sich Die brsher angeblich noch nicht gelöste Frage dir Inspektion in Frieoensz uen le.cht vermitteln lassen, eben so einige andere Punkte, die sich aber noch Der Oeffent.ichkcrt ent» Jben _ Eine beachtungSwerthe Neuigkeit ist die Ernennung des bisherigen Dom- vrobstes Dr. Reißmann in Mürzburg zum Bischof dieser Diöc.se. Der Erwählte ist kein U tramontaner, war schon vor einigen Z ihren zum B schof von Eichstädt in Aussicht genommen, mußte aber ablehnen, weil Rom ihm sein Mißfallen äußerte; j^tzt schernt der Erwählte Die Gefahr der M ßbilligung der Curie nicht so hoch zu schätzen, und Die bayerische Regierung hat endlich wieder wenigstens einen B.tchos mchr, Der in dem Streite zwischen ultramontaner Herrschsucht und Den Rechten des Staates zu unterscheiden weiß.

DieK. Z." schreibt: Die Times nimmt an, daß die Bemühungen Der englischen Regierung zur Herstellung eines Waffenstillstandcö bereits als mitzlungen z» betrachten sind. Der ganze Er olg derselben wäre, Daß Graf Bismarck auf eine Zusammenkunft mit Hrn. Thiers eingegangen ist. Aber, sragt Die Times, ttja» kann Der alte ^rrlamentarische Veteran Dem Staatskanzler sa^en? Er Hal alle Hofe bereist und wahrscheinlich an alle biejelbe Aufforderung gestellt, vernnt

er T h e L S.

Der Drohenden neuen Macht entgegenzutreten, die sich in Mitteleuropa erhebt. Soll er nun Dem Grafen Bismarck sagen, daß, Da alle neutralen Mächte seine ^>uf- forDerung abgelrhnt haben, Deutschland von seinen Angriffen abstehen müsse, Frankreich Line Alliirten bat? Wird er fordern, daß Deutschland aus eigenem freien Willen zurückireten soll? Und wird andererseits Graf Bismarck Herrn Thiers und durch ihn Frankreich überzeugen, daß Elsaß und Lothringen für Deutschlands Sicherheit unumgänglich nöthig sind? Die^Dersvche, einen Waffen- stillstand herbkizuführen, müssen scheitern, weil Preußen fordert, daß Frankreich eine Gebietsabtretung im Prinrip annehmen soll.Hatten wir mit Leuten zu schaffen, welche wünschten, aus einer Stellung in die andere hinüberzugleiten, ohne sich selbst ihre Frontveranderung einzugestehen, und noch mehr, ohne sie der Welt zu offenbaren, bevor Der Wechsel vollzogen, Dann könnte es nützlich sein, ihren Rückzug durch eine zeitweillge Unterbrechung der Feindseligkeiten zu decken. Aber wir haben nicht mit Leuten zu thun, welche mit ihren eigenen Entschlüssen fest und locker spielen. Es giebt, unseres Wissens, keinen Umstand, auf welchen man eine Hoffnung gründen könnte, daß die deutschen Führer oder Die französische Re­gierung einen Rückzug von ihren gegebenen Erklärungen zu decken wünschen. Das Ministerium mag Gründe haben zu verschiedenen Ansichten, aber sie liegen sicher nicht vor aller Welt offen, und wenn weder auf französischer noch deutscher Seite eine Neigung zum Nachgeben ist, so kann man sich nicht wundern, wenn Der Vor­schlag zu einem WaffenstillstanDe verworfen wird." Es giebt, meint Die Times. vier verschietene Wege, welche Die neutralen Mächte einschlagen könnten, um die Schwierigkeiten zu lösen. Deutschland verlangt die Abtretung von Elsaß und Lothringen als unumgänglich nöthig für seine zukünftige Sicherheit. Glauben die Neutralen, Daß diese Nothwendigkeit vorhanDen ist, so sollten sie Frankreich Drängen, diesem 93-rlangen nachzugeben, mit Dem Vorbehalt, daß es den Einwohnern Der bestrittenen Gebiete, welche ihre National tät nicht wechseln wollen, leicht gemacht werde, auszuwandern. Glauben Die Mächte nicht an Die NothwenDigkeit Dieser Sicherheits-Bedingungen, so sollten sie den Siegern die Gründe für Die Zurück­nahme ihrer Ansprüche vorlegen. Ein Dritter Vorschlag ist, Den Befürchtungen DeutschlanDS ihre wesentliche Ursache zu benehmen durch Schleifung Der Festungen von Elsaß und Lothringen mit oder ohne Cvllectivgarantie. Den vierten Vor­schlag will die Times nicht vertreten, sie bringt ihn nur, weil er bereits an an­derer Stille gemacht woiden ist. Dieser ist nämlich, die Ansprüche Deutschlands zu befriedigen durch Uebertragung von Luxemburg an den Norobund.Wenn das Volk von Luxemburg und ter König von Holland zustimmten, könnte dieser Plan ausführbar sein, aber es ist klar, daß keine neutrale Nation vorschlagen kann, daß, um die nationalen Gefühle der Elsässer nicht zu verletzen, Dcq natio­nalen Gefühlen der Einwohner von Luxemburg Gewalt angkthan werden solle. Am wenigsten könnte das von einer Macht vorgeschlagen werden, welche Die Neu­tral tat des Großherzogthums garantirt hat. Jeder von diesen vier Planen greift jedoch Die Gruncschwlerigleit deS Augenblickes an unD von diesem Gesichtspunkte aus konnte j der Derftlben angenommen werden; aber etwas vorzuschlagen, Wa­der Gefahr bloß aus dem Wege geht, kann keinen guten Erfolg versprechen."

DieLid. Corresp." schreibt:Unter die Forderungen, welche bei dem