nicht minder auch die §§ 53 und 55, welche die Verhältnisse der Bundeskriegs, armee behandeln. Mit § 55 würde dabei auch die Bestimmung der bisher Norddeutschen, nunmehr zeDoch Deutschen ^riegsflagge in schwarz-weitz-roth übernommen worden sein. Ebenso werden fortan für Bayern auch die §§ 57—60 über die Wehrpflicht, den Ersatz und die Friedenspräsenz zu gelten haben. Nach einer glaubwürdigen Mittheilung steht indeß für diese letzten drei Paragraphen eine den gesummten deutschen Bund betreffende Aenderung zu gewärtigen. Andererseits soll in Betreff des Satz 2 des § 63 von Bayern die Uebernahme der fortlaufen- den Regimentönummern für die gesonderte bayerische Armee in Aussicht gestellt worden sein. Speciell würden nach den Etats des Norddeutschen Bundesheeres die gegenwärtig vorhandenen 4 bayerischen Artillerieregimenter voraussichtlich die Umwandlung in 2 Feld- und 2 Festungsartillerieregimenter genau nach dem norddeutschen Vorbilde erfahren. Die Gesammtstärke der künftigen norddeutschen Armee wirb mit 150 Infanterie- und 96 Kavallerieregimentern angegeben, wonach noch eine Errichtung von 3 neuen Infanterie- und 3 Cavallene-Regimentern erfolgen mutzte. Die Umformation der württembergischen und hessischen Infanterieregimenter nach norddeutschem Muster zu je 3 Bataillonen wird als unmittelbar nach erfolg- tem Friebensschlutz bevorstehend bezeichnet. Der Ersatz der Verluste des gegenwärtigen Feldzugs soll, wie verlautet, im Umfange des ganzen BunoeSheereS durch Einziehung von Mannschaften der ersten Ersatzreserve gedeckt werden, doch bleiben die Angaben hierüber noch zweifelhaft. Die Friedensstärke des künftigen deutschen Heeres würde sich nach den Etats für die oben angeführte Stärke auf etwa 380,000 Mann berechnen und danach ziemlich genau mit dem bisher von dem Nordbunve und den deutschen Süvstaaten zusammen unterhaltenen Truppenstande übereinstimmen. (Post.)
Die N. Fr. P. schreibt: „Trotz der officiellen Erklärung aus München, datz Oesterreich nicht den geringsten Versuch gemacht habe, Bayern zum Widerstande gegen den Eintritt in den neuen deutschen Bund zu ermuntern, hält die „Süddeutsche Presse" ihre Nachricht aufrecht, datz österreichische Noten unlängst in München und Stuttgart eingetroffen seien, in denen bas Recht Oesterreichs auf Grund des Artikels IV. des Prager Friedens betont wird. Nun, wir würden nichts so Schreckliches darin finden, wenn Oesterreich in der That eine solche Note abgesendet hätte. Nicht an Oesterreich ist es, sich zu entschuldigen, wenn es auf ein ihm eingeräumtes Recht sich beruft (womit übrigens nicht gesagt sein soll, datz wir dem Reichskanzler eine Einsprache gegen das Versailler Einigungswerk empfehlen); Preutzen würde es vielmehr obliegen, sein Abgehen von dem Artikel IV. des Prager Friedens zu rechtfertigen, Oesterreichs Zustimmung, die wohl nicht ausbleiben würde, einzuholen. Thut es dies nicht, dann verfährt es nicht anders, als Rußland gegenüber dem Pariser Frieden."
AuS Pesth wird geschrieben, datz sich im Schootze der ungarischen Delegation gegen den Kriegsminister Kuhn ein sehr heftiger und auf schlagende Argumente gestützter Angriff vorbereite, dem derselbe kaum wird Stand halten können. Auch das 15-Mllllonen-Vorschutzgeschäft Des Reichsfinanzministers welches bereits im ungarischen Abgeordnetenhause so großen Staub aufgewirbelt hat, dürfte in der Delegation auf's Neue vorgebracht werden.
Wie versichert wird, hat Rußland ganz neuerdings über seine Absichten in der orientalischen Angelegenheit beruhigt. Es soll dies mündlich durch feine Vertreter geschehen sein. Aus diesem Grunde schon werden die Angaben aus Peters- bürg in belgischen Blättern, nach welchen Rußland eine Demonstration mit Panzerschiffen un Schwarzen Meere unternehmen wolle, stark bezweifelt. Rußland wird einen solchen Schritt aus freien Stücken, wie jene Petersburger Schreiben ihm die Absicht zuschreiben, schwerlich auSsühren. Es scheint richtig, daß Ovo Ruffel in Versailles eine Erklärung Preußens über seine Stellung zum Pariser Vertrage Hervorrufen soll. Was über die wahrscheinliche Antwort vorhergesehen wird, wurde Ihnen schon gemeldet. Das mit dem französischen Conflicte vollauf beschäftigte Preutzen hat in der Sache vorzugehen ersichtlich keine Veranlassung. Sollte sich die Nachricht der France bestätigen, daß England die Waffenausfuhr verboten hat, so würde dieser späte Entschluß vielleicht dem Einwurfe begegnen sollen, datz Englands Haltung während des Krieges die Declaration Rußlands erleichtert habe. Die Maßregel würde aber auch nachträglich die deutsche Ansicht recht- fertigen, daß England jenes Ausfuhrverbot zu erlassen durch die bestehenden Gesetze in der Lage war. Die Thatsache, daß es sich während so langer Zeit dagegen gesträubt hat, so wie seine ganze Haltung während des Krieges ist von Rußland verwerthct worden, und die späte Erkenntniß in London kann daran wenig ändern. — Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung sieht den Anschluß Bayerns als gesichert an. lieber die Bedingungen, unter welchen derselbe Statt findet, gehen die verschiedenartigsten Gerüchte. Nach einer Lesart soll Bayern im Reichs- tage nur an denjenigen Gegenständen Theil nehmen, die bis jetzt im Zollparlamente verhandelt werden und die durch einige andere, wie Münzeinheit und dgl., vermehrt wären. Daraus würde folgen, daß, während die Nichttheilnahme an den Berathungen im Reichstage und im Bundesrathe für Baden, Württemberg und Hessen die Ausnahme ist und nur bei der Getränkesteuer in Frage kommt, sie für Bayern gleichsam die Regel wäre. Dies wäre ein eigenthümliches Er- gebniß der langwierigen Verhandlungen, und man wird diese Version, obgleich sie in politischen Kreisen verbreitet ist, bis auf Weiteres bezweifeln dürfen. Die Erwartungen von Bayerns Bereitwilligkeit waren allerdings für den Augenblick nicht groß. Bei der vorhin skizzirlen Combination würde indessen das Resultat sich im Wesentlichen fast darauf beschränken, daß durch die Betheiligung Bayerns an den bezeichneten Gegenständen der Apparat des Zollparlaments, der im anderen Fall nur für Bayern erhalten werden müßte, in Wegfall käme. Näheres wird abzuwarten sein, zumal die Instanz des Reichstages noch aussteht. — Gelegentlich der Sendung Ovo Russel's im Hauptquartier hört man, es fei Herrn Ruffel ein bedeutender Posten Seitens der englischen Negierung zugedacht.
Die France vom 21. Nov. meldet, daß ein Decret der Regierung die Milizen in den Sivil-Territorien von Algerien unter die Autorität des Civil-Gouver- neurS stellt. Wie gemeldet wird, hat der Präfect der Vendöe alle Schlosser und Mechaniker des Departements für die Arbeiten in den Militärwerkstätten re- quirirt.
Für den vielgeschmähten Marschall Bazaine nimmt in den Spalten der Times der greife Feldmarschall Sir John Bourgoyne das Wort und erklärt die gegen denselben geschleuderten Vorwürfe als geradezu unbegreiflich. Sir John hält eS als alter Kamerad des Marschalls aus der Krim her für seine Schuldig- fett, seine Ansicht in dieser Beziehung dem Publicum mitzutheilen. Seine Gründe für diese Ansicht sind allgemeiner Natur und hinlänglich bekannt.
Der Norddeutsche Lloyd hat durch den Krieg einen Schaden erlitten, welcher selbst mit dessen Abschluß sein Ende nicht finden wird. Nachdem nämlich der vom General-Postmeister für die SuSpendirung in der Beförderung der englischen
Post bewilligte Termin von zwei Monaten verlaufen ist, ohne daß die genannte Linie im Stande gewesen wäre, die englische Post wieder zu besorgen, hat das amerikanische Ober-Postamt einen Contract auf zwei Jahre mit der Inman-Linie abgeschlossen. Falls also der Norddeutsche Lloyd den Abgang seiner Dampfer nicht auf einen Tag verlegt, für welchen keine andere Linie Contract hat, wird er in Zukunft nur die deutsche Post befördern.
/ Kriegsnachrichten.
Der „Weser-Zeitung" schreibt man aus Versailles, 18. Nov.: „Vor Pans ist es seit einigen Tagen ganz ruhig geworden, alle Forts schweigen beharrlich und gönnen uns armen Menschenkindern für erliche Stunden Schlaf. Die Tage der provisorischen Regierung scheinen gezählt zu sein und das Eldorado unserer Wünsche, bald in Paris zu sein, sich binnen nicht zu langer Zeit erfüllen zu sollen. Ich kann Ihnen aus bester Quelle geschöpft mittheilen, daß man auf allen Seiten im großen Genesalstabe die Anschauung theilt: Paris wird, sei es durch die eiserne Nothwendigkeit des Hungers, sei es durch innere Conflicte, gelungen sein, spätestens in den ersten Tagen des December seine Thore uns öffnen zu muffen. Fast alle gestern hier eingetroffenen Pariser Journale bekritteln die vollständige Unfähigkeit der Regierung und dringen auf Einberufung einer Nationalversammlung."
Versailles, 18. Nov. Wir werden eines Morgens, davon bin ich überzeugt, mit der Beschießung, von der Niemand etwas weiß, einfach überrascht werden. Graf Moltke hat nicht die Gewohnheit, dergleichen voraus durch Maueranschläge bekannt machen zu laffen. Nach Westen zu erwartet man seit einigen Tagen einen Zusammenstoß, doch scheinen die Franzosen auSzu- weichen. Wir können cs jedenfalls ruhiger abwarten als die Pariser, die seit 4—5 Tagen keinen Schuß mehr von sich geben, wohl um die Kanonen der Entsatzarmee nicht zu überhören. Mit Nahrungsmitteln siebt cs wieder besser hier aus, Zucker nament<^ ist herbeigekommen, und die Existenz ist ganz ertrag- lich. Die Stadt Versa.Am^wird übrigens angehalten, sich auf etliche Monate mit Waaren zu versehe becheil bei dem Aufgehen von Paris die Concurrenz an ihren bisherigen Bezugsquellen sonst hier Theurung Hervorrufen könnte. Möglicherweise wird sich die Stadt durch Vermittlung der hiesigen Präfectur an deutsche Waarengeschä^te wenden, und sie darf wohl in diesem Fall einer freundlichen und reellen Behandlung gewiß sein. Am besten wäre wohl Mannheim dafür gelegen.
Die „Allg. Ztg." schreibt: „Daß man in französischen Osfizierskreisen den Punct des Ehrenwortes nicht sehr ernst nimmt, ward schon mehrmals hervor- gehoben. Alles übersteigt aber folgende Stelle des „Siecle" vom 14., die den Schluß des Berichtes eines Offizier- der Bazaine'schen Armee bildet, der selbst, wohl ebenfalls mit Bruch seines Ehrenwortes, entschlüpft war: „Ahmet jenen 1200 Offizieren nach, die aus Metz entflohen sind, wo die Bazaine'sche Cenvention sie auf Ehrenwort festhielt, und die jetzt nach Tours eilen, um sich einschreiben zu laffen und gegen den Feind zu marschiren, obwohl sie wiffen, datz sie erschossen werden, wenn sie verwundet oder gefangen in die Hände der Preußen fallen sollten." Also eine offenbare Verherrlichung der verrätherischen Wortbrüchigkeit. Man scheint die deutschen Heere geradezu zwingen zu wollen, die Regeln, welche die Menschlichkeit und ein gewisses ritterliches Gefühl bisher für die Kriegführung unier civilisirten Nationen eingeführt hat, ebenfalls außer Acht zu lassen und rücksichtslos die Macht des Siegers geltend zu machen. Angesichts solcher That- sachen ist jene fortgesetzte Milde, wie sie in unbegreiflicher Weise noch kürzlich bei der Capitulation von Verdun zu Tage trat, übel angebracht."
Aus AutUN, dem Hauptquartiere Garibaldi's, liegt in „Daily News" ein Brief, d. d. 14. Nov., vor, welcher in militärischer Beziehung zwar nichts Neues meldet, aber gleich einem anderseitigen Berichte im nämlichen Blatte die Wühlerei der Geistlichkeit gegen die Garibaldianer constatirt. Sobald es bekannt wurde, datz Garibaldi sein Hauptquartier nach Autun verlegen werde, verbreitete die Geistlichkeit die Ansicht, datz selbst eine preußische Invasion einem solchen Unglück vorzuziehen fei. Die Rothhemden haben denn auch Kirchen und Klöster mit Beschlag belegt, und bei einer Haussuchung beim Bischof, die einige von ihnen auf eigene Faust unternommen hatten, kamen zwei goldene Uhren abhanden.
Kassel, 21. Nov. Kaiser Napoleon hatte heute eine längere Unterredung mit Marschall Bazaine, und zwar in der Wohnung desselben. Der Marschall wurde zu dem Ende aus dem Hotel du Nord, wo er mit seiner Gemahlin zu Mittag speiste, nach der von ihm bezogenen Villa gerufen, woselbst Napoleon bereits anwesend war. Man vermuthet, datz Besprechungen Über die jüngsten Vorgänge in Paris stattgefunden haben. — In wenigen Tagen wird eine Broschüre des Marschalls Bazaine, welche sein Verhalten in Metz vom 14 August bis zum 27. October rechtfertigen soll, in Brüssel erscheinen. — In den letzten Tagen sind wieder mehrfache Besuche in Wilhelmshöhe beim Kaiser angelangt, unter andern Mercier de l'EstangeS, früher französischer Gesandter in Madrid.
Darmstadt. Der „Franks. Ztg." wird von hier unterm 20. d. geschrieben : Nachdem der Ministerpräsident v. Dalwigk und Geh. Legationsrath Hofmann gestern aus Versailles zurückgekehrt, fand heute Vormittag ein Zusammentritt Der Civilministerien statt, bei welchem, gutem Vernehmen nach, die Constituirung eines deutschen Bundes und der bevorstehende Eintritt des ganzen Großherzog- thums in denselben verkündet wurde. Zur Berathung und Beschlußfassung über die in Versailles getroffenen Vereinbarungen werden die Stände des Landes noch im Laufe dieses oder spätestens zu Anfang des nächsten Monats zusammentreten.
Berlin, 24. Nov., Mittags 1 Uhr. Der Reichstag ist soeben von dem Staatsminister Delbrück mit folgender Rede eröffnet worden: „Geehrte Herren vom Reichstage des norddeutschen Bundes! Se. Maj. Der König von Preußen hat mir Den Auftrag zu ertheilen geruht, Den Reichstag des nordDeutfchen BunDes im Namen Der verbündeten Regierungen zu eröffnen. Es würde Sr. Majestät zu hoher Befriedigung gereicht haben, heute in Ihrer Mitte zu fein, um an Dieser Stelle Gott für Die Erfolge zu Danken, mit welchen Die Waffen Der Deutschen Heere gesegnet worden sind, und um Ihnen auszusprechen, welchen Ankheil die nationale Haltung und die Einmüthigkeit Des Reichstages bei Bereitstellung Der zur Führung Des Krieges erforderlichen Mittel an Diesen Erfolgen gehabt haben. Durch Die in Der Kriegsgeschichte beispiellosen Siege, welche nach Gottes Willen Die helDenmüthige Tapferkeit und die einsichtige Führung Der Deutschen Heere er-


