Ausgabe 
25.12.1870
 
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pfung der Ruhr ermöglicht haben, welche bekanntlich vor Metz ebenfalls schon aus- gebrochen war, und die ohne dies leicht zu beschaffende und wohlschmeckende Heil­mittel sicher auch diesmal, wie schon so ost früher viele tausende von Opfern gefordert haben würde.

Der preußische Handelsminister hat die königlichen Eisenbahn-Directionen angewiesen, beziehungsweise die Directionen der Privatbahnen ersucht, den Ehe. frauen und Eltern verwundeter Soldaten bei amtlich nachgewiesener Mittellosigkeit einmalige freie Hin- und Rückfahrt zu den Lazaretden zu gewähren, sofern die letzteren sich im Inlande befinden und die Dringlichkeit des Besuches nachge­wiesen ist. _ ,

Man schreibt demEcho du Luxembourg", daß man sich in Luxemburg mit der Idee trage, der König werde sein Großherzogthum an den Prinzen Heinrich obtreien, der somit aus einem Statthalter zum wirklichen Fürsten würde. Das Großherzogthum werde dann in den Deutschen Bund eintreten. Dieses Project sei schon vor drei Jahren von dem Prinzen Heinrich selbst aufgesiellt worden, damals aber hätten es die Umstände nicht verwirklichen lassen. Die Frage wegen der Neutralität sei nur angeregt worden, um dieses Project wiederum aufs Tapet zu bringen. Da Prinz Heinrich kinderlos ist, so würde stipulirt werden, daß nach seinem Tode das Großherzogthum an den König von Preußen fallen solle. Wir geben diese Mittheilung, ohne derselben ein größeres Gewicht beizulegen. Eine andere Correspondenz desselben (belgischen) Blattes sagt:Diejenigen, welche sich am meisten entrüstet zeigen, sind, wie immer, die, welche schweigen und sich ver- bergen sollten." Es sind hier (in Luxemburg) Journale gegrüuoet worden, um die französischen Interessen zu vertheidigen, ohne anderen Zweck, als die französi- scheu Annexionsbestrebungen zu fördern und zu verbreiten. Diese Journale haben dem Großherzogthum den größten Schaden zugefügt und die gegenwärtige Lage herbeigeführt. Der Aufruf an die FranctireurS, welchen derOmnibus" am 24. November in großen Lettern an der Spitze seiner Chronik abdruckte und in welchem er in gewisser Weise zur Ermordung aller Preußen in Frankreich auf- forderle, hat eine große Erbitterung in Deutschland hervorgerufen, und eS wäre nicht zu verwundern, wenn Herr v. Bismarck durch seine Note an unsere Regie- rung diesem Gefühle Genugthuung habe geben wollen. Wenn die Regierung ihre Pflicht gethan Härte, so wäre sie gegen alle die antinationalen Wühlereien einge- schritten, die seit 1867 hier ganz offen vorgenommen wurden, und gegen die compromittirenden Handlungen, die neuerdings am Hellen Tage auSgr-führt wurden.

Kriegsnachrichten.

Der Commandant des Fort Mont Valerien, General Noel, hat nachsiehen' den Rapport an den Gouverneur von Paris gerichtet:Mont Valerien, 3. Dec., 2 Uhr 35 Min. Abends. Gestern haben Marodeurs, der Mehrzahl nach den CorpS der Mobilen angehörig, meine Vorposten überschritten und sind nach Rueil gegangen, um sich zu betrinken und Verwüstungen in den dortigen Woh- nungen anzurichten. Andere, ungefähr dreihundert an der Zahl, haben sich in Nanterre Herumgetrieben und die Häuser zerstört. Fünf dieser Elenden sind ver haftet worben, und ich hoffe, daß man mit ihnen kurz und bündig verfahren wird. Ich habe Befehl gegeben, ohne Erbarmen auf jedes Individuum, Soldat oder nicht, zu schießen, welches die Vorpostenlinie zu durchbrechen versuchen sollte. In Betreff der Plünderer, so wird über denjenigen, der, aufgeforteit, sich gefangen zu geben, Miene macht, ferneren Widerstand zu leisten, sofort Kriegsgericht gehalten und er wird erschossen. Ich hoffe, Herr Gouverneur, daß L>ie gern diesen energi- schen, aber nothwendigen Maßregeln Ihre hohe Sanclion ertheilen werden, denn ich denke, daß die Zeit des Schonens endlich vorüber sein muß. Ich habe ziemlich 7000 Mann unter meinen Befehlen, ich haste für ihren ausgezeichneten Geist, aber ich kann mich nicht dagegen wahren, daß nicht einige Elende sie anstecken. Ich bitte um die Genehmigung, auf dem Mont Valerien ein Kriegsgericht errichten zu dürfen." Als Antwort auf diese Depesche hat der Gouverneur Instructionen zur Bildung eines Kriegsgerichts erlassen.

Berlin, 21. Dec. DieProoinzialcorrespondenz" schreibt: Mancherlei Anzeichen lassen darauf schließen, daß unsererseits, falls nicht in bestimmter naher Zeit die Uebergabe von Paris erfolgt, zum förmlichen Angriff der Forts über- gegangen werde.

Köln, 21. Dec. Von den bei Deutz untergebrachten Kriegsgefangenen wurden gestern 20 in der Domkirche gefirmt und einer zur ersten Communion geführt.

Königsberg, 17. Dec. DieK. H. Z." meldet folgenden Crawall: Durch das Verlangen eines kriegsgefangenen französischen Offiziers nach einem militäri­schen Gruß von einem an dem Hotel du Nord vorbeigehenden verwundeten preußischen Krieger entstand am Mittwoch Abends ein großer Auflauf vor dem Hotel, der den Offizier veranlaßte, sich schleunigst in dasselbe zu begeben. Die Menschen­menge verlief sich, doch nach etwa einer Stunde, als man annahm, die in jenem Hotel en mässe speisenden Franzosen toürcen dasselbe nach eingenommenem Mahle verlassen, war wiederum eine Menschenmenge versammelt, und es kam, als ein­zelne Offiziere die Straße betraten, zum Handgemenge. Die Polizeibeamten wa- ren erfreulicher Meise rasch bei der Hand, sie veranlaßten die Franzosen zum Zurücktreten ins Hotel, worauf sie die Menge auseinanderbrachten.

Kirchen a. d. Sieg, 20. Dec. Am 18. d. M. Abends langten auf dem Bahnbofe zu Kirchen mit dem Güterzuge 18 Kisten mit einem Gewichte von circa 23 Centnern an; declarirt waren dieselben als Baumwollen-Garn k. und adressiirt an einen Kaufmann in Freusburg. Durch Umsicht des Güter-Expeditions- Gehülfen Dudler, dem die Sache etwas verdächtig schien, da die Kisten theilweise das roihe Johanniterkreuz trugen und eine Kiste aufsprang, gelang es beim Aus­laden obiger Kisten schon, Verdacht auf den Inhalt zu schöpfen. Auf eine dieser- halb an den BahnhofsJ-n pector und den Bürgermeister gemachte Anzeige wurde im Beisein dieser beiden Herren ein Theil der Kisten polizeilich eröffnet und fanden sich anstatt Baumwollen-Garn folgende Gegenstände in denselben vor: eine Parthie wollene Deck-n, Halstücher, Leibb nden, Strümpfe, Unterhosen, Unterjacken, Falten- Hemden der f.insten Sorte, Chocoladc von Stollwerck in Köln, Liebig's F.eisch. Extract, feine Bestecke für Aerzte, Bücher einer Diaconissenanstalt, Taback, Cigarren, Pfeifen, Kämme, Haaröl rc. Sofort wurden die Kisten, die unterschlagene Liebes- gaben für die preußischen Militärlazarethe enthielten, mit Beschlag belegt und wird die gerichtliche Untersuchung das Weitere ergeben. Die Gegenstände sollen von Metz über Mainz biö K rchen transportirt worden sein.

Hamburg, 21. Dec. In Gemäßheit btS durch die zahlreichen Desertionen französischer Oifizicre und ihr sonstiges Betragen veranlaßten Befehls des General-

Gouvernements, wonach die französischen Offiziere für das Verhalten eines jeden Einzelnen unter ihnen solidarisch verantwortlich gemacht und, wenn ein Offizier desertirt, sofort 10 Mitgefangene auSgeloost und so lange in Sonderhast gebracht werden sollen, bis der betreffende Deserteur eingebracht worden ist, sind bereits 20 Offiziere als Geißeln für zwei Deseiteure aus Schleswig nach Stade ge­bracht worden. ___________________

Telegraphische Depeschen.

4- Worms, 22. Dec. DieWormser Zeitung" schreibt: Gestern langte folgendes Telegramm aus Versailles an den hiesigen Stadtvorstand an:Ich nehme mit herzlichem Dank das Ehrenbürgerrechr der altehrwürdigen deutschen Stadt Worms an. Brief folgt nach. Graf Moltke."

A Brüssel, 23. Dec. DieJndepend." weist nach, daß die Umwandlung des Zollvereins m ein deutsches Reich der bisherigen Situation Luxemburgs ein Ende machen müsse, weshalb die luxemburgische Kammer Anspruch auf Erklärun­gen der Regierung bezüglich der Zukunft des Landes habe.

A Bordeaux, 21. Dec. Aus Paris wird (ohne Datum) gemeldet: DasJournal officiel" v. 15. ds. veröffentlicht ein Dekret, wonach das 147. Bataillon der Nationalgarde aufgelöst wird. Dasselbe hatte den Befehl erhalten, nach ArSny zu gehen, es erschien aber bloß in einer Stärke von 109 Mann, von denen die meisten ohne Waffen waren. Ein Decret vom 16. Dec. ordnet die Jnstituirung der Rechtsfakultät in Bordeaux an. General Vinoy hat das Großkreuz der Ehrenlegion erhalten. Die Situation ist befriedigend. (?) Die Hauptnahrungsmitlel, Brod und Fleisch sind reichlich vorhanden. Die Brod- quaniität, welche zum Verkaufe gelangt, wird keine Verminderung erhalten, aber es kann nur eine einzige Sorte Schwarzbrot» gebacken werden. Man darf mit Recht sagen, daß man nach einer Belagerung von drei Monaten dieses Resultat der Klugheit und dem Patriotismus der ebenso auf Entbehrungen gefaßten als in der Gefahr heroischen Bevölkerung verdankt. (?)

Konstantinopel, 18. Dec. Eine Deputation aus Bulgarien bat den Groß- vezir, die bulgarische Kirchensrage nicht dem ökumenischen Concil, sondern einem bulgarischen Congresse zur Entscheidung zu überlassen. General Jgnatiew unter­stützt diese Wünsche und die Pforte ist geneigt, ihnen zu entsprechen. Die Con­vention mit Rußland wegen des Pontus soll nächster Tage unterschrieben werden.

Offtcielle militärische Nachricht.

Versailles., 23. Dec. Die 19. Division rückte am 21. bis zur Brücke von Tours vor, fand Widerstand durch die Bevölkerung und warf deßhalb 30 Granaten in die Stadt. Diese zog darauf die weiße Fahne auf und bat um preußische Besatzung. Die Division begnügte sich jedoch, Ihrer Instruction gemäß, mit Zerstörung der Eisenbahn und bezog die ihr angewiesenen Eantonnements. v. P o v b i e l s ky.

Vermischtes.

Darmstadt, 18. Dec. Gestern Nacht lüste sich in dem 20 Minuten langen Eisenbahn- tunnel bei Höchst im Odenwald bei Entfernung des HolzgerüsteS eine ungeheure Erdmasse ioS und verschüttete zwei Arbeiter aus der Rheinpfalz. Die Wegschaffung des Schuttes wird voraus­sichtlich mehrere Wochen Zeit erfordern, und erst dann möglich fein, die Leichen der Unglücklichen zu erreichen.

Worms, 20. Dec. Heute Nacht erschossen sich in der Nähe deS SchießhauseS dahier zwei junge Bursche. Als Ursache wird unzureichender Verdienst angegeben.

Aus dem Briese eines deutschen Apothekers in Kairo vom 8. December:Uns Deut­schen im Auslanve, Die wir doch viel schneller und auffallender, als die Deut|chen in der Heimath, die reichen Frückte dieses Kampfes ernten, war eS, mit Ausnahme derer, die zu den Fabnen eilten, nur vergönnt zu wünschen, zu hoffen und zu sammeln. Letzteres ist wohl überall reichlich aeschehen, und auch in Kairo sind wir nicht hinten geblieben und werden eS nicht bleiben. Eine theatralische Vorstellung, zum Besten der Verwundeten und der Hinterbliebenen, durch vorzüglich befähigte Deutsche, die in Kairo weilen, ist im Werke. Außerdem wild der Ertrag der Neujahr-, Lotterie, die wi-r jährlich zum Besten der Krankencasse veranstalten, diesmal nach Deutschland gehen, da diese Caffe, Gott sei Dank, feiten in Anspruch genommen wird. Die in Kairo leben­den Franzosen urtheilen über die Kueaseretgniffe gerade so unbegreiflich verkehrt, w'e so viele in Frankreich. So z. B-, daß alle Ausfälle aus Paris abgeschlagen, d:e Nordarmee zersprengt, die Loirearmee geschlagen sei und selbst der arme alte Garibaldi fein Heil in der Flucht gesucht habe, tout ccla sont des mensonges, qui vivra, verra! Gegenüber dem Auslande sind die Erfolge deS Krieges schon jetzt heivo>tretend. Fangen doch die Türken an, deutsch zu lernen! Nur schade, d^ß sic und die Araber noch kein Wort fürdeutsch" haben, sie kennen nurpreußisch" undösterreichisch", und haben wir jetzt erst daS Wort Germanin erfunden und in Umlauf zu setzen angefangen."

Die Einquartierung tit der Stadt Gießen.

Nach dem Gesetze wegen der Kriegsleistungen und deren Vergütung vom 11. Mai 1851 tritt von dem Tage ab, an welchem die Armee auf Befehl des Königs mobil gemacht wird, die Verpflichtung des Landes zu allen Leistungen für Kriegszwecke nach den Bestimmungen dieses GkseyeS ein (§. 1.)

In §. 9 wird bezüglich der Natural-Verpflegung ungeordnet:

Für die Natural-Verpflegung an Offiziere, Militärbeamte und Sol­daten, die auf Märschen und in Kantonnirungen gewährt werden muß, insoweit die Verpflegung nicht aus Magazinen stattfinden kann, wird den Gemeinden resp. Quartierträgern eine Entschädigung gewährt, pro Tag und Kopf:

a. wenn das Brod ans den Magazinen in natura empfangen werden kann, von 3 Sgr. 9 Pf.;

b. wenn auch das Brod vom Quartierträger verabreicht werden muß, von 5 Sgr."

Im Anschluß an diese und andere darauf bezügliche Bestimmungen hat die Ministerial-Jnstruction vom 8. Januar 1854 u. a. verfügt:

,.§. 2. Das Garnison-Verhältniß hört mit dem Ein­tritt der Mobilmachung auf und alle Truppen, mobile wie im­mobile, sind von diesem Zeitpunkte an als in Kantonnirungen oder im Standquartier stehend zu betrachten.

§. 8. Für alle marschirenden und nicht langer als drei Tage k a n t o n n i r e n d e n Truppen erfolgt die Naturalverpflegung durch die Wirthe. Bei Kantonnements von längerer Dauer tritt entweder die Verpflegung aus M a g a z i n v o r r ä t h e n oder wie im Frieden die Gewährung des zur S e l b st b e f ch a ff u n g der Verpflegung erforderlichen extraordinären GeldzuschufseS ein."