Ausgabe 
25.8.1870
 
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Aus blutiger Zeit.

Historische Novelle von Hermann Hirsch selb.

(Fortsetzung.)

Er sprach diese Worte heftig, dann schritt er auf Marguerite zu und beugte ein Knie vor dem jungen Mädchen.

Gewähre Deinem König, Deinem Ritter, o Schönste, die höchste Gunst, die sein sehnendes Herz bestrebt. Gieb mir ein Zeichen mit auf jenen dunklen Pfad, von dem ich vielleicht nimmer heimkehre, das, ein heiliger Talisman, mich schützen soll in Roth und Gefahr. Dir, Marguerite gehört mein letzter Athemzug.

Das junge Mädchen versuchte zu antworten, allein die tiefe Bewegung raubte ihr die Sprache. Mit abgewandtem Gesicht löste sie die dunkelblaue Schärpe von ihrer Seite und reichte sie dem Könige.

Heinrich drückte einen innigen Kuß auf das Band, ehe er es um seine eigene Schulter hing, dann winkte er den Zurückbleibenden noch einmal zu und verließ in stürmischer Eile das Gemach.

Sobald sein Tritt verhallt war, wandte sich Raoul zu Clement.

Verlaßt uns, sagte er in fast befehlendem Tone, ich habe jetzt mit der ; Frau Marquise zu reden.

Er legte auf den ihr von der Königin ertheilten Titel einen so schneiden­den Ausdruck, daß Marguerite erbleichte und mit Mühe die Thränen zurück­drängte, die ihren Augen zu entströmen drohten, während Clement schweigend der Weisung des Troubadours nachkam und sich in das Nebenzimmer begab.

Die beiden jungen Leute, die einst ein so inniges Band umfesselt, blieben allein. Keiner wagte das Schweigen zu brechen, das wie ein Alp auf beiden Herzen lastete und Marguerite wagte nicht, das Auge zu dem noch immer geliebten Manne zu erheben. Und dennoch war sie die erste, die das Wort ergriff. Langsam schritt sie auf den ernst und finster Dastehenden zu und kniete zu seinen Füßen nieder.

Raoul, flüsterte sie, verdamme mch nicht, bei dem ewigen Richter über den Sternen, ich bin schuldlos.

Der junge Mann antwortete niöt, keine Muskel zuckte in seinem bleichen Antlitz, und starr durchbohrend hiet er noch immer den Blick auf Mar­guerite geheftet. .

Raoul, fuhr diese mit flehendem ^-sdruck fort, stoße mich nicht zurück. Laß mich den Augenblick benutzen, da uns ^'Lauscher verrathen kann. Ich liebe Dich unsäglich, Raoul, Du bist es,n Dein Glück,

Dein Leben zu erhalten, opfere ich das menng -

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Hülfsverein.

3755) Diejenigen Einwohner der Stadt, welche verwundete Soldaten bei sich ausgenommen haben, werden gebeten, deren Namen, Bornamen, Charge, Heimathsort, Negimentsnnmmer dem Unter- zeichneten mitzutheilen, damit die für sie eintreffenden Briefe ihnen zugestellt werden können.

Gießen, 23. August 1870. Dr. Lange.

3736) Ein braves Laufmädchen wird zu sofortigem Eintritt gesucht. Von wem? sagt die Exped. d. Bltts.

3748) Eine brave, erfahrene Köchin, mit guten Zeugnissen versehen, wird bis Ende September zu miethen gesucht. Näheres bei der Exped. d. Bltts.

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3763) Es diene hiermit zur weiteren Nachricht, daß mein Cursus im Anfer­tigen von Damenkletdern bereits begon­nen hat, und Thcilnehmerinnen noch bis zum nächsten Montag eintreten können.

C- Schneider, Sonnenstraße.

An die aus Frankreich aus- gewiesenen Deutschen.

3751) Ein gewandter Tapezierer und Decorateur findet in einem größeren Dcco- rationsgeschäfte gegen liberales Salair dauernde Stellung. Franco-Offerten sub Chiffre B. <2. 652 befördert die Annon- cen-Expedition von Hänfenstem &* Vog­ler in Köln.

3721) Ein solider junger Gutsbesitzer in der Nähe Frankfurts, welcher sich eine sorgenfreie Existenz geschaffen,

sucht eine /rau

mit einigem Vermögen. Letzteres seinen Ver­hältnissen entsprechend. Die geehrten Lese­rinnen werden gebeten, diesem Gesuch ihr Vertrauen zu schenken, da es ernst gemeint und ferner in jedem Falle die strengste Dis- cretion auf Ehrenwort zugesichert wird. Offerten befördert uneröffnet sub Chiffre T. 295 an den Auftraggeber die Annoncen- Expedition von Rudolf Moffe in Frank­furt a. M.

3753) Ein Kindermädchen, am liebsten vom Lande, wird auf Michaeli gesucht. Zu erfragen bei Herrn Dienstmann Müller, Neuenbäuen.____________________________

3761) Ein gewandter Hausknecht wird in einen hiesigen Gasthof gegen guten Lohn gesucht. Näheres bei der Exped. d. Bltts.

GJC57 Höchst wichtig für

Bruchleidendr!

828) Wer die bewährte Heilmethode des be­kannten schweizerischen Brucharztes, Krüsi- Altherr in Gais, Kt. Appenzell, kennen lernen will, kann bei der Exped. d. Bltts. ein Schriftchen mit Belehrung und vielen 100 Zeugnissen in Empfang nehmen.

3693) Eine Schenkamme sucht Stelle. Näheres bei

Anna Maria Friederich, in Appenrod bei Homburg a. d. Ohm.

3760) Allen, die bei dem Löschen des in meinem Magazine ausgebrochenen Brandes so wacker und unermüdlich geholfen haben sage ich hiermit meinen herzlichsten Dank.

August Schlessinger.

3717) Die Militär-Effekten- Fabrik von Moll & Leschen in Cassel und Allendorf a. d. Lda. sucht für Allendorf auf dauernde Beschäftigung

50 tüchtige Sattlergesellen,

3 Spenglergesellen.

Auch können 25 Sattlermeister außer dem Hause Arbeit empfangen.

3718) Ein Capital von 500 Gulden wird gegen gerichtliche Sicherheit aufzuneh­men gesucht. Von wem? sagt Ausgeber dieses Blattes.

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Die Nr 47, die neueste Kriegs- nummer, enthält: 5 =

Der Held von Weißenburg. Mit General von Kirchbach's Porträt. Ein Wieder­sehen auf dem Schlachtfelde. Erzählung von Arnold Wellmer. Der Kronprinz von Preußen in Speyer. Mit Illustration von E- Hünten. Die Feldherren des Feindes. II. Mit vier Porträts. Der erste Sieg. Von einem preußischen Offizier. Mit zwei Illustrationen. Die erste eroberte Mitraillense. Von A von H. Mit einer Illustration. Die Torpedos im Dienste des Küstenschutzes. Von Capitän z. S- Wer­ner. Am Familientische: Die badische Division und ihr Führer. Mit General von Beyer's Porträt. Das Nedactions- dureau in Kriegszeiten. Von R. K- Grab und Wiege. Gedicht von Georg Hesekiel.

Preis pro Nummer 212 Sgr.

Zu Bestellungen empfehlen sich die Ferber'sche Univ.-Buchhhandlung, E> Heinemann, I. Ricker.

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| Empfehlung als Hebamme.

Nachdem mir von Großherzoglichem Kreisamte die Erlaubniß ertheilt worden ist, in hiesiger Stadt als Hebamme zu praktiziren, so werde ich daS in mich gesetzte Vertrauen in allen Theilen zu rechtfertigen suchen

Gießen, 23. August 1870. Katharine Pfeiff er,

Ehefrau des Sergeant Pfeiffer im II.

Infanterieregimente.

NB. Meine Wohnung befindet sich bei Herrn Gürtlermeister Schaffstädt auf dem Reichensand.

üestauration Laliiisteiiie

3765) Guten Mittagstisch, sowie Localitat nebst Besorgung für Familienfeste empfiehlt bestens B. Werminghoff.

3764) Geübte Rock- und Hosenarbeitec finden dauernde Be- schäftigung bei S. Flörsheim.

Verein für die Pflege verwundeter und erkrankter Krieger.

3681) Wir bitten die Rechnungen über gelieferte Gegenstände an den Unter­zeichneten stets sofort einzuliefern, damit die durchaus erforderliche Uebersicht über die Ausgaben erhalten werden kann.

Gießen, den 15. August 1870. Namens des Comitö's:

Georg Noll.

(Eingesandt.)

Während unsere Söhne und Brüder mit den Waffen in der Hand den Ueber- muth Frankreichs brechen und so Blut und Leben für Deutschlands Ehre einsetzen, soll­ten wir zu Hause doch auch noch etwas thun, was sich so leicht thun läßt franzö­sische Sitten und Gebräuche aufgeben. Muß denn das Kleid von französischem Stoffe sein?. Muß denn der Kopfputz, der Schnitt des Kleides und Gott weiß was all, nach französischer Mode sein? Fort damit! Nur deutsche Stoffe sollen es sein, womit wir uns kleiden und die Schneider sollen sich hüten, solche nach französischer Mode zu fer­tigen. Und so sei es auch mit der Sprache; nicht in jeder Zeile, nicht in jedem Satze ein französisches Wort geschrieben oder gesprochen, nur deutsche Worte wollen wir ge­brauchen in Schrift und Sprache. Die französische Sprache nicht lernen, soll damit nicht gesagt sein, nur soll, wer solcher mächtig ist, unsere deutsche Sprache damit nicht verketzern. Nur diese wollen wir im Familienkreise dulden, nicht aber fremde Ausdrücke gebrauchen, z. B- namentlich nicht dulden, daß Kinder bis in ihr reiferes Alter hinein sich, oft in sehr gespreitzter Weise, der Ausdrücke: Mama, Papa rc. bedienen; Vater und Mutter, o wie süß klingt das von Kindeslippen, nur solche Namen sollten wir hören wollen. Fort also mit all' dem Firlefanz. Deutsch wollen wir sein in Wort und That.

Feuilleton.

Der junge Mann lachte.

Mein Glück, mein Leben! sagte er mit verächtlichem Tone, und was opferst Du für meine Ehre? Fluch Deinem Opfer, ich verwerfe es wie ich Dich selber verwerfe.

Raoul, schrie Marguerite auf, sich von ihren Knien erhebend, Raoul, gedeuke der seligen Tage auf Vaudemont. Bei der Erinnerung an sie be­schwöre ich Dich, mich zu hören, ehe Du richtest über mich.

Erinnere mich nicht an Vaudemont, wenn Du mich vor dem Wahnsinn schützen willst. Wehe mir, daß ich nicht vergessen kann die Stunden der Se­ligkeit. O, hättest Du nimmer den Boden der Heimath verlassen, hätte nim­mer Dein guter Engel sich von Dir gewendet, ich stände nicht vor Dir, elend, mit zerrissenem Herzen, der verächtliche Günstling eines schwachen, willenlosen Fürsten, llnd alles um Dich, alles, weil Du mich verrathen.

Höre mich an, Raoul, unterbrach ihn Marguerite mit fester Stimme. Laß mich Dir verkünden, wie listig, wie teuflisch listig sie es augelegt, unfern Bund zu zerreißen und mitleidslos mein Herz, zitternd für Dein Leben, zu schwach, Dich zu schützen, zerrissen von den fürchterlichen Oualen zu der elen­desten Jntrigue zu benutzen.

Du täuschest mich nicht, entgegnete Raoul finster, jener Wunsch, zu glän­zen unter den Ersten des Hofes, Dich beneidet und gefürchtet zu sehen, jener Wunsch, von dem Du einst im Schatten der heimathlichen Bäume träumtest, er hat sich erfüllt, ganz Frankreich erkennt Deinen Namen, Marguerite, und wie lange wird es dauern, daß auch die Schaudsäuleu ihn tragen?

Raoul, unterbrach ihn Marguerite, sich an ihn klammernd, Du tödtest mich.

Sterbe ich nicht tausendfachen Tod um Dich, rief der junge Mann in höchster Leidenschaft, o, mehr als Tod ist es, da ich zum erstenmal aus dem Muude des Paters Clemeut nach unsagbaren Leiden von Dir vernahm, mehr als Tod war es, da ich mich, der stolze freie Edelmann, beugen mußte vor den Launen des verächtlichsten der Könige.

Naonl hielt zornglühend inne den flammenden Blick auf Marguerite gerichtet, die den ihren zu Boden senkte, obwohl sie sich an einen Sessel leh­nen mußte, um sich nicht von Schwäche übermannen zu lassen.

Aber ich will Dich hören, fuhr er mit milderem Ausdruck fort, ehe ich jenen Schritt begehe, um dessen willen ich kam, um dessen willen ich Schänd und Neid ertrug, Dir jeueS Kreuz, das mich an Deine Treue, an Deine Liebe, bis über das Grab hinaus mahnen sollte, zerschmettert vor die Füße zu schleu­dern, ich will Dir Zeit lassen, Dich zu rechtfertigen. Vielleicht vergönnt mir ein gütiges Geschick, Dich zu bemitleiden, wo ich Dich verdammen sollte.

Und Marguerite begann bleich und zitternd die Beichte von jenem Tage

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