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19. Februar.

DerN. Fr. Pr." telegrophirt man aus Paris, 46. Febr.:Die Art und Weise der Berührung der sürdeutschen Verhältnisse in der preußischen Thronrede hat hier eine sehr gereizte Stimmung hervorgerufen. Die Mahnung desConstitutionnel" an die nord- schlcswigsche Frage erfolgte auf direkte Inspiration des Ministers Daru. Eine ernstliche Trübung der Beziehungen zwischen Paris und Berlin wird in'S Auge gefaßt, wenn es sich bestätigt, daß bezüglich Nordschleswigs eine Initiative von hier in nächster Aussicht stehe.

Das vfficielle Journal veröffentlicht den Bericht OllivierS, in welchem die Aufhebung de« Dekretes vom Jahre 1851 vorgeschlagen wird, jenes Dekretes, durch welches der Regierung die Befugniß ertheilt wurde, Staatsbürger, welche wegen Theilnahme an geheimen Gesellschaften verurtheilt waren, nach Cayenne oder Algier deportiren zu können. Der Kaiser hat den Entwurf gutgeheißen.

DieTimes" hat Grund zu glauben, daß in der jüngsten Zeit häufige Mitthrilungen zwischen den Tuilerieen und dem Vatikan ausgetauscht wurden, welche den Ansprüchen des Papstes nichts weniger als günstig seien. Außer der gewöhnlichen Vermitt­lung durch den Nuntius in Paris und den franzö­sischen Botschafter in Rom hat die französische Ne­gierung gegenwärtig auch noch andere Wege, um über ihre Ansichten und die Erfordernisse ihrer Stel- lung Winke in Rom zu geben. Die päpstliche Re- gierung, so vernimmt dieTimes",ist deutlich in Kenntlich gesetzt worden, daß Frankreich bei aller Ehrfurcht, welche dasselbe gegen die geistliche Autori- tat des heiligen Stuhles empfinde, als konstitutioneller Staat keine Sympathie für das engherzig absolu­tistische System hegen könne, in welchem die weltliche Macht des Papstes zur Ausübung komme. Dem Papste wird stark zugesprochen, daß er auf seine eigenen Pläne von 1847 zurückgreifen möge, in wel­chem eine Umgestaltung der Verwaltnng im bürger­lichen Sinne, die Einrichtung von Gemeindcwesen, volksthümliche Vertretung in einer Consulta oder Kammer, eine freie Presse und die Einführung einer Bürgerwehr verheißen würde. Ferner wurde Sr. Heiligkeit angedeutet, daß die kaiserliche Regierung hinter solchen Ratschlägen nicht im Mindesten die Absicht verberge, die Aufrechthaltung der französi- schcn Besatzung in Rom von der Befolgung dieser Winke abhängig zu machen, da die Rückberufung jener Truppen ein fester Beschluß der kaiserlichen Regierung sei; und es verstehe sich dabei von selbst, daß ein solcher Beschluß die Sachlage nicht unmittel­bar ändert, indem die französische Flagge die Unver­letzlichkeit des päpstlichen Gebietes von Toulon oder Paris aus eben so vollkommen sicher stelle, als von irgend einem Punkte der päpstlichen Küste oder Gränze aus."

DerAgenee Havas" wird aus Rom vom 14. d. berichtet: Telegraphische Nachrichten aus Konstan­tinopel vom Gestrigen melden, daß die türkische Negierung geneigt sri, die Lossagung der großen Mehrheit der armenischen Gemeinde von der Auto­rität des Patriarchen Hossonn, welchen sie gegenüber der Eingriffe des römischen Hofes in die mehrhun­dertjährigen Privilegien der orientalischen Katholiken für zu schwach hält, anzuerkcnnen. Der Heilige Stuhl ist in Besorgniß. Ein Schisma sei zu be­fürchten.

20. Februar.

DieAugsb. Abdztg." rnthä'lt folgende augen­scheinlich quasi-officirlle Einsendung über die Bezie- hungcn zwischen dem König von Baiern und den königl. Prinzen:DieW.serztg." wird von Zeit zu Zeit mit ungeheukrlichen Sensationsnachrichten von gehcimnißvollen Vorgängen an unserem Hose be- dient, die offenbar von einem hallucinirenten Corre- spondcnten herrührcn. AllcrneuestenS bringt dieselbe die Mittheilung, daß uns Baiern, die wir uns frei­lich davon auch nicht einmal etwas träumen ließen, vor Kurzem nicht; Geringeres als eine Palastrevo- lution gedroht habe, wodurch unser derzeitiger König abgcsrtzt und Prinz Luitpold an seine Stelle erhoben werden sollte. Nur ter rechtzeitigen Neue des Prin­zen Otto, der in das schwarze Eomplott verwickelt war, aber den Anschlag ter Königin - Mutter vorher noch verrieth, hatten wir <S zu verdanken, daß uns heute nicht Luitpold I. regiert. Der schauerlich pce- tische Correspontent ist wohl zugleich Mitarbeiter ter .Nomanzeitung" und verwechselt bei dem raschen Be- trieb seines Industriezweiges hie und da tie Adressen; daß aber die Netaction derWeferztg." nicht merkt, daß sie nur zum Besten gehalten wirb, kann uns freilich nicht zu lxsonderer Bewunderung für sie stim­

men. Zur Beruhigung des geängstigten Publikums, das leicht auf den Glauben gerathen könnte, als herrschten in Baiern Zustände, wie ehedem in Polen oder Rußland, setzen wir bei, daß unsere Prinzen gar nicht so gewaltthätiger Natur sind, sondern längst auch die nicht ganz corrccte Art ihres Vorgehens bei ter Atreßangelegenheit bedauern und ernstlich bestrebt sind, die mit ihrem König entstandenen Differenzen auszugleichen."

Die Correspondancedu Nord-Est" läßt sich aus München das Gerücht melden, daß der König, sobald die jetzige Krise vorüber ist, eine Reise in'S Ausland unternehmen und mehrere Monate lang daselbst ver­weilen werde. Prinz Otto soll in Abwesenheit des Königs als Regent fungiren.

DieN. Fr. Pr." schreibt: Ueber die vom Grafen Beust nach Rom cxpebirte Protestnote gegen die An­nahme des positiven Syllabus durch das Eoncil gehen uns heute von zwei verschiedenen Seiten nähere, ein­ander ergänzende Mittheilungen zu. Nach der einen Analyse hebt jenes Aktenstück speciell den Widerspruch hervor, der zwischen den Canones de Ecclesia und den österreichischen StaatSgrundgesetzen besteht. Die Annahme jener Canones wird als offene Provokation der staatlichen Autorität bezeichnet und das entschie­denste Auftreten der letzteren gegen den Uebergriff auf ihr Gebiet in Aussicht gestellt. Nach der zwei­ten uns zugehenden Version heißt es in der in Rede stehenden Note: Dem Reichskanzler feien zwar die Canones de Ecclesia officiell nicht zugestellt worden, doch habe er Ursache, sie, wie sie in den Zeitungen veröffentlicht wurden, für authentisch zu halten. Soll­ten diese Canones jemals von dem in Nom versam­melten ökumenischen Concil genehmigt werden, dann werde dies müsse er der päpstlichen Curie schon jetzt erklären die Regierung, weil die Sätze des Syllabus mit der Verfassung, mit den StaatSgrund- gesetzen der Monarchie im Widerspruche stehen, nicht in der Lage sein, deren Bekanntmachung zu gestatten, ja sie müßte Jeden, der ihre Promulgirung unter­nehmen sollte, nothgedrungcn vor das Strafgericht ziehen.

DerFranyals" sucht in einer wohl vom Grafen Daru inspicirten Notiz eine ziemlich zweideutige Be- ruhigungSnotiz unter die Leute zu bringen." Er schreibt:Mehrere Blätter legen unserem Minister des Aeußern eine agressive Politik gegen Preußen aus Anlaß der baierischen Angelegenheit unter. Diese Vermuthungen sind, wie wir glauben, ganz aus der Luft gegriffen. Das Ministerium hat ohne Zweifel das Gefühl der Würde Frankreichs, aber es hat auch das Bewußtsein seiner Verantwortlichkeit gegenüber den Kammern. Seine Pflicht ist, die Ereignisse, welche sich vollziehen, aufmerksam zu beobachten, aber auch die Politik Frankreichs nicht ohne Zustimmung der Kammern zu engagiren."

Es heißt, die französische Linke beabsichtige, die Negierung über die auswärtige Politik und über ihre Haltung zum Prager FriedcnSvertrage zu interpelliren.

Die Blätter verössentlichen Bruchstücke aus dem Schreiben des Grafen Daru über die Gefahr, welche etwaige Concilsbeschlüsse für das Verhältnis zwischen Rom und Frankreich nach sich ziehen könnten. Das Schreiben ist aber nicht, wie ich gemeldet, an den' Grafen Danneville gerichtet, sondern an den Grasen Werther Merode.

Bayern. München, 15. Febr. Der König soll, wie man von Personen, welche dem Hofe nahe stehen, vernimmt, dem Fürsten Hohenlohe eigenhändig einen Brief geschrieben haben, in welchem er denselben in den schmeichelhast.sten Aus­drücken zu seiner am ersten Samstag dieses Monats in der Abgeordnetenkammer gehaltenen Rede beglückwünscht, sich mit den dort dargelegten Motiven und Zielpunkten der auswärtigen Politik Bayerns vollkommen einverstanden erklärt und ihn wie­derholt seines unverbrüchlichen Vertrauens versichert.

München, 16. Febr. Nach demEorr. v. u. f. Deutsch!." hätten die Minister ein Memorandum au-geardeitet, in welchem sie sich über die Lage des Landes und die Mittel aussprechen, die Parteien zu versöhnen. Gestern soll dieses Actenstuck dem König« überreicht worden sein. StaatSrath v. Darenberger bat Se. Maj. den König gebeten, ihn seiner Verwendung im StaalSministerium des Aeußern zu entheben. Der Umstand, daß bisher nur Fürst Hoh.nlohe ein EnthebungSgesuch einge­reicht, soll nicht zu der Annahme berechtigen, daß keiner der anderen EtaatSminister dem Beispiele deS Fürsten folgen werde. Die Berathungen in dieser Beziehung sollen noch nicht beendet sein; möglicher Weise wird auch erst die königl. Entscheidung auf das Gesuch deS Herrn Fürsten abgewartet.

Großbritannien. Der lange Streit zwischen Amerika und England über die Alabamaangelegenheit, von der man nach der bekannten Rede deS Senators Eumner sogar ein« Gefährdung des Friedens zwischen beiden Mächten fürchtete, ist nach einem Londoner Telegramm glücklich beigrlegt. 3m Unter­haus theilte der Untilstaatssecretär deS Aeußeren, Herr Otway, mit, daß Amerika die Nichtwiederausnahnie der Verhandlungen beantrag,. Diese- Verfahren ist der großen Republik würdig; sie verschmäht eine Geldentschädigung, hat aber England für

n< Stiftn die Lehre gegeben, daß diese« nicht ungestraft wie, der pegen die Union conspiriren darf.

Spanien. Madrid. Wie sehr Handel und Wandel darnieder liegen, veranschaulicht eine Mittheilung spanischer Blätter, nach welcher in der Stadt Madrid seit der September- Revolution mehr als 4000 Fabriken, Werkstätten und Geschäfte geschloffen worden seien. Es läßt sich daraus schließen, wie viele Familien zu Grunde gerichtet sein müssen und wie schwach e- mit der Steuerkrast de- Landes bestellt ist. Al- ein,« »o» den Zeichen der in diesem Jahre mit schnelleren Schritten ein, getretenen Verarmung meldet man, daß die jungen Frauen­zimmer sich zu den HaarkiäuSlerläden drängen, um durch den Verkauf ihrer Locken die Mittel zu« nothdürftigsten Leben-, unterhalt zu erschwingen.

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Vermischtes.

Ließen. So eben fällt uns nachstehender Mietbcontract, vereinbart zwischen zwei hiesigen Bürgern, in die Hände, der un« insofern von Wichtigkeit schien, da er den Herren Lehrer» ein UebungSmuster für ihre Schüler in der Orthographie ab­geben kann:

Mitcontragt

jwüßen N. N. und Cchumager Meister X. X.

1) N. N. Vermietet X. X. ein Laschte im tritten Stock zwey Stube und Küge eine Boten Kamer im zweiten Stock eine Kamer Keller und Holzstal und mit Geprauch der Wasch Kige da vier Bezalt X. X. N. N. »ine Miet« vier da- Jahr zwei, genferzig Gülten ist da- Fertel Jahr zen Gülten und treifig Kreitz,r darauf ver Spricht X. X. N. N. Fertel Jar zalunge und Beute Haben Sich Fertel järig« Küntigunch vor Behalten

da Rauf ver Spricht X. X. N. N. da- Loschie wiet«r in den Standt zu Stälen wie er e- an Geträten Hat

ich Bescheinig« e« mit Meiner unter Schrift

Gießen den 1 Feberwarie 1858 N. N.

X. x.

Gießen. Es ist schon in einer früheren Nummer diese« Blatte- auf die gegenwärtig dahier weilende Menagerie deS Herrn Klee berg aufmerksam gemacht und der Besuch der. selben für Eltern mit ihren Kindern und! für Lehrer mit ihren Schülern empfohlen werden unter besonderem Hinweis auf die sehr selten in so schönen und klüftigen Eremplaren ge­zeigten Thiere. Einsender hat die Menagerie mit seinen Kin­dern dieser Tage besucht und muß gestehen, die gehegten Er. Wartungen fand er in hohem Maße übertroffen; noch selten sah er in den verschiedenen, von ihm schon besuchten zoologischen Gärten einen so kräftig gebauten, majestätischen Löwen, wie den de- Herrn Kierberg; bengalischer Tiger, Leopard, Hyäne, Wölfe find alle Prachteremplare. Was Einsender dieses aber noch nie gesehen, da- ist die bewundernswürdige Sicherheit de« Bändigers im Verkehre mit diesen wilden Bestien und die au«, gezeichnete Dressur d,S Löwen, der Hyäne und der Wölfe, welche gehorsam wie der gelehrige treue Hund dem Worte und dem Winke ihre- Herrn folgen und mit größter Behändigkeit und Gewandtheit über dessen Arm und Rücken und durch einen papiernen Reif rc. springen. E- lohnt sich in der That der Mühe für Erwachsene wie für Kinder die- selten gebotene Schauspiel zu sehen und deßhalb glaubt Einsender nochmal« vornämlich die Bewohner der umliegenden Orte zum Besuche von Kleeberg'S Menagerie aufmuniern zu sollen.

Frankfurt, 18. Febr. Zwei Schweden hatten sich in einem hiesigen großen Hotel einlogirt, ließen Gott einen guten Mann sein, lebten tüchtig darauf lo«, unbekümmert um die immer höher anschwellende Rechnung und suchten endlich, nach, dem ihnen die Atmosphäre im Hause zu dick anfing, da- Weite zu gewinnen. Heimlich hatten sie ihre Effecten schon an die Eisenbahn geschafft und freuten sich über den gelungenen Streich. Doch die Augen de« Hausknecht- hatten gewacht, ihm kam da« Treiben der Fremden auffällig vor; er machte seinen Principal darauf aufmerksam, man sah da- Zimmer nach und fand e« leer. Nun stürzt« da- Gasthof-Personal an die Eisenbahn und war so glücklich, die beiden Schweden zu erwischen und nach dem Hütel zurückzubringen, von wo sie in da- Gefängniß wan­derte», da ihr« Angabe, fie hätten einen Wechsel von!600Thlr. bei einem hiesigen ersten Bankhaus deponirt, sich al« Unwahr, heit herau-stellte.

Frankfurt. Seither mußten die Reisenden, welche voa Basel uno dem Rhein herauf nach Berlin rc. reisten, hier um* steig". Der Mißstand wird im Laufe dieser Woche dadurch beseitigt, daß eine directe Beförderung vom Weser-Bahnhof au« über die Verbindungsbahn stattsindet. Die Taunu-bahnvrr- toöUung hat einen in jeder Beziehung lobenSwerthen Beschluß gefaßt, indem von jetzt ab nicht allein für die dritte Klaff« Damen-Coup^s, sondern auch Heizung mittelst Füllöfen noch in dieser Woche ringeführt wird. Möchtet! die Etaattbahneo diesem schönen Beispiele folgen; namentlich dürfte die Weser, bahn dessen einged.nk sein.

New York. Ein Darmstädter Bankhaus veröffentlicht die ihm auf erfolgte Anfrage bei einer der ersten Firmen in New- York bezüglich der amerikanischen Eisenbahnprtoritaten gewordene Auskunft, welche lautet: Die sämmtlichen Eisenbahnprioritäten verdienen kein Vertrauen. Amerikanische Eisenbahnwerthe, welch« gut sundirt find, haben stets in Amerika reißenden Absatz ge­funden und besitzen, wie di« Newyorker Eourszettel auSweisen, die höchsten Eourse daselbst. Wenn also zu deren Erport nach Europa gegriffen wird, so geschieht die« demnach aus dem Grunde, weil selbe in Amerika nicht leicht verkäuflich sind, wa« um so sprechender für die Bcurlheilung dieser Effecten hinweist, als doch diese Prioritäten zu einem außerordentlich billige» Preise bei verhältnißmäßig sehr großem Zinsfuß auSgebotea werden. Wenn sich Frankfurter Firmen mit deren unaufhör­lichen Ankündigung beschäftigen, so ist die« daraus zu erklären, daß bet deren Verkauf «in hoher Provisionssatz eingeräumt wird, der um so verführerischer wirkt, al« diese Effecten von diesen Häusern nur in Option genommen werden. Die gesetzlich« Ver, faffung für Eisenbahnwerthe, resp. Verwaltungen in Amerika lassen weiten Spielraum zu Uebertretungen und Unregelmäßig* keiten und laufen die amerikanischen Prioritäten dadurch um so größere Gefahr, als da« Actiencapital dieser Gesellschaften nur klein gegriffen und meist mit dem Verkauf der Prioritäten be, gönnen wird, «he «in Actiencapital nur eristiry Au« der Pe­riode von 1848, wo an ähnlichen Gisenbahnwerthen ungeheur« Verluste erlitten wurden, nachdem auch deren Vortheil« fort­während ausposaunt worden waren, sollte da« deutsche Publikum eine Lehre ziehen.

Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.