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Preis vierteljährig 1 fl. 12 kr. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 kr.
Gießener Anzeiger.
Erscheint täglich, mit Ausnahme MontagS.
Expedition: Canzleiberg Lit. B. Nr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.
Nr. 136 Donnerstag den 17. November 1870.
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fwv al werden noch fortwährend sowohl bei der Expedition, Canzleiberg B-1, als auch
(Illf DCH bei allen Post-Expeditionen und den Land-Postboten entgegen genommen.
Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Erpedition abholen lasten, erhalten denselben für die Monate November und December 1870 zu 40 kr.
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Amtlicher T h e i 1.
Gießen, den 12. November 1870.
Betreffend: Das Kreisersatzgeschäft für 1871. ... /
Das Grotzher, ogllche Mr cis amt Gießen
an die GroscherMl-chen Bürgermeistereien des Kreises.
Da nach höherer Anordnung das Kreisersatzgeschäft für 1871 frühzeitig ini künftigen Jahre stattfinden soll, beauftragen wir Sie, die Stamnirollen für das Jahr 1871 auf Grund der in Ihren Händen befindlichen Gcburtslistcn, Ihrer amtlichen Ermittelungen und der erfolgenden Anmeldungen dem Reglement vom 20 Mai 1868 (Reg.-Blatt Nr. 30) gemäß alsbald aufzustellen und sofort nach Ablauf der durch unsere Bekanntmachung vom 8. d. M. (Nr. I vO und 151 des Auzeigcblattcs) für die Anmeldung anberaumten Frist — 15. December d. I. — in doppelter Ausfertigung nebst den Geburtslisten und den 'sonstigen Belegen, sowie den Stammrollen für die Jahre 1870 und 1869 an uns einznsenden. t ...
Wir verweisen auf die Bestimmungen der §§. 9, 10, 11 und 12 des erwähnten Reglements und mache» noch besonders darauf aufmerksam, datz m
den Stammrollen für 1871 nur dicjenigeu Militärpflichtigen aufzunehmen sind, welche im Jahre 1851 geboren sind, während in den Jahren 1850 und 1849 geborene Militärpflichtige in den Stammrollen für 1870 und bezw. 1869, woselbst auch die neu erfolgende Anmeldung zu bemerken ist, nachzutragen find.
Wenn Anträge auf Zurückstellung von Militärpflichtigen gestellt werden, welche übrigens während der Dauer des Kriegs nur in bcsouderen Ausnahme
fällen Berücksichtigung finden können, so sind deßhalb die vorgeschricbeucn Protocolle aufzunchmen und uns vorzulcgen.
Der pünktlichen Einsendung der Stammrollen zu der festgesetzten Zeit sehen wir mitZuversicht entgegen.
I. V.:
Kekule, Kreisassessor.
Politischer Theil.
16. November.
Die „Times" bietet uns, nachdem die letzten Verhandlungen mit dem Co- mitä der nationalen Vertheidigung abgebrochen sind, um weitere schwächliche Einmischungen Lord Granvilles zu ermöglichen, die Schleifung von Metz und Straß- bürg und die Garantie Europas, daß uns Frankreich instünftig nicht« mehr thun wird. Wir sollen also aus der freigebigen Hand der Besitzer von Helgoland und Gibraltar eine nach dem eigenen Geständniß der englischen Minister ganz werthlose Collcctivgarantie gegen die ganz reelle Garantie, welche uns der unumschränkte Besitz dieser beiden Ausfallspforten in deutschen Landwehrsäusten giebt, austauschen. Der naivste Egoismus verspricht uns die Taube auf dem Dach gegen den Hahn in der Hand; er vergißt, daß wir die französische Macht zer- malmen, welche in wenig Jahren England zermalmt haben würde, und kann sich so wenig in das Große finden, daß er nicht einsieht, warum das Deutschland von 1870 keine zweifelhaften Garantien von Europa mehr braucht, sondern nur und allein von Frankreich volle Garantien zu fordern hat. Das „Weltblatt" ist so kleinstädtisch, uns dabei das Beispiel von Lurewburg zu citiren, an welchem sich die Illusion der Schleifung und die Nutzlosigkeit der Collectivgarantie grade jetzt am leuchtendsten darthut. Darum ist es Zeit, die „Times" an die Annexion von Savoyen und Nizza im Jahre 1860 zu erinnern, well sich nicht blos dabei die jetzt auf deutsche Kosten hochbelobte Collectivgarantie überhaupt in ihrer ganzen trostlosen Schwäche illustrirte, sondern wobei auch, vertheidigt von der „Times," grade das englische Ministerium, und darunter auch der heutige Minister Granville vor allen Andern die schwächlichste und frivolste Haltung gezeigt hat. Das englische Ministerium ließ dos, was zum Schaden von ganz Europa und gegen alles giltige Recht geschah nicht blos aus Uukenntniß oder einfacher Schwäche geschehen; es erkannte im Gegentheil das Unrecht in aller seiner Schwere, und bot doch der französischen Gewallthat die Hand, um eines andern Vortheiis wil- len. Von einem Engländer selbst mußte cs sich den Fluch in das Gesicht schleudern zu lassen, daß es die Ehre Englands um einen Baumwollcnmarkt preisgebe. Lord Russell erklärte zwar am 24. Januar 1860 im Unterhaus, daß das Gouvernement bereits seit 6 Monaten von der Schweiz aus unterrichtet sei über die Plane Napoleons, Savoyen und Nizza zu annectiren; dagegen stumpft Lord Granville diese oberflächliche Berührung der wichtigen Sache wieder ganz ab, indem er an demselben Tage im Oberhaus erklärt, die Regierung habe überhaupt keine Mittheilungen von einer beabsichtigten Einverleibung Savoyens und Nizzas erhalten. Schon das war eine Unwahrheit, doch konnte die Frage vielleicht erledigt scheinen, weil Graf Cavour am 1. Januar in das sardinische Ministerium eingetreten war und allerdings die Abmachungen zwischen Napoleon und Victor- Emanuel wegen dieser Annexion zu vereiteln suchte. Schon am 10. Januar 1860 mußte der neue Gouverneur von Savoyen dem Gemeinverath van Chambery erklären, „daß in Turin niemals die Rede davon gewesen sei, Savoyen abzutre- ten;" Cavour wehrte sich so gut er konnte, und ließ sogar dcn Redacteur des „Avenir de Nice" ausweisen, weil er mit französischer Frechheit am 18. Januar zu schreiben wagt. : „Der Anschluß von Nizza an Frankreich sei gewiß und nur noch Sache weniger Wochen; die Sache war aber — und das wußte Lord Granville sehr wohl, längst nicht mehr, auch selbst nicht durch Cavour, aufzu
halten; die Ausweisung wurde zurückgenommen, die pariser Presse verlangte „die saveyer Alpen als natürliche Grenzen, welche nach einem wahren Spruch das Gebot Gottes sind"; in Chambery waren bei der Wahl des Gemeinde- und Provinzialraths bereits am 22. Januar ganz offen 2 Listen angefertigt worden, eine für Frankreich, eine für Sardinien; die erstere siegte mit 2/3 Stimmen der Besitzenden, und als das niedere Volk den Gouverneur deshalb bestürmte, hatte er nur die alte Nothlüge: das sardinische Gouvernement habe niemals daran gedacht, Savoyen abzutreten. Alle diese Vorgänge mußten dem englischen Ministerium bekannt sein; dennoch erklärte Lord Russell am 2. Februar, daß wohl frühere Besprechungen über diese Hypothese stattgefunden hätten, aber jetzt durch die jüngste Erklärung Walewky'S, daß von Setten Napoleons keine Absicht der Einverleibung Savoyens obwalte, erledigt seien. Das war aber eine durch nichts zu entschuldigende Unwahrheit, welche zu einem bestimmten bewußten Ziele führen sollte. Der kluge Handelsmann wollte nicht mit Napoleon am 2. Februar anbinden, denn am 4. sollten in Paris die Ratificationen des englisch-französischen Handelsvertrags ausgewechselt werden; am 24. Januar war das Reformisten- bank.t in Manchester gewesen. Aus diesen Motiven rollt vom 2. Februar ab das englische Ministerium, das ganz genau Bescheid wußte, wie sich später aus der vorgelegten Corr.spvndenz ergab, mit der Eitelkeit manchesterner Staatsweisheit, aber mit dem bös<n Gewissen einer schlechten That, der unwürdigen Politik zu, welche Napoleon das Feld räumte, und uns heute das Feld verbauen möchte. Savoyen und die Schweiz wurden geopfert und die Garantie Europas, die man uns heute von England aus anpreist, wurde von England mißachtet, und dadurch der Keim zu dem heutigen Ki'ege gelegt. Lord Russell wußte, wie es kommen würde. Schon am 5. Juli 1859 schreibt er an den englischen Gesandten in Paris: „Die Regierung vernehme mit außerordentlichem Bedauern, daß die Frage wegen Einverleibung Savoyens in Frankreich agitirt worden sei. Die in Mailand abgegebene Erklärung des Kaisers, daß nur Feinde ihn beschuldigten, zu Gunsten einer französischen Gebietserweiterung Krieg geführt zu haben, habe in England große Befriedigung erzeugt, während man in Deutschland behaupte, diese Erklärung werde unve>wrrklicht bleiben. Sollte Savoyen in Frankreich einverleibt werden, so werde man allgemein vermuthen, daß das linke Rheinufer und die sogenannten natürlichen Grenzen der nächste Zweck sein werden, und auf diese Weise wird der Kaiser em Gegenstand des Argwohns für Europa werden und eine Feindseligkeit in'- Leben rufen, welcher sein Onkel zum Opfer gefallen ist." — Wie paßt diese klare Einsicht von der Wichtigkeit der savoyer Frage, welche das englische Ministerium schon 1859 hatte, zu der Erklärung vom 24. Januar und 2. F.bruar 1860, welche dieselbe Frage unterdrückte. — Wie paßt dieses säst prophetische Erkenntniß von der Gefahr Europas zu der kleinen Handlungsweise des englischen Ministeriums, das aus Furcht vor dem Kriege schon am 12. März 1860 laut im Parlament gleichsam als Princip erklärt, daß es wo möglich Frankreich von der Einverleibung Savoyens abbringen, dafür wo möglich die Großmächte gewinnen, wo möglich die garantrrten Rechte der Schweiz wahren, aber nicht weiter gehen wolle, wenn Napoleon doch weiter gehen würde? Damit war Europa an Napoleon ausgeliefert. Wie paßt dieses schwächliche Ver- läugnen aller und jeder Pflicht Englands aus der übernommenen Garantie Sa-


