Dutzend Schiffen ersten Ranges, um ein paar deutsche Kauffahrer abzufangen und die Küstenvertheidigung zu zwingen, die Seezeichen wegzunehmen unv statt deren todtbringende Torpedos auszulegen. Dadurch wird nicht blos für unsere eigenen, sondern auch für die fremden Handelsschiffe der Zugang zu unseren Häfen ge- sperrt, überhaupt ein Zustand herbeigeführt, der einer Blockade gleichkommt. Es ist dies zwar ein feiges, aber leider durch die noch bestehenden Seegesetze sanc- tionirtes Verfahren und wir können uns den angerichteten Schaden beim Friedens- schluffe nur mit Geld bezahlen laffcn. Anders verhält es sich jedoch mit den Acten der bloßen Seeräuberei, welche die französischen Kriegsschiffe bei dieser Ge- legenheit begehen. Es ist mehrfach gemeldet worden, daß die französischen Capi- täne die genommenen deutschen Schiffe gleich nach geschehener Wegnahme, noch auf hoher See, ausplünderten, z. B. die Lebensmittel, Kohlenladung und andere für sie brauchbare Dinge ohne Weiteres zum Nutzen ihrer Fahrzeuge unter sich vertheilten; ja noch mehr: sie haben einzelne der genommenen Schiffe verbrannt oder in den Grund gebohrt. Dies sind nach den bestehenden internationalen See- gesehen Acte der Seeräuberei, Venn kein aufgebrachtes Schiff darf in dieser Weise behandelt werden, ehe nicht ein im feindlichen Lande etablirtes Prisengericht dasselbe unter Beobachtung vorgeschriebener Förmlichkeiten „als gute Prise condewnirt", wie es in den Gesetzen heißt. Die betreffenden französischen Capitäne sind daher Seeräuber, welche als solche den Tod durch den Strang verdient haben. Um ein warnendes Beispiel zu statuiren, wäre es wohl zu rathen, daß die deutsche Bundesregierung sich diese Corsaren beim Friedensschluffe ausliefern ließe, um ihnen den Proceß zu machen, was gewiß aller Orten eine ungeteilte Befriedigung erregen wurde.
Die officiöse Corr. Warrens schreibt: „Man kann ohne Uebertreibung behaupten, daß unter den europäischen Staaten gerade Oesterreich-Ungarn den B > griff der Neutralität in diesem Kriege am schärfsten aufgefaßt und begränzt hat. Bon seiner Seite sind militärische Ordenszeichen an die Befehlshaber der einen oder der anderen kriegführenden Partei nicht verliehen worden, welche auf ein Vorherrschen der Sympathieen in einer oder der anderen Richtung schließen lassen konnten; seine Staatsangehörigen haben nicht als Freiwillige ihre Dienste diesem oder jenem kämpfenden Heere anbieten dürfen, und endlich hat unser Staat nicht die Ausfuhr von Waffen oder Kriegsmaterial irgend einer Art zugelassen, welche dem einen Kriegführenden zum Vortheil, dem anderen zum Nachtheil hätte gereichen können. Die Aufrechterhaltung einer strengen Unparteilichkeit in diesem Kampfe wurde von der Regierung als die ernsteste Pflicht aufgefaßt, und die große Mehrzahl drr Staatsangehörigen hat durch ihr Verhalten bewiesen, daß sie ein volles Verständniß hatte für die Haltung, welche unser Cabinet bei diesem Kriege zu beobachten Willens war."
Die böhmische Gesellschaft der Wissenschaften hat durch ihren Präsidenten eine Eingabe an die Regierung gerichtet und gebeten, dieselbe möchte mit Berufung auf die Genfer Convention diplomatische Schritte einleiten, um das Bombardement von Paris abzuwenden! „Die k. böhmische Gesellschaft fühlt sich gedrungen, insbesondere darauf hinzuweisen, daß sich in den öffentlichen Bibliotheken und Archiven der Stadt Paris wichtige Denkmale der böhmischen Literatur und viele auf Böhmens Geschichte sich beziehende Handschriften befinden, die als Unica einen unschätzbaren Werth für das Königreich Böhmen haben, deren Vernichtung daher ein unersetzlicher Verlust für unser Land und Volk sein wurde."
In Paris ist die Haltung der Regierung durch das Scheitern des October- Aufstandes nicht befestigt, denn derselbe wurde nicht niedergeworfen, sondern man capitulirte mit den Rothen, indem man ihren Führern Ungestraftheit zusagte; man benutzte aber einen am 1. Nov. angehefteten aufrührischen Maueranschlag und eine tummultuarische Versammlung der Rothen in einer Kirche der BatignolleS, um nachträglich Verhaftungen vorzunehmen. Trochu hofft jedoch „entscheidende Schläge" auszuführen und dadurch die Gemüther so zu beschwichtigen, daß ihr Groll sich gegen die Belagerer wende. Auch von Lyon erwartet man ein bedeutende Diver- sion zu Gunsten der Hauptstadt, während man Über die Plane Gambetta's mit der Loire-Armee ein bemerkenSwertheS Schweigen beobachtet. Am 6. November gingen zwei Luftballons von Paris nach Südwesten; der eine wurde jedoch von Husaren des 14. Regiments abgefaßt, und nebst 100 Kilos an Briefen wurden tm Nachen ein französischer Genie-Osfizier und eine Person, deren Stellung die „Jndependance", der wir diese Nachricht entnehmen, nicht näher bezeichnet, festgenommen. Auf der andern Seite macht man jetzt sowohl von Tours wie von Rouen Versuche, mit Luftballons Briefe aus den Provinzen nach Paris zu befördern. Die „France" (Departements-Ausgabe) will wissen, daß die Preußen in Metz nicht nur keine 40 Millionen, sondern „nur sehr wenig Geld" gefunden hätten: die Succursale der Bank von Frankreich habe am Tage vor der lieber* gäbe alle ihre Billets verbrannt und der Feind habe bloß 112,000 Fr. gefunden, wovon 80,000 Fr. in der General-Receptur und 32,000 Fr. in der Bankcaffe.
Im Schlosse St. Cloud sind bei der Rettung der Kunstschätze während des Brandes auch Schriftstücke, besonders Telegramme aus dem Monat Juli d. I. in deutsche Hände gefallen, welche für das Cabinet des ddpeches in demselben bestimmt waren uno theilweise in Abschriften der den Ministerien zugegangenen Telegramme der Präfecten, theilweise in Telegrammen von den ersteren an Gesandte und Generale, theilweise in von außerhalb Frankreichs geschickten telegraphischen Depeschen über die politische Lage Deutschlands, über den angeblichen Widerstand der preußischen Landwehr bei ihrer Einberufung zum Kriegsdienste, über die Absicht der Bildung einer hannoverschen Legion bestehen. Ein Theil der Documente soll veröffentlicht werden.
Die Börsenzeitung will bestimmt aus Holland erfahren haben, daß die Verhandlungen wegen Ueberlaffung Luxemburgs an Deutschland schon in vollem Gange sind.
Um die russische Infanterie an Marschanstrengungen zu gewöhnen und dadurch die Kriegstüchtigkeit zu erhöhen, sind zunächst für die Garde-Regimenter sogenannte militärische Promenaden angeordnet, welche wöchentlich mindestens einmal bataillonsweise Statt finden und allmählich bis auf Entfernungen von 10 Werft ausgedehnt werden sollen. Die Mannschaften haben bei diesen Marschübungen das volle Kriegsgepäck zu tragen und kriegerische Evolutionen auszuführen.
Der bekannte russische Chirurg Professor Pirogow ist vom Kriegsschauplätze nach Petersburg zurückgekehrt und hat in der »Gesellschaft für Verpflegung kranker und verwundeter Krieger" die Resultate seiner Beobachtungen daselbst mitgetheilt. Unter den Verwundeten traf er keinen einzigen, Der von Mitrailleusenkugeln getroffen war; dagegen waren aber viele Leichname von 25 und mehr Kugeln Die- ses Geschützes durchbohrt. Verwundungen am Kopfe sind nur sehr wenig vorgekommen. Die Meinung Plrogow's über die Wirksamkeit der neuen Gewehre besteht darin, daß, obgleich die Zahl der Opfer durch dieselben größer geworden ist, dennoch die Verwundungen leichter als früher sind.
Dem Central-Comite der deutschen HülfSvereine sind als Beiträge zur Pflege der Verwundeten bis jetzt aus ganz Amerika etwa 742,000 Thlr. zugegangen. Davon kamen 563,000 Thlr. allein aus den Vereinigten Staaten. Die bisherigen Gaben aus den La-Plata-Staaten belaufen sich auf ungefähr 50,000 Thlr.
Kriegsnachrichten.
Der „Jndependant de l'Oise" hat von der preußischen Behörde Befehl erhalten, den Durchmarsch eines Corps von 80,000 Mann anzukündigen. Die Avantgarde, 4000 Mann, ist in Beauvais angenommen, dessen Garnison jetzt 7000 Mann stark ist. — Das „Journal de l’Eure" meldet: „Eine Compagnie Mobilgarden des Oise-Departements hat bei Lüzay 50 Ulanen überfallen und von denselben 12 getödtet und mehrere verwundet. Die Mobilen brachten eine Pferdedecke und eine Clarinette als Beute zurück. Bei AndelyS schossen letzten Mittwoch MobUgarden., Die im Hinterhalte lagen, auf ein französisches Reiter- Detachement; sie glaubten, es seien Ulanen, es waren französische Jäger zu Pferde. Die Mobilen wurden scharf bestraft."
Der „Times" wird telegraphisch gemeldet, daß General Trochu einen großen Ausfall vorbereitet, Der fein Ansehen bei Der Bevölkerung Herstellen soll. Von deutscher Seite hat man neue Batterien auf Den Höhen von Raincy, gegenüber Noisy, und auf Den Höhen von Montmagny, gegenüber St. Denis, etablirt, so wie bei B.'zons uno bei Courbevoie. Eine Anzahl von schweizer Offizieren aus der päpstlichen Armee haben sich dem ZuaoencorpS angeschlossen, welches der frühere päpstliche Oberst Charette bildet, Der Graf Chambord hat Dem Baron Charette und anderen Getreuen der Bourbons ausdrücklich die Ermächtigung gegeben, unter Den Fahnen Der Republik gegen DeutfchlanD zu fechten. Nach einem neuesten Dccret Gambetta's müssen alle Rekruten in 14—20 Tagen ausgebildet sein.
Der „K. Z." wird aus Versailles, 9. Nov., geschrieben: Was ich Ihnen neulich über Die Hoffnungen geschrieben, welche man französischerseits auf die Loire-Armee setzte, scheint nunmehr eine concretere Gestalt annehmen zu wollen. Dlc Leser erinnern sich, daß schon vor geraumer Zeit an dieser Stelle von der Bildung einer französischen Südarmee gesprochen wurde, welche auf 80,000 Mann gebracht werden sollte. Die Organisation oder besser Zusammenhäufung der betreffenden Mannschaften, da von einer eigentlichen und gewissenhaften Organisation hier nicht mehr die Rede fein kann, scheint nun einigermaßen Fortschritte gemacht zu haben; wenigstens wird jetzt von verschiedenen Seiten das Anrücken feindlicher Truppenmaffen gemeldet, so Daß ein ernstes Zusammentreffen mit Deutschen Streitkräften nicht lange mehr ausbleiben kann. Als Die 22. Division unter General Wittich die Stadt Chateaudun mit stürmender Hand genommen, rückte sie weiter vor nach Chartres, das sie besetzte. In Chateaudun, das ziemlich durch das Bombardement gelitten hatte, wurde unsererseits weder Besatzung noch eine Etappen- Commission zurückgelaffen. Daher war es Dem Bortrab Der französischen Loire- Armee Denn auch möglich, Die verlassene Stadt gestern, wie hieher gemeldet worden, ohne Schwertstreich wieder zu besetzen. Die feindliche Macht, welche unter Dem Befehle Keratry's stehen soll (doch kann ich diese Einzelheit nicht verbürgen), wird auf 4- bis 5000 Mann geschätzt und gilt als Vorhut einer Armee von 50- bis 60,000 Mann. Sofort ist nun von Seiten Der Dritten Armee Befehl gegeben worden, sich dem weiteren Vormarsche der Franzosen zu widersetzen. Zu dem Ende hat Die 17. Division Auftrag erhalten, von hier aus auf Der Route von Chateaudun Dem Feinde entgegen zu gehen, während gleichzeitig Die 22. Division von Chartres aus auf ihn loSmarschirt und somit bestimmt scheint, Herrn Kcratry und Den Seinen in Die Flanke zu fallen. Da, ehe Dieser Brief sie erreicht, die hier angedeuteten Bewegungen längst vollzogene Thatsachen sein werden und müssen, so liegt in Den gemachten Angaben keinerlei JndiScretion. Was nun Die Verwendung Der Metzer Armee anbetrifft, so sind seit gestern in Den anfänglich getroffenen Dispositionen verschieDene VeränDerungen eingetreten. Freilich bleibt General Manteuffel mit Dem Oberbefehl über Die zwei ArmeecorpS auch fernerhin betraut, Die nach Dem NorDen marschiren und mit ihrem linken Flügel mit Dem rechten Flügel der Armee Des Kronprinzen von Sachsen Fühlung nehmen sollten. Dagegen ist Die Absicht aufgegeben, Den Prinzen FrieDrich Karl mit seiner Hauptmacht von Troyes aus gegen Bourges operiren zu lassen. Prinz Friedrich Karl geht mit feinen Drei ArmeecorpS wahrscheinlich von Nancy aus in südlicher Richtung vorwärts, so daß die Corps der Generale Werder und Beyer feinen linken Flügel bilden und unter fein Oberkommando treten. Dagegen verläßt Der Großherzog von Mecklenburg fein Hauptquartier in Schloß Ferneres, um mit einem aus Metz zu ihm gestoßenen ArmeecorpS und feinem eigenen, Dem 13. Armeecorps, ebenfalls in Der Weife gegen Süden zu operiren, daß die Truppen, welche in Orleans unter General v. d. Tann stehen, feinen rechten Flügel bilden und gleichfalls feinem Oberkommando angehören. Diese Einteilung scheint namentlich getroffen, um Dem als vorzüglich gerühmten Generalstabschef des Großherzogs, dem Obersten Krensky, die lang ersehnte Gelegenheit zu geben, feine Fähigkeiten auf größerem Gebiete nutzbar zu machen.
Als General von Kummer an Der Spitze seiner Landwehr-Bataillone in Metz einzog, die Rue De la Prison Militaire entlang — so erzählt Der Corre- fponDent der „Daily NewS" — da wurde er hinter den Eisenstäben dieses Gefängnisses hervor durch den Rus „Hurrah Preußen!" begrüßt. DaS waren die wackeren Wehrleute, Die am 7. in MeziöreS meist verwundet dem Feinde in Die Hände gefallen waren. Mager, hohläugig und schmutzig drängten sie sich an den Fenstergittern und ihr Hurrah war lange nicht so kräftig als damals, wo sie Die Franzosen so tapfer begrüßten, aber General v. Kummer erkannte seine Pappenheimer, unD hielt, um sich zu erkundigen, wie eS ihnen ergangen fei. Da hörte man Die Erklärung, warum Das Hurrah nicht so laut und lustig war, wie früher. Die nur mit kleinen Rationen Pferdefleisch genährten Leute hatten mordmäßigen Hunger und klagten Dem General ihre Noth, Der sich alSbalD an Den nächsten JntenDanturbeamten wandte, unD sich erkundigte, wann Die Proviantvorräthe zur Stelle sein würden. Nicht vor einer Stunde, hieß es, unD v. Kummer nahm deshalb feine Zuflucht zu Hm. Schwabe, Dem Vertreter Des Berliner Hülfs- vereins, Der mit feinen Liebesgaben dicht bei Der Hand war. Die Wagen kamen im Trabe herbei, unD das Brod wanderte mit großer Geschwindigkeit zu den Fenstern hinein. Als Die Gefangenen bereits in voller Beschäftigung waren, ertönte Die Frage hinauf, was sie zu Dem BroDe zu genießen wünschten. „Haben Sie Wurst?" rief es Da wie aus einem Munde, „oder Schinken?" schallte nur ein einziges, feines Stimmchen. Beides war Da unD Cigarren dazu, unD ehe Die Colonne sich wieDer in Bewegung setzte, labten sich die gefangenen Kameraden bereits an Den lange entbehrten Genüssen.
Aus Dem Lager vor Bitsch schreibt man einem Mannheimer Blatte un- term 6. D.:


