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Mnzngk- UN« Amtsllutt jur den Kiels Hicheu.

Nr. ISS Mittwoch den 16. November R87G.

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Bestellungen nut ven ^rre-zener Anzeiger bei allen Post-Expeditionen und den Land-Postboten entgegen genommen.

Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Erpedition abholen lassen, erhallen denselben für die Monate November und December 1870 zu 40 fr.

Amtlicher T h e i l.

Gießen, am 9. November 1870.

Betreffend: Die Aufnahme des Erndte-ErtragS im Jahr 1870. ... . x r

Das (6roi)I)rr$ofl11d)t Kreisamt Girhen an die Grohherzoglichen Bürgermeistereien.

Wir werden Ihnen die Fcrmularien für Aufstellung der Erndte-Ueberfichten vom Jahr 1870 zugehen lassen und sehen der Einsen-

düng derselben bis 10. December l. I. entgegen.

Diejenigen von Ihnen, zu deren Bezirk besondere

Gemarkungen gehören, wollen die Erndte-Erträge derselben getrennt angeben. Dr. G o l d m a n n.

' - Gießen i sm 14. November 1870

Betreffend: Das Kreisersatzgeschäft für 1871. . f*

Das Grohherzogltche Kreisamt Gießen

an die Pfarrämter des Kreises als CivilstandSbehörden.

Da das Kreisersatzgeschast für 1871 frühzeitig im künftigen Jahre stattfinden soll und die Großherzoglichen Bürgermeistereien ange­wiesen sind, die Stammrollen am 16. December d. I. an uns einzusenden, ersuchen wir Sie, höherer Anordnung gemäß, die GeburtS- listen dec Großherzoglichen Bürgermeistereien längstens bis zum 1. December d. I. mitlheilen zu wollen.

Ke k ule, Kreis-Assessor.

man wird auch zugeben müssen, daß dieselben überwiegend politischer Natur sind r

Vie zur Schifffahrt nöthigen Seezeichen auslegen und die Leuchtfeuer anzünden

Politik eine übermüthige und beunruh'gende Direktion geben!

Gewiß häbm L "und^ ähnliche Erwägungen ihren guten Grund; aber lasse'». Kaum ist die- geschehen, da erscheinen die Franzosen wieder mit einigen

möglich macht. DU Ausyungerung UHU eint in yviyt hjihh .......... ..... ---o ' .I(lr,nh

♦inn würde diese Wirkung nicht haben: Paris würde sich nach wie vor unüber- und deut che Kauffahrer auf den Weg nach unseren Küsten, wahrend gleichzeitig

setzen wäre.

Wenn man solche Ausdrücke der Ungeduld liest und hört, so kann man wohl einen Augenblick in Erstaunen darüber gerathen, daß da- deutsche Volk, welches doch nichts weniger als grausam ist, mit solcher Entschiedenheit nach dem entsetzlichen Hilfsmittel eines Bombardements verlangt und dasselbe gegen einen Platz angewendet wissen will, in welchem es, wegen der unermeßlichen Bevölke­rung desselben, von grauenhaftester Wirkung fein müßte.

Und doch steht hinter diesem Verlangen nur die kühlste, von wahrer Friedens- Sehnsucht erfüllte Berechnung.

Zweierlei hat man rabei im Auge. Das Bombardement soll den leicht- sinnigen Parisern die Gefahr, in welcher sie schweben und über deren Größe und Dringlichkeit sie sich noch immer tauschen, gewissermaßen ad oculos demonstriren. Der Franzose ist drastischen Hilfsmitteln am leichtesten zugänglich. Die Sach­verständigen in Pari- zucken gewiß die Achseln darüber, daß der Mont Valerien sortwährenv in eine Rauchwolke gehüllt ist, aus welcher unaufhörlich die Blitze zucken, welche Niemanden treffen; aber der Pariser ist gewiß von seiner militärischen Unangreifbarkeit überzeugt, so lange er hört, daß seine Fort- ganz allein und ohne Gegenrede sprechen; er wird stutzen, wenn die eisernen Repliken in seine Mauern schlagen. Hierzu kommt aber noch eine andere Erwägung. Wir denken an die Zukunft, und je mehr wir davon überzeugt sind, daß der gegenwärtige Krieg der ganzen französischen Nation zur Last zu legen sei, ihrer Selbstüberhebung, welche sie zu ungebührliche Prätensionen verleitet, weil sie in falschen Vorstellungen von französischer Ueberlegenheit wurzelt; um so weniger kann man auf eine Dauer des künftigen Friedens rechnen, wenn die Franzosen nicht gezwungen werden, ihre

ganze Auffaffungsweise zu berichtigen. fJL..

Und je kolossaler die Frivolität der Pariser sich au- ihrer Selbstüberschätzung entwickelt hat, um so mehr muß gerade Pari«, dessen Initiative sich Frankreich doch immer und immer wieder unterwerfen wird, gezüchtigt werden, in einer Weise welche ihm jede Täuschung über seine Niederlage und deren Bedeutung un- möalich macht. Die Aushungerung und eine in Folge derselben erzielte Capitula»

der Kriegführung spricht, welche das Bombardement hindere.

Vielleicht, wenn man den militärischen Gisichtspunkt streng und allein fest- hält, würde der Gedanke an ein Bombardement von Paris gänzlich au-geschlossen bleiben, wie er bei der Belagerung von Metz ausgeschlossen blieb. Denn die Kriegführung hat sicherlich die Pflicht, die mildere Form der Bezwingung zu wählen, wenn diese zur Erreichung des vorgestecktcn Ziels ausreicht und cs würde daher militärisch nicht gerechtfertigt fein, Paris zu bombardiren, wenn man gewiß fein kann, die Eapitulation durch Hunger zu erzwingen.

Die Sache aber liegt allerdings so, daß bei der Belagerung von Pans militärische und politische Gesichtspunkte zugleich in Frage kommen, weil es sich bei der Eroberung von Paris nicht blos um einen strategischen, sondern um einen politischen Erfolg im eminentesten Sinne handelt, woraus dann wieder folgt, da Politik und Kriegführung sich über die zu ergreifenden Maßregeln ve-standigen müssen, wie dies ja auch dieProv.-Correspondenz" andeutete, als sie in einer ihrer letzten Nummern bemerkte, daß der Befehl zum Bombardement werde gegeben wer­denin dem Augenblicke, wo es unter Berücksichtigung aller in Betracht kommen­den Verhältnisse, namentlich auch der weitern innern Entwickelung zu Paris, an- gemessen erscheint."

Jedenfalls aber wird man bei dieser Auffassung der Dinge sich sagen müssen, daß, je größere politische Wirkung man sich von einem Bombardement dcS mo­dernen Babels verspricht, dasselbe um so weniger übereilt werden darf; daß eS militärisch gehörig vorbereitet fein würde; den ein Bombardement ohne entschei» dende materielle Wirkung würde ja das Gegentheil von chem hervorbringen, was die Politiker beabsichtigten.

Glücklicher Weise hat der bisherige Gang des Krieges gelehrt, daß das Zusammenwirken zwischen Kriegsleitung und Diplomatie keinen Moment gefehlt hat und so dürfen wir auch vertrauen, daß beide auch vor Paris den rechten Moment nicht versäumen werden, um das entscheidende Wort mit gemeinsamem Nachdruck zu sprechen.

Das eigenthümliche aber etwas unverständliche Spiel, welches die franzö­sische Flotte nun schon feit Monaten in der Nordsee treibt, entspricht vollkommen der unwürdigen Kriegführung, wie solche von der sogenannten großen Nation seit der Eröffnung der Feindseligkeiten gegen uns au-geübt worden ist. Die Flotte verschwindet auf einige Tage oder eine ganze Woche und sofort machen sich fremde

welcher die militärischen Rücksichten nur nebenbei in Betracht kommen. Es ist daher jedenfalls nicht wohl angebracht, daß man von einer politischen Beeinflussung

15. November. Uiuh wn v mulv juytvm m || v ii, VM0y,~ T .

Nachdem der jüngste Versuch einer Waffenstillstandsvermittlung gescheitert ist, daß das Bombardement von Paris eine überwiegend politische Forderung ist, be wird die Frage, ob denn nun endlich Paris bombardirt werden wird, oder nicht? mit einer Ledhastigkeit erörtert, aus welcher sehr deutlich das Verlangen heraus zu hören ist, daß mit dieser Entscheidung nicht länger gezögert werden sollte.

Man möge bei der Frage des Bombardements nur militärische Rücksichten in'S Auge fassen, sagt man, und giebt damit zu verstehen, daß die Verzögerung des Bombardements, wenn nicht ganz und aus Rechnung Oer Diplomatie, so doch auf Rechnung gewisser Rücksichten der Humanität, der Großmuth u. s. w. zu