Ausgabe 
15.9.1870
 
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Nach dieser Begegnung beritt ich von V23 bis y28 Uhr die ganze Armee von Sedan.

Der Empfang der Truppen, das Wiedersehen des dcckmirten Garde-Corps, das Alles kann ich Dir heute nicht beschreiben; ich war tief ergriffen von so vielen Beweisen der Liebe und Hingebung. Nun lebe wohl mit bewegtem Herzen am Schlüsse eines solchen Briefes. Wilhelm.

Der Königin Augusta in Berlin.

Vendres, ,üdl. Sedan, 3. Sept. 1870.

Du 'bnnst nun durch meine drei Telegramme den ganzen Umfang des großen geschichtlichen Ereignisses, das sich zugetragen hat! Es ist wie ein Traum, selbst wenn man es Stunde für Stunde hat abrollen sehen.

W^rn ich mir denke, daß nach einem großen glücklichen Kriege ich während meiner Negierung nichts Ruhmreicheres mehr erwarten konnte und ich nun die­sen weltgeschichtlichen Akt erfolgt sehe, so beuge ich mich vor Gott, der allein Mich, mein Heer und meine Mitverbündeten ausersehen hat, das Geschehene iu vollbringen, und uns zu Werkzeugen Seines Willens bestellt hat. Nur in die-

Sehr tief eingeschnittene Schluchten mit Wäldern erschwerten das Bordrin- gen der Infanterie und begünstigten die Vertheidigung. Die Dörfer Illy und Floing wurden genommen und zog sich allmählig der Feuerkreis immer enger um Sedan zusammen. Es war ein grandioser Anblick von unserer Stellung auf einer dominirenden Höhe hinter jener genannten Batterie, rechts vom Dorfe Frvnois vorwärts, oberhalb Pt. Torcy. Der heftige Widerstand des Feindes fing allmahl.g an, nachzulassen, was wir an den aufgelösten Bataillonen erkennen konnten, die eiligst aus den Wäldern und Dörfern zurückliefen. Die Kavallerie suchte einige Bataillone unseres 5. Corps anzugreifen, die vortreffliche Haltung bewahrten; die Kavallerie jagte durch die Bataillons-Intervallen durch," kehrte dann um und auf demselben Wege zurück, was sich dreimal von verschiedenen Regimentern wiederholte, so daß das Feld mit Leichen und Pferden besäet war, was wir Alles von unserem Standpunkte genau mit ansehen konnten. Ich habe die Nummer dieses braven Regiments noch nicht erfahren können.

Da sich der Rückzug des Feindes auf vielen Seiten auflöste, und Alles, Infanterie, Kavallerie und Artillerie in die Stadt und nächste Umgebungen sich zufammenvrängte, aber noch immer keine Andeutung sich zeigte, daß der Feind sich durch Kapitulation aus dieser verzweifelten Loge zu ziehen beabsichtigte, so blieb nichts übrig, als durch die genannte Batterie die Stadt bombardiren zu lassen; da es nach 20 Minuten ungefähr an mehreren Stellen bereits brannte, was mit den vielen brennenden Dörfern in dem ganzen Schlachtkreise einen erschütternden Eindruck machte so ließ ich das Feuer schweigen und sendete den Oberstlieutenant von Bronsart vom Generalstabe als Parlamentär mit weißer Fahne ab, der Armee und Festung die Kapitulation antragend. Ihm begegnete bereits ein bayrischer Offizier, der mir meldete, daß ein französischer Parlamentär mit weißer Fahne am Thore sich gemeldet habe. Der Oberstlieutenant v. Bron­sart wurde eingelassen, und auf seine Frage nach dem General en chef ward er unerwartet vor den Kaiser geführt, der ihm sofort einen Brief an mich über­geben wollte. Da der Kaiser fragte, was für Aufträge er habe, und zur Ant- wort erhielt:Armee und Festung zur Uebergabe aufzufordern", erwiederte er, daß er sich dieserhalb an den General v. Wimpffen zu wenden habe, der für Cen blessirten Mac Mahon soeben das Kommando übernommen habe, und daß er nunmehr seinen Generaladjutanten Reille mit dem Briefe an mich adsenden werde. Es war 7 Uhr, als Reille und Bronsart zu mir kamen; Letzterer kam etwas voraus, und durch ihn erfuhren wir erst mit Bestimmtheit, daß der Kai­ser anwesend sei. Du kannst Dir Den Eindruck denken, Den es auf mich vor Allem und auf Alle machte! Reille sprang vom Pferde und übergab mir Den Brief seines Kaisers, hinzufügend, daß er sonst keine Aufträge habe. Noch ehe ich Den Brief öffnete, sagte ich ihm:Aber ich verlange, als erste Bedingung, daß die Armee die Waffen niederlege." Der Bries fängt so an:Nayant pas pu mounr ä la tete de mes troupes je ddpose mon dpäe a Votre Majestö. (Da ich nicht an Der Spitze meiner Truppen sterben konnte, übergebe ich mei- nen Degen Eurer Majestät.) Alles Weitere mir anheimstellend.

Meine Antwort war, daß ich Die Art unserer Begegnung beklage und um Sendung eines Bevollmächtigten ersuche, mit Dem Die Kapitulation abzuschließen sei. Nachdem ich Dem General Reille Den Brief übergeben hatte, sprach ich einige Worte mit ihm als altem Bekannten, unD so endigte Dieser Akt. Ich bevollmächtigte Moltke zum UnterhänDler unD gab Bismarck auf, zurückzubleiben, falls politische Fragen zur Sprache kämen; ritt dann zu meinem Wagen und fuhr hierher, auf Der Straße überall von stürmischen Hurrahs Der heranziehen- den Trains begrüßt, die überall Die Volkshymne anstimmten. Es war ergrei­fend! Alles hatte Lichter angezündet, so daß man zeitweise in einer Illumina­tion fuhr. Um 11 Uhr war ich hier und trank mit meiner Umgebung auf das Wohl der Armee, Die solches Ereigniß erkämpfte.

Da ich am Morgen des 2. noch keine Meldung von Moltke über die Ka- pitulationsverhandlungen erhalten hatte, die in Donchery stattfinden sollten, so fuhr ich verabredetermaßen nach dem Schlachtfeld um 8 Uhr früh und begegnete Moltke, der mir entgegen kam, um meine Einwilligung zur vorgeschlagenen Ka­pitulation zu erhalten, und mir zugleich anzeigte, daß Der Kaiser früh 5 Uhr Sedan verlassen habe und auch nach Donchery gekommen sei. Da derselbe mich zu sprechen wünschte, und sich in der Nähe em Schlößchen mit Park befand, so wählte ich dies zur Begegnung. Um 10 Uhr kam ich auf die Höhe vor Se­dan; um 12 Uhr erschienen Moltke und Bismarck mit der Kapitulationsurkunbe; um 1 Uhr setzte ich mich mit Fritz in Bewegung, von der Kavalleriestabswache begleitet. Ich stieg vor dem Schlößchen ab, wo der Kaiser mir entgegen kam. Der Besuch währte eine Viertelstunde; wir waren Beide sehr bewegt über die­ses Wiedersehen. Was ich alles empfand, nachdem ich noch vor drei Jahren Napoleon auf dem Gipfel feiner Macht gesehen hatte, kann ich nicht beschreiben.

scm Sinne vermag ich fein Werk aufzufaffen, um in Demuth Gottes Führuna und Seine Gnade zu preisen.

9?un folge ein Bild der Schlacht und deren Folgen in gedrängter Kürze

Die Armee war am Abend des 31. und am 1. früh in Den vorqeschrieb^ nen Stellungen angelangt, rund um Sedan. Die Bayern hatten Den linken Flügel bet Bazeilles an Der Maas, Daneben Die Sachsen gegen Moncelle und Daigny, Die Garde gegen Givonne noch im Anmarsch, das 5. und 11. Corvs gegen St. Menges und Fleigneux; da hier die Maas einen scharfen Bogen macht, so war von St. Menges bis Donchery kein Corps aufgestellt, in diesem Drte aber Wurtemberger, Die zugleich Den Rücken gegen Ausfälle von Meziöres deckten. Kavalleriedivision Graf Stolberg in der Ebene von Donchery als rech­ter Flügel. In der Front gegen Sedan der Rest der Bayern.

Der Kampf begann trotz dichten Nebels bei Bazeilles schon früh am Mor- gen und es entspann sich nach und nach ein sehr heftiges Gefecht, wobei Haus für Haus genommen werden mußte, was fast Den ganzen Tag Dauerte und in welches Die Erfurter Division Schöler (aus Der Reserve 4. Corps) einarcifen wußte. Als ich um 3 Uhr auf Der Front vor Sedan eintraf, begann die große Batterie gerade ihr Feuer gegen die Festungswerke. Auf allen Punkten ent- fpann sich nun em gewaltiger Geschützkampf, Der stundenlang währte, und wäh- renD Dessen von unserer Seite nach und nach Terrain gewonnen wurde. Die genannten Dörfer wurden genommen.

' 131 DieKreuzzeitung" schreibt bezüglich der muen Pariser Regierung:Wenn wir heute diese Herren als berechtigte Regierung anerkennen wollien, wußten wir morgen mit Rochefort, übermorgen mit einem Arbeiter-Ausschuß, am Dritten Tage wieder mit Den Bonapartisten pactiren. £ie zur Zeit nach Den Gesetzen Des Staats- und Völkerrechts allem berechtigte, von Deutschland anerkannte Regierung ist die des Kaisers Napoleon. Jules Favre und Conforten existiren für Deutschland als Regierungsgewalten gar nicht." Sternen, 12. Sept. Capitän Koldewey vom NordpoldampferGer- manla" hat dem Bremer Nordpolcomitd, Vorsitzenden Mösle, folgende Mit- nm 9O9 ^waä>t:Wir sprachen das BegleitschiffHansa" zum letzten Male so/ 18691 Aw 5. August betraten wir die Ostküste Grönlands, 74°,

2. nDr~,^.re/e unt) 180 50' westl. Länge (Greenwich), und Drangen mit unfcrm (8$iffe bis 75° 31' vor. Nordwärts fanden wir nur undurchdringliches 20- September froren wir in Der Bucht Der Sabine-Insel ein und überwinterten hier. Die größte Winterkälte war 32<> R. Auf in Schlitten unter­nommenen Reisen fanden wir Braunkohlen vor. Im Frühjahr 1870 unternah­men wtr neue Schlittenreisen, und erreichten 77' V nördl. Breite auf 18° westl. lange. Die Erforschung des Inlandes mit Schlitten mußte wegen des boden­losen Schnees nach vielen vergeblichen Versuchen aufgegeben werden. Versuche von Grad,nessungen wurden hingegen mit einigem Erfolge ausgcführt. Am 11

^se befreit. Auf einer zu Boot unternommenen $0?. nac* d" Insel Clavenng fanden wir ein von Den Bewohnern verlassenes Eskimodorf, zahlreiche Hütten und Gräber. Ende Juli machten wir einen neuen Esuch, mit Dem Schiffe nordwestwärts vorzudringen und kamen dis 75° 29', Wo W«r Die gleichen Eisschranken fanden. Wir dampften hierauf südwärts und entdeckten am 6. August 73° 13' einen tief einschneidenden Fjord, in welchen wir mit Dem Schiffe 72 Seemeilen bis 26° westl. Länge eindrangen. Die Tem- peratur des Wassers war hier 4- 4« R., der Luft 4- IO« R. Wir sanden zahl- reiche Eisberge bis zu 200 Fuß Höhe, viele und hohe Gletscher, und bestiegen

»on 7000 Fuß Höhe. Der Fjord v.rzweig.e sich unabsehbar; \m Innern des Landes waren Gebirge, Deren Höhe bei der vorgenommenen Messung ?tLV^1h'OOO^U-6-er9ab*ar ^,r landen grünes Land, reife Heidelbeeren, Birken

' ^bst"ipv, Alpenvegetation, große Heerden von Rennthieren und Moschusochsen, viele Polarhasen, Schneehühner und sonstiges Geflügel. Am 15. August mußten^ wir auf weiteres Vordringen wegen lecken Dampfkessels ver­zichten und beschossen beßhalb sowie wegen der vorgerückten Jahreszeit die Rück- reise anzutreten, obwohl wir mit Proviant noch für reichlich ein Jahr und mit öü Tonnen Kohlen versehen waren. Das Packeis war innen lose, außen dichter. Wir überstanden einen schweren Sturm im Eis. Am 24. August waren wir ^lrel0Uf 720 nördl. Breite und 14« westl. Länge. Wir nahmen Tiefseelothun- gen bis 1300 Faden und zahlreiche Grundproben vor; den Cours nahmen wir zwischen Island, den Färöer- und Shetlands-Inseln vor, woselbst wir Mes- fungen der Tiefsee-Ternperatur vornahmen. Wir Überstanden abermals schwere Sturme, welche bis vor der Weser anhielten. Wir sahen keine Schiffe, bis wir in der Iahde-Mundung die deutsche Panzerflotte in Sicht bekamen; wir sprachen mit ihr und erhielten durch sie Lootsen und Dampfer für Die Weser. 21m 11. September 61/2 Uhr Abends landeten wir in Bremerhafen. An Bord m>rmQni,a" Alles wohl und befindet sich daselbst ein reiches wissenschaft­liches Material. x .VzV

Hagenau, 10. September. Vorgestern Abend hat ein verwundeter megsgefangener Zuave d,e Verwegenheit gehabt, auf der Eisenbahnlinie in der ckllchtung nach Wendenheim zahlreiche Holzstücke quer über die Schienen zu wer- ;fn; wurde auf frischer That ertappt. Das Verbrechen ist um so verruchter, a!« ohne Wachsamkeit unserer Soldaten wahrscheinlich ein Eisenbahnzug entgleist .auf dem französische Kriegsgefangene befördert wurden. Wie vorauszusehen war, hat das Kriegsgericht, welches sich sofort mit Der Sache befaßte, Den Schul- rum Tode verurtheilt und wird er vermuthlich in diesem Augenblicke schon seine wohlverdiente Strafe erlitten haben. '

Der fotöenbe rührende Geschichte vom Schlachtfelde.-

^ ^"UatSrath K. in Berlin trat als Stabsarzt in dasselbe Regiment, in welchem sein Sohn bd Ä drf Um ihm hulfreich beistehen zu fönntn. Nach der Schlacht

et7uhr8fln* vermißt und der Vater suchte seinen Verbleib zu er-

sorlchen, erfuhr auch bald, daß er gefallen sei. Noch in der Nacht machte sich nun der

Unteroffiziers derselben Compagnie auf, um an der Stelle, wo ihn Letzterer « i> ®l)" zu ®idldd>t daß noch Hülfe möglich roar I Seiber ab« ge-

nv?ri cht-7r ea*E ^ ;,Un 'Wn W* w d» Finst.rniß b.n Sohn aufjuftnben, und unverrichteter i-ache mußte er wieder in das Vivouak rurückkebren nichtbn- hÄß

®eßoUe" verscheucht hätte, welche alö Hyänen des Schlachtfeldes nur allrurichtia au !t«n \ ber M^gen graute, machte sichIM ffiaXSe?

auf den Wcg nach dem Schlachlfelde und endlich: siehe, da laq der Sohn in der Werfen Yen n* 11 , a! cm 1 3V * iUf auf das linke Auge gepreßt durch

LTn": b,neT b<n -in bfl60®^irn 6'sunden hatte. Der Vate? entwand dkr Brieftasche^>att-n ° 8 V!nb/*lf,n an 'h", denn Uhr, Medaillon, Geld und

aeraubb nur hL welche er selbst von der Leiche unbewußt verscheucht bereits

darnieder. ^mgerrlnge hatten sie im Stich gelassen. Der Vater liegt jetzt selbst krank <

Darmstadt, 13. September. Die erste Kammer der Stände wird am kommenden Donnerstag, Vormittags 10*/2 Uhr zur Berathung des Gesetzes iber ©runbung von Darlehenskassen und Ausgabe von Darlehenskassenfcheinen zu­sammentreten. 8

Stuttgart, 12. September. Gutem Vernehmen nach reist Der Krügs- tier a^ <Succott> im Auftrage Des Königs in Das preußische Hauptqiar-

Berlin, 12. September. Sicherem Vernehmen nach entbehrt Die Nüch- rti^t, Der Gesandte Nordamerikas habe Vorschläge betreffend Die Vermittelung an Die Regierung in Washington gelangen lassen, jeDer Begründung. Ebenso unbegründet ist die Nachricht, Die Vereinigten Staaten hätten Das Anerbieten ihrer guten Dienste gemacht.

Redactton, Druck und Verlag der Brühl'schen Unio.-Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.