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Aeilage zu Ar. 82 des Kreiener Anzeigers.i<t ?. Politische R » « d fch

11. Juli.

DieKrzztg." schreibt: Das wüste Geschrei Oer französischen Chauvinisten darüber, daß die spanische Regierung ihren Cortes den Erbprinzen Leopold von Hohenzollern zum Könige vorgeschlagen, und daß dieser Fürst sich im Fall seiner Wahl zur Annahme bereit erklärt hat, fanden wir einfach thöricht und wollten eigentlich kein Wort darüber verlieren; daß die Pariser Regierungspresse aber mit den Chau- vinisten Chorus machte, mußten wir beklagen, auch wenn wirs nicht zu begreifen vermochten; Venn die krankhafte Empfindlichkeit des französischen Volkes mußte dadurch gesteigert werden. Die Aeußerungen des Herzogs v. Gramont endlich in der Sitzung des gesetzgebenden Körpers vom 6. d. sind zu hochfahrend, als daß wir sie mit einfachem Bedauern durchschlü- pfen lassen könnten, wir müssen vielmehr unsere ganz entschiedene Mißbilligung über dieselben aussprechen. Ein Minister der auswärtigen Angelegenheiten Frank­reichs muß wissen, daß weder König Wilhelm, noch Preußen, noch der norddeutsche Bund ein Interesse daran haben können, einen Prinzen von Hohenzollern auf den Thron Spaniens steigen zu sehen; der aus wärtige Minister einer befreundeten Macht darf Preußen nicht beschuldigen, daß es das europäische Gleich­gewicht störe, indem es durch eine Jntrigue einen preußischen Prinzen auf den spanischen Thron setze; der Herzog von Gramont endlich weiß, daß der Erb­prinz von Hohenzollern kein könig\ preußischer Prinz ist, sondern ein Glied des ehemals in Süddeutsch- land souveränen fürstlichen Hauses Hohenzollern, wel­ches seine Stammesgemeinschaft mit dem branden- durgisch-preußischen Hause erst durch die Verträge von 1851 wieder betont hat. Könige und Prinzen von Preußen sind oft genug in der Lage gewesen, Kronen zurückzuweisen, die ihnen angeboten wurden. Se. Maj. der König hat, wie gemeldet, auch dem Erbprinzen von Hohenzollern abgerathen, dit'se Candivatur an­zunehmen, wie er auch dem Prin en Karl von Hohen­zollern einst abrieth, nach Rumänien zu gehen. Wenn sich aber der Erbprinz von Hohenzollern berufen fühlt, die Krone Spaniens aus der Wahl der Cortes an- zunehmen, so können wir das als Untcrthanen eines legitimen Königs beklagen, können uns aber n-cht berufen fühlen, die spanische Nation ä la Gramont zu schulmeistern. Wird der Erbprinz durch die Wahl der constituirenden Cortes König von Spanien, so wünschen wir den Spaniern aufrichtig Glück dazu; im Uebrigen aber geht uns die Sache weiter nichts an. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß man in Frankreich bald zur Besinnung kommen, die ganz neutrale Stellung Preußens zu dieser Frage richtig würdigen und sich der Maßlosigkeiten der letzten Tage schämen wird."

DemCorresp. v. u. f. D." wird aus Wien ge- schrieben: Die Meldung, daß Oesterreich passiver Zuschauer der spanischen Affaire gegenüber bleiben wolle, ist unrichtig, wenn man gleich auch anderseits von einer direkten Einmischung fern ist. Die Hal­tung des österreichischen Cabinets läßt sich mit we­nigen Worten charakterisiren. Wie bisher in allen seit dem Jahre 1866 ausgesuchten Fragen, ist die österreichische Politik auch diesmal auf die Erhaltung des Friedens gerichtet. Da sie aber auf Grund der aus Paris eingelangten Berichte die Aufrechterhaltung der Hohenzollern'jchen Canvidatur als gefährlich für den Frieden, weil die Empfindlichkeit Frankreichs auf's Tiefste verletzend und das Gleichgewicht der europäi- schen Machtverhältnisse störend, betrachten muß, so liegt es in der Natur der Sache, daß sie bestrebt ist, mitzuwirken, daß aus dieser Angelegenheit keine europäische Verwickelung erwachse. Zu diesem Zweck sind bereits Schritte eingeleitet und findet eben zwi­schen hier, London und Florenz ein lebhafter Ideen­austausch statt. Man hofft, durch das Zusammen­wirken der drei Mächte der Lage eine der Erhaltung des Friedens günstige Wendung zu geben, tauscht sich aber, da die Verhältnisse complicirter sind als zur Zeit des luxemburgischen Zwischenfalles, über die Schwierigkeiten um so weniger, als alle Anzeichen dafür sprechen, daß man es mit einem wohlange- legten Plane zu thun habe, in dessen.Combinationen auch der Hohenzollern'sche Thron in Rumänien, wo stündlich eine Umwälzung erwartet werden darf, mit- einbezogen sein dürfte. Es kann also nicht davon die Rede sein, daß die Mächte bereits einen Vcrmit- telungsvorschlag fix und frrlig haben, und alle de- taillirten Mittheilungen sind daher verfrühte (Som* hinationen.

DerKöln. Ztg." wird von Paris geschrieben: Um sich einen Begriff vom Ernste der Lage zu machen, in welcher wir uns befinden, ist es nothwendig, sieh die Sprache zu vergegenwärtigen, welche die franzö­sischen Minister, Herzog von Gramont sowohl wie Emile Ollivier, den hier accreditirten Bevollmäch­tigten anderer Mächte gegenüber führen.Wir haben", sagen die Mitglieder des französischen CabinetS,von Preußen Alles ertragen, was sich nur erdenken läßt. Sßir haben die Schlacht von Sadowa und ihre Folgen über uns ergehen lassen, ohne auch nur die Miene in verziehen. Wir haben, ohne uns über Gebühr zu erhitzen, die Schutz- und Trutzbündnisse Preußens mit den süddeutschen Staaten sich vollziehen und dadurch den Prager Frieden durchlöchern lassen, wir haben selbst die Nichtausführung des Artikels V des Prager Friedens zu keinem Gegenstände unserer Be­schwerten gemacht; ruhig ließen wir Preußen und den Norddeutschen Bund sich entwickeln, so große Gefahr dadurch auch unsere eigene Machtstellung lies, selbst der Versuch, uns die italienische Allianz ver­mittelst der Gotthardbahn zu entwinden, hat uns kaum in Harnisch gebracht. Aber auch unsere Geduld hat ihre Grenzen. Wir waren gen igt, Preußen für aufrichtig friedliebend zu halten; da auf einmal taucht die Candivatur eines preußischen Prinzen in Spanien auf, und das mußte den uns zugemutheten Demü- thigungen die Krone aufsetzen. Einen Preußen auf dem spanischen Throne, dos macht das Maß voll und bringt es zum Heber laufen!" So sprechen die französischen Minister, die zugleich geradeheraus er­klären, es si.le ihnen gar nicht ein, Spanien ob seiner Wahl den Krieg zu erklären; man wolle sich einfach an diejenige Macht halten, von der dieim Dunkeln betriebene Kabale" ausgehe. Sie allein müsse dafür verantwortlich gemacht werden.

DerMoniteur", der Ollivier nicht fern steht, drückt sich folgendermaßen aus:Die Lage, wie sie sich durch die Annahme des Prim'schen Antrages Sei­tens des Prinzen von Hohenzollern gestellt hat, ist durchaus klar. Die behelligten Parteien sind Preußen, Spanien und Frankreich, und es ist unmöglich in ihren respectivcn Stellungen eine Zweideutigkeit zu finden. Nachdem die preußische Negierung vier Jahre lang mit unserer Geduld und der Geduld ganz Eu- ropa'g Mißbrauch getrieben, hat sie nun alle Granzen überschritten. Der Marschall Prim hat eine wahre Jntrigue angesponnen, die für Frankreich die ernstesten Folgen haben sollte. Was uns betrifft, so haben wir unser Wohlwollen für Preußen bis zum Aeußer- sten getrieben. Spanien und die spanische Negierung können sich nur belobend übr uns aussprechen, und wir sind überzeugt, daß die Negierung des Kaisers auch in Zukunft Beweise ihres Wohlwollens geben wird. Wenn unsere Politik Spanien gegenüber eine gemäßigte sein muß, so stehen wir Preußen gegen­über ganz anders. Diese durch ihre ersten Erfolge in Selbsttäuschung versetzte Macht scheint sich das Uebergewicht und die Herrschaft in Europa anmaßen zu wollen. Es ist Zeit, solchem Anspruch ein Ziel zu setzen. Die Frage muß erweitert werden, und heute ist die Entsagung des Prinzen L.opvid auf den spanischen Thron nicht mehr ausreichend, denn dies würde Seitens des Grafen Bismarck nur ein ge­schicktes Verfahren sein, uns zu entwaffnen, mit dem Vorbehalt, später eine bessere diplomatische St.llung einzunehmen und uns, nachdem er feine militärisch n Streitkräfte und die öffentliche Meinung in Deutsch­land vorbereitet, in neue und ernstere Verlegenheiten zu verwickeln. Man würde immer von vorn anfangen müssen. Das Wenigste, was wir verlangen müssen und was uns heute befriedigen kann, wäre die for­melle Bekräftigung und die absolute Ausführung des Prager Friedens seinem Wortlaute und Geiste nach, d. h. die Freiheit der süddeutschen Staaten, die Räumung der Festung Mainz, welche zum Süden gehört, das Aufgeben eines jeden militärischen Ein­flusses jenseits des Maines und die Regulirung des Artikel V mit Dänemark. Dies sind die einzigen Garanticen, welche uns befriedigen könnten, und wenn man sie uns nicht gewährt, so können unsere Forde­rungen nur größer werden."

DerKöln. Ztg." wird aus Paris vom 8. Juli geschrieben:Wie man in den militärischen Kreisen versichert, so trifft man bereits militärische Vorberei­tungen. Es werden zwar noch keine Truppen zu- sammcngczogen, aber man hat bereits bestimmt, welche Marschälle und Generale die einzelnen Corps befeh- tigen sollen, und letztere auf dem Papier zusammen-

gestellt. Mit dem Ankäufe von Vorräthen für die Armee ist auch bereits begonnen. So wurden vor­gestern 20,000 Fässer eingesalzenes Schweinefleisch für die Flotte bestellt, binnen 20 Tagen zu liefern. Seeleute, welche in Nantes detachirt waren, haben Befehl erhalten, sofort nach Brest zurückzukehren, was anzudeuten scheint, daß man die Flotte so schnell als möglich in Kriegsbereitschaft zu setzen gedenkt. Nach der Erklärung des Herzogs von Gramont sind diese Loranstalten, selbst wenn man den Krieg nicht wollte, übrigens leicht erklärlich, zumal die französische Re­gierung fest entschlossen ist, in keiner Beziehung nach- zugebcn, wie auch schon daraus hervorgeht, daß der Herzog von Gramont sofort am Mittwoch an den General Fleury, französischen Botschafter in Peters­burg, lelegraphirte, er möge dem russischen Cabinet mittheilen, daß Frankreich aus der Thronbesteigung des Prinzen Leopold einen Casus belli mache. Ab- gesehen von diesen kriegerischen Anzeichen, ist auch die Sprache, welche die Minister privatim führen, und die der Blätter, besonders die der ministeriellen, nichts wen ger als friedlich. LautPublic" sagte Ollivier gestern vor einer großen Anzahl von Depu- tirten :Wir warteten nur auf einen Vorwand oder auf eine Gelegenheit; die hohenzollern'sche Angelegen­heit kommt uns sehr gelegen." Zugleich soll er von den Festungswerken gesprochen haben, welche zuletzt die Aufmerksamkeit der Regierung auf sich gelenkt hätten. Daß Emile Ollivier sich auf diese Weise ausgedrückt haben kann, beweist übrigens wieder ein kriegerischer Artikel d.sMoniteur", seines intimen Organes. Der Artikel ist von Dalloz unterzeichnet, der mit Ollivier auf höchst vertrautem Fuß steht, und lautet, wie folgt:5tein Zaudern mehr, die französische Regierung befindet sich dem augenscheinlich bösen W ll.n des Marschalls Prim und des Herrn von Bismaick gegenüber. Der erstere hat bei feinem politi chen Auftreten immer nur persönliche Zwecke verfolgt. Man kann auf seine Mäßigung nicht rech- neu, selbst wenn daS Unrecht auf seiner Seite ist. Der unkluge Act des Grafen von Neus ist einzig und allein der Eifersucht zuzuschreiben, welche ihm Espar- tero cinfloßk. Die hohe Stellung desselben stellt ihn in Schalten, und feit man Espartero auf den Thron erheben wollte, denkt er nur daran, einen Staats­streich auszuführen. Da er den Muth nicht hatte, so weit zu gehen, so wandte er sich an den Ruhe- störer von Europa, den Herrn v. Bismarck. Dieser, der immer bereit ist, Frankreich Feinde zu schaffen und der seit drei Jahren Spanien angeht, sich ihm anzuschließen, hat tie Schlitte, welche man beim Prinzen von Hohenzollern lhat, ermuthigt. Er hat den König bestimmt, seine Zustimmung zu geben. Die preußifcke Regierung, daran gewöhnt, daß Frank- reich sich den vollendeten Thatsawen unterwirft, und durch die Blindheit unseres Botschafters in Sicher­heit gesetzt, hat über die spanische Frage unterhalt- dclt, als wenn wir nicht mehr existirten, nun stellt sie sich, als fei sie erstaunt, daß wir so sehr verletzt sind. Das Losungswort war so gut gegeben, daß in Deutschland Jedermann die Sache wußie (V), nur unsere diplomatischen Agenten Nicht. kann daher kein Zweifel best.hen: der Marschall Prim und Hr. v. B ömarck sind einig geworden, die Ruhe Eu- ropa's zu stören. Europa wird begreifen, wo die Gefahr für seine Ruhe und Sicherheit ist, und Frank­reich hat nur die Rolle des Bertheidigeis der regel­mäßigen Rechte und der internationalen Gerecht gkcit zu erfüllen. Wir erlauben uns, der Negierung zu rathen, nicht mehr im geringsten zu zögern. Das Land ist mit ihr, und Europa gibt uns Recht."

12. Juli.

Die Berliner officiösen glätter lassen sich jetzt etwas schärfer bezüglich der Frage der Candivatur des Prinzen Leopold vernehmen. Die ministerielle Nordd. Allg. Ztg." citirt eine Sielle aus einem Artikel desPayS" und begleitet dieselbe mit folgen­den Auslassungen:ES ist uns solchen Worten gegen- über wenig darum zu thun, auf die Fanfaronaden eineö Zeitungsschreibers, der vielleicht in der Baisse spcculi.t, zu antwoiten. Aber wir haben das Blatt angeführt, um selbst aus dieser unverschämten Sprache schon jetzt zu conftatiren, daß dogKriegsg.schrci Frankreichs diesf.its des Rheines ohne Echo geblieben ist." Dies ist eine für alle späteren Eventualitäten wichtige Thatsache, denn wenn wir auch, wie gesagt, wenig auf die Provoeationen der französischen chauvi­nistischen Presse geben, so bleiben doch immer die Erklärungen des französischen Herrn Ministers dcS