Ausgabe 
13.11.1870
 
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Preis vierteljährig 1 fl. 12 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 kr.

Erscheint täglich, mit Aus­nahme Montags.

Expeditione Canzleiberg Lit. D. Nr. 1.

Anzeige- und Mmtsßlaü für den Kreis Hießen. _____________________----------------------------

Nr. 133 Sonntag bcn 13. November 1870.

rwv werden noch fortwährend sowohl bei der Expedition, Canzleiberg B. 1, als auch

Befreiungen (Ulf ven Wiefxener ZHIjftgcr bei allen Post-Expeditionen und den Land-Postboten entgegen genommen.

Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Expedition abholen lassen, erhalten denselben für die Monate November und December 1870 zu 40 kr.

Amtlicher T h e i l.

Bekanntmachung.

Von der Königlich Preußischen Regierung zu Wiesbaden ist die Abhaltung eines Krämer- und Viehmarkts zu Herborn auf Montag den 14. November mit der Maaßgabe genehmigt worden, daß der Zutrieb von Handelsvieh aus allen Ortschaften in einem dreimeil^gen Umkreise der Städte Gießen, Butzbach und Friedberg untersagt bleibt, und Viehbefitzer gehalten sein sollen, Attest ihrer Heimathsbehörde darüber beizubringen, daß daselbst ansteckende Viehkcankheiien in den letzten 6 Wochen, vom Tage der Ausstellung an gerechnet, nicht geherrscht haben.

Gießen, den 11. November 1870. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. G o l d m a n N.

Po iit i s ch

12. November.

Nach dem Abbruch der WaffepstillstandSverhandlungen zwischen Versailles und Paris ist die Wiederaufnahme der militärischen Operationen gegen Paris nicht mit der Schnelligkeit erfolgt, als es die heißblütige Erwartung derjenigen, die in der ernsten Scenerie des Krieges nur ein aufregendes Schauspiel sehen, wünschte. Es ist eine Lücke von ein paar Tagen in der Entwickelung des Krieges eingetreten; die erwartete Nachricht von dem Uebergange zur entscheidenden Ka­tastrophe kommt nicht so schnell, als Mancher im Voraus berechnete, und die leere Pause wird nun von Wünschen, Erfindungen, Privatvorschlägen ausgefüllt.

In vorderster Reihe stehen in dieser Beziehung die Neutralen, in deren Kreise das lebhafteste Friedensbtdürfniß herrschte und man am meisten auf den Abschluß eines Waffenstillstandes rechnete. England steht in dieser Beziehung voran, wie es auch bei dem Vorschlag eine« Waffenstillstandes die Spitze führte, und dieTimes" beeilt sich, in Ermangelung eines neuen Stoffs, die Rolle zu erörtern, welche das Inselreich gegenüber dem großen festländischen Drama spielt. Das Cityblatt kommt dabei auf den Vorschlag zurück, den es vor einigen Wochen zur Lösung der Schwierigkeiten machte, nämlich, daß die französischen Grenz­festungen geschleift werden sollten und dann England im Verein mit Rußland und Oesterreich die Garantien übernähmen, gegen einen künftigen Friedensbruch, der ohne Apellation an das schiedsrichterliche Urtheil der Garantiemächte von einer der heute kriegführenden Parteien unternommen würde, der andern bei­zustehen. Die Offerte, meint dieTimes", dürfte vielen Deutschen nicht gefallen, weil sie dieselben nöthigt, sich der Vorwände zu entledigen, unter welchen sie ihre gegenwärtigen Forderungen verhüllen; aber wenn die deutsche Nation vorauf be­stände, außer Gebietsannexion irgend eine andere Ausgleichung zu verweigern, so ist das Risiko einer temporären Empfindlichkeit, verursacht durch die Offerte einer neuen Lösung, nicht hinreichend, um die Gründe, welche dazu veranlaßten, gegen einander abzuwägen.

Warum sollten wir uns fährt das leitende Blatt fort nicht dazu erbieten, irgend welche Verantwortlichkeit zu übernehmen, wenn dadurch der Frie­den herbeigeführt werden kann? Ein Grund ist der, daß noch Zeit vorhanden ist. Wir haben guten Grund zu wissen, daß dar Bombardement von Paris nicht beginnen wird, ebe weitere 14 Tage verwichen sind; baß der König selber sich sträubt, den Befehl zum Angriff zu geben. Wenn wir somit die Macht besitzen, Europa den Frieden wieverzugeben, dürfen wir, ohne die Axiome der nationalen Pflicht, zu der wir uns stets bekannt, fallen zu lassen, die Gelegenheit nicht ver- nachlässigen. Eine kürzliche Anerkennung der Verantwortlichkeit zur Erhaltung des Frieden- beizutragen, ist die Garantie für Luxemburg. Aber noch andere Gründe sind vorhanden, die uns zur Anstrengung anspornen sollten. Ohne irgend- wie Allarmisten zu sein, möchten wir sagen, daß Europa in Gefahr steht, aufs Neue das Theater eines alten Streites zu werden. Der Eonstict zwischen dem Princip der Autokratie und dem freien Gouvernement von Nationen muß aufs Neue entbrennen, und in dem Versuche, ihn daheim abzuwehren, sind die Anhän­ger des autokratischen PrincipS bereit, irgend welche fremde Abenteuer zu riskiren. Mit der Möglichkeit solcher Gefahren vor uns, fragen wir, welches sind die Ein­flüsse, auf welche England bauen sollte? Sind wir nicht verpflichtet, die Auto­rität des öffentlichen Gesetzes zu befestigen, die Suprematie des freien Willens der Nationen aufrecht zu halten? Die Einführung wechselseitiger Garantien gegen muthwillige Angriffe ist der erste Schritt zur Creirung eines wirklichen öffentlichen Gesetzes, welches im Stande ist, die Gewaltthätigkeit individueller Mitglieder der politischen Körperschaft zu controliren. Eine solenne Anerkennung des PrincipS, daß der Wille eines Volkes nicht eingeschränkt werden kann, eine Anerkennung, attestirt durch eine Bereitwilligkeit, lieber Verantwortlichkeit zu ge- wärtigen als das Princip verletzt zu sehen, würde in dem Kampfe zwischen Ge- walt und Freiheit von höchstem Wcrthe sein."

Der gefährlichste Punct dieses RaisonnementS ist und bleibt die Verweisung

er T h e i l.

auf die der Neutralität Luxemburgs gewährte Garantie Englands und der mit- conlrahirenden Mächte. Nach der bekannten Erklärung Lord Stanley's, des bri­tischen Ministers des Auswärtigen, der für England jene Garantieacte unterzeichnet hatte, über die leichte Monier, mit der sich England im Fall des Ernstes seiner Verpflichtung entziehen könne, wird einer continentalen Macht keine große Lust dazu einflößen, sich einer ähnlichen Garantie anzuvertrauen.

Nun eine Illusion, die in Rom spielt! Von dort wird nämlich derDaily News" UFidrm 30. v M. geschrieben:Die Kunde von dem Fall von Metz wurde dem Papst von Monsignore Chigi tklkgraphirt. Sie rief allgemeine Be­friedigung hervor, und die Cardinäle traten sofort zu einer Berathung zusammen. Es wurde beschlossen, unverzüglich ein hervorragendes Mitglied der französischen Kirche in. das preußische Hauptquartier zu senden, mit Instructionen, im Verein mit Msgr. Chigi einen Waffenstillstand zwischen den beiden kriegführenden Mächten zu Stande zu bringen. Der Papst erklärte, er könne feine Vermittlung nur ab­gesondert von der der neutralen Mächte antragen. Monsignore Chigi wird dem Grafen Bismarck proponiren, daß die Belagerung von Paris suspendirt werde, daß die Preußen Lothringen räumen und in Elsaß, Metz und Straßburg 100,000 Mann zurücklasscn, daß die Franzosen als eine Friedensgarantie bei den Preußen drei Milliarden Frcs. deponiren, und daß die Wahlen ohne Verzug stattfinden sollen. Wenn die Preußen diese Bedingungen annehmen, wird der Clerus In­structionen empfangen, auf eine Wiederherstellung der bonapartistischen Dynastie hinzuwirken. Durch ein solches Ereigniß hofft der päpstliche Stuhl die weltliche Macht der Kirche wieder herzustcllen.

Erwähnenswerth ist noch ein Werk in der soeben in Leipzig anonym erschie- neuen Broschüre:Gedanken über die österreichische Politik der Zukunft," welche sehr eifrig für eineinternationale Allianz" Oesterreichs mit Deutschland auftritt. Es heißt nämlich in dieser Schrift, deren Verfasser dem Reichskanzler von Beust nicht fern stehen soll, indem der Antagonismus zwischen dem Grafen Bismarck und Beust erwähnt und die Meinung vertreten wird, Graf Bismarck könne unmög­lich den Sturz des Grafen Beust als Vorbedingung für eine österreichisch-preußische Allianz ansehen, wörtlich:Sollte aber der Name des Grafen Beust ein Hinderniß fein für ein nothwenbig gewordenes Einverständniß zwischen Oesterreich und Deutsch­land, sollte der österreichische Reichskanzler diese Nothwendigkeit gekommen und sich als derselben im Wege stehend fühlen, so dürfen Jene, welche den Charakter, die Sympathie und Aufopferungsfähigkeit des Grafen Beust für Oesterreich kennen, es mit vollster Ueberzeugung aussprechen, daß der Reichekanzler nicht einen Augen­blick anstthen wird, das zu thun, was ihm feine Pflicht gebieterisch vorschreibt, die Würde seines Amtes in die Hände seines kaiserlichen Gebieters zurückzulegen." Dergleichen sagt man nicht, wenn man dazu feine Vollmacht hat, und so könnte vielleicht doch die Vermuthung, die Broschüre sei von dem böhmischen Großgrund­besitzer Ritter v. Oppenheimer verfaßt, der Wahrheit entsprechen. In diesem Falle hat sie als Ausfluß der Stimmung, welche zur Zeit in unserer Reichskanzlei herrscht, ein praktisches Interesse.

DasJournal officiel" vom 8. V. enthält ein Rundschreiben Favre's an die französischen Gesandtschaften im Auslande. Es wird in demselben zunächst aus- gesührt, daß Preußen durch die Verwerfung des Waffenstillstandes eine mehr per­sönlichen Interessen als dem wahrhaften Heile Deutschlands zugute kommende Politik befolge. Preußen giebt vor, daß durch unsere Weigerung, zwei Pro­vinzen abzutreten eine Weigerung, von welcher wir weder abgehen können noch wollen zur Fortführung des Krieges gezwungen sei. In Wirklichkeit aber will es uns vernichten, um den Ehrgeiz seines leitenden Staatsmannes zu be­friedigen. Die Aufopferung der französischen Nation dient Ver Erhaltung der Macht Preußens. Preußen ist erstaunt, daß wir es zurückwcisen, uns der Ohn­macht hinzugeben, welche seine Diplomatie und anräth. Nachdem Favre alsdann