Kampf des Proletariats" durch die republikanische Comödie eine bedauerliche Gehirnversinsterung in gewissen Kopsen erzeugt hat.
Vom Kriegsschauplatz.
Reims, 10. Sept., 10 Uhr Abends. (Officiell.) Bei den Armeen, die im ununterbrochenen Vorschreiten sind, nichts Neues.
gez. von Podbielski.
Aus Nancy, 8. Sept. Bei Boucouleurs, vier Meilen von hier, auf der Straße nach Paris gelegen, erschien vor einigen Tagen plötzlich ein Streifcorps von 1500 Mann französischer Liniensolbaten und Mobilgardisten unter Anführung französischer Offiziere und nahm ein baierischeS Detachement von 35 Mann unter einem Offizier, drei preußische Militärärzte und den Polizei-Lieutenant Hoppe aus Berlin, der in das Hauptquartier des Königs besohlen war, gefangen. Die Aerzte sind zwei Tage in Gefangenschaft gehalten worden, dann aber auf Vermittelung eines Präfecten, der auf die Genfer (Sonoentton aufmerksam machte, wieder in Freiheit gesetzt, hier eingetroffen und haben die dienstliche Anzeige dieses Vorfalles gemacht. Alle Soldaten, der baier'schc Offizier und der Berliner Polizei-Lieutenant, den man seiner glänzenden Uniform wegen für einen preußischen General hielt und als solchen dem Volke zeigte, sind als Gefangene in dte Gegend von Bordeaux abgesührt worden.
Ueber die aufgefangene Korrespondenz des Marschalls Bazaine berichtet ein Korrespondent aus Chalons, 30. August, Folgendes: „Der Telegraph wird wahrscheinlich schon berichtet haben., daß den Preußen eine wichtige Correspon- denz des Marschalls Bazaine an Palikao in Paris in die Hände gefallen ist. Ueber die Ergreifung des Spions, der die Briefe bei sich trug, wird hier Folgendes erzählt: Am 24. August, Nachts, kam General v. Steinmetz die Nachricht zu, baß gegen Morgen eine Bote aus Metz nach Paris mit Briefen von Marschall Bazaine abgeht, und zwar als Franziskaner verkleidet, mit dem Abzeichen der Genfer Convention versehen, angeblich um Verwundeten, die in der Umgegend liegen, betzustehen. — Alle Maßregeln wurden getroffen, daß dieser wichtige Fang uns nicht entgehe. Alle Wachen wurden avisirt, jede verdächtige, in welcher Kleidung immer vorbeigehende Person anzuhalten und dem Offizier der Wache zu tneloen. Außerdem wurde Rittmeister Poisl vom 14. Ulanenregiment beordert, mit einer halben Escadron zu streifen. Richtig, wie ange- meldet, trafen 4 Mann von den 14. Ulanen bei Bois de Saulcy auf einen Bruder Franziskaner, der die Häuser besuchte, in denen Verwundete lagen. Dieser wurde eingefangen und vor den Rittmeister gebracht. Als der Franziskaner ein- traf, bot ihm Poisl ein Glas Wein zur Stärkung. Der Franziskaner beklagte sich darüber, daß er von den Ulanen angehalien und dadurch in seinem frommen Berufe gestört wurde. Poisl bedauerte, daß seine Leute diesen frommen Beruf nicht zu würvigen wissen. Es kam nun zur Sprache, daß der Fricdensschluß bald bevorstehe, und der Rittmeister bemerkte unter Anderm. ob der Franziskaner nichts davon gehört habe, daß vor einigen Tagen ein Franziskaner von den Französin wegen SpionirenS gehängt wurde. Der Bruder zitterte und bat, ihn zu entlassen, weil die Psiicht ihn rufe. — „Ja wohl", meinte Poisl, „aber zuvor haben Sie die Güte, die Briefe des Marschalls Bazaine, die Sie nach Paris überdringen sollen, auszuliesern." Nach einer Drohung des Rittmeisters, daß er sofort gctödtet Werve, wenn er sie nicht ausfolge, deutete er bleich und zitlernb auf seine Sandalen, die zerschnitten wurden. Zwischen den Doppelsohlen befanden sich drei Brüse an Trochu, Palikao und ein Plan für Mac Ma hon. Aus den Correspondenzen gehl hervor, daß, wenn Bazaine nicht durch welche Art immer innerhalb 10 Tagen entsetzt wird, er einen Verzweifluiigsschritt thun müsse. Die Truppen leiden an Allem, heißt es weiter, und der Proviant fehlt für länger. In dem Briefe an Palikao kommt folgende merkwürdige Stelle vor: „Verhindern Sie, daß Sr. Majestät Befehle, Proklamationen für Soldaten oder Volk bestimmt, in die Oeffentlichkeit dringen. Ich habe an die Trupven einen Appell gerichtet, im Namen des Vaterlandes auszuharren." Aus dem Plane für seine Entsetzung ersieht man, daß er sehr wenig Kunde vom Stande ter Dinge batte; denn er räth, bei Chalons sich um jeden Preis zu hallen, um neuere Truppen von Straßburg zu erwarten, um über Clermont, Dun, Briey auf Metz zu rüchn. Der Spion wurde heute nach Spandau abgiführt.
Aus Mundolsheim, 6. September, schreibt der Specialcorrespondent der „KarlSr. Ztg.": Morgen früh beginnen, wie ich ihnen schon angrdeutet, die beiden Riesenmörser ihr Werk. Dieselben sind im Nordwesten der Festung, zwischen derselben und dem Dorfe Mittelhausbergrn, aufgrpflanzt; ihr Gewicht beträgt je 175 (Str., die geschleuderten Projektile sind ca. 2 Centner schwer uud mit 15 Pfund Sprengladung versehen. Von der Wirkung verspricht man sich ganz Außerordentliches, und namentlich gedenkt man mit Hülfe dieser Geschütze die wenigen bombensicheren Räume, welche Straßburg bietet, zu zerstören. — Heute Morgen ist von Kehl aus, wo die Batterien fortwährend auf's wackerste eingreifen, em großer Erfolg erzielt worden: das von der Stadt in die Citadelle führende Thor wurde, wie versichert wird, vollständig zerstört und damit die Möglichkeit, letztere getrennt zu verthcidigcn, auf ein Minimum re- ducirt. Zn dir Stadt brennt es rb-ii jetzt (Mittags) wieder ziemlich lebhaft; wie es scheint, dicht hinter dem Walle. Gestern wurden von Hönheim zwei Leute eingebracht, welche den Versuch gemacht hatten, einen Soldaten zu Überfallen und zu erwürgen. Es ist kaum glaublich, welcher verbissene Ingrimm selbst hier manche Leute immer noch beherrscht und was für Mittel von ge- wiffer Seite unausgesetzt angewendet werden, um denfelbcn zu nähren und zu stachiln!
Amtlichen, in Paris am 9. September veröffentlichten Berichten ans Troyes zuiolge, passirlen am 8. September 4000 Mann deutsche Truppen Vilry; dieselben erklärten Überall im Namen des Königs die Conscription für abgeschafft.
Paris, 11. Sept. (Ministerielle Mittheilnng.) 600 Prelißeil sind ' gestern in Chateau Thierry angekonimen, sie besetzten La Fertü Gaucher. Der Cominandant von Laon, General Theremin, übergab die Citadelle, um die Stadt zu retten Die Preußen besetzten am Freitag Montmirail und verhüt- derteil die zur Consciiption versammelten jungen Leute am Abzüge.
Flensburg, 8. Sept. Der Wiener „Presse" wird lelegiaphirt: „Die dänischen Blätter berichten, daß die französische Flotte telcgr.>phi!ch den Befehl erhalten hat, nach Frankreich zurückzukehreii, wo man die Mannschaft zur Fistangö-Vertheidigung verwenden will."
Darmstadt, 11. Sept. Der Kaiser von Rußland verlieh dem Prinzen Ludwig den St. Georgs-Orden 3. Classe, um die brillante Haltung der Truppen des Großherzogs zu ehren.
Mainz, 8. Sept. Die kriegSgesangenen französischen Generale W i m p ff en und Besfon nebst Ordvnnanzosficieren uno einigen Armtebeamten sind heute Nachmittag 5 Uhr mit dem Kölner Zug auf dem hiesigen Etappencommanvo eingetroffen. Dieselben werden sich morgen zu dem von ihnen gewählten Aufenthalt nach Stuttgart begeben. General Wlmpffen und einige andere Ofsiciere waren in bürgerlicher Kleioung; das Austleten Allee zeigte eine sehr gedrückte Stimmung. — Mit demselben Zuge trafen von Coblmz die Zelte des ehe- maligen Mac Mahon'schen Lagers bei Wörth em, um einem Theil der hier internilten Gefangenen von Sedan zur Unter fünf t zu dienen. Sie werden ihr Lager im Fort Clairfait aufzuschlagen haben; andere Abtheilungen in der Cita- velle und dem Weifenauer Lager untergebracht werden. — Nach Angabe von Kranken uno Verwundeten von der Armee vor Metz Hut gestern Nacht, nach fruchtlosen Capitulationsversuchen, die Beschießung dieses Platzes begonnen. Die Herstellung der Gefchützstänve für die erste Berennung war beendet. (Fr. I.)
Berlin, 10. Sept. Wie die „Kreuzztg." meldet, ist jetzt auch der zweite Sohn des Kriegsministers, der Garde-Artilleriehauptmann Bernhard v. Roon, durch einen Granatschutz schwer im Unterleibe verwundet worben. Der andere Sohn des Kriegsministers, dessen Verwundung vor Metz früher gemeldet, lst bereits feinen Wunden erlegen.
Wien, 8. Sept. Das Reichskriegsministerium hat vorgestern die vollständige Demobilifirung des k. f. Heeres und Der Hecresanstalten ange- ordnet und wurde dieser Befehl sofort an alle betheiligten Truppencomrnanbanten telegraphirt. Infolge dessen sind alle seit mehreren Wochen successive einberufenen Urlauber mit gestrigem Tage wieder auf Urlaub gesetzt und ist die Armee auf den früheren vollen Friedensstand gebracht worden. Lange Züge dieser Mannschaften durchzogen gestern Nachmiitag die Straßen ter Residenz und eilten der Heimath zu. Mit dem Nachmiitagezuge der Norobahn trafen an 200 Urlauber, meist Wiener, aus Stockerau hier ein. Dieselben, obwohl ohne auli- tärische Führung, rangirten sich vor dem Bahnhofe und marschüten, eine riesige schwarzgelbe, blumenb.kränzte Fahne, eine Musitbande an der Spitze, Soldatenlieder singend, durch die Stadt. (N. Frobl.)
Paris, 11. Sept. Das „Journal osficiel" meldet, daß oer französische Botschafter in Madrid, Mercier de Lostende, abberufen ist. — General Trochu hat befohlen, alle Gehölze in der Umgebung von Paris bei dem Herannahen des Feindes abzubrennen. — Olozaga ist beauftragt, die Anerkennung Der Republik Seitens Spaniens und eie Hoffnung auf Fortdauer Der guten Beziehungen Dem Ministers des Aeutzern, Jules Favre, mitzutheilen.
Zürich, 8. September. Das Schweizer Aufgebot wirb nach Der französischen Gränze Dirigirt. (Allg. Ztg.)
Rom, 8. Sept. Es heißt: General Kantzler unD Oberst De Charrette seien auch gegen Den Willen des Papstes zum WioerstanD entschlossen. ^Man versichert, Der außerordentliche Bevollmächtigte Graf Ponza di Martino überbringe Die Erklärung: Italien wolle die Kirche nicht unterdrücken, sondern beschützen. (A. Z.)
Rom, 9. Sept. Plakate Des republikanischen Comiw s proclamiren oie allgemeine italienische Republik. In Nizza sind Die Behörden verjagt. In Men- tone ist ein Aufstand ausgebrochen.
Florenz, 7. September. In dem Augenblicke, wo Die Ueberschreitung Der römischen Gränze gemeldet war, wo ganz Italien mit Beflaggung seiner Städte das Ereigniß feierte, welches fämmtliche Blätter im Lande anzeigien, wurde ver Vormarfch fuspendirt, um einen letzten Diplomatischen Versuch mit Dem Papste zu machen. Es verlautet: Baron Ricasoli soll Die Mission haben, ein AbsinDen zu treffen, und im Falle Der Erfolglosigkeit Die Occupation ankündigen. — Jules Favre entband als Minister des Aeußcrn Italien jeder Rücksicht auf Die von ihm für abgeschafft erklärte Septemberconvention. (Presse.)
Mailand, 10. September. Der „Gazetta bi Milano" zufolge hat Italien Dem Papste vorgeschlagen, Demselben Den Leoninischen Stadttheil in Rom, und ihm und Den Cardinälen Die Civilliste zu belassen. Italien garantirt die öffentliche Schuld. Die päpstliche Armee wird aufgelöst.
London, 8. Sept. Die Irländer veranstalten jetzt neue Prügeleien zu Ehren Der französischen Revolution.
Auch in der „Times" spricht jetzt ein EingesanDt sich mit ziemlicher Bitterkeit über Die anscheinende Unthätigkeit Des Ministeriums unD Die Abwesenheit Der Königin aus.
Dem Vernehmen nach sind Der Prinz von Joinville, Der Herzog von Nemours unD Der Herzog von Chartres von Paris unverrichteter Sache zurück- kommenD, über Calais und Dover hier eingetroffen.
Die „Times" ist ermächtigt, Die Nachricht von Dem Eintreffen des Fürsten Metternich als unrichtig zu bezeichnen. Derselbe habe seinen Posten als österreichischer Botschafter in Paris feinen Augenblick verlassen.
LonDon, 9. Sept. Das englische Thurmschiff Captain scheiterte während eines Sturmes bet Cap Finisterre. Ein Theil Der Bemannung wurde gerettet. Einzelheiten fehlen.
New - Nork, 8. Sept. Die heutige Abendpresse billigt Die Anerkennung Der französischen Republik in Der Times - Depesche.
Konstantinopel, 10. Sept. Es sind hier Gerüchte über Den Ausbruch von Unruhen im britischen Indien verbreitet.
Telegramm an die Königin.
Reims., den 11. September, 10 Uhr Abends. Traurige Nachricht aus Laon, wo die Citadelle gestern nach der Capitulation und uach dem Ciumarsch unserer Besatzung in die Luft gesprengt wurde. 50 Mann sowie 300 Mobilgardisten todt, viele Verstümmelte. Wilhelnr von Mecklenburg verwundet. Unbediitgt Verrath liegt vor. Wilhelm.
ution, Tirurf unb 2'" I lu der Vrühl'fchen Untv.-Dru terA Gyr (S b r. Pietsch) tu Giefien


