Ausgabe 
13.9.1870
 
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^tn und abge-

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Industrie-Ausflessmig

für das Gesammtgebiet des Hauswesens

Grrsfel.

3954) Die Ausstellung ist bis 1. Öciober verlängert. Alle Einrich­tungen, Concerte rc. verbleiben unverändert wie bisher. Der Eisenbahnverkehr nach allen Richtungen ist vollständig frei. Die durch die Gnade Sr. Majestät des Königs der Ausstellung zur Verfügung gestellte

Mitrailleuse

wurde in der Schlacht bei Wörth erobert. Die Wasser aus

Wilhelmshöhe

springen noch bis zum 1. Oktober. Der Vorstand.

Frachtbriefe für die Main Weser-, Cöln-Mindener und Oberhessische Eisenbahn, sowie fämmtliche zollamtlichen Formulare, sind zu baden bet W. Klee, Marktstraße

ItörseiiDachrichlcn.

10. September 1870.

Preuss. 4i/2o/o Obi. 973/4

Frankf. 31/2% Obi. 781/2

Nass. 41/2o/o Obi. 881/2

Kurh. 4O/o Obi. 813/4

Hess. 40/0 Obi. b. Boths.

31/2% do. do.

Bayer. 5<>/0 Obi. 923/4

n 41/2% 1jährige 89

n 4% Vzjährige 84

Würtemb. 41/2°/0 Obi. 88 V2

Baden 4V2% Obi. 0. E.L. 88>/2

Oestr. 5°/o b. B.

5% National

» 50/g Metall. Obi.

M. steuerf.

Amer. 60/0 1882r Bds. 935/s 60/g 1885r 92 y4

Actien.

Frankf. Bank 127

Oester. Bank

Creditact 240

Darmst. Bankact. 312

Prioritäten. 5% östr. F. St. E. B. 324 Lud wigsh.-Bexbach 158 Maxbahn 100 Bayer. Ostbahn 1233/4 Hess. Ludwigsbahn 128 3% östr. Stsb.-Prior. 54% 3°/o östr. s. Lombard. 453/4 3% Livorneser 30 Toscaner 453/4 Frankf. Hypoth.-Bank Frankf. Vereins-Kasse 5% Elisabeth-Prior. 77 do. II. Emiss. 74

Anielienelooee.

Kurh. 40 Thlr. Loose 59 Nassau fl. 25 b. Roth. 38 Gr. Hess. fl. 50 b. B. Gr. Hess. fl. 25 b. R. 4O/o bayr. Präm. Anl. 103'/4 40/0 badische Loose 102/4 Badische fl. 35 Loose 55y2 1858r Prioritätsloose 1860r Loose 73'/2 1864r 1053/« I

Wech*et.

Amsterd. k. S. 100 Augsb. k. S. 9970 Berlin k. S. 104*/2 Bremen k. S. 97 Cöln k. 8. 1041/2 Hamburg k. 8. 873/4 Leipzig k. 8. 104>/2 London k. 8. 1183/47/8 Lyon k. 8. Paris k. S. 94'/g Wien k. S. 94VeVz Disconto 4O/o G.

Geldsorten.

Pr. Gass. Sch. 1 445/8 Div. Cass.-A. Pr. Friedrdor. 9 56-58 Pistolen . . 9 40-42 doppelte 9 40-42

Holl. fl. 10 St. 9 55 Duoaten . . 5 32-34 20 Frankens!. 9 24-26 Engi. Souver. 11 49-53 Buss. Imper. 9 39-41 Doll, in Gold 2 24-26

btung von Dar- würben von ndelsvereins die °mz Oberhessen de des Handels- ?r Angelegenheit .Eich zugesagt wltigen Einflutz geübt zu haben, btung eines der- t uns aber Alle r näherer Moti- l^rrichlung einer Vereine.

er in das Feld bach 3 fl. 30 fr, durch Herrn Ad. elen Sammlung,

statt 3 fl. 30 fr.

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Politische

11. September.

Paris beginnt nüchtern zu werden. Der Anmarsch der deutschen Heer­säulen auf die Hauptstadt läßt die Kinder des modernen Babels den Verstand wieder finden. Jules Favre, der neue Minister des Aeußern, spricht von dem argen, dem traurigen Krieg. Er will den Frieden, freilich wie er jetzt noch sagt unbeschadet der Integrität Frankreichs.

Es ist derselbe Hr. Favre, der, wie seine dermaligen Collegen in der Re­gierung, vor wenigen Monaten noch die unterlassene Rache für Sadowa dem Kaiser als den unverzeihlichsten Fehler, nahezu als Verrath an Frankreich vor­warf. Es ist derselbe Hr. Favre, der soeben noch das Volk zur blinden Rache entstammte, und der seinen republikanischen Collegen Gambetta gegen unsere schuldlosen Landsleute das Geschäft der Austreibung mit größter Härte fort- -setzen läßt.

Trotzdem trauen wir Herrn Favre noch so viel' Geist und Charakter zu, um seine Circulardepesche nicht als eine leere Phrase zu betrachten, die ihm Las salvavi animam meam für die Zukunft zu bezeugen bestimmt sei. Herr Favre ist die Politik Frankreich zu leiten berufen. Der Aufgabe des Poli­tikers, das unter den gegebenen Umständen dem Staate nützlichste und heil­samste zu thun, ist er sich bewußt. Er sieht, wie die Kluft, welche Frankreich zu verschlingen droht, mit dem Anrücken der Deutschen sich stündlich erweitert. Er wagt es, vom Frieden zu sprechen; aber ihm fehlt der Heldenmuth eines Marcus Curtius, sich in die Kluft zu stürzen und das Vaterland zu rette». Er wagt es nicht, dem Volke den Preis des Friedens zu nennen.

Herrn Favre's eigene Kriegshetzereien, wie die der Deputirten von rechts und links, die Feindseligkeiten des französischen Volkes, die Grausamkeiten der Barbarenhorden aus Algier soll Deutschland vergessen, das Blut von vielen Tausenden der Edelsten unserer Söhne und Brüder soll umsonst geflossen sein, zum Danke dafür, daß Frankreich die Charakterlosigkeit besitzt, sich selbst zu Verleugnen und seine bisherige Regierung schmählich im Stiche zu lassen.

Wahrlich, größeres wurde der deutschen Gutmüthigkeit noch niemals anaesonnen! . , , ..

Der deutsche Heerführer hat das französische Volk nicht entgelten lasten, waS feilt Souverain und seine Regierung verschuldet. Er hat Großmuth aeaen die Besiegten geübt und ihnen die Opfer des Kriegs so viel wie mög­lich erleichtert. Deutschland bat sich in einer Würde gezeigt, die seinen Er­folgen entsprach. Doch auch der Preis des Kampfes ist längst bestimmt; ihn aufgeben wäre eine Demüthigung für die Nation. Uns wollte Frankreich in diesem Kriege berauben, und wir sollten jetzt als Sieger nicht wieder nehmen, was längst schon mit Recht uns gebührt?!

Der erste Donner der deutschen Kanonen vor den Mauern von Parts gibt Herrn Favre vielleicht den Muth, an dem es ihm heute noch gebricht. Der Schrecken der Bevölkerung läßt vielleicht gerade ihn sich wtederfinden. Wenn nicht, so trifft Frankreichs Republikaner, diese angeblich principiellen Feinde des Kriegs, allein die Verantwortung für alle weiteren Opfer des

Emilio Castelar hat im Namen der republikanischen Minorität der Cortes an die Regierung der französischen Republik folgende Depesche gesandt:Die republikanische Minorität der spanischen Cortes begrüßt in Ihnen die Thron­besteigung des Rechtes und die Einweihung einer neuen Aera der Freiheit und des Friedens für ganz Europa. Seien Sie sicher, daß im Namen der Republik die Rivalitäten verschwinden werden, die von den Königen gesäet worden sind, daß der ganze Continent ein einziges Volk bilden wird und daß alle Nationen eine Familie bilden werden. Haben unterzeichnet die Deputirten: Benavmt, Benot, Covase, Castelar, Chao, Diaz. Quintero, Garcia Lopez, Guten- Hidalgo, Orense, Pi-Margoll, Pico, Dominguez, Rebulliso, Souchez, Ruano, Santa-Marca, Sorni, Simer de Capdevilla." ,

Paris. Der durch seine Wuthausfälle gegen Preußen berüchtigte Herr Gi- rardin hat zwei großartige Pläne zur Rettung Frankreichs ersonnen, die er allen Ernstes zur Ausführung in Vorschlag bringt. Der eine geht dahin, durch Frei­willige, deren jeder zwei Flaschen Petroleum erhalten sollte, den ganzen Schwarz­wald in Brand zu setzen. Der andere, noch ahenteuerlichere ist der, alle reißen­den Thiere des zoologischen Gartens durch Leute in preußischer Ulanen-Unfform täglich prügeln zu lassen. Nachdem sie auch durch Hunger gereizt, sollten die wilden Bestien auf ein ödes Feld bei Paris gebracht und sodann gegen die deutschen Armeen losgelassen werden. Herr Girardin hofft damit zur Vernich­tung der deutschen Armee wesentlich beizutragen und so Paris zu retten.

DerKarls. Z." wird officiös aus Wien geschrieben: Es wird mir heute bestimmt versichert, daß zur Zeit von keiner einzigen der neutralen Mächte, viel weniger also von der Gesammtheit dieser Mächte ein Versuch der FriedenSver- Mittelung in Aussicht genommen sei. Es wird dieser Versicherung um so eher Glauben zu schenken sein, als man in Wien sich der Ansicht zuzuneigen scheint,

Nundsehrru.

daß gerade der gegenwärtige Augenblick, die Ersetzung des Kaiserthums durch die Republik, einer durch den Einfluß des vereinigten Europa's getragenen wohl­wollenden Vermittelung die Wege ebnen dürfte.

Fast alle Wiener Blätter empfehlen dem österreichischen Cabinet die Be­wahrung der strengsten Neutralität und plaidiren gleichzeitig für ein internationales Bündniß zwischen Oesterreich und Deutschland. So sagt dasFremdenblatt": Die Fortsetzung des bewaffneten Widerstandes von Seiten der Franzosen wäre jetzt Wahnsinn. Die französische Nation wird den Frieden, wie hart auch die Bedingungen desselben sein mögen, annehmen müssen. Der Wahn, daß Frank­reichs Uebergewicht in Europa eine Nothwendigkeit sei, die auf der höheren In­telligenz und der militärischen Ueberlegenheit der französischen Nation beruhe, dieser von allen französischen Regierungen seit Jahrhunderten genährte Größen­wahn, der die Ruhe Europa's fortwährend bedrohte, ist zerstört. Und die Macht, die ihn zum Heile Europa's zerstörte, das ist das deutsche Volk, welches dieses Mal allein erreichte, was bisher nur einer europäischen Coalition möglich war. Die Logik der Thatsachen führt eine überzeugende Sprache und der großartige Erfolg des deutschen Heeres ist eine so gewaltige Thatsache, daß keine Macht ihr die Anerkennung versagen kann. Die nächsten und die ferneren Folgen der Katastrophe von Sedan sind heute noch unberechenbar. Richten wir unseren Blick auf Oesterreich, so ist zunächst so viel gewiß, daß die Politik der Neutralität glänzend gerechtfertigt ist. Daß das deutsche Volk sich aus der Zerrissenheit, die von Europa in thörichter Verblendung begünstigt wurde, zu seiner einstigen Macht und Größe wieder erhebt, braucht den österreichischen Patrioten nicht zu beun­ruhigen. Wenn auch jetzt noch da und dort ein garstiger Flecken das herrliche Bild entstellt, so ist es doch außer Zweifel, daß das deutsche Volk, einmal ge­einigt und frei, die Arbeit und die Künste des Friedens dem blutigen Waffen­spiele des Krieges vorziehen wird. Zwischen Oesterreich und Deutschland ist ein freundschaftliches, völkerrechtliches Verhältniß nicht nur möglich, es ist im Interesse beider Mächte, um der Erhaltung des europäischen Friedens willen sogar noth- wenvig. Dieses Verhältniß anzubahnen, wird die dringendste Aufgabe der deut­schen und österreichischen Staatsmänner sein, und man wird das Ziel, dessen Ver­wirklichung den Frieden sichert, auch erreichen, wenn sich die Politik Oesterreichs nach außen dem deutschen Volke nicht feindlich erweist, im Innern aber das Deutschthum als die kräftigste Stütze des Reiches anerkennt."

Die internationale Friedensliga hat eine Adresse an das deutsche Volk er­lassen, in welcher das letztere aufgefordert wird, Frieden auf der Grundlage der französischen Integrität abzuschlicßen.

DieKreuzztg." schreibt: Die Berufung Minister Delbrück's in das Hauptquartier bestätige die Vermuthung, daß die deutschen Fürsten in Bezug auf eine anderweitige Regulirung der deutschen Verhältnisse die Initiative ergreifen wollen.

Ein nachträgliches Telegramm aus Paris vom 10. Septbr. meldet: Die Ankunft der Preußen wird aus Chateau Thierry, Montmirail, la Ferte sous Jouarre und Vailly für AiSne signalisirt. Die Preußen beobachten strenge DiS- ciplin. Der Präfect des Departements der Vogesen thcilt mit, daß sich die Situation von Toul gebessert habe.

Der Ausschuß der socialdemokratischen Partei hat den Erlaß eines Aufrufs für gut befunden, in welchem die deutschen Arbeiter zu einem Protest gegen die Abtrennung des Elsaß und Lothringens von Frankreich ausgefordert werden, weil siein den französischen Arbeitern ihre Brüder sehen müßten, mit denen gleiches Loos und gleiches Ziel sie eine."

Der Aufruf beweist nur, daß es immer noch Menschen giebt, die für empfangene Ohrfeigen und Faustschläge sich ergebenst bedanken. Denn mit solchen Brüderlichkeiten haben die französischen Arbeiter ihredeutschen Arbeiterbrüder" aus den französischen Werkstätten hinausgejagt.

Das republikanische Puppenspiel, welches gegenwärtig in Paris über die Bretter geht, muß diesen BrüderlichkeitSrufern Herz und Kopf verwirrt haben, sonst würden sie schwerlich nach solchem Vorgehen der französischen Arbeiter sich vor diesen Brüdern auf den Bauch legen und in einem Augenblick für franzö­sische Interessen demonstriren, wo ihre deutschen Arbeiterbrüder durch französische Kugeln den Tod erlitten haben.

Wenn übrigen- deutsche und französische Arbeiter trotz der hemmenden Nationalität immernur Brüder" sind, so ist es doch offenbar ganz gleichgültig, ob die Arbeiter im Elsaß und Lothringen demnächst französisch oder deutsch sein werden. Wer jene Ansicht von der ewigen Bruderschaft vertritt, der schlägt seine eigene Idee vor den Kopf, wenn er die Frage, ob irgend ein LandeStheil diesem ober jenem Staate angehören wird, nur überhaupt einer Antwort würdigt.

Hat die Scham diese Brüderlichen nicht abgehalten, für Frankreich auf­zutreten, so hätte es wenigstens die Logik thun sollen. Aber die scheint auch zum Teufel gegangen zu sein, seitdem die Hoffnung aus deninternationalen