Angabe, daß dem Papste eine Civilliste von monatlich 52,000 Scudi angewiesen sei und derselbe die erste Zahlung bereits angenommen habe, nur mi Vorbehalt wieder. Allerdings herrscht glaubwürdigen Berichten zufolge am päplichen Hofe großer Geldmangel, aber auf der anderen Seite wird auf nicht miver glaubwürdige Weise versichert und durch die jüngsten Kundgebungen der Crie authentisch bestätigt, daß Pius IX. und die Personen, welche vorzugsweij sein Vertrauen genießen, von einer Transaction mit der italienischen Regieung nichts wissen wollen. So erzählt ein Correspondent der „Köln. Ztg.", dq ihm von einem beständig in der Nähe Sr. Heiligkeit verweilenden Beamten dS Vatikans ganz kürzlich auf die Bemerkung, daß vor der gewaltsamen Einnahm der Sradt gewiß von der italienischen Regierung die weitgehendsten Concessionen zu erlangen gewesen wären, die Antwort zu Theil wurde: „Wir würden die Ächtung der ganzen Christenheit verscherzt haben, wenn wir mit Räubern und Dieben in Unterhandlung getreten wären." Dergleichen Aeußerungen lassen licht eien aus eine versöhnliche Stimmung schließen. Dem Gewährsmann der „Köln. Ztg." zufolge wären mehrere früher über die Vorgänge am päpstlichen Hof gemachte Angaben zu berichtigen. Der heilige Vater, sagt der erwähnte Corrqponoent, hat noch mit keinem Schritte den Vatikan verlassen. Alles, was von feiner Spazierfahrt vor der Porta Cavalleggieri oder seinem Besuche im Hospial St. Spirito in hiesigen Blättern erzählt wurde, ist eitel Erfindung. Zuwilen macht er einen Spaziergang durch die Gärten des Vatikans. Daß der Pcpst Rom bald verlassen wird, ist für die Personen aus seiner gewöhnlichen Ungebung eine ausgemachte Sache, die Schwierigkeit ist nur die, ein passendes Ayl zu finden. Da dem heiligen Vater der Aufenthalt in einem geheizten Zimner unerträglich ist, so ist nicht daran zu denken, daß er eine Zuflucht in einem Lmde mit kälterem Klima, als es in Italien herrscht, suchen werde. Man schritt am meisten Oie Balkarischen Inseln oder Corsica in's Auge gefaßt zu haben. Laß General Cadorna direkt mit Dem heiligen Vater oder auch nur mit AnUnelli verhandelt habe, ist absolut unwahr. Der Ideen-Austausch, wo ein solche- nöthig scheint, geschieht vielmehr durch Vermittelung der Vertreter anderer Mächte. Auch daß Carvinal^Antonelli seiner Staatskanzlerschaft entsagt habe, wird von gut unterrichteter Seite in Abrede gestellt.
Das Gesammtresultat der Volksabstimmung über Anschluß des römischen Territoriums an das Königreich Italien ergiebt dasselbe Verhältniß zwischen den zustimmenden und widersprechenden Voten, welches sich gleich bei den ersten An- grben über partielle Ergebnisse herausgestellt hatte. Die Zahl der ersteren beläuft sich beinahe auf das Hundertfache der letzteren, indem 135,291 Personen mit Ja, 1507 mit Nein stimmten. Die Betheiligung an der Abstimmung war eine sehr lebhafte.
Florentiner Nachrichten zufolge bestätigt cs sich, daß die Parlamentswahlen in den römischen Provinzen in den nächsten Tagen ausgeschrieben werden sollen, so daß die Abgeordneten derselben an der Berathung über die Frage wegen der Hauptstadt werden Antheil nehmen können. Der König Victor Emanuel wird anläßlich der Uebergabe des Plebiscits eine umfassende Amnestie erlassen.
Kriegsnachrichterr.
Versailles, 9. Octbr. (Offieiell.) Eine Escadron des 16. Husarenregiments ist in der Nacht vom 7. auf den 8. d durch Verra'therei der Bewohner von Ablis überfallen worden. Der Ort ist zur Strafe nieoergebrannk. Von der Loire vorgegangene größere feindliche Abtheilungen wurden am 9. von preußischen und bayerischen Truppen südlich von EtampeS gesprengt. Die gestobenen Be- wohnec der nördlich von Paris gelegenen Ortschaften kehren in ihre Dörfer zurück. v. Podbielski.
Ein Telegramm des commandirenden Generals des 10. ArmeecorpS, von Voigts - Rhetz, an das stellvertretende Generalkommando in Hannover meldet: „Das 10. Corps hat gestern im Verein mit anderen Truppen einen Ausfall sieg- reich zurückgeschlagen. Hauptsächlich betheiligt war die 38. Brigade; sie hat verloren : Oberst Dorsche verwundet, Lieutenant Kalbacher verwundet, Hauptmann Hohenhausen leicht verwundet, Hauptmann Thorbeck verwundet. Verlust an Mannschaften ist nicht zu übersehen. Die übrigen Truppen 10. Corps haben wenig oder gar nicht gelitten."
Die „Times" hat folgende Depesche aus Berlin, 8. October: „Mehrere Batterieen von schwerem Belagerungsgeschütz sind auf den Höhen zwischen Sö- vres, Saint-Cloud und Bougival aufgestellt. Zu Saint-Cloud bedroht eine Mörserbatterie die Champs-Elysees, die Avenue de l'Imperatrice und das Quartier Haußmann. Die Redoute Villejuif, die von den Forts vor Bicölre und Fory beherrscht wird, ist deutschersitts verlassen und von den Franzosen wieder besetzt worden. Paris wird wahrscheinlich zur Uebergabe aufgeforvert, bevor das Bomvardement beginnt. Verdun wird belagert. Die Garnison ist 4000 Mann stark."
Karlsruhe, 9. Oct. Die französischen Truppen, welchen die badische Brigade unter Generalmajor v. Degenfeld am 6. d. bei Le Menil (Dep. der Vogesen) ein siegreiches Gefecht lieferte, scheinen zu der Lyoner Armee gehört zu haben, welche zwischen Belfort und Lungres bis Epina! vorgeschoben sein sollte. Da diese Armee nach der Mittheilung eines den Franzosen nicht ungünstigen Correspondenten eines Wiener Blattes vor einigen Tagen kaum mehr als 20,000 Mann zählte, so müßte man annehmen, daß es die badische Brigade sogar mit dem beträchtlichsten Theile derselben (circa 14,000 Mann) zu thun gehabt habe. Jedenfalls trat ihr ein organisirtes Corps entgegen. Auffallend ist nach den bis jetzt eingetroffenen Nachrichten über dieses Gefecht der Umstand, daß Vie Mehrzahl der Gefangenen Linie ist. Leider ist der diesseitige Verlust im Verhältniß zu der Zahl unserer Truppen sehr beträchtlich. Als schwer oder gar tödtlich verwundet nennt man den Obersten Müller vom 3. Regiment, das oie Hauptangriffe dcS Feindes ausgehalten und abgewiesen und daher am meisten gelitten bat, während das 1. Leib-Grenadicrregiment durch einen geschickten Flankenmarsch Niederlage und Diroute des Feindes entschieden zu haben scheint. Gefallen ist auch em junger Ritter des eisernen Kreuzes, Lieutenant v. Stipplein, der sich vor Straßburg bei der Wegnahme der drei Kanonen ausgezeichnet hat. Verwundet sind Oberstlieutenant v. Khurn (vom 3. Regiment); ferner ein weiterer Ritter des eisernen Kreuzes, Hauptmann Kappler, und von einem Bataillon fast alle Hauptleute. Bei ihrem Marsche durch die Vogesen scheint die Brigade keinem ernsteren Widerstande begegnet zu sein. Nur am 4. d. wurden bei Plaine, in der Nähe von Senones, einige Mann vom 3. Infanterieregiment verwundet. Da diese Brigade zu dem neugebilveten 14. Armeecorps gehört , so hat sie, wie man steht, die Aufgabe dieses Corps rühmlichst eröffnet.
(Fr. I.)
Nach dem Correspondenten der Times vor Metz soll Prinz Friedrich Karl । unwohl sein. Die Krankheit wird als ein Ruhranfall bezeichnet.
Versailles, 8. Oct. Gestern machte (wie bereits gemeldet) die gesammte Besatzung von Metz, einschließlich der Garde, einen Ausfall nach Norden aus beiden Usern der Mosel. Ihr Angriff auf alle verschanzten Stellungen der deut- eben Truppen wurde abgewiesen und sie kehrten mit einem Verlust von circa 2500 Mann in die Festung zurück. Unser Verlust wird auf 600 Mann ver- anschlagt.
Daß mitunter die Ausfälle allerdings eine ziemlich harmlose Veranlassung haben, darüber entnimmt die „Nat. Ztg." einem Officiersbrief vom 1. d. Ä. olgende Mittheilung: „Wenn es nicht so blutig ernst wäre, dann müßte man — heißt es daselbst — über die Veranlassung zu derartigen Kämpfen lachen. , Das 9. Jägerbataillon hat, ans Vorposten liegend, eine Waldspitze besetzt, einige 100 Schritt vis-ä-vis befinden sich die Vorposten der Franzosen, beide von einander durch freies Feld getrennt, so daß unsere Jäger im Walde gedeckt stehen, die Franzosen aber, sobald sie sich aus ihrer Schanze herausrühren, sehr leicht beschossen werden können. Die Vorposten lebten nun eine Zeit lang ganz gemüthlich mit einander und zwar so, daß beide ohne Waffen auf dem dazwischen liegenden Felde Kartoffeln zusammen ausgruben. Da stahl ein Franzose einem Jäger eine Kaffeemaschine und sofort war nun der Krieg erklärt: kein Franzose durfte sich mehr hervorwagen, so traf ihn unfehlbar die Kugel eines Jägers. Da dies den Franzosen unangenehm war und sie auch das Kartoffelfeld mit seinen Früchten nicht missen wollten, so versuchten sie heute früh mit aller Macht, in einem starken Ausfall die Jäger aus der Waldspihe herauszutreiben, was ihnen aber nicht gelang. Indessen war das die Ursache eines fünfstündigen Kampfes mit obligatorischem schwerem Geschützfeuer, in welchem auch andere Truppentheile hineingezogen wurden.
Immerhin scheinen diese fortgesetzten Ausfälle doch anzudeuten, daß der Zustand der in Metz eingeschlossenen Armee anfängt, mißlicher zu werden.
Altbreisach/ 8. Oct. Gestern Abend halb 9 Uhr hat die Beschießung von Neubreisach, und zwar von Süden, Westen und Norden, begonnen. Um halb 12 Uhr Nachts wurde das Feuer eingestellt, um heute Vormittag halb 8 Uhr wieder zu beginnen. Heute um 11 Uhr haben die Bewohner in großer Anzahl die Stadt verlassen. Das gestern Abend auf die Beschießung ausgebrochene Feuer erstreckt sich auf einen großen Theil des südöstlichen Stadttheils.
Brüssel, 8. Oct. Aus den heute in Tours eingegangenen telegraphischen * Depeschcn ist zu entnehmen, daß auch dort seit dem 3. Oktober keinerlei Pariser Mittheilungen eingetroffen sind. Der Cern rungsgürtel um Paris ist undurch- dringbar.
Lille, 9. Oct. Der Luftballon, worin Gambetta sich befand, von Radar oirigirt, halte beinahe die preußischen Linien erreicht und wurde von preußischen Geschossen getroffen. Gambetta wurde durch das Platzen einer Granate an der Hand verwundet.
Was sich auf die neuzubildende Armee bei Straßburg bezieht, läßt sich folgendermaßen zusammenfaffen: Das badische Corps von 24,000, die zwei preußischen Landwehrdivisionen von 20,000 Mann, welche Truppencorps Straßburg cernirten, das im Anmarsch begriffene Corps Vogel's v. Falckenstein, 54,000 Mann stark, und rin bayrisches Corps von 25,000 Mann geben zusammen 114,000 Mann, wovon 90,000 streitbar. Da von dieser Armee 20,000 Mann Landwehr in Straßburg zurückbleiben und 24,000 Badenser nach Paris marschi- ren sollen, blieben für den Marsch über Belfort nach Lyon 70,000 Mann übrig, die vollständig genügen dürften.
Einem Bericht des „Schw. M." aus Straßburg, 6. d., entnehmen wir folgende Notiz: „Die Bank ist von der preußischen Behörde besetzt; man hatte, wie es heißt, Anfangs einen Baarvorrath von nur einigen Millionen angegeben, doch wären gestern mehr als 10 Millionen in den Kellern versteckt gefunden worden."
General v. Werder hat am 4. d. den Straßburger Armen 50 Ochsen geschenkt und heute mit der Vertheilung der in den bombenfesten Kellern des Prä- fecturgebäudcs aufgefundenen Vorrathe begonnen; zunächst sind 800 Säcke Reis den Bedürftigen überliefert worden. (H. Z.)
Nach der „Karler. Z." sind in Straßburg außer 1070 Kanonen u. A. 12,000 Chaffepotgewehre, 6000 Centner Munition und 50 Eisenbahn-Locomo- tiven gefunden worden.
Aus Straßburg hat der bekannte Statistiker Geh. Rath Engel aus Berlin, der in höherem Auftrage dahin ging, um die Verhältnisse zu prüfen, nähere Mittheilungen nach Heidelberg gebracht. Danach sind über 400 Häuser abgebrannt oder gänzlich zerstört, 8000 bis 10,000 Menschen obdachlos, nicht weniger als 1700 todte oder verwundete Civttp rsonen, worunter 56 Mitglieder der Feuerwehr. Der Verlust an liegendem und fahrendem Gut wird auf 180 Mil« Honen Francs geschätzt. Ganz besonders hat auch der protestantische Theil gelitten, der üoerdem seiner deutschen Gesinnung wegen vielfachen Verdächtigungen und Kränkungen ausgesetzt war.
Aus Oberhessen. Die Bahnstrecke Alsfeld-Lauterbach soll am 29. d. M. eröffnet werden; dagegen wird die Linie Gießen-Fulda erst im nächsten Jahre vollendet sein, indem bei dem Bahnbau zwischen Lauterbach und Fulda sich unerwartete Schwierigkeiten ergeben haben.
Berlin, 8. Oct. Der „Staatsanzelger" bezeichnet die Nachricht, der König habe unterm 8. September einen Brief an den Papst gerichtet, in welchem der Wunsch des Letzter« nach einer Intervention ablehnend beantwortet sei, für dichtet. Seit dem Briefe des Papstes vom 22. Juli und der Antwort des Königs vom 30. Juli hat keinerlei Correspondenz zwischen den beiden Souveränen stattgefunden.
Berlin, 9. Oct. Eine Versammlung von Katholiken hat etnstimmig beschlossen, eine Adresse an den König zu richten, welche denselben bittet, dem Papste in seiner jetzigen Bedrängniß zu helfen.
Berlin, 9. Oct. Wie man hört, werden von den einzelnen ArmeecorpS Listen der Verwundeten und Erkrankten aus ihren resp. Bezirken, soweit diese t Kranken in Feldlazarethen aufgenommen sind, angesertigt. Die Listen werden außer dem Namen den Truppentheil und Heimathsort des Kranken, die Angaben, ob tr leicht, schwer verwundet, ob innerlich krank ist u. s. w. enthalten. Auch wird Auskunft über den Aufenthalt darin gegeben werden.
Berlin, 9. Oct. Die „Grenzboten" schreiben in ihrem jüngsten Kriegs« berichte aus Frankreich: „Die provisorische Regierung hat aus frevelhaftem Ueber- muth den Krieg der Bürger und Bauern gegen die feindlichen Heere procla-
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