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BörsenDachrichten.
10. October 1870.
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mitt. Dieser Act hat denn auch in einem Theile Frankreichs zur Bildung von > Banden geführt, welche, halb Patrioten, halb Räuber, unseren Heeren hier und da lästig werden. Es sind einige Feldjäger und einige Postillone abgeschossen : worben, eö sind Wagen mit Verwundeten und Proviant, sogar eine Colonne von Proviantwagen aufgehoben, es sind klein-re Detachements überfallen und gefangen; । man hat aus Häusern und Hecken auf durchziehende oder gar auf kämpfende Truppen geschossen, hat sogar Verwundete und Einquartierte gemeuchelt und einige i Mal scheußlich verstümmelt. Dafür sind durch unser Ober-Kornrnanvo oder unsere . Soldaten den Thätern etwa folgende Strafen aufgelegt worden: Außer 250 Fl. Champagner (für den Schuß beim Eintritt in Reims) in Summa etwa 3,000,000 Frcs. Kontribution, 20—30 einzelne Häuser niedergerissen, 20—30 ganze Dörfer i angezündet und niedergebrannt, 150—200 Bauern erschossen oder verbrannt, dazu < auch Weiber und Kinder, welche sich an Morbthaten betheiligt hatten." Traurige Nothwendigkeitcn des Krieges! Um so gerechtfertigter ist die Sehnsucht der Völker, i daß der Friede endlich der normale Zustand werde.
Berlin, 10. Oct. Die Königin reist heule Abend nach Homburg ab. — ■ Die königliche Regierung hat mehreren Kabinetten eine Denkschrift wittheilen lassen, in welcher die Ueberzeugung ausgesprochen wird, daß die Hauptstadt ' Frankreichs über kurz oder lang fallen muß. Wird der Zeitpunkt solange ' hinausgeschoben, bis drohender Mangel der Lebensmittel zur Kapitulation zwingt, so müssen schreckenerregende Konsequenzen entstehen. Der deutschen Armeeführung ist es in diesem Falle unmöglich, eine Bevölkerung von zwei Millionen nur einen einzigen Tag mit Lebensmitteln zu versehen. Die Umgegend von Paris bietet i alsdann, da deren Bestände für die diesseitigen Truppen gebraucht werden, auf viele Tagmärsche eben so wenig HülfSmittel. Es ist daher den Bewohnern nicht zu gestatten, Paris auf Landwegen zu verlassen. Die unausbleibliche Folge hiervon ist, daß Hunderttausenve dem Hungertode verfallen. Der deutschen Armee- führung bleibe nichts übrig, als den Kampf vurchzuführen. Wollen die französischen Machthaber es zu einem Extrem kommen lassen, so sind sie für die Folgen verantwortlich.
Essen. Hr. A. Krupp, Besitzer der Gußstahlfabrik bei Essen, hatte, nachdem er schon früher dem Eeütralbepot 10,000 Thlr. zur Verfügung gestellt, durch das Letztere einen Zug mit diversem Werthe von 10,000 Thlr. für die. Armee des Kronprinzen von Preußen expediren lassen, der am 26. «September . adging! Die diesem Zuge beigegebenen Herren Dclegirten telegraphirten von Rauteuil an Hrn. Kr., daß das Gardecorps Roth leide, und baten um Ermach- - tigung, die Sendung dem Garvecorps zu übergeben. Dies ist gern zugestanven, ( gleichzeitig wurde jedoch dem Kentral-Komüe eine Summe von 15,000 Thlrn. durch Hrn. Krupp zugestellt, für eine neue Sendung an die Armee des Kron- . Prinzen von Preußen! Wir vernehmen tiefe im höchsten Grade erfreulichen Mit- . theilungcn mit einer gleichzeitig aus Essen anlangenden Privatmelvung, daß Hr. Krupp daselbst Privat-Lazarethe in splendidester Form errichtete, welche einem ansehnlichen Truppentheile eine willkommene Unterkunft und vortreffliche Pflege (auf Kosten des Hrn. Krupp) gewähren.
Stettin, 8. Oct. Seitens des Bundeskanzlers ist bei dem hiesigen Magistrat durch den Ober-Präsidenten die Anfrage eingegangen, wie viel Kontributionen in den Kriegen im Anfänge dieses Jahrhunderts Seitens der Franzosen von der Stadt Stettin erhoben sind. Aehnliche Recherchen werden in allen Provinzen und Städten des preußischen Staates angestellt. (Osts.-Ztg.)
Hamburg, 8. Oct. Die Börsenhalle meldet: „Drei Lotsenschiffe, eine Lotsen-Galiote, sowie die zwei äußeren Feuerschiffe, sind nach Cuxhaven abgegangen."
Celle, 7. Oct. Der „Z. f. R." schreibt man: „Am 7. März d. I. wurde hier „der Platz im Kreise", auf welchem das Langensalza-Denkmal gestanden hatte, vom Militär in Besitz genommen. Es fanden darauf Exercttien statt und zwei Posten sind auch heute noch dort aufgestellt. Gegen diest Besitznahme erhob der in der Angelegenheit bereits vielfach genannte Kaufmann Winzitt, einer der Anlieger des Platzes, eine Klage beim hiesigen Amtsgerichte. Dieselbe kam vor acht Tagen zur Verhandlung und ging das heute publicirte mehrere Bogen lange Urtheil des Oberamtsrichters v. Bülow dahin, daß der Beklagte (der Ml° ütäifiscus, vertreten durch die Intendantur des 10. Armee-Corps) den Platz räumen und dem Kläger den erwachsenen Schaden, sowie die Proccßkosten, ei-
Vermischtes.
Dem letzten hier eingetroffenen Pariser „Figaro" entnehmen wir folgenden „Une con- cession aux Prussiens“ überschriebenen, von Hrn. Philipp Gille unterzeichneten Artikel: „Wir haben ein aus ernsthaften Leuten gebildetes Eomite niedergesetzt, welches sich in diesem Augenblick keiner anderen Beschäftigung hingiebt, als der, ein schönes, wohlgelegenes, em wenig ländliches Grundstück ausfindig zu machen, in welchem man die 400.000 Preußen, die unter unseren Mauern ihren Tod finden werden, begraben könne. Allerdings wird die Ausgabe iur diesen Zweck beträchtlich sein; aber wenn unsere Subscribenten bedenken wollen, daß, wenn man zehn Preußen vlatt einen über den andern legt, das Ganze kaum 3 Meter hoch ist (bei einee Dicke von 30 Centime daß ferner die Länge eines Fußsoldaten mit Jnbegiiff der Pickelhaube 2 Meter 8 Centm. beträgt wird man erkennen, daß das Eapital der Auslagen nichts sehr Beunruhigendes hat- Der Wunsch des Comites, das sich bereits mit dem nöthizen Kalk, Chlor und Schwefelsäure versehen hat, geht dahin, daß dies Grundstück sobald als möglich eröffnet werden könne, denn man sat die Bemerkung gemacht, daß der Preuße, kaum verstorben, gebieterisch nach Beerdigung verlangt Das ist übrigens eine ganz zu entschuldigende Neigung, und ist eS nicht unsere Pflicht, unsere Feinde selbst mit ihren Fehlern zu lieben ? Folglich appelliren wir hiermit an den Geschmack aller französischen oder fremden Künstler, welche uns die Skizze emeS Grabdenkmals und des Gitters welches dasselbe umgeben soll, einsenden wollten. Wir wollen kein prunkendes Denkmal. Nein ein einfaches aber dauerndes; keine vergoldeten Stäbe, noch nichtssagende Ornamente — nur das Comfortable! Ohne übrigens den Intentionen der Künstler vorgreifen zu wollen, erlauben wir uns, ihnen zu befehlen, hie und da im Gitter einige zierliche Arabesken nut Jet hübschen preußischen Pickelhaube anbringen zu wollen u. s.w." (F- 3 )
ihrer Mitglieder, sämrntliche religiöse Korporationen aufzuheben. L« — jevoch beschlossen, es sei dieser Act überflüssig, ta in Folge der Volksabstimmung Rom zu Italien komme und damit die dort geltenden Gesetze auch hier in Wirkung träten. Damit ist sohin im Grundsatz die Aufhebung aller Klöster unv geistlchen Genossenschaften in Rom ausgesprochen, ein Act, wodurch der itatienr scheu Regierung viele, viele Millionen an Werth zufließen, denn der Reichthum der ii Rom bestehenden Klöster an Grund und Boden und an Kostbarkeiten ist
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außevrdentlich. (Aschaffenb. Ztg.)
Lucca, 9. Oct. Eine Privatdepesche der „Borsen-Zeitung" meldet: „Der Anklajesenat des Appellhofes hat beschlossen, Mazzini und 114 Komplicen wegen, auf den Umsturz der Regierung und Veränderung der Regierungsform abzieltzider Konspiration in Anklagestand zu versetzen."
London, 9. Oct. Glaubhafte französische Berichte melden: Die provisorische Negierung in Paris hat durch Decret vom 1. October, welches von allen Mitgliedern unterzeichnet ist, die Verordnung der Delegation von TourS vom 29. Septembtr, welche die Wahlen zur Konstituante auf den 16. October vorschreibt, als im Widerspruche mit dem Erlasse der Pariser Regierung aufgehoben, alle entgegenflehenden Verordnungen und Unternehmungen für null und nichtig erklärt und bsiimmt, daß die Vertagung der allgemeinen Wahlen aufrecht er* halten bleibe, bis die Wahlen auf dem gesummten Gebiete der Republik unge- hindert vorgeiommen werden können.
Londot, 8. Oct. Ein Privattelegramm der Wiener „Presse" bringt folgende Mitthkilung von Friedensverhandlungen: „Die amerikanischen Gesandten stort Lyons, Burnsive und Washburne vermitteln, jedoch nicht gemeinsam, auch letztere nicht im ausdrücklichen Auftrage des Washingtoner Kabinets, zwischen den Kriegfi'hrenven. Die „Regierung der Landesvertheidigung" hat die schwierigste Bedingung, eine Gränzberichtigung, im Prinzip zugelassen, bis jetzt aber nur die Lnie Forbach-Weißenvurg-Hagenau und zwar nur in so weit, als diese Bedingung der Konstituante zur Genehmigung vorgelegt werden soll.
Athen, 1. Oct. Die Gränzprovinzen sind durch eingebrochene Näuber- banden wieder unsicher gemacht.
Washington, 8. Oct. Kabeltelegramm. Wie es heißt, wird der Staats- secretär Fish demnächst eine Proclamation erlassen, durch welche den Schiffen der kriegführenden Äl!ächte verboten wird, amerikanische Häfen als Observations- vuncte für den Abgang von Schiffen und zur Empfangnahme von Kriegsmaterial zu benutzen. Den betreffenden Schiffen soll nur ein 24 stündiger Aufenthalt in den Häfen gestattet werden, der nur zu verlängern ist, wenn Reparaturen erforderlich sind. L m , ,,
Washington, 9. Oct. Kabeltelegramm. Die angekundigte Proclamation des Präsidenten ist erschienen. Dieselbe verbietet den Schiffen der kriegführenden Mächte, in den Häfen der Union Kriegsmaterial zu verladen oder sonstige Kriegszwecke zu verfolgen, und gestattet den betreffenden Schiffen nur einen 24 stündigen Aufenthalt.
Telegraphische Depesche.
Versailles. 11. Oct. (Officiell.) Ein gemischtes Corps, aus Truppen der Armee des Kronprinzen bestehend, unter General v. d. Tann hat am 10. d. einen Theil der Loirearmee bei Orleans geschlagen. 1000 Gefangene und drei Geschütze erobert. Der Feind in regelloser Flucht.
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München, 10. Oct. Es verlautet mit Bestimmtheit, daß die diesseitige Regierung den Eintritt in den norddeutschen Bund von einem Separatvettrage abhängig macht, der die Ausnahmestellung Bayerns genau feststellt. ]
Wien 9 Oct. Die Morgenblätter wollen wissen, Thiers werde hier die , Ankunft des Generals Uhrich mit Depeschen seiner Regierung abwarten. Die Richtigkeit dieser Meldung wird bezweifelt , da General Uhnch in Folge der Straßburger Kapitulation verhindert ist, für die französische Regierung irgend welche Dienstleistung zu übernehmen.
Antwerpen 9. Del. Die hiesige Polizeibehörde hat auf einem nach Havre bestimmten Schiff 22 Kisten mit Munition eonfircirt.
9inm 5 Oct Am Tage »or dem Plebiscit kam es im Batican zu den hestiaften Äcenen. Der Pahst, von den Jesuiten aufgestacheit, hatte dm Ent- schinst g-sastt, am nächsten Tag- Rom zu verlassen, um nicht Zeuge der «chmaq der Pl?d «ci r s-i» zu müssen. Antonelli und Berard, hatten kaum hiervon ge- hört al« sie °f°« zum heiligen Bat.r ell.en und .hm die Sache auSzur.den suchten Nun kam es zwischen Antonelli und den J-su.ten zu einer sehr lebhaften Erörterung. Dtt Papst begab sich an grösztem Zorne in Begleitung zweier G istlichen in den Garten hinab und blieb lange Z-.t dort, ohne e,n Wort zu
Die Nacht darauf schloff er kein Auge und weinte bitterlich, mdiß c> öfters wiederholte: Bott strafe ihn, well er sich habe als unfehlbar erklären lassen. Dast er sich schon in den letzten Tagen sehr lebhaft mit dem Gedanken, Rom zu ^rlaffrn beschäftigt habe, kann nicht mehr bezweifelt werden, und " scheint sicher^ daff er sich mit der Anfrage an das Florentiner Cabinet gewendet, ob dasselbe seiner Reift durch das Königreich ein Hinderniff in den Weg legen wurde. W-lchc Antwort von dort, ja ob überhaupt eine solch- erfolgt, ist noch nicht de- fannt. Während man ab d-S Papste» künftigen Wohnsitz bald Antwerpen, bald Malta, bald eine bayrische Stadt nennen hörte, will man setzt wissen, der Kaiser Frani Joseph habe ihm die k. Residenz in Salzburg angeboten, und Pius werd, von diesem Anerbieten Gebrauch machen und nach Salzburg ubersieveln.
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Nom, 5. Oct. Dieser Tage hat, wie „Gazetta bei popolo" meloet, bie provisorische Regierung eine wichtige Frage verhandelt, nämlich den Antrag eines
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Bremen k. 3. 967/s Cöln k. 3. 1041/2 Hamburg k. 8. 88 Leipzig k. 8. IO41/2 London k. 8. 1187/g Lyon k. 8. — Paris k. 8. —
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