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unb daß der freie Staat und die freie Kirche trotz aller Verträge ihre Freiheit nur dazu benutzen, um sich gegenseitig so viel Abbruch zu thun, als nur irgend in ihren Kräften steht.

E» ist daher nicht zu verwundern, wenn der katholische Clerus in allen Ländern auf die Ereignisse in Rom mit der äußersten Besorgniß blickt und in die Regierungen dringt, einem Zustande Widerstand entgcgenzusetzen, der die Kirche von dem Willen des Königs von Italien abhängig zu machen droht- Es läßt sich indessen wohl bezweifeln, daß die Regierungen, selbst wenn sie den Willen dazu hätten, im Stande sein würden, die vollzogene Thatsache rückgängig zu machen. Ihre Thätigkeit wird sich auf den Versuch beschränken, einen befriedi­genden modus vivendi zwischen den beiden feindlichen Mächten herzustellen, was ihnen nach unserer Ueberzeugung nicht gelingen wird, da wir eine Vermittelung zwischen den sich hier gegenüberstehxnden Gegensätzen nicht für möglich halten. Entweder der König beherrscht den Papst, dann hört der Papst auf, eine univer­sale Macht zu sein; oder der König giebt, um das Recht zu haben, in Rom neben dem Papste zu residiren, der Eurie einen wesentlichen Theil seiner Hoheits- rechte Preis; damit würde wohl der katholische CleruS zufrieden sein, nicht aber Italien, das dann in einer Revolution das einzige Mittel sehen würbe, sich von einem unerträglichen Geistesdruck zu befreien.

Ein Rückgängigmachen dessen, was in Rom geschehen ist, halten wir für undenkbar; ebenso aber auch eine das bisherige Verhältnis der Kirche zu ihrem O'oerhaupte unangetastet lassende Ausgleichung auf Grund der vollendeten That­sache. Die einzige wirkliche Lösung würde in der Bildung von Nationalkirckeu bestehen, über die dem römischen Bischöfe höchstens ein Ehrenprimat zustände. Aber eine derartige Lösung kann sich nur langsam und schrittweise vollziehen. Italien aber bedarf einer raschen Lösung. Da aber eine solche unmöglich ist, so wird die Lage Victor Emanuels von Tag zu Tag bedenklicher werden. Den italienischen Staatsmännern ist eine der schwierigsten Aufgaben der Staats kunst zugefallen. Wo ist aber in Italien der Mann, der dieser Aufgabe ge­wachsen wäre?

Bismarck« Organ, dieR. A. Z." schreibt: Die französische provisorische Regierung bat den ihr angebotenen Waffenstillstand abgelehnt.

Die Kanonen werden nunmehr dieser Regierung unb demjenigen Theile des Volkes, welcher derselben freiwillig oder unfreiwillig folgt, die Vernunft predigen müssen, welche sich bisher vergeblich Eingang zu verschaffen gesucht hat.

Deutscherseits ist das Möglichste geschehen, der unglücklichen Hauptstadt Frankreichs die letzte Katastrophe zu ersparen, das Blut und der Fluch der Tausende, die unter derselben zu leiden haben werden, komme über das Haupt derer, die sich zu Machthabern Frankreichs aufgeworfen haben, ohne den Muth zu haben, der Situation in's Auge zu sehen unb die Conscquenzen berselben an­zunehmen.

Der Präfect der Rhone-Mündungen (Marseille), Delpech, hat nach Er­halten der Proclamation Gambetta's über den Fall von Metz ebenfalls eine ge­waltige Proklamation zum Besten gegeben. Derselbe drückt sich folgender­maßen aus:

Bürger! Als die Franzosen dieses Namens noch würdig waren, war das Wort Capitulation in ihrer Sprache nicht bekannt. Seit der düstere Mann von Seban über die Nation seinen verpesteten Hauch ausgehaucht hat, ertönt dieses den feigen Stützen des Kaiserreichs vertraute Worte in allen Depeschen. Metz vervollständigt Sedan; der Dieb von Mexico erreicht die Infamie des Mannes des Elisse (so heißt das Palais, wo der Louis Napoleon als Präsident bei der Ausführung des Staatsstreiches resivirte). Wo sind die Elenden, die wagen, sich Bonapartisten zu nennen? Wo sind die Verräther, die von einer Restauration träumen? Eine neue Aera eröffnete-sich in Frankreich; partielle Erfolge sagten große Siege voraus und heiterten den düsteren Horizont auf; aber der Mann von Sedan wachte; infame Mörder lauerten auf den Moment des Verrathes, um dem Enthusiasmus des erwachenden Volkes den Todesstoß zu geben. Bazaine hat die Stunde wahrgenommen; der Elende wartete, bis die Hoffnung nach Frankreich zurückkam; dann stieß er feig und vcrrätherisch den Dolch in das Herz aller Franzosen. Aber die Feiglinge unb die Verräther werben niemals wissen, welchen Widerstand ein männliches Volk leisten kann.... Man wird die unbesiegbare Revolution vorstnben, um jedes Hrnderniß zu beseitigen. Die unbe­zähmbare französische Nation hat den Abgrund ermessen und wird in sich die nölhige Kraft finden, um über ihn hinüberzukommen. Bürger! Die Nation sieht bei sich zwei Kategorien: Feiglinge unb Tapfere. Wer möchte zu den ersteren gehören? Ich will der zweiten angehören; ich reiche deshalb meine Demission ein und ergreife die Flinte; Ihr werdet Alle mit mir kommen. Wenn die Frauen und die Greise einem kampffähigen Manne begegn?», so werden sie entrüstet aus- rufen:Das ist ein Feigling!" Der Präfect der Rhone-Mündungen Delpech."

Es scheint, daß die Präfecten hinter Gambetta nicht zurückbleiben wollen.

Der erste Deutsche, welcher nach der Capitulation in die innere Stadt Metz eindrang, war Oberstabsarzt Dr. Böhm, Vorsteher des hessischen Feldlazareths in Ars an der Mosel, der über seinen gewagten Gangirr die Höhle des Löwen" einen interessanten Bericht an seine Familie in Offenbach gelangen ließ, den wir nach demFr. I." das Nachstehende entlehnen:Kaum war die Nachricht, daß die Uebcrgabe am 30. Oktober gegen 1 Uhr stattfindcn sollte, zu ihm gedrungen (unb dieses war erst kurz vor der bezeichneten Stunde geschehen), als sich Dr. Böhm, nur in Begleitung eines freiwilligen Civilarztes, nach Metz auf den Weg machte, um noch vor dem Einzug der deutschen Truppen in der Stadt zu sein. Um 11 Uhr Vormittags ging er von ArS ab und auf dem Eisenbahndamm, worauf bereits eine Lokomotive Probefahrten machte, auf die Festung zu, da auf keiner anderen Straße durch die Vorpostenkette hindurchzukommen war. Auf diesem Wege gesellten sich den beiden Acrztrn noch sieben Sanitatsleute zu, davon sechs aus Köln. Diese Alle, wie auch der Civilarzt, waren zweifelsohne durch die Genfer Binde gleichsam neutralisirt; nur Dr. Böhm war in Uniform. Er wurde denn auch während der ganzen Expedition für einenOfficier prussien ange­sehen. Nachdem Böhm und seine Begleiter mehrfach die Route wechseln mußten, gelang es ihnen endlich, an Schanze (nicht Fort) St. Privat vorbei, durch eine lange Vorstadt in die eigentliche Stadt bereinzukommen, wo ihnen sofort Damen mit abgehärmten Gesichtern und in Trauerkleidern auffielen. Ein buntes Gewühl von Soldaten aller Waffen und Grade erfüllte alle Straßen und Plätze, meist im Begriff, ihre Gewehre zusammenzustellcn. Ueberall erregte die Erscheinung de-preußischen Offiziers" und seiner Begleiter Sensation in den Gruppen, unb nicht die freundlichsten Blicke und Worte wurde ihnen nachgesandt.

Aus einer Gruppe von Offizieren vernahmen sie den Ausruf:Limprudent! der ganz offenbar Dr. Böhm galt. Auf der Place Royale fiel ihnen die aus

Eisenbahnwaggons gebildete Lazarethstabt auf. Al« Ziel ihrer Exkursion hatte sich unser Corpö die Kathedrale gesetzt, bi- zu deren Ps-rten sie jedoch nicht vor­zudringen vermochten, da der Platz ringsum völlig mit abgesctztrn Gewehren ver» stellt war. In einem Tabak-laden wurden Cigarren eingekaust, Hunger unb Durst wagte man jedoch durch Einkehr in einen der Gasthöfe nicht zu stillen. Auf andern Wegen und zu einem andern Thor heraus wurde dann der Rückzug an­getreten. Beim Heraustreten aus den Werken begegnete man bereits den zur Besetzung des Platzes vorrückenven deutschen Truppen, und bei Frescaty hielt an der Spitze seines Generalstabes und der tapferen Division Kummer Prinz Frie- drich Karl, vor dem die stolze französische Kaisergarde im Drfiliren die Waffen streckte."

Ueber den Verbleib der Infanterie der französischen regulären Feldarmee entnehmen wir demMilit. Wochenbl." folgende Angaben:

1. Die französische Infanterie bestand bei Ausbruch de- Krieges aus: 8 Garde-Infanterie-Regimentern, 1 Garde^Jägerbataillon, 100 Linien-Hnfanterie. Regimentern, 3 Zuaven-Regimentern, 20 Iägerbataillonen, 3 Bataillonen leichter französischer Infanterie, Fremden-Regiment, 3 Turcos-Regimentern.

2. Davon streckten bis zum 29. October die Waffen: 8 Garde-Infanterie- Regimenter, 1 Garde-Iägerbataillon, 94 Linien-Infanteric-Regimenter, 3 Zuaven- Regimenter, 20 Jägerbalaillone, 3 Turcos-Regimenter.

3. Es verbleiben in Frankreich (rxcl. der mit Hülfe der Depots gebildeten Neuformationen): 6 Linien-Infantcrie-Regimenter (davon waren 4 in Algier, 2 im Kirchenstaat), 3 Bataillone leichter französischer Infanterie, 1 Fremden-Regi- ment, beide in Algier.

Die oben erwähnten 4 Regimenter, welche bei Beginn des Krieges in Al- gier waren, befinden sich jetzt bei der Loire-Armee, die beiden Regimenter, ehe­mals im Kirchenstaat, sind in Paris. Die Streitkräfte, über welche außer den erwähnten Regimentern das Comitä de la döfense nationale an Linientruppen jetzt verfügt, sind gebildet aus den in Marschregimentern rc. zusammengezogenen Depottruppen, in welche zahlreiche junge Mannschaften ausgenommen wurden, so­wie die alten Leute, welche nach den früheren Gesetzen ihrer Militairpflicht bereits genügt, nunmehr aber durch ein neues Gesetz wieder zum Kriegsdienst gezwungen werdcn.

Kriegsnachrichten.

London, 8. Nov. DerTime«" zufolge wüd das Bombardement von Paris nicht vor vierzehn Taöen beginnen; König Wilhelm zögert, cs anzu- befehlen.

Brüssel, 8. Nov. DerEtoile belge" erhält aus Paris, d. d. 2 Nov., folgende Nachrichten per Ballonpost: Favre erließ am 2. Nov. ein die Wahlen betreffendes Dekret, worin er sagt, die Regierung beharre darauf, sich gegen die Einsetzung einer Commune ou-zusprechen, da eine solche nur zu Zerwürfnissen und Eifersucht unter den Behörden führen könne. Zahlreiche Deputationen von Offizieren der Nationalgarde haben sich bei der Regierung beschwert, daß sie von Seiten einiger Mitarbeiter desJournal officiel" fortwährend angegriffen würden. Da« Projekt, an die Stelle desJournal officiel" einBulletin officiel" zu setzen, welches lediglich die Verordnungen und Erlässe der Regierung enthalten soll, ge- winnt hierdurch an Wahrscheinlichkeit. Dem JournalLe TempS" ist von den Erstürmern des Stadthauses eine mit den im Stadthause gefundenen Hülssmitteln gefälschte Depesche zugekommen, welche die Unterschriften des Gouvernements von Tours trug, unb behauptete, General Cambriels habe in den Vogesenpässen 6000 Landwehrmänner vernichtet. Die Regierung erklärt imJournal officiel", daß sie demTempS" keine solche Depesche mitgetheilt habe. Jule- Favre ermahnt die Wähler, gegen ähnliche falsche Gerüchte auf der Hut zu sein, da die Druckformulare und Siegel der Regierung am 31. Oktober entwendet worden seien. Rochefort läßt durch denRappel" erklären, daß seine Demission ihren Grund in der Vertagung der Municipalwahlen habe, welche ohne sein Wissen unb gegen fein Versprechen an das Volk an den Straßenecken affichirt worden sei. -DerRappel ' bemerkt hierzu, daß Rochefort schon wiederholt seine Ent­lassung gegeben und dieselbe nur auf Bitten seiner Collegen, welche dieses revo­lutionäre und populäre Element nicht entbehren wollten, widerrufen habe. Dies­mal aber habe er sich ihrem Wortbruche nicht beigesellen wollen, sondern seine Abdankung auf den BerathungStisch niedergelegt unb das Stadthaus verlassen, ohne zu sagen, wohin er sich zurückziehe.

Genf, 8. Nov. Nachrichten aus Lyon zufolge begann die dortige Filiale der Bank von Frankreich mit der Uebersiedelung der Fonds nach Toulon. Der Maire von Lyon, Henon, hat in Tours wiederholt um Verstärkung der Besatzung gebeten.

Basel, 8. Nov. Das Corps Werder und die 4. Reservediviflon, die jetzt in Verbindung gegen Besanxon und Belfort operiren, bestehen aus etwa 60,000 bis 80,000 Mann. Das Hauptquartier der CernirungSarmee vor Belfort befindet sich im Schlosse des Herrn v. Saglio bei Senenans (südlich von Belfort am Flüßchen Savoureuse gelegen). Die allgemeine Furcht der Landbevölkerung, zu den Schanzarbeiten vor Belfort verwendet zu werden, ist es namentlich, was die Leute zur Flucht nach der Schweiz und in die Wälder und Grenzdörfer treibt. Die deutschen Truppen haben sich bei der Cernirung der günstigsten Position de« Salberts bemächtigt, eines kleinen Berges auf der l'nken Seite der Eisenbahn­linie nach Vesoul und auf dem linken Ufer der Savoureuse, die von Norden nach Süden bei Belfort vorbeifließt. Um 4 Uhr wurde ein Parlamentär gegen die Festung gesandt, um den Commandanten zur Uebergabe aufzufordern, im Ver« Weigerungsfälle würde man Tags darauf da« Bombardement beginnen. Oberst Denfert verweigerte die Uebergabe und ließ sofort die Dörfer VezeloiS und Chevremont (südöstlich von Belfort), wo sich die deutschen Truppen logirt hatten, in Brand stecken. Diese haben indessen das Feuer wieder gelöscht unb die Posi­tionen inne behalten. Am 5. haben die deutschen Truppen fünf Wagen mit Ver­wundeten durch Montreux-Vieux nach Lachapelle geführt. Vorgestern hörte man in Pruntrut eine Kanonade, sowohl von Montbeliorb als von Belfort her. (F. I.)

Aus Altbreisach vom 5. Nov. bringt terOberrh. Kur." folgende Mit­theilungen:Gestern Abend nach 8 Uhr brannte es in Neubreisach nur schwach, um 9 Uhr ging der Brand wieder an und dauerte die ganze Nacht fort und zwar in der Gegend vom Colmarer Thor. Um halb 3 Ubr Morgen« wurden wir in nicht geringeren Schrecken versetzt. Nachdem wir mit dem Brande vom Fort Mortier, welches jetzt noch raucht (3/49 Ubr), Gefahr für uns beseitigt und dasselbe todtgeschwiegen glaubten, kamen um 3/43 Uhr gegen 12 Brandbomben, zum Glück über die Stadt hinaus. Die Besatzung vom Fort hatte hinter dem­selben 34 Geschütze aufgerichtet, bald aber waren sie durch wohlgezielte« Schnell