greifen; der Feind wurde durch die Divisionen unter den Generallieutcnants von Barnekow und v. Rheinbaben vollständig zurückgeschlagen und unsere Kavallerie ist in seiner Verfolgung begriffen. Immer neue Regimenter und Jägerbataillone treffen ein und setzen, ohne zu rasten, ihren Marsch nach Frankreich fort. Die Zahl der Verwundeten, die hier eingebracht werden, ist sehr groß. Gefangene Franzosen wurden viele hier eingebracht. Dies bis zu dieser Stunde, i/26 Uhr, kurz gefaßt Alles, was wir beim Schluß des Blattes mittheilen können.
Ein weiterer Bericht vom 7. August dieses Blattes sagt: Als wir gestern gegen 5 Uhr unsere Zeitung zur Presse gaben, waren die Spicherer Höhen durch die braven preußischen Truppen genommen und zwar, wie uns von Augenzeugen berichtet wird, mit einem Muth, der jeden einzelnen Soldaten zum Helden machte. Der Kampf entspann sich etwa gegen 12 Ubr Mittags und dauerte ununterbrochen bis es Nacht geworden war und ihre Schatten erst einem Siegesringen ein Ende machten, mit dem das blutigste von Köm'ggrätz nach com- petentem Urtheil keinen Vergleich auszuhalten vermag. Die Action zu eröffnen war dem 39. Infanteric-Regiment beschieden und traten nach und nach das 74., 12., 77., 53., 40. und das 48. Jnfanterik'Regiment in dieselbe ein, sowie später noch die brandenburger Jäger und andere Bataillone, die wir mit Gewißheit zu bezeichnen noch nicht im Stande sind. Die Franzosen schlugen sich nicht minder brav als die Unserigen, ihre Schußwaffen sinb.vBl preußischen mindestens gleich und dabei befanden sie sich in verschanzter, schwer zu nehmender Stellung. Dreimal wurden die Preußen von ter mit aufopf<rnder Bravour genommenen ersten Bergerhöhung zurückgeschlagen und es war Zeit, daß neue Regimenter, Verstärkung bringend, auf dem Kampfplätze erschienen, denn der Feind sandte immer srilche Bataillone, die mit der Bahn eiligst herbeigeschafft wurden, in's Feuer. Endlich gelang es den Unsrigen, feste Stellung auf der ersten Bergerhöhung zu behacken und erst, als sie bi er mehrere Geschütze mühsam hinausbrachten, gelang es, den Bergrücken vom Feinde zu säubern und von der wichtigen Positit on unbestrittenen Besitz zu nehmen. — Ueber die Verluste ist noch nichts mit Bestimmcheit anzugebcn, nur das ist leider traurige Gewiß- Helt, daß sie auf beiden Seiten groß, sehr groß sein müssen. Den ganzen gestrigen Abend und die ganze Nacht hindurch, bis zu dieser Stunde, 11 Uhr Vormittags, reiht Wagen sich an Wagen, welche die Verwundeten von dem Schlachtfeld in unsere beiden Städte befördern; die Lazarethe, Hospitäler und die meisten Privatwohnungen sind mit Menschenopfern des Krieges angefüllt und noch weiß man nicht, wann die letzten eingebracht' werden. Die Zahl der Todten kennt man ebenfalls noch nicht; auch sie beziffert sich sehr hoch und die, weiche berufen sind, sie dem Mutterschooß der Erde einzuverleiben, werden eine lange traurige Arbettsschicht haben. — Vormittags 11 Uhr. Unsere Armee war heute Morgen schon bis hinter Cocheren vorgerückt. Unter den Todten auf unserer Seite befindet sich auch der Kommandeur de 27. Brigade, General v. Francois. Bereits^werben viele Särge in den Städten herumgetragen, uni Vie lchon gestorbenen Schwervcrwunceten zu begraben. Es wird bestätigt, daß die neunten Husaren das ganze Feldlager und Gepäck von zwei Divisionen erobert haben. Die Zahl der Verwundeten und Todten auf beiden Seiten wird annähcend auf 5000 geschätzt. Bis jetzt sind hier eingebracht circa 3000 Verwundete , darunter auch viele Franzosen.
Aus Paris, 8. Aug. Nachts, wirb telegraphirt: Eine neue Prcclamation der Minister wirb so e en an den Straßenecken angeschlagen. Dieselbe lautet: „Jetzt, Franzosen, haben wir Euch die volle Wahrheit gesagt, jetzt ist es an Euch, Eure Pflicht zu thun. Ein und derselbe Ruf wöge von allen Franzosen von einem Ende Frankreichs bis zum andern tönen! Möge das ganze Volk sich erheben in Hingebung, um den großen Kämpfen Stand zu halten! Einige unserer Regimenter sind unterlegen, unsere ganze Armee ist noch nicht besiegt, derselbe Hauch der Unerschrockenheit beseelt sie noch immer! Setzen wir der jetzt von glücklichem Erfolge begleiteten Kühnheit des Gegners, die Zähigkeit entgegen, welche die Geschicke beherrscht; ziehen wir uns auf uns selbst zurück und mögen die „Eroberer" gegen einen Wall von menschlichen Leibern anstür- wen. Wie es 1792 und wie es bei Scbastopol gewesen, so mögen auch jetzt unsere Niederlagen nur nne Schule zum Siege sein. Es wäre kin Verbrechen, auch nur einen Augenblick an der Wohlfahrt des Vaterlandes zu verzweifeln, und noch mehr, nicht zu derselben beizutragen. Bleibt aufrecht also! Aufrecht! Und ihr Einwohner des Centrums, des Nordens unb des Südens, auf denen nicht die Bürde des Kriege lastet, eilet mit einmütyigem Elan euren Brüdern im Osten zu Hülfe! Möge Frankreich, das in Erfolgen einig gewesen, noch einiger fein in der Zeit der Prüfungen. Gott segne unsere Waffen!"
Es geht uns, schreibt die „KarlSr. Ztg.," Die zuverlässige Nachricht zu, daß mit Beschleunigung und großem Aufwand von Kräften an der Erweiterung der Festungswerke von Belfort und der Armirung der Festung gearbeitet wirb, daß Die Truppenbewegungen durch Belfort, von Süd nach Norv, fortdauern, daß in den ersten Tagen dieses Monats in und um Belfort 10- bis 15,000 Mann, darunter aus Rom kommende Abtheilungen, versammelt waren. Von der Mobilgarde des Departements du Haut Rhin, welche in Stärke von^3800 Mann um Belfort vereinigt ist, sind fast nur die Officiere equipirt. Die Infanterie des Corps des Marschalls Canrobert besteht in der Hauptsache nur aus vierten (Depot-) Bataillonen, und diese gleichfalls um Belfort vereinigten Bataillone sind kaum je 200 Mann stark.
„Daily News" geht tine Meldung ihres Correspondenten aus Cherbourg zu, wonach es den Franzosen an der Zahl der erforderlichen Transportschiffe fehlt. Zum Transport von 50,000 Mann sind mindestens 120 Transportschiffe erforderlich, es sind jecoch höchstens 22 disponibel.
Berlin, 8. August. Die „Nordb. Allg. Ztg." schreibt: Während Süb- deutschlanv den Drohungen und Schmeicheleien widerstand und sich als Bundesgenosse treu erwies, spricht die Volksstimme Norddeutschlanbs viel weniger davon, welche Vortheile Preußen aus dem Kriege erwachsen werden, als davon, wie Süvveutschland am besten seine Treue und Aufopfeiung zu lohnen ist.
Berlin, 9. August. Pariser Nachrichten, welche an die hiesige Negierung und an große Bankhäuser in London abgegangen sind, lauten sehr alar- mirend vnv lassen Revolution befürchten.
London, 8. Aua. Die Siegesnachrichten aus Deutschland, welche der Botschafter VeS Norddeutschen Bundes, Graf Bernstorff, sofort veröffentlichte, haben in allen Kreisen der Bevölkerung Die freudigste Erregung hervorgerufen.
Florenz, 4. Aug. Acht Panzerschiffe, wovon drei schon vollkommen
ausgerüstet, gehen nach Civitavecchia zur Sicherung der Regierung und des Landes gegen einen Handstreich von der Seeseite.
Florenz, 4. Aug. Viterbo ist von den Franzosen geräumt worden. Morgen wirb Der Rest der Division eingeschifft. (Allg. Ztg.)
Neapel, 4. Aug. Der Cordon an dcn Gränzen dcs Kirchenstaates wird auf 40,000 Mann gebracht. Das 45. und 49. Infanterie-Regiment sind Dort eingetroffen und Die Militär-Divisionen von Chieti und Neapel Dorthin in Bewegung. (Allg. Ztg.)
Rom, 6. Aug. Die Räumung des Kirchenstaates seitens der französischen Truppen hat begonnen. Dieselben werben in Civitavecchia hastig eingeschifft. Dieser Hafen sowie Viterbo haben bereits päpstliche Besatzung. (W. T.B.)
Athen, 30. Juli. Die im Piräus befindlichen englischen Kriegsschiffe sind auf telegraphischen Befehl nach Malta abgegangen. Der König ist nach Corfu abgereist.
Ofstcielle militärische Nachrichten.
Saarbrücken, Dienstag, 9. August, 11 Uhr 45 Min. Nachts, angekommen 2 Uhr 30 Min. Morgens den 10. August.
An General von Hanenfeldt.
Das Gefecht am 6. August bei Spicheren unweit Saarbrücken hatte größere Dimensionen und Resultate, als bekannt gewesen. Das französische Corps Frossard ist in demselben fast gänzlich aufgelöst worden; die Verluste desselben an Todten und Verwundeten sind außerordentlich bedeutend. Das Lager der Division und verschiedene bedeutende Magazine sind genommen, außerdem eine sehr große Anzahl Gefangene sind eingebracht, deren Zahl sich noch stündlich vermehrt; bis jetzt bereits über 2000. Aber auch der diesseitige Verlust bedeutend; bei der 5. Division allein circa 1800 Mann.
Die französische Armee weicht auf allen Punkten zurück.
St. Avold ist von diesseitigen Truppen besetzt. Patrouillen streifen bis 2 Meilen vor Metz.
Sonst am 9. bis jetzt nichts von Belang gemeldet.
gez. v. Podbielski.
Das Elsaß, bas augenblicklich ben Kriegsschauplatz bilDet, gehörte bekanntlich bis zum westfälischen Fricbcn zum Deutschen Reiche. Damals trat der Sohn bes Erzherzogs Leopolb, Der 1625 Die Lonbgrafschast Oberelsaß nebst Tyrol unD Den Übrigen Vorlauben von Oesterreich als abgesondertes Besitzthum erhielt, sein elsässisches Eigenthum gegen eine Enkscbavigung von 3 Millionen Francs an Frankreich ab. Was von Dem Nieberelsaß noch beim Reiche blieb, wurDe mit Der Wegnahme Straßburgs Durch LuDwig XIV. nebst dem Spciergau bis zur Oueich Die Beute Frankreichs unb im Ryswicker FrieDen von 1697 als Dessen Besitzthum bestätigt. Nur einige wenige Gebiete behielten noch Reichs- ftanDschaft unD würben erst Durch Die französische Revolution incorporirt. Der Theil des Sveiergaus, welcher im Norden Der Lauter liegt, wurde 1815 von Frankreich zurückgegeben und gehört feiteem bekanntlich zur bayerischen Pfalz. Das Elsaß bilDet gegenwärtig Die beiden französischen Departements Ober- unD Niederrhein mit 157 Q.-Meilen und 1,093,376 Einwohnern. Im Westen wird es durch die Vogesen und Lothringen getrennt, baS gleichfalls früher zu Deutschland gehörte und jetzt die Departements Meuse, Moselle, Meurthe und des Vosgeö umfaßt; im Süden grenzt das Elsaß an das französische und saweize- rische Burgund. Die Ebene ist stark bevölkert, hat zahlreiche Städte und Dörfer und ausgezeichnetes Kulturland, so daß es zu den fruchtbarsten Provinzen Frankreichs zählt. Die meisten Orts- und Flußnamcn verleugnen heute noch nicht ihre deutsche Herkunft, und auf dem Lande wird noch vielfach deutsch gesprochen, am' auf Deutsch gepredigt unb Schule gehalten. Die Bevölkerung ist kräftig und arbeitsam, Die französische Armee zieht einen großen Tyeil ihrer Artillerie- Mannschaft aus Den beiden D-partements. Vorherrschende Beschäftigung ist Land- und Weinbau, um Mühlhausen Baumwollen - Industrie, in den bergigen Gegenden Kupfer-, Eisen-, Blei-, und Steinkohlen-Probuktion. — Die Vogesen erheben sich nordwestlich von Basel, zwischen Belfort und der Moselquelle, steil aus der Ebene und ziehen in ihrer Hauptrichtung nordwärts bis zu Den Quellen der Mcurthe unD Der Saar unD bis zur Lauter unD gegen Pirmasens hin. Sie sinD etwa 24 Meilen lang unD haben ihre geringste Breite bei Elsaß-Z.bern (Saverue), wo der bequemste und kürzeste Uebergang aus dem Elsaß nach Lothringen ist. Hier läuft auch die Straßburg-Pariser Bahn durch,- Die über Lüneville unD Nancy nach Metz führt; von Pfalzburg jenseits Zabern laufen Die Hauptstraßen nach Den genannten Drei Städten aus. Nach Der Ebene von Lothringen hin fallen Die Vogesen sanft und allmälig ab unD senden ihre Gewässer südwärts zum Doubs und westwärts zur Mosel. Die Grenzscheide zwischen den Ober- und Den Untsr Vogesen bilDet bas Markircher Thal, ein hoher Einschnitt zwischen Schlettstabt unb St. Die an der Meurthe. Die Unter-Vogesen werben durch den vorerwähnten Paß von Zabern getheilt; Der nördliche Theil derselben besteht mcistens aus Hochflächen, die von vielen Berggruppen unterbrochen werben.
Vermischtes.
Darmstadt, 8. August. Seine königliche Hoheit der Großherzog haben laut AuS- schreiben Großherzoglichen Ob.rconsistoriumS an die evangelischen Pfarrämter anzuordnen geruht, daß während der Dauer deS Krieges mit Frankreich in das sonntägliche Kircheng?bct, und zwar nach den Worten: „Beschütze unser ganzes deutsches Vaterland" folgender Zusatz:
Herr, Herr, unser Gott, inbrünstiger, denn je, rufen wir dich jetzt an für daS gesammte deutsche Land. Von Alters her warst du fein Hort und seine feste Burg. So sei eg denn auch jetzt, du treuer Gott, da ein schweres Kriegeswetter uns heimsucht. Herr, du Gott der Liebe, schlinge immer fester durch die gememfame Gefahr um alle Stämme des Vaterlandes das Band der Eintracht. Herr, du Gott der Gerechtigkeit, schütze das Recht und gib ihm den Sieg, rüste die Sohne des Vaterlandes mit dem Muthe ans, der von dir kommt, und kröne Deutschlands Waffen mit deinem Segen. Uns allen aber laß die Heimsuchung einen Rur zur Buße und einen Zug werden zu dem Einen, was noth thut, zu dir und deinem Sohne, unferm Herrn.
Das Großherzogliche Obereonststorium hat ferner den evangelischen Pfarrämtern anheimgegeben, während der Kriegszeit überall, wo sich das Bedürfniß regt, neben den sonntäglichen Gottesdiensten auch in wöchentlichen Betstunden ihre Gemeinden mit dem Tröste des göttlichen Wortes zu erquicken.
'ffe'hacttoii, Druck unb Verlag her Brück' l'schen ckniv.-Drvckerei (Fr. 1 c . ck ietschH - '


