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Laßt meine Liebe meine Jahre ersetzen, mein König, bat der Page, ken­nen Sie die Herzen Fremder, wie das meine?

Der Monarch schüttelte das Haupt.

Rufe mir den Troubadour! befahl er, seine Stimme dringt besänftigend an mein Herz. ,

Der Knabe gehorchte. Er eilte an einen Seitenpfad und winkte. Nach wenigen Augenblicken erschien der Troubadour, sich tief vor dem Könige ver- neigend, der ihn aufmerksam mit sichtbarem Wohlgefallen betrachtete.

Die phantastische Tracht, die in einem Wamms von braunem Sammet mit goldenen Knöpfen besetzt, bestand, worüber ein kurzer Mantel von weißer Seide fiel, kleidete Raoul, denn er war der Troubadour, doppelt schön, wenn auch die Blässe der Gefangenschaft noch nicht vollständig aus seinen Zügen verwischt war. ,

Der König verwandte noch immer keinen Blick von dem jungen Manne, der ebenfalls sein Ange auf ihm haften ließ. Endlich nach einer Pause winkte er dem Pagen, sich zu entfernen. c

Wie nennt Ihr Euch, mein Sänger? fragte der König huldreich, sobald der Knabe verschwunden war. , j l .

Guiscard de Lopral, entgegnete der Troubadour, der letzte Sproß eines halbverschollenen Geschlechtes.

Und was führte Euch hierher nach Paris? Wer lehrte Euch jenes Lied der Sehnsucht, das mein Herz bewegte, da es Eure Leiden theilt?

Das Leben, Sire, war mein Führer. Was ich liebe, ist mir ewig uner­reichbar, und mein einziger Trost ist, hinzugehen von Land zu Land, von Stadt zu Stadt, mein Leid in Liedern zu verkünden, andere Herzen zu erfreuen, wenn auch das meine bricht.

Ihr scheint unglücklich? fragte der Monarch. Wollt Ihr Eurem König nicht vertrauen, was Euch drückt? Meine Macht reicht weit, vielleicht kann ich Euren Kummer lindern. l __

Vermögt Ihr auch Mauern zu sprengen und Pforten zu ostnen, Ma­jestät? fragte der Troubadour. Weit, weit von hier, im fernen Lande, weilt mein Sehnen. Ach, keine Seele kann ich finden, die mit der meinen gleichgestimmt in sympathetischer Harmonie ertönt.

Und wenn nun diese Seele gefunden? fragte Heinrich, wenn nun Frank­reichs König selber Dir sein Her; erschließt und Dir einen Platz anweist in demselben, um den Dich die Mächtigsten seines Landes beneiden?

Er hatte sich aufgerichtet. Sein Auge überflog die jugendliche Gestalt, das zarte und doch männlich schöne Antlitz des Sängers.

Majestät! stammelte Raoul, der seine süßesten Wunsche erfüllt sah.

Du gefällst mir, fuhr Heinrich fort, der Ton Deiner Stimme dringt nur rum Herzen und Dein Antlitz thut meinem Auge wohl. War es nicht eine Fügung des Himmels, die Dich mir in demselben Augenblicke sendet, da ich mich mit der Bitte an ihn wandte, mich aus dieser entsetzlichen Leere zu be­freien? Guiscard de Lopral, von heute an nehme ich Dich in meine Dienste, sei mir treu und königlich will ich Dir lohnen.___

Politische

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das tiefste gerührt die dargebotene Hand des Königs. Dann sprang er auf und in die Saiten seiner Harfe greifend sang er:

Wär' mein ganzes Sein ein Tönen, Haiicht ich es in einen Laut, Um sein Dasein zu verschönen, Der in Gnaden auf mich schaut.

Dürft in einer Saite Klingen, Die, berührt, tönt und zerspringt, Ich des Herzens Sehnen schwingen, Das nach Offenbarung ringt.

Ich berührt mit Macht die Saite, Und ich haucht' mit Macht den Ton, Daß ich seinem Lob mich weih'te, Gilt dem Sterbenden als Lohn.

Bravo! Bravo! schallte eine kräftige Frauenstimme, sobald der Trouba­dour geendet hatte, und hinter einem Bosquet trat die Königin-Mutter hervor, gefolgt von ihrem Secretär, Pater Ignaz.

Wirklich, voll Gefühl, wandte sie sich an Heinrich. Ich gratulire Ew. Majestät zu dieser neuen Erwerbung; doch fügte sie bedeutsam hinzu zeigen Sie dem Troubadour doch die seltenen Gewächse, Pater Ignaz, viel­leicht bezaubern die Kinder einer fernen Zone seine Seele und sein Herz.

Pater Ignaz winkte Raoul und führte ihn, einen Seitenweg einschlagend, hinweg. Mutter und Sohn blieben allein.

Eine kurze Pause entstand. Eatharina blickte prüfend in das Antlitz

Ich sehe zu meiner Freude, begann sie endlich, daß das königliche Antlitz meines Sohnes heiterer blickt als bisher; mögen die Lieder des schönen Trou­badours jede Spur des Trübsinns von der Stirn Ew. Majestät verscheuchen.

Ich danke Ew. Majestät für dies wahrhafte Geschenk, erwiederte Hem­rick) und dennoch ist meine Seele trübe und die Erinnerung zieht mahnend in mein Herz, jede Spur der Freude in dem Weh der Sehnsucht hinweg schwinden lassend.

Und hat dieses Weh, diese Sehnsucht keinen Namen? fragte Catharina, ihren Sohn scharf ins Auge fassend. ,

Wohl hat sie einen Namen und Majestät kennen ihn zu wohl, erwiederte der König, er heißt Marguerite! Marguerite, fuhr er lebhafter fort, die wie ein Meteor am sternenbesäeten Himmel vor meinen Blicken auftauchte, um auf ewig zu verschwinden und um so tiefere Nacht in meiner ^eele zu- riickziüassen. O, sprechen Sie, meine Mutter, - brechen Sie endlich Ihr Schweigen, wo verbergen Sie jenes Mädchen, das zum erstenmal mein Herz, nicht meine Sinne ergriff?

(Fortsetzung folgt.)_______________________________

R N rr d § O Ä LL.

9 August.

Das InnsbruckerTagblatt' bringt folgende Enthüllungen:Als ru Anfang Iuli's 1866 Vie Preußen in Brünn standen, unterhielt sich Graf Bismarck, wie dies öfter geschah, einmal mit dem damaligen Bürgermeister der Stadt, Dr. Giskra, über die politische Lage und äußerte zum Schluffe des Ge- fvräches: Dr. Giskra möchte die vertrauliche Mission übernehmen, der oster- reichischen Regierung preußischerseits die Bereitwilligkeit auszudrucken, auf Grund der Mainlinie FrievenSoerhandlungen zu eröffnen, wobei Oesterreich der Einfluß auf die deutschen Südstaaten unbenommen und die.Frage der Stellung Oester­reich - Süddeutschlands zu Norddeutschland weiterer Verständigung Vorbehalten bleiben sollte. Giskra erklärte, dem Wunsche des Grafen Bismarck nicht ent- sprechen zu können, va ihm seine Pflichten al« Bürgermeister bet ter Besetzung

Stadt durch den Feino und bei dem Grasstren der Cholera in derselben eine Entfernung unmöglich machten, und schlug dafür vor, den Handelskammer. Präsidenten Baron Herring mit dieser Mission zu betrauen, was auch ange- nommen wurde. Herring's Ankunft in Wien verzögerte sich durch Zwischen- säg- etwas, während das preußische Hauptquartier bereits nach N. olsburg ausgebrochen worden war. Als Herring in Wien ankam und feine Miitheilun- atn6 gemacht hatte, erhielt ex im Ministerium des Acußern die vorwurfsvolle Antwort:Warum sind Sie nicht vor 24 Stunden gekommen! J-tz' -st esi »u fpüt, unsere Propositionen sind bereits abgegangen." Mit dem wesentlichen Inhalte dieser Mittheilung übereinstimmend und dieselbe ld-ilweise ergänzend, ist die Aeußerung eines deutschen Fürsten, welcher zu zener Z-.t in Niko «bürg araenwärtiq war und der dem Schreiber dieser Zeilen darüber sagte.Wir wa ?en Alle hoch überrascht, al« die Propositionen des Wiener Cabiuets ankamen und wir sahen, daß sich Oesterreich selbst von Deutschland ausschließe Preußen beabsichtige nicht, für sich mehr al« die Mainlinie in Anspruch zu nehmen, griff aber natürlich zu, al« ihm die österreichische Regierung mehr anbot, als es selbst Klangt ^^jchjschen und ungarischen Blättern vom 5. liegen mannig- sacke Notizen über militärische Borsichtsmaßregeln vor, die oster- reichischrrs H« getroffen werden. Die wichtigste davon ist der Beschluß, Vie Enns- Unie zu befestigen. Die Fortifieation foll durch 54 Erdwerke hergestellt werden und binnen acht Wochen beendet sein. Ebenso soll beschlossen worden sein, b« Eperie« zum Schutze der Karpathenübergänge Befestigungen auszusubren.. Nach Mi Heilungen °uS Pesth haben die dortigen Wenietruppen bereits Marsch» eh »ach Eperies erhalten. Da« Abendblatt desNaplo" kündigt die Einberufung der Honvevrekrulen für den 10. ober 12. August an. Urlaub wir Honvektruppen nicht mehr crtheilt- Wie dieN. Fr. Pr." mittheilt, so * der österreichischen Waffensabrikgesellschaft 100 Mitrailleusen, tedoch nicht nach dem französischen, sondern nach cem belgischen Systeme, bestellt worden sein.

Vom Kriegsschauplatz sind neuere Nachrichten nicht eingetroffen.

DieBerliner Kriegs-Ztg." sagt über den Sieg von Weißenburg.Mr haben nicht nur e,nen glänzenden taciisch.n Sieg er,ochsen, sondern daS Gefecht liefert den Beweis, daß die deutsche Armee jetzt fertig zur Offensive 'stt u dieselbe ergriffen bat. Ein schöneres Omen für Deutschlands Zukunft als diesen ersten Sieg unter Führung des preußischen Thronerben erfochten durch die Waffen-

brüderschaft preußischer und süvveutscher Truppen konnten wir und nicht wün­schen. Die nächste Folge des Sieges muß die Räumung Saarbrückens durch die Franzosen sein, da venselben jetzt die kronprinzliche Armee in der rechten Flanke steht; die nächste fernere Folge ist die Unhaltbarkeit Straßburgs."

In München sind über die Schlacht bei Wörth, am 6. d., seitens des ersten bayerischen Armeecorps folgende Mittheilungen eingegangen: Früh 6 Uhr mar- schirten die Truppen aus dem Bivouac bei Ingolsheim auf grundlosen Seiten­wegen nach Lobsau und LampertSloch. Während des Marsches vernahmen sie bereits Kanonendonner. Die erste Division (Stephan) ging gegen den seind- ltchen linken Flügel, wo die Spitze um 1 Uhr eintraf um 3 Uhr erfolgte ein concentrischer Angriff gegen die Position des Feindes. Um 4y2 Uhr waren Vie Höhen nach erbittertem Kampfe genommen und der Feind in Unordnung zurückgeworfen. Unsere Cavallerie nahm sofort die Verfolgung auf. Wir haben bedeutende Verluste. Die zweite Division war, als Reserve ausgestellt, an der Schlacht nicht unmittelbar betheiligt. Nähere Details sind nicht festgestellt.

Aus Homburg (in der Pfalz) vom 7. August, 11^/4 Uhr Abends, wird gemeldet: Der Feind ging nach der gestrigen Schlacht bei Wörth in größter Aufregung zurück. Bei Niederbronn versuchte die französische Artillerie zu hal­ten, es wurde von den Bayern genommen. Der Feind ging auf der Straße nach Bitsch zurück. Die württembergische Artillerie nahm bei Reichshosen viele Vorräthe und vier Geschütze. Todte und Verwundete bedeckten die Ruckzugö- straße. Heute früh wurde das vom Feinde verlassene Hagenau besetzt. Saar- gemünd ist gleichfalls von den diesseitigen Truppen besetzt worden. Forbach wurde nach leichtem Gefecht besetzt.

Ueber die Kämpfe um Saarbrücken am 6. August bringt dieSaarbrücker Zeitung" folgenden Ueberblick: Nachm. 3 Uhr. Der Durchmarsch der Truppen dauert seit heute Morgen 10 Uhr ununterbrochen fort unter dem Jubel und der patriotischsten Aufopferung der Bevölkerung beider Städte. Nach einer furcht­baren Kanonade zog sich der Feind kämpfend zurück. Seine Stellung auf dem Spicherer Berg ist zum Theil genommen, wie es leider den Anschein hat , nicht ohne bedeutenden Verlust auch von unserer Seite. Immer neue Regimenter ziehen hier durch auf den Kampfplatz unter den Klängen der preußischen National­hymne und des deutschen Vaterlandsliedes. Bereits werden Verwundete, meistens der braven Infanterie, eingebracht. Die gan;e Bevölkerung unserer Städte zeigt eine wahrhaft edle Begeisterung. Reiche und Arme, zu Fuß und zu Wagen, eilten auf den Ort des Kriegsschauplatzes mit allem nur Erdenklichen, was zur Linderung der Verwundeten und Ermatteten dienen kann. 3V2 Uhr Nachm.: In der Gegend von Forbach wüthct der Kampfs in furchtbarer Weise. Immer

neue Regimenter ziehen heran, begleitet von den Segenswünschen der Bevölkerung.

Aus den Tdürmen des Eisenbahngebäudes weht wieder die seit dem Einzuge der Franzosen entfernte preußische Fahne und auch die Post wird wieder den regel-

mäßigen Dienst beginnen. 4 Uhr. Der Kampf um die Spicherer stark ver­

schanzten Höhen dauert fort; von beiden Seiten wird mit Löwenmuth gekämpft, Gott schütze die gerechte Sache! 4i/2 Uhr. Die Spicherer Höhen sind genom­men; die Verluste sind groß auf beiden Seiten. - Ueber den Verlauf des Treffens geht uns folgende authentische Mittheilung zu: Nachdem der Corn man- dirende des 8. Corps, General v. Goeben, im Laufe de« Vormittags eine .)!(> cognoscirung vorgenommen hatte, traf er sofort Dispositionen zum Vormarsch