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recht berichtet ist, so hat sich Graf Beust in der gestrigen Sitzung des Budget- Ausschusses der österreichischen Delegation vollkommen friedlich ausgesprochen. Das Streben unserer Politik gehe dahin, die Conferenz zu ermöglichen. Man müsse darauf bedacht sein, baß der russischen Methode, ein VertragSverhältniß in rechts­widriger Weise zu lösen, die Spitze abgebrochen werde. Dann erst könne man in die Conferenz eintreten undunter Fallenlaffen" der Neutralität des Schwarzen Meeres für die Sicherheit der Donaumündungen sorgen.

Als die königlich italienischen Truppen vor 10 Jahren nach dem Gefechte bei Castelfidardo Umbrien und die Marken besetzten, verhängte Pius IX. über die Angeber und Ausführer des Planes die Cxcommunication; dasselbe ist nun den Besiegern Roms widerfahren. Es ist davon die Rede gewesen, den König per- sönlich als Mitschuldigen der Katastrophe zu nennen und die Kirchenstrafe auch über ihn wenn auch glimpflich auszudehnen. Dieser Rath fand jedoch an der bestimmten Erklärung des Papstes Widerstand:Ich werde warten!" Beim Em­pfange des diplomatischen Corps, der durch die Sequestrirung der Zeitungen mit der Excommunication veranlaßt wurde, sprach er in gehobener Stimmung den fremden Vertretern seinen Dank für die Theilnahme der Cabinete aus, wobei er freilich bedauerte, daß diejenigen, denen unbestritten das Recht gebühre, als erste Schutzmächte der katholischen Sache in vorderster Linie zu stehen, sich für die zweite Stelle entschieden: Frankreich liege ohnmächtig am Boden, wie wohl auch General Trochus Versicherungen der Ergebenheit und Hilfebereitheit dem heiligen Stuhle thäten, Oesterreich aber sei weit aus dem Fahrwasser der Schirmvogtei der Kirche verschlagen worden. Was aber auch im Vatikan gedacht und gethan wird, die weitere Entwickelung der Verwaltung muß die immer thätige Camarilla überzeugen, baß es nicht von einem bloßen Umsprung der Lüfte abhängt, das Verlorene sogleich leichten Kaufes wieder zu gewinnen. Es ist bemerkenswerth, wie sich besonders in der höheren Prälatur die Hoffnung auf Hilfe von Preußen her erhält, wenngleich eine auch nur einiger Maßen unbefangene Retrospektive auf daS Vorgehen des ConcilS wider den Protestantismus Bedenken erregen müßte. Ein' in Norbbeutschland wohl bekannter römischer Prälat erklärte dieser Tage, König Wilhelm sei der einzige Re Galantuomo.

Das Siöcle sucht der neuesten Ballonpost zufolge in einem langen Artikel nachzuweisen, daß bas Elsaß niemals wirklich zu Deutschlanb gehört hat, sondern von den ältesten Zeiten her bereits ein integrirender Theil Galliens war. Ent- rüstet ruft cs aus:Eher wirb ber Rhein sich umkehren unb seiner keltischen und schweizerischen Quelle zufließen, als daß dieser heldenmüthige Winkel beö1 alten Galliens die Präbende der Schlummer von Berlin wird! Das fruchtbare Elsaß, wie es ausgehungert werden würde! Seine schwere Gerste, seine reichen Hopfen, seine Weine von Ribeauville, sein schöner Flachs, sein Kohl aus der Jll-Ebene, sein würziger Tabak aus den südlichen Thälern, seine fetten Gänse von Molsheim und von Mutzig, seine ungeheuren Schweineherben unb tausend andere Reichthümer würden gar bald von dem Gargantua jenseit des Rheines erschöpft werden. Frank­reich verlangt von ihm nichts als seine Hingebung. Deutschlanb würde ihm Alles nehmen und ihm Alles aufeffen."

Frankfurt, 4. Dec. Polizei-Präsident v. Madai hat vor einigen Tagen einen seit vielen Jahren sich hier aushaltenben Zeitungs-Corresponbenten aus Bel- gien und resp. Agent eines Brüsseler Blattes unter der Anklage verhaften und der königlichen Staatsanwaltschaft übergeben lassen, dieses Blatt, welches die gröbsten Lügen unb Schmähungen über die deutsche Armee und deren Führer ent­hält, unter den hiesigen kriegsgefangenen französischen Ofsizieren vertheilt zu haben.

(K. Z-)

Konstantinopel, 2. Dec. Die Einschreibung der Baschi-Bozuks wurde suSpendirt. Auch ber Befehl zur Errichtung eines Lagers bei Skutari, das aus zwei Brigaden Redifs bestehen sollte, wurde zurückgeuommen.

Telegraphische Depeschen.

+ Darmstadt, 7. Dec. DieDarmstädter Zeitung" theilt folgendes bei dem Großberzog eingelaufenes Telegramm mit: Gestern in Orleans eingerückt, heute Dienstag gegen Tours weiter. Verlust der Division nicht sehr bedeutend. Viele Geschütze genommen, eine Menge Gefangene gemacht.

Ludwig, Prinz von Hessen.

A Stuttgart, 7. Dec. DaS bis jetzt bekannt geworbene Ergebniß der Kammerwahlen ist: 33 Nationale, 6 Zweifelhafte, 3 Gegner des Eintritts in den Bund. Die bisher bekannt geworbenen Ritterschastswahlen (national) find dabei nicht mitgerechnet. Es steht höchst wahrscheinlich eine Kammer in Aussicht, die den Eintritt Württembergs in den deutschen Bund votiren wirb.

4- München, 7. Dec. König Ludwig geht nach Versailles, sobald die all­seitige Zustimmung des Kaisertitels feststeht. Die königlichen Waggons werden sofort reisefertig gemacht.

Schwerin, 7. Dec. Eine Depesche des Großherzogs giebt den Verlust seiner Armeeabtheilung vom 2. bis 4. d. auf 3200 Mann an. Der Feind verlor 2000 Tobte, 14,000 Gefangene.

A Tours, 6. Dec. 12 Uhr. General AurelleS berichtet: Die Armee zog sich in guter Ordnung zurück unb ist noch intact. Es ist ungenau, daß Proviant­wagen genommen seien. Die Minister des Innern und des Kriegs haben drei Commiffäre ernannt, um eine Untersuchung über die Ursachen der Räumung von Orleans anzustellen.

A Lille, 5. Dec. Zwei preußische Offiziere erschienen in Peronne und forderten die Stadt zur Uebcrgabe auf; ein Armeecorps folge ihnen. Sie wur­den festgenommen. In Lille starke Truppenbewegungen.

A Brüssel, 7. Dec. DieJnd." theilt mit, daß ein StabSosficier von Versailles nach Paris geschickt wurde, um ber Regierung die Besetzung von Amiens, Rouen unb Orleans mitzutheilen.Daily Telegraph" vermuthet, baß sich Preußen einen Hafen am Canal besetzen wolle, um die Verproviantirung der Armee aus der Somme (?) zu bewerkstelligen.

A Brüssel, 7. Dec. DerConstitutionnel" vom 4. d. meldet, die Regie­rung habe Lord Lyons den preußischen Conferenzvorschlag zur Uebermittelung nach Paris übergeben, indem sie der dortigen Regierung die alleinige Entscheidung darüber überlasse.

A Brüssel, 7. Dec. Nach Berichten Vitet'S ist Paris zum Mindesten noch bis zum 15. Januar verproviantirt.

+ Florenz, 6. Dec. Preußen verlangt von Italien die Zurückweisung der nach Jtallen geflüchteten kriegsgefangenen französischen Offiziere.

Privatdepesche des Gießener Anzeigers.

Lille, den 7. December. Die Preußen nähern sich in Eil­märschen Havre. Tours und Blois von den Franzosen geräumt.

J Vermischtes.

Leipzig, 1. Dec. Diegroße Bitte an alle deutschen Kinder" in Nr. 47 derGarten­laube" Hat, wie zahlreiche Zuschriften an den Verfasser derselben (Dr. Friedrich Hofmann) und an die Redaction der Gartenlaube auf daS freundlichste beweisen, in ganz Deutschland Anklang ge­funden. Namentlich aber hat der gute Gedanke, auch den durch den Krieg verarmten und per, waisten Kleinen in Elsaß und Lothringen den deutschen Weihnachtsbaum aufzurichten und durch die Kinder daS Volk mit dem alten Vaterlande rascher zu versöhnen, die Herzen der Jungen und Alten ganz besonders gepackt, und schon jetzt sind viele und zum Theil sehr reichliche Gaben, meist von köstlichen Kinderbriefchen begleitet, theils bei der Redaction der Gartenlaube, theilS bei Dr. Fr. Hofmann in Leipzig eingeganqen. Noch weil mehr Briefe bitten aber um Angabe einer be­stimmten CentralsteNe für diese EhristbescheerungSsammlung. Diesen Allen diene zur Notiz, daß die Redaction der Gartenlaube bereit ist, die ausschließlich für die armen Kinder des Krieges in Elsaß und Lothringen bestimmten Gaben an Geld und Waaren in Empfang zu nehmen, darüber öffentlich s. Z. zu quittiren, die Verwendung derselben durch ihre bekannten weitreichenden Ver­bindungen zu besorgen und schließlich über diese erste deutsche National - Ehristbescheerung Bericht zu erstatten. Dringend nothwendig ist dazu aber, daß bis spätestens zum 12. December alle Gaben abgeliefert sind, damit die Vertheilung derselben und die nicht überall leichte Herstellung der Christ- bescheecung in möglichst gerechter und würdiger Weise geschehen könne.

Bremen. Der Dampfer .Union", welcher am 27. Nov. mit 326 Passagieren und 700 Tons Ladung nach Newvork in See gegangen war, ist an der schottischen Küste bei Rattrayhead auf den Grund gerathen. Alle Passagiere sind jedoch glücklich gelandet. Eine Depesche von Peterhead meldet, daß daselbst bereits in letzter Nacht 250 Passagiere angekommen seien und die übrigen noch erwartet wurden. Die Unterbringung der Passagiere ist zunächst der Sorgfalt deS norddeutschen Bundesconsuls in Peterhead anvertravt, die Direction deS norddeutschen Lloyd hat jedoch umfassende Maßregeln getroffen, damit den Passagieren nichts fehle und jede mögliche Er­leichterung geboten werde.

Protoeorl

über die am 13. October 1870 zu Staufenb erg abgehaltene Generalversammlung des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen.

Gegenwärtig:

Der erste Direktor veS Bezirksvereins, I)r. Goldman n, als Vorsitzender, der Herr Präsident des Provinzialvereins der Provinz Oberheffen, Graf zu Solms-Laubach, Erlaucht, der General-Sekretär der landwirthschaftlichen Vereine, Herr Oeconomierath Dr. Krämer und eine namhafte Anzahl von Mitgliedern des Bezirksvereins.

Der Präsident eröffnet die Sitzung mit einer Begrüßung der Anwesenden, erinnert sodann an die ungünstigen Zeitverhältniffe, mit welchen der Landwirth in Folge der jetzt größtentheils beseitigten Futternoth, der gering ausgefallenen Getreideerndte, der drohenden Kartoffelfäulniß und der aufgetretenen Rinderpest, wie auch des Kriegszustandes zu kämpfen gehabt habe und bezw. noch zu kämpfen haben werde.

Auf Anregung des Vorsitzenden ehrt die Versammlung das Andenken eines langjährigen Mitglieds des Vereines, des kürzlich verstorbenen Großh. Bürger­meisters Wagenbach von Alt-Buseck, durch Aufstehen von den Sitzen.

Der Vorsitzende lädt die Versammlung ein, eine von dem Freiherrlich von Rabenauischen Gärtner Buchsler zu Groß-Buseck in dem Versammlungslokal ausgestellte Sammlung von selbstgezogenen Aepfel- und Birn-Sorten, meist aus­gezeichnete Produkte zweijähriger Stämmchen zu besichtigen, und spricht dem Ver­anstalter dieser Ausstellung seinen Dank aus.

Auf der Tagesordnung steht zunächst:

I. Beschlußfassung über die dem Verein pro 1870 zur Verfügung stehenden Mittel.

Der Vorsitzende bedauert, der Versammlung in dieser Beziehung keine Vor­schläge machen zu können, indem seine Absicht, vor Beginn der heutigen General­versammlung eine Beschlußfassung des Ausschusses zu veranlassen, sich wegen Mangels einer hinreichenden Zahl anwesender Ausschußmitglieder nicht habe aus­führen lassen. Die dem Verein zur Verfügung stehenden Mittel pro 1870 be­trügen circa 137 fl. wozu noch der von der Aachen-Münchener-Feuerversicherungs- Gesellschaft zu erwartende Beitrag hinzukomme und frage er an: ob die Versamm­lung dem Ausschüsse die Verwendung dieser Mittel anheimgeben wolle.

Es bemerken hierauf:

Herr Professor Dr. Pflug: Es sei für die Viehbesitzer ohne Zweifel von hoher Wichtigkeit, wenn die Veterinärärzte mit dem Wesen der Rinderpestkrankheit praktisch vertraut seien. Er frage daher an, ob nicht aus den Bezirksvereinsmitteln dem Kreisveterinärarzt zu Gießen eine Unterstützung von etwa 50 fl. zu Theil werden könne, um dem­selben Gelegenheit zu geben, an Ort und Stelle, namentlich in der Pfalz, wo die Krankheit besonders stark aufgetreten, Studien zu machen. Der Herr Präsid ent des Provinzialvereins erklärt, daß eventuell der Provinzialverein eine solche Unterstützung gewähren werde, wozu derselbe in diesem Jahr in der Lage sei.

Freiherr von Rabenau:

Der Provinzialverein habe schon früher zu ähnlichem Behuf Mit­tel bewilligt und zwar an Obsr-Medicinalraih Wüst in Darmstadt und Dr. Castres in Mainz, während noch kein oberhessischcr Veterinärarzt eine solche Unterstützung erhalten habe. Er beantrage deshalb den Herrn Präsidenten des ProvinzialoereinS zu ersuchen, aus den Mitteln des Provinzialvereins 50 fl. zu dem von Herrn Professor P fl u g ange­gebenen Zweck anzuweisen.

Herr Oeconomierath Dr. Krämer berichtigt diese Bemerkung dahin, daß die Herren Wüst und CastreS von der Regierung unterstützt worden seien, man möge sich deshalb auch im vorliegenden Fall an die Negierung werden.

Herr Professor Dr. Pflug:

Es sei in hohem Grade wünschenswerth, daß möglichst viele Ve­terinärärzte in fraglicher Weise sich ausbildeten, wenn daher Herr Dr. Winkler von Girßen aus den Bezirksvereinsmitteln unterstützt werden könne, so könnten der Provinzialverein und beziehungsweise die Regier­ung ihre Subventionen einem anderen Veterinärarzt zufließen lassen.