Ausgabe 
7.10.1870
 
Einzelbild herunterladen

Die Bewachung der Festung lag lediglich wieder in den Händen der Landwehr,

Tels ernstlich bedroht erscheinen.

Kriegsnachrichten.

bei

nen, des

Ueber den Aufstand in Algerien erfährt man über Tunis und Malta folgende zuverlässige Nachrichten: Derselbe brach im Süd osten der Provinz Constantine aus, und schien hauptsächlich im Anfänge seinen Schm den Ge­genden, die von den Uled Zacub durchzogen werden, zu haben. Diese nomavr- siren im Djerid-Lande, welches theils zu Tunesien, theils zu Algerien gehör . Es scheint, daß Anfangs September nicht nur die Triben südlich vom Schott-el- Djerid, sondern auch die mächtigen Ssuasa sich anschlossen, und als der Chef der Sauya der Tedjani, Sidi-Mohamed el Aid, den heiligen Krieg predigte, schlossen die Uled-Toru und Beni-Amer sich ebenfalls den Aufständischen an- Letz­tere sind nicht mit den in der Provinz Oran nomadisirenden Beni-Amer zu ver­wechseln. Die Kunde der Siege der Preußen, dann die Gefangennahme des Kaisers, sowie Mac Mahons, welcher Letztere allen Triden als einer der besten Heerführer der Franzosen bekannt ist, haben große Hoffnungen bei den Mo­hammedanern erweckt, die Herrschaft Frankreichs nun doch abschütteln zu kön- und falls dieselben grobes Geschütz hätten, würden selbst die Ortschaften

Vor Metz, 28. Sept. Mit dem gestrigen Gefechte in der nördlichen Ebene ... Metz steht ein Ereigniß in Verbindung, welches wahrscheinlich, wie andere ähnliche, zu Entstellungen und Mißdeutungen Veranlassung geben wird. Zwei Ortschaften wurden in Folge des Gefechtes in Brand geschossen. Die eine war das kleine Dorf Bellevue, 3/4 Meilen von Metz an der über Woippy in nörd­licher Richtung nach Semecourt führenden Chaussee, die andere das Dörfchen Maxe, in gleicher Entfernung von Metz, eine halbe Meile östlich von Bellevue und eine halbe Meile vom Fort St. Julien belegen. Dieses Fort hat bekannt­lich bei allen auf dem rechten Moselufer vor Metz unternommenen Ausfällen eine wichtige Rolle gespielt. Es beherrscht mit seinen Kanonen die Umgegend nach

allen Richtungen. Auch das auf dem linken Moselufer belegene Dörfchen Maxe liegt im Bereich der Kanonen diese- Fort-, gleichze tig aber auch im Bereiche von unseren Batterien; es bildete einen der äußersten Stützpuncte unserer Vor- posten, war aber zugleich im Falle eines feindlichen Angriffs für unsere Opera­tionen ein bedeutendes Hinderniß. Eine Folge dieser Umstände war, daß der Ort gestern von verschiedenen Seiten beschossen wurde. Die Franzosen beschossen ihn, um die deutschen Truppen hinau-zutreiben und ein Theil der französischen Jnfan- terie drang darauf durch den Ort hindurch auf die Unsrigeu vor und schoß, den Ort als Schutzwehr benutzend, auf unsere im ersten Anlauf nut Uebermacht zu­rückgedrängten Vorposten und die denselben zu Hülfe kommenden Infanterie. Dabei stellte es sich deutlich heraus, daß eine Beseitigung der Gebäude des Orts für krnere Operationen eine Rothwendigkeit sei. Während der Nacht wurde deshalb der Befehl gegeben, denjenigen Theil des Orts, welcher während des Gefechts vom Feuer verschont geblieben war, niederzubrennen, und es ist dlefer Befehl, nachdem die Bewohner vorher zum Abzüge aufgefordert worden waren, alsbald ausgeführt worden. Für die Ortsbewohner ist dies ein schreckliches Ereigmß, um so schrecklicher, als ihnen nicht Zeit gelassen werden konnte, die bewegliche Habe vollständig zu bergen. Indessen der Kriegszweck kennt keine Rücksichten und drangt nothwendiger Weife alle Menschlichkeitsgefühle bis zur Erreichung des Ziele- zuruck. Die Verantwortung für jede harte Maßregel, wie für jedes geopferte Menschen- leben kommt über diejenigen, welche in frevelhaftem Uebermuthe den Krieg her- beigeführt haben. Es wird nicht ausbieiben, daß das eben besprochene Ereigmß vielleicht als eine überflüssige Maßregel bezeichnet wird, ja, es ist nicht unmöglich, daß der fernere Verlauf der Dinge die Maßregel wirklich als eine überflüssige erkennen läßt; allein im Kriege ist schneller Entschluß und rasches Handeln un- bedingt geboten. Wer den Zweck will, muß hier auch die Mittel gutheißen. Wenn die commandirenden Generale in Metz nur ein geringes Maß von menfch« iichem Empfinden zur Geltung kommen ließen, so würden sie sicher dem nutzlosen Hinopfern edler Menschenkräste ein Ziel sitzen. Unsere Feinde haben am aller- l wenigsten Ursache, uns Härten vorzuwerfen. (Wes. Ztg.)

Zweibrücken, 2. Octbr. Von Straßburg soeben hier eingetroffen, ist e- mein Erstes, mich nach den letzten Ereignissen vor der Festung Bitsch zu er- kundigen. Ich kann Ihnen über den letzten Ausfall der Franzosen am 30. Scpr. mittheilen, daß derselbe darauf berechnet war, der Festung neuen Proviant uzuführen. Das Unternehmen wurde dadurch wesentlich erleichtert, daß die Be­lagerung durch die Abwesenheit des Belagerungsgeschützes und durch die Abcoai- mandirunq der beiden bayerischen Jnfanterieregimenter bedeutend geschwächt war.

Oie schon einmal mit großer Bravour gegen den übermächtigen Feind gekämpft hatte. Leider sollte diesmal der Hauptzweck des Ausfalls vollständig erreicht werden. Während des Kampfes, der um Mitternacht begann, gelang es den französischen Bauern, mit ihren längst bereit gehaltenen beladenen Wagen in tu Festung zu kommen. Au« dem Kampfe müssen die Franzosen ersehen haben, datz ihnen nur geringe Streitkräfte gegenüber standen. Am Morgen wiederholten ße ihren Ausfall mit verdoppelter Kraft, mußten den Versuch zedoch theuer bezahlen, da sie über 60 Tobte und Verwundete einbüßten.

Aus Kaiserslautern, 1. Oct. wird berichtet: Hier war gestern das Gd rücht von einem den Bayern nachiheiligetr Ausfall der Besatzung von Büsch verbreitet. Auf die telegraphischen Anfragen erfolgte bis Mittag keme AM" wort. DieNeustadt. Ztg." meldet aus Büsch, 30. Sept.: Großes Gefecht auf der Roßhall (Hof bei Bitsch) von 15 Uhr.

Ginne 1. Oct. Zufolge eine- Corp-besehls aus dem Hauptquartiere Ars für Moselle »cm 30. v. M. räumte die Hessische (25.) Division gestern tusiv, Baur und Nr«, um von dem 2. ArrneeeorpS abgelöst zu werden, und bezog folgende Cantonnemeni» : Divisiont-Stab, Stab der 49. Jnfantene.Bri- aade , 1. und 2. Jnsanterie-Regiment, eine Schwadron und zwei Fuß-Batterien: Gorze' 1. Jäger-Bataillon: Noveant; Stab der 50. Jns.-Brigade, 3. Jnf.- Regiment, 2. Jager-Bataillon , eine Schwadron und eine Fuß-Battene: Rezon- , ville- 4 Ins.-Regiment, Stab der Feld-Batterien und zwei Fuß - Battenm: , Dionville; Stab der 25. Cavallerie-Brigade, vier resp. fünf Schwadronen . und die reitende Batterie: Marr la Tour; Pionnier - Compagnie, Stab de, Munition-.Colonnen und ein Theil de« Sanität« - Detachements: Tronvilltf ! Munition«-Colonnen, der übrige Theil de« Sanitäts.Detachements und du

Train«' Pnrieux. (Worms. Ztg.)

Daily News erhält aus Noiffcvillc bei Metz vom 3. Ort. folgende De- vrfche - Gestern Nachmittag zerstörte eine preußische Batterie St. Germain gegen­über südwestlich von Mont St. Quentin stehend, mit Granaten eine Brücke, welche die Franzosen über die Mosel geschlagen hatten. Dabei ging das Dor Moullv.leö.Metz in Flammen auf. Gestern Abend um 9 Uhr unternadmen U Freiwillige unter Führung eine« Lieutenants eine Expedition m das Dorf NeullY gegenüber der französischen Position im Osten des Forts St. Julien, und steckte, es an sechs Stellen in Brand. Das Dorf verbrannte gänzlich. Es enthielt ge heim: Proviantvorräthe, deren Ort die Bauern der Garnison von Metz verrathei oen Preußen aber verborgen hielten. ,

Saverne 1. Octbr. Bei dem letzten Ausfall der Franzosen aus Pfalz bura soll es einer Anzahl Franktireurs gelungen sein, aus der Ostung zu ent kommen und die Wälder zu gewinnen. Während unsere wurtembergische Gm nison bisher ein ziemlich erträgliche« Leben führte, ist dies mit einem Male and» aeworden. Die Leute haben einen überaus schweren Feldrienst gegen die Fre schaaren ,U leisten, die die Gegend unsicher machen. Hinsichtlich dieser Frei«'!- ligen sind die schärfsten Maßregeln getroffen; wer gefangen wird, ist dem Krieg« recht verfallen, und diese« bestraft diese Art Kriegführung mit dem Tode.

Brüsscl, 4. Oetbr. Ein im hiesigen Park niedergefallener Luftballon au. Metz enthält unter einer Anzahl versiegelter Briefe einen offenen Settel,, WM» befaflt, daß Bazaine ein Duell mit Leboeuf autgesochten hat, wobei alle Bild verwundet sind, und daß Canrobert da« Obereommando übernommen hat.

Fontainebleau, 3. Ort. Der Feind ist hier noch nicht eingejogen , °» soll e« zu einem Gefechte im Walde von Fontainebleau be, Challly gekommensew

Belleüarde 3. Oet. 120 Ulanen Haden in Regne, Welle uhb Chambi« Requisitionen gemacht. Ziemlich ernste Kämpfe haben in diesen Orten mit Bewohnern Statt gefunden.

Vitro le Fran?ai§, 29. Sept. Gestern Abend haben die Franzosen m Vitry la Ville die Laschen an den Schienen der Bahn gelöst. Ein Zug zweiten Feldeisenbahn-Abtheilung ist entgleist. Dem Locomotivfuhrer sind de, Beine gebrochen, die Maschine nebst 3 Wagen Kegen lm Graben. Heu 1 die Bahn wieder hergestellt. Vier der vermuthlichen Ausfuhrer dieser Ocha that sind verhaftet worden.

Frankreich war bereit« ans dem besten Wege, sich in eine C-nAeration halb- < auwnomVr Gruppen von Departement« aufzulösen. Der ganze Süden, an der Svitte desselben Lyon, die zweite Stadt de« Reiche«, verweigert der Regierung«. Ii-le in Tou?« den Gehorsam, und in den westlichen Departement« scheint da« Lvermhmen mit der Cenwalre'gierung ebenfall« kein innige« zu se n D.e Eon. I ftituantc soll nun wieder einen allgemeinen anerkannten Mittelpunkt schaffen und damit auch da- Gespenst eine« bonapariistifchen Gegenparlament« bannen 4u nämlieb da« neue Blatt der Kaiserin, die LondonerSituation i , schreibtregt sich frühere nicht in legaler Weise aufgelöste gesetzgebende Körper, und will sieb in Limoge« versammeln.Wenn" meint dieSituationeine g nügende Anzahl Mitglieder sich zusammenfindet, so gebührt ihnen unbestritten di Au«übuna der regelmäßigen Gewalt. Die frühere Kammer, und nur sie allein, kann wirksam mit dem König von Preußen unterhandeln. Wtr hegen den«innigen WunsM daß der gesetzgebende Körper sich in Bewegung setze und handle, er £r"e einen entscheidenden Einfluß auf die Zukunft Frankreich« au-uben können.

Das Journal de Bruxelles veröffentlicht f01Se^'8 3 Öctober

Gesandtschaft de« Norddeutschen Bundes. Mein Herr! Man hat meiner Kanzlei die 7000 Franken übergeben, welche da« Journal de Bruxelles für d e Kranken und Verwundeten der deutschen Armeen depomri bad Ich werde dafür fernen, daß diese beträchtliche Summe entsprechend den Wünschen der-barm- beriinen Personen, welche sie haben anbieten wollen, verwendet werde. Aber vor Allem liegt !- mir am Herzen, Ihnen meinen aufrichtigen Dank für diesen neuen Beweis des mildthätigen unv wohlwollenden Geistes zu sagen, welcher m diese an Ä so reichen Zeit die Bewohner von Brüssel beseelt. Genehmigen re.

3 Der Gesandte des Norddeutschen Bundes : B a l a n.

Einem Pariser Brief (per Ballon) der Pall Mall Gazette vom 27. Sept, entnehmen wir, daß die Regierung in Tours den Parisern per Ballon vorlugt, es sei an der Loire ein Heer von 200,000 Mann zum Entsätze bereit.

Aus Brüssel wirb uns geschrieben: Unter den Papieren, welche m den Tuilerien aufgefunden wurden, ist auch die Abschrift eines Briefes, welchen der General Ducrot an den General Trochu von Straßburg aus am 7. Dec em er 1866 gesandt hat. Dieses Schreiben, von welchem m dem sogenanntenCabinei i noire der Post Abschrift genommen wurde, lautet, wie folgt:

Da Du den erlauchten Personen, welche Dich umgeben, gerade die Wahr beit sagst, so füge Folgendes hinzu: Während wir auf pompöse Wn,e lange be- rathen, was geschehen muß, um eine Armee zu haben, hat Preußen ganz einfach die Absicht, mit 600,000 Mann und 1200 Kanonen unser Territorium zu über- fallen, ehe wir nur daran gedacht haben, die Cadres zu bilden, um eine Armee von 300,000 Mann mit 600 Geschützen in's Feuer bringen zu können. 3en|ett6 des Rheins gibt es keinen Deutschen, der nicht an den Krieg in einer nahen Z - kunft glaubt Die Friedlichsten, die, welche durch ihre Familienbeziehungen oder ihre Interessen mehr Franzosen sind, betrachten den Kampf als unvermeidlich, und begreifen nicht unsere Unthätigkeit. Da man für Alles eine Ursache finden muß, so behaupten sie, daß unser Kaiser kindisch geworben ist. Wenn man nicht Blindheit geschlagen ist, so ist es nicht erlaubt, daran zu zweifeln, daß der Krieg an einem der ersten Tage ausbrechen wird. Mit unserer stupiden Eitelkeit, mit unserer thörichten Einbildung können wir glauben, daß es uns gestattet sein wird, unseren Tag und unsere Stunde, d. h. das Ende der allgemeinen Ausstellung, für die Beendigung unserer Organisation und unsere Bewaffnung zu wählen. (Dies wurde aber doch gestattet). In Wahrheit, ich bm Deiner Ansich , ich fange an zu glauben, daß unsere Regierung von Wahnsinn befallen ist. Aber wenn Jupiter beschlossen, sie zu verderben, so vergessen wir nicht,daß die G - schicke unseres Vaterlandes und unser eigenes Schicksal an ihre Geschicke geknüpft sind, und da wir noch nicht von diesem bebauernswerthen Wahnsinn ergriffen sind, so bemühen wir uns, die unheilvolle Bahn abzubrechen, die uns geraden LSegeS in Abgründe hinabführen muß. Seit einiger Zeit durchziehen zahlreiche preußi­sche Agenten unsere Grenzvepartements, besonders den Theil zwischen Mosel un Vogesen; sie sondiren den Geist der Bevölkerungen, wirken auf die Protestanten ein, die sehr zahlreich und viel weniger französisch sind, als man es gewöhnlich glaubt. ES sind die Söhne unv Enkel der nämlichen Männer, Vie 1815 zahl­reiche Deputationen nach dem feindlichen Hauptquartier sandten, um zu verlangen, daß das Elsaß wieder zum deutschen Vaterlande komme. Es ist gut, baß man dies notirt, denn es kann mit Recht angenommen werden, daß es die Plane und den Feldzug des Feindes ausklärt. Die Preußen sind in Böhmen und ^chlcsien vor Eröffnung der Feindseligkeiten gegen Oesterreich auf Vie nämliche Weise vor-