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Preis vierteljährig 1 fl. 12 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 kr.
Gießener Anzeiger.
Erscheint täglich, mit Ausnahme Montags.
Expedition. Canzleiberz Lit. B. Nr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kießen.
Nr. 121. Freitag den 7. Oktober 1870.
Bestellungen uns -en Gieftener Anzeiger bei allen Post-Expeditionen un^ den Land-Postboten entgegen genommen. $ Die bereits erschienenen Nummern werden nachgeliefert.
Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Erpedition abholen lassen, erhalten denselben pro IV. Quartal 1870 zu 1 fl. Damit unsere geehrten Leser früher als bisher in den Besitz der neuesten Nachrichten gelangen, so haben wir die Einrichtung getroffen, daß der Anzeiger anstatt Morgens schon des Tags zuvor Abends ausgetragen wird.
Die Erpedition des Gießener Anzeigers.
Amtlicher Theil.
Gießen, den 6. October 1870. Betreffend: Die Rinderpest.
Das ®roüI)rr)oglid)r Krrisaml Gießen
an die GroMyogUchen Bürgermeistereien des Kreises.
Von Seiten der Königl. Preuß. Behörden ist angeordnet worden, daß der durch Pferde und Hunde vermittelte Transport- und Waaren-Verkehr mit Gegenständen, welche dem Ein- und Durchfuhr-Verbot nicht unterworfen sind, an der Grenze nicht beschränkt werden soll, wenn der Führer des Fuhrwerks durch Bescheinigung der Ortsbehörde nachweist, daß in der Gemeinde, aus welcher dasselbe kommt, keine Viehkrankheit herrscht. ~
Indem wir Sie hiervon benachrichtigen, weisen wir Sie an, auf Verlangen solche Bescheinigungen auszustellen.
Dr. G o l d M a n n.
Politischer Theil.
6. October.
Die Besprechungen in den Münchener Ministerialconferenzen über die deutsche V er sassuugs sragv haben sich, laut einer Mittheilung in verschiedenen Blättern, auf nicht weniger als 76 Punkte bezogen.
Dem „Corr. v. u. f. Deutsch!." wird aus Cassel, 2. Octbr. geschrieben: Ale äußerlich bemerkbaren Anzeichen deuten darauf hin, daß namentlich in den letzten Tagen wichtige Verhandlungen mit Napoleon gepflogen werden, deren Schwerpunkt wahrscheinlich in England ruht, und welche über das Maß einer bloßen Familiencorrespondenz hinausreichen. Der Herzog von Hamilton ist vor Kurzem in Wilhelmshöhe gewesen und nach mehreren längeren Unterredungen mit dem Gefangenen nach England zurückgereist. Die für Napoleon eigons hergerichtete Telegraphenstation wird stark benutzt, und man erzählt sich — wir tragen freilich Bedenken, daran zu glauben —, daß er auch mit Ba- iaine in Verbindung stehe.
Die Verhanvlungen über künftige Regelung der deutschen Verhältnisse, welche zu München eine Art von Abschluß erlangt haben, werden in Kurzem wieder ausgenommen werden, und zwar — im königl. Hauptquartier. Dahin begiebt sich seitens der württembergischen Regierung Herr v. Mittnacht, seitens der bayerischen wahrscheinlich Graf Bray, sonst aber ein anderer Minister, und wie angenommen wird, auch der Präsident Delbrück. Der Berliner Correspondent des „Hamb. Corr." schreibt: „Man ist in maßgebenden Kreisen aufmerksam den Aeußerungen Cer öffentlichen Meinung über die einzuschlagenden Wege gefolgt, und man glaubt constatiren zu können, daß die meisten Stimmen einer Entwickelung des neuen Lundes aus Art. 79 der Nordbundverfassung, d. h. also eines Anschlusses des Südens an dm Nordbund zuneigen. Man wird nicht irren, wenn man annimmt, daß in diesem Augenblick an entscheidender Stelle beschlossen ist, diese Richtung rtnzuschlagen, nachdem entgegenstehende Bedenken als beseitigt zu erachten sind. Laren hat schon vor Wochen ohne Weiteres seinen Eintritt in den Nordbund beantragt, der Anschluß Hessens wird als so selbstverständlich erachtet, daß davon bisher noch gar nicht Vie Rede war; es handelt sich also um Württemberg uni? Bayern. Mit Württemberg ist ein Einverstäudniß fast erzielt; die von dort belegten Bedenken sind im Wesentlichen ökonomischer Natur und deshalb leicht zu losen. Bedeutungsvoller sind die Vorbehalte, welche Bayern machte; gleichwohl aber kann versichert werden, daß sie das Wesen des Bundesstaates nicht beein- lrachtigen. Gedanken, die auf ein bayerisches Veto und Aehnliches gerichtet varen, sind definitiv aufgegeben, und dasjenige gar, was die „Augsb. Allg. Ztg." als Verfassungs-Entwurf publicirte, kann lediglich auf einen Parteibericht zurück- grführt werden, dem die bayerische Regierung, wie ihr Nahestehende versichern, durchaus fern stand. Man ist nun allseitig hier gespannt, ob mit den einzelnen süddeutschen Staaten besondere Verträge wegen des Anschlusses abgeschlossen ton> den, oder ein Gesammtvertrag zu Stande kommt, eine Frage, die jedenfalls in kurzem gelöst werden wird, da man mit dem Frieden, den man faktisch nicht mehr für fern hält, den Entwurf über die Regelung der Bundesverhältniffe dar- dielen möchte, der dann wo möglich noch dem jetzigen Reichstage und den süd- \ brutschen Kammern zur Annahme unterbreitet werden soll, um zu Anfang des sün fügen Jahres die Wahlen zum ersten deutschen Reichstag vornehmen zu lonnen."
Die lichtvolle Darstellung der Unterredungen zwischen Jules Favre mit dem Grafen Bismarck in der Circulardepesche des Letzteren an die Gesandtschaften des Norddeutschen Bundes stellt die schon vor einigen Tagen aus Ferriöres der „Jn-
jdependance" mitgetheilte Berichtigung des Favre'schen Berichts außer Zweifel. Es ist m > . klar, daß in dem letzteren die Waffenstillstandsfrage, obwohl dieselbe den Hauptgegenstand der Unterhandlung bildete, nicht genug hervortrat. Dieselbe bewegte sich zwischen zwei Alternativen: Entweder 1) Einräumung eines TheileS der Befestigungen von Paris, und zwar eines beherrschenden, an die deutsche Armee, dabei Freigebung der Communication zwischen der Stadt und der Außenwelt, oder 2) Verzicht auf jene Einräumung, Erhaltung des Status quo in und bei Paris, aber Uebergabe von Straßburg und Toul, die des letzteren zur Erleichterung unserer Zufuhren. Von Soissons war nicht die Rede, dagegen von Saargemünd. Ueber Gebietsabtretungen wurde im Detail nicht gesprochen, vielmehr erklärte sich der Bundeskanzler in dieser Beziehung dahin, daß er sich über die Feststellung neuer Grenzen im Osten erst dann im Einzelnen äußern könne, wenn französtscherseit» Landabtretungen im Princip angenommen seien.
Erwähnenswerth ist es noch, daß Favre sich zu Geldentschädigungen bereit erklärte.
In einem Briefe, den die „Jnvep. Belge" veröffentlicht, wird erzählt, daß Paris nur Eine Armee sei, kein Bürger, kein Arbeiter mehr, 390,000 Nationalgardisten nebst 150,000 Mobilen. Selbst die Umgangsformen haben sich völlig geändert; begegnen sich zwei Pariser, so sagen sie nicht mehr: »bon jour“, sondern „vaincre ou mourir!“ Trochu ist „bewunderungswürdig durch Menschenverstand", was nicht auffallen kann, da Menschenverstand in Paris jetzt sehr selten und daher sehr bewunderungswürdig ist. Deshalb ist „ein Wort von Trochu Befehl; Jeder hat ein Gewehr und ist gelehrig; Jedermann ist — frohUnd nun der Schluß:
„Du wirst von den kleinen Mitrailleusen viel gehört haben, Vie 3000 Mann in jeder Minute unv auf 2000 Meter Entfernung niederstrecken. Und vann die Torpedos, wenn die Preußen Über die Forts hinaus kommen. Wir werden ein schönes Werk machen. „Vive la RöpubJique !*
Dreitausenv in jeder Minute macht in ver Stunde gerade 180,000 Mann. Die Sache ist also erledigt; in nicht ganz zwei Stunden ist Vie ganze deutsche Armee auf 2000 Meter Entfernung „niedergestreckt". Nach Vernichtung Ver Armee vor Paris wird Vie Armee vor Metz „nievergestreckt"; der Rest wird mit Girardin'schen „Kolbenstößen" über den Rhein gejagt, wir treten das linke Rheinufer und noch etwas Anderes ab und zahlen die Kriegskosien. Vive la grrrande nation!
In Tours und allem Anscheine nach auch in Paris, ist man über das Er- gebniß der Reise Thiers bereits unterrichtet unv wag zum Theil durch seine Berichte bewogen worden sein, durch englische Vermittelung neue Waffenstillstanvs- vorscbläge in das deutsche Hauptquartier gelangen zu lassen, welche diesmal, wie die Telegramme Wiener Blätter behaupten, abgewiesen wurden. Die Situation hat sich eben in den letzten vierzehn Tagen gewaltig verändert. Straßburg und Toul sind gefallen; Paris ist vollständig cernirt und die provisorische Negierung heute noch ohnmächtiger als früher. Die neueste Proklamation der „Negierungsdelegation" in Tours, welche die Wahlen für die Constituante auf den 16. aus- schreibt, klingt weit bescheidener, als früher ähnliche Aktenstücke aus der Feder Cremieux. Man will der Constituante die Entschließung überlassen, ob man nach der Entscheidung des Schicksals von Paris noch weiter kämpfen soll. Da ist keine Phrase mehr von der Unmöglichkeit, einen Zollbreit Lanves oder einen Stein einer Festung dem Feinde zu überlassen. — Der baldige Zusammentritt der Constituante ist übrigens schon wegen der inneren Parteiwirren nothwenvig geworben;


