Meilage zu Ar. 28 des Kießener Anzeigers
Die Geheimnisse einer jungen Mamsell.
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Rath gegeben habe, die Portraits Deiner guten Eltern zu malen, und daß ich । von dem Gelingen das Beste für Deine Zukunft erwarte."
Als Clara mit dem jungen Manne vor dem Bilde stand, schlug ite froy-
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Gehen Sie jetzt nur wieder an vuv, was Sie hier gesehen, bis der Die Guten sollen mit diesem Bilde
lich die Hände zusammen.
„Wie aus dem Spiegel gestohlen!" rief sie. «Zug vor Zug ähnlich, aber nicht blo« selavisch ähnlich, wie so viele andere Bilder sind, nein, au« di-l-n Gesichtern leuchtet auch der Charakter Deiner Eltern lebensvoll hervor, ja, ja, so freundlich und gütig blickt Dein Vater aus den ehrlichen Augen, wenn er sich im Kreise der ©einigen befindet. Da« ist das herzliche Lächeln De Mutter, wenn die Gäste ihr ein Compliment über ihre treffliche Kochkunst machen. O, Du hast nicht blo« mit dem Pinsel, Du hast auch mit tem.Her- zen gemalt, und folglich hat Dein Bild mehr al« gewöhnlichen Werth und wird nicht nur den Beifall Deiner Eltern, sondern auch den der Kenner
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...... gute Nase und rieche all, was im Werke iS. Na, daß ich den Mund halte, darauf können Sie sich verlassen. Mamsell Clara weiß was von meine Verschwiegenheit zu erzählen."
Christian Bork hielt auch Wort und Niemand von den im Hotel Wap tigten Leuten erfuhr auch nur eine Silbe von der Ueberraschung, welche Herrschaft von Konrad an ihrem Hochzeitstage werden sollte.
Endlich mußten nur noch zwei Tage vergehen, dann stieg die Co Festmorgens für die wackere Familie Stiller empor.
Die Anstalten, den Tag vom frühen Morgen an b»s um Mitternacht zu verherrlichen, wurden von den beiden Söhnen Adolph und Konrad und der dankbaren Nichte ihrer Eltern berathen. Clara wurdemit der
Hauptleitung des Ganzen beauftragt; denn der „älteste Sohn ^"nt g nicht vom Comptoir wegbleiben und der jüngere überließ seiner wackeren Couj gern die Freude, die hauptsächlichsten Anordnungen zur Feter zutreffen.
An diesen Tagen war das junge Mädchen dte Geschäftigkeit selbst, sowohl in als außer dem Hause. (Forts, folgt.)
tern muthig entgegensehen." .. x M ,,
__ „Thu' bas, Deine Hoffnung wird nicht getauscht werden.
Mit' diesen Worten verließ Clara ihren Cousin. - - m
Noch zehn Tage mußten verfließen, ehe der erwähnte festliche Tag herankam. Diese Zeit wurde von Konrad und Clara benutzt, einen schonen Gold- rahmen zu kaufen und denselben, als es eintraf, wie Clara vermuthete, daß Herr Stiller und Frau Abends eine ihnen befreundete Familie besuchten, ms Haus
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„Da, sehen Sie, ehrlicher Freund," versetzte sie, auf das Bild deutend, „wozu der Rahmen bestimmt ist."
Christian Bork riß Augen und Mund gleich weit auf.
„Herr Je!" rief er, „das is ja der Herr und die Madam. Und sie sehen mir an, als wenn sie springlebendig wären. Ne, was doch Nlknschen- Hände machen können. Der muß ja einen großen Künstler sein, der daS gemalt hat." ,
Clara blickte lächelnd nach Konrad hin, der daber stand.
„Vox populi vox Dei!“ sagte sie. „Auch Herr Christian halt Dich für ein großes Talent, lieber Cousin."
Jetzt wuchs das Erstaunen des Hausknechts noch umtzemige Grave.
„Was, Sie, Sie, Herr Stiller, haben das Ding da gemalt, nef er.
Konrad nickte.
Ja lieber Bork." ,
— „Ne, iS das die Menschenmöglichkeit! Hör'n Sie mal, wenn Sie so was verstehen, dann können Sie ja was ganz anderes werben , als jo n Gastwirth, wie Ihr Herr Papa ist, einen großen Mann, über den dte- Leute tu die Blätter schreiben werden, daß er seine Vaterstadt Ehre macht. Ja, wenn ich so was fabriziren könnte, da würde ich auch nicht Hausknecht blewen und
; die Gäste ausklopfcn und wichsen." , ' r
Konrad und Clara lachten herzlich über diese Aeußerung, gaben Herrn
' Martin
■aufmann, i» 9ebc:tn
$ Der Brief schloß mit Versicherungen unwandelbarer Freundschaft und stellte ein Wiedersehen in nicht zu ferne Aussicht.
Clara brückte das Papier mehr als einmal an die Lippen.
Mag er mich immerhin bis jetzt nur Freundin nennen," murmelte sie. „Ich 'weiß doch, daß sich hinter diesem Namen ein noch zärtlicherer versteckt. Der wird schon beim Wiedersehen zum Vorschein kommen."
Im Begriffe, den Bries in ihre Kommode zu verschließen, hort sic eine Stimme hinter sich „Clara!" rufen.
Sie wandte sich rasch um.
Ihr Cousin Konrad, der unbemerkt eingetreten, stand vor ihr.
Seine sonst etwa» bleichen Wangen waren geröthct. Seme Augen glanzten in höherem Licht. u r t
Clara legte Sande?- Brief rasch in die Schublade und sagte dann:
„Ei, Cousin, Du siehst ja heute aus, als ob Du das große Loos gewon- ntn hättest."
Konrad Stiller faßte ihre beiven Hande.
Nicht eine Million," sagte er, „würde mich so glücklich machen, als die Vollendung meines Bildes, an dem nun nichts weiter, als ein breiter, prachtl- ger ^Dtrna^enfC^-r heimlich in'- Haus schaffen lassen," versetzte Clara. „Es wird sich schon eine Stunde dazu des Abends finden, wo die Eltern irgend eine Gesell^asi^besuchtti^ ßfara< Aber nun folge mir in mein Atelier
hinaus und überzeuge Dich, daß ich Recht habe, fröhlich wie ein Kind um müV«gnügen, lieber Cousin Du weißt, daß ich Dir den ersten
Bork aber vollkommen Recht. ,
„Ja, lieber Bork," sagte der junge Mann, ich will Ihren Rath auch be- folgen und ein Künstler zu werden suchen. Ihr Geschäft und schweigen Sie über das, Hochzeitstag meiner Eltern erscheint. Di? überrascht werden."
Der Hausknecht lachte pfiffig.
* „Aha, merkst Du was! Ich habe eine
(Fortsetzung.)
„Und darf man fragen, was bas ist?" versetzte die Wlttwe lächelnd.
Das Mädchen nickte. _ k ,
Gern: denn für Sie braucht es kein Geheimniß zu sein. Ich gedenke einem" jungen Manne, Den Sie in unfern Hütei gesehen haben, meinem Cousin Konrav, dazu zu verhelfen, daß er von rem Geschäfte eines Oberkell- nees, da« ihm völlig mißbehagt, io«kommt und sich der schonen Malerkunst wivmen darf, die er längst im Geheimen mit Talent betreibt. Noch kurze Zeit, dann erscheint der Tag, der meinem lieben Cousin da« neue Gluck bringen dürste. G« ist nämlich der Hochzeitstag seiner guten Eltern. SBir feiern ibn liefe« Jahr, wie immer. Herr Stiller giebt dann grofie Gesellschaft.
Wenn Alles versammelt ist, dann - aber e« ist unnothig, ^nen >etzt noch gewinnen. Bild sieht und
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nehmen, die dem Herzen re« jungen Manne« entströmen wird. einer muen auf °ha z Zweifel? Ich sagte Dir schon früher, daß
Menschen sind Ihnen Dank. Dein 6ift, Dir gelänge,1-de« Hindernis da« sich Deinen Wünschen barteir schuldig Was aber wird denn Ihr Lohn fern für alles Gute, was S.e entgegenstellt,^^^^em^Lege raumen wer Hochzeitstage der El-
so energisch bezweckt habend" . 1 "
Ein holdes Lächeln überflog Clara's Züge. .
Ihre Gedanken flogen in die Ferne, nach dem schönen Dresden hin, wo der Liebling ihrer Seele, der junge Sander weilte. Sie sah ihn im Geiste auf einer der herrlichen Anhöhen der sächsischen Schweiz stehen unv die Arme lednsuchtsvoll nach Norven ausbreiten. Sie glaubte, ihn flüstern zu Horen: Ich komme, ich komme, ehe Du daran denkst, um bas Glück, das Du mir beratet, mit Dir zu thcilen, und Dich der theuren Mutter und den lieben Schwestern zuzuführen, die Dich schon zärtlich lieben, ohne Dich je gese- zu brmge ^^r, denen die Neugier angeboren ist, bestürmten
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Diese- Schreiben de« jungen Sander enthielt M.Itheilungen, die ihr Herz wa- damit sE mit tief£[n «ackeren Manne, der ihr feit einiger »«und-, waren von ihrer Krankheit durch geschickte | Z-^in i« v°°bringen, so redlich und klug e.stand
Da sie seine Verschwiegenheit kannte, führte sie ihn selbst in Konrads
Aerzte vollständig geheilt worden.
Die halberblindete Mutter hatte Hoffnung, vermittelst emes berühmten Augenarztes ihre Sehkraft soweit wieder zu erhalten, daß sie die Aussicht über die häuslichen Geschäfte ouf'S Neue übernehmen konnte.
Auch über seinen Vater berichtete Sander Gutes.
Er hat gehalten, was er in Hamburg versprochen," schrieb er. Verleihung meiner sanften Mutter und die Liebe seiner Töchter haben sein gan- .(d früheres Wesen verwandelt. Er ist jetzt der liebevollste Gatte, der zart- lichste Later, den man sich denken kann. Auch seiner Eitelkeit, die der erste Hebel zu dem Unglück seiner Familie wurde, hat er entsagt, und wenn ibn Wiedersehen werden, theure Freundin, dann wird Ihrem Auge em Mann erscheinen. Da mein Vater ein beträchtliches Vermögen besitzt, so leben mir Alle sorgenfrei in einem hübschen, bequemen Hause, das er käuflich für fid? und uns erworben. Ich bin jetzt in den Stand gefetzt, meine Musik wahrhaft künstlerisch, unv nicht als bloßen Broverwerb zu treiben. Seit einiger Zeit habe ich mich auch in der Composttion versucht. Einige Lieder haben, m Privatkreisen gesungen, sogar den Beifall der Kenner empfangen. Ich beabsichtige, sie im Druck erscheinen zu lassen. Dann, liebe Clara, werden Sie mir erlauben, daß ich meine CompvsitionS-Versuche der besten Freunvin meines Lebens widme. Ich nenne keinen Namen; aber wer das ist, wird Ihnen Ihr eigenes


