Ausgabe 
4.11.1870
 
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Sevres einige kleine An-

aus Fahnen, Adlern, Kanonen, werden in Metz und den Forts werden nach ihren Regimentern

Wahrend des Batteriebaus pousflren, wo sich jetzt nun und eine Ration die andere

Euer H.

vom Genie, welcher zur

Die Independance Belge meldet: Ein Capitän Armee von Metz gehört, ist in Brüssel angekommen.

lichen Werken verbringe und hoffe, aus der Rahe von denken mitzubringen.

Sorgt nicht um mich und grüßt alle Gießener.

der Stadt zu entkommen, als die Preußen dort einrückten. Dieser Offizier bringt uns eine Nummer desIndöpendant de la Moselle", der vorgestern, am Tage der Uebergabe des Platzes, erschien. Zugleich theilte der Offizier uns Folgen^ de- mit:

Die Uebergabe de- Pl -tzes und der Soldaten fand am 29. October Statt. Jedes Armeecorps, vorher festgesetzte Richtungen einschlagend, wurde den preußi­schen Behörden übergeben. Dieses dauerte von 12 Uhr Nachmittags bis 6 Uhr Abends. Die Offiziere, welchen die Rolle der Ueberlieferung der Truppen zufiel, übergaben eine Liste, auf welcher der Effectivbestand verzeichnet war. Keine Prüfung wurde von den preußischen Commiffarien vorgenommen. Die Offiziere waren ge- nöthigt, sich hierauf in die Festung zurückzubegeben; es war ein düstere- Schau- spiel. Die Soldaten wie die Offiziere weinten. Frankreich ermordete sich selbst durch den General, der es retten sollte. Um die Offiziere und Soldaten mit der Idee einer Capitulation vertraut zu machen, hatte man ihnen gesagt:In einigen Tagen wereen wir weder Mehl, noch Kleien, noch Wein, noch Branntwein haben. Die Pferde, welchen man nur 300 Gramme- Kleien pro Tag geben kann, wer­den zu Grunde gehen und keine Nahrung mehr für die Mannschaft abgeben Selbst bas Holz wird fehlen, um die Speisen zu kochen. Uebrigens fehlt das Salz seit langer Zeit und man kann daher da- Pferdefleisch nicht einsalzen. Die Pferde, welche uns bleiben, sind außer Stande, der Kavallerie und Artillerie Dienste zu leisten. Mit Kavallerie und Artillerie ist es ein hartes Stück Arbeit, sich durchzuhauen, ohne Kavallerie und Artillerie ist es fast unmöglich, da die Preußen mehr denn je befestigt sind. Jndeß, wenn die Armee entschlossen ist, es zu wagen, so wird Jeder seine Pflicht thun, und wir werden durchkommen, selbst wenn die Hälfte aus dem Platze bleiben sollte. Wozu werden die Trümmer dieser Armee aber nützen? Gewiß wird Vie französische Ehre sicher gestellt sein; aber wäre nicht besser, unsere Kräfte zu schonen, um dem Vaterlande größere Dienste zu leisten? Frankreich ist auf furchtbare Weise von der Anarchie bearbeitet; Paris ist das Opfer unerhörter Unordnungen, Lyon und Marseille sind in den Händen der Rothen, Bordeaux und Toulouse sind der Schauplatz der Gewaltthätigkeit, Havre und Rouen verlangen preußische Besatzungen, um die Ruhe wieder herzu- stellen. Retten wir unsere Familien, unser Eigenthum. Unsere Pflicht ist heute, die Gesellschaft zu beschützen. Wir werden von hier mit allen kriegerischen Ehren, mit unseren Waffen und Adlern abziehen, und wir werden die Armee der Ord­nung werden." So begann man, den Geist der Armee zu vergiften. Aber es lag nicht in den Abfichten Preußens, eine Armee von mehr als 100,000 Mann mit ihren Waffen und Adlern au- Metz abziehen zu lassen, um eine Negierung zu restauriren oder eine neue zu gründen. Bazaine wurde an der Nase herum- geführt, seine Kombinationen wurden in die Länge gezogen; es begann, an Lebens­mitteln zu fehlen. Während fünf Tage erhielten die Soldaten kein Brod mehr

Stadt, bet dem ich genau die historische Gemäldegallerie betrachtete und außerdem das zufällige Glück hatte, die b.rübmten Wasser springen zu sehen. Vorgestern kamen wir wieder auf Vorposten, meine Kompagnie auf S . . . W . . . Gestern requirirte ich Schnaps, Eognac und Wein in dem unbesetzten Dorf au« einem zugemauerten Keller, den ich aufbrechen ließ al- wir im besten Zug waren, meldeten meine ausgestellten Posten da- Herannahen einer starken französischen Patrouille, worauf wir uns rasch mit einem Theil de-Kellerinhaltes zurückziehen mußten und bei Wiederkunft den ganzen Rest von den rothhosigen Kameraden geplündert fanden.

Heute Nacht endlich kam ick auf Wache in die Stallgebäude des Schlosses, ein kolossal massives Ding in einem riesig-fantastischen Roccocostyl, daß man unwillkürlich glauben muß, das ganze Ding fei in einer schönen Sommernacht aus Siam oder sonst einem hinterindischen Reich hierher transportirt worben.

Mein Posten, den ich heute und morgen zu behaupten habe, ist äußerst interessant wir decken den linken Zugang zu der Terrasse des Schlosses, auf der die unvollendete französische Schanze liegt, mit welcher Trochu den Zugang zu den Höhen vor den Pariser Südfort- decken wollte, freilich zu spät. Wie die Sachen jetzt stehen, läßt sich von unserer Hügelkette die französische Linie voll­kommen von oben bestreichen, und dies ist auch der Grund, weshalb gestern und heute FestungSartillerieosfiziere, äußerst liebenswürdige Leute, hier herumrecognos- ciren, um die Plätze zur Aufstellung zu inspiciren......

In ca. 8 Tagen beginnt der Batteriebau, am andern Morgen da- Bom­bardement au- 80 Geschützen, da- nach Bedürfniß sofort aus 130 ausgenommen werden kann der ganze Park bei Vy zählt etwa 400 Belagerungsgeschütze, außerdem stehen noch etwa 700 weitere vor der unglücklichen Stadt. Alle Ar- tillensten glauben, daß sie von den wundervollen Positionen hier und in C. in Zeit von 2 Tagen die benachbarten Forts zum Schweigen bringen, in einer Woche vollkommen zusammenschmettern können dann gehen wir zum Sturm vor.

müssen wir in da- bis jetzt unbesetzte Dorf M. vor- unsere Patrouillen mit den französischen herumjchießen im Stehlen und Zerstören überbietet. Man scheint

und nährten sich nur mit Fleisch von verendeten Pferden. Am 29. Oktober end- lich erhielten die preußifch.n Commissarien, und zwar im nämlichen Augenblicke, als man die Truppen den preußischen Behörden übergab, welche, wenn auch in weiter Entfernung, doch in ausreichender Weise, um Wuthau-brüche Seitens der entwaffneten französischen Soldaten unmöglich zu machen, ihre Schlachtlinien aus­gestellt hatten, da- Material der Armee und de- Platze«, d. h. alle Gewehre und Säbel der Armee, der mobilen Nationalgarde und der Nationalgarte, die ganze Artillerie der Forts und der Walle, und alle Vorräthe der Arsenale. Hoffen wir, daß es vielen Soldaten gelingen möge, zu entkommen, daß viele Offiziere ihrer Gefangenschaft entgehen, um sich zur Verfügung des Lande- zu stellen.

DerInröpendant de la Moselle", der mit schwarzem Rande erschienen ist, bringt folgende beiden Aktenstücke:

1. Protokoll.

Zwifchen den Unterzeichneten, dem Generalstabs.Chef der französischen Armee von Metz und dem preußischen Generalstabs-Chef vor Metz, beide versehen mit den Vollmachten Sr. Excellenz des Marschalls Bazaine, Chef-Commandant, und de« Ober-General- Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Friedrich Karl von Preußen, ist die folgende Convention abgeschlossen worden:

Art. 1. Die französische Armee, welche unter dem Oberbefehl des Marschall- steht, ist kriegsgefangen.

übrigen- drüben Unrath zu wittern gestern Abend (das wrr am Tage des Ausfalls vom 21. Oct. D. Red.) bombardirten die Forts und die Seineboote riesenhaft, Schuß auf Schuh gegen uns. Manche Granate platzte in ganz ver- dächtiger Nahe und mir machte es viel Spaß, als ich mit einigen Rittern des eisernen Kreuzes auf der Schloßterrasse stand und eine Granate, etwa 50 Schritte von uns, krepirte, die Herren mit kreidebleichen Gesichtern auseinanderstieben zu sehen, während ich mit höhnischem Lächeln unbeweglich stehen blieb. Zweimal habe ich jetzt dem Tobe in'- Auge gesehen; ich kenne seine Schrecken und fürchte sie nicht mehr. (Der Briesschreiber wurde bei Wörth durch Granatschuß gefähr- lich verwundet.)

Vor einiger Zeit bekam ich Meldung von der benachbarten Feldwache, es seien ziemlich starke französische Truppenmassen diesseits in Kähnen gelandet, ich möchte auf der Hut sein. Es wäre möglich, daß ich heute noch in's Feuer käme, heute Nacht vielleicht jedenfalls darf ich kein Auge zmhun ....

Die Wasserwerke von Versailles betreffend muß ich mit Freuden sagen, daß unsere Wilhelm-Höhe in jeder Beziehung, Anlagen wie Wasserwerke, weit groß- artiger, anmuthiger, erhabener und liebenswürdiger ist, wie das steife Versailles.. . Endlich noch die Nachricht, daß ich meine Musestunden eifrig in der Bibliothek des Hrn. Marms in CH. mit Studien in mathematischen und naturwiffenschaft-

wie das ganze Material der Armee, bestehend Mitraillcusen, Pferden, Kriegswagen, Munition rc. preußischen Commissarien übergeben. Die Truppen oder Corps aufgestellt, ohne Waffen und in mili­tärischer Ordnung an die Orte geführt, welche für jedes Corps vorher festgesetzt worden sind. Die Offiziere werben sich alsdann in das Innere des verschanzten Lager« oder nach Metz zurückbegeben unter der Bedingung, sich auf Ehrenwort zu verpflichten, den Platz ohne Befehl des preußischen Kommandanten nicht zu verlassen. Die Truppen werden alsdann von ihren Unteroffizieren nach dm Stel- len geführt, wo die Bivouacs errichtet werden. Die Soldaten behalten ihre Tornister, ihre Effecten und ihre Lagergcgenstände, wie Zelte, Decken, Koch- töpfe rc.

Art. 2. Die Festung und die Stadt mit allen Forts, ihrem Kriegsmaterial, Vorräthen aller Art und mit allem, was Eigenthum des Staate« ist, werden der preußischen Armee in dem Zustande, in welchem sie sich im Augenblicke der Unter- zeichnung der Convention befinden, übergeben. Samstag am 29. Oktober um 12 Uhr Nachmittags werden die Forts von Saint Quentin, Plappeville, Saint Julien, Quelen und Saint Privat so wie das Thor Mazelle (Straßburger Land- straße) den preußischen Truppen übergeben. Um 10 Uhr Morgens des nämlichen Tages werden Artillerie- und Genie-Offiziere in die genannten Forts zugelaffen, um die Pulverkammern zu besetzen und die Minen aufzusuchen.

Art. 3. Die Waffen so

1 Art. 4. Alle Generale und Offiziere sowie die militärischen Beamten mit Osfiziersrang, die ihr schriftliches Ehrenwort geben, bis nach beendigtem Kriege die Waffen nicht mehr gegen Deutschland zu tragen und auf keine andere Weise gegen dessen Interessen zu handeln, werden nicht zu Kriegsgefangenen gemacht;

, die Offiziere und Beamten, welche diese Bedingung annehmen, behalten ihre Waffen und die Gegenstände, welche ihnen persönlich angchören. Um den Muth anzuerkennen, von welchem die Truppen der Armee und der Garnison während der Dauer des Feldzuges Beweise abgelegt, ist es außerdem den Offizieren, welche die Gefangenschaft wählen, gestattet, ihre Degen und Säbel so wie alles, was ihnen persönlich angehört, mitzunehmen.

Art. 5. Die Militär-Aerzte bleiben ohne Ausnahme zurück, um für die Verwundeten zu sorgen; sie werden nach den Bedingungkn der Genfer Convention behandelt; bas Nämliche ist mit dem Personal der Hospitäler der Fall.

Art. 6. Detailfragen, welche hauptsächlich die Interessen der Stadt be- 1 Neffen, werden in dem nachstehenden Appendix behandelt, welcher dieselbe Kraft haben wird wie die Convention.

Art. 7. Jeder Artikel, welch-r Zweifel erregen könnte, wird immer zu Gunsten der französischen Armee ausgelegt.

So geschehen im Schlosse FreScaty am 27. Oktober 1870

L. Jarra«. Stichle.

2. Gener albefehl Nr. 12.

A" die Rhein-Armee. Besiegt durch Hungersnoth, sind wir gezwungen, den Kriegsgesetzen uns zu unterwerfen und uns gefangen zu geben. Zu verschie­denen Zeiten unserer militärischen Geschichte haben tapfere Truppen, befehligt von Massöna, Kleber, Gouvion St. Cyr, das nämliche Schicksal erlitten, das in nichts die militärische Ehre befleckt, wenn man, wie ihr, seine Pflicht bis zur äußersten menschlichen Gränze glorreich erfüllt hat. Alles, was auf loyale Weise möglich war, um diesen AuSgang zu vermeiden, ist geschehen und ohne Resultat geblieben. Was die Erneuerung einer letzten Anstrengung betrifft, um die be- festigten Lrnien des Feindes zu durchbrechen, so wäre dieselbe ungeachtet einer Tapferkeit und des Opfers von Tausenden von Leben, welche dem Vaterlande itoch nützlich fein können, in Folge der Bewaffnung und der niederschmetternden Streitkräfte, welche diese Linien bewachen und unterstützen, fruchtlos gewesen: ein ungeheurer Unglücksfall wäre die Folge gewesen. Seien wir würdig im Unglück, achten wir die ehrenhafte Convention, welche stipulirt wurde, wenn wir selbst geachtet sein wollen, wie wir cs verdienen. Vermeiden wir vor Allem, um den Ruf dieser Armee zu wahren, die Handlungen der UndiSciplin, wie die Zerstörung der Waffen und des Materials, weil dem Kriegsgebrauch gemäß Festungen und ihre Bewaffnung an Frankreich zurückkommen, wenn der Friede unterzeichnet wer­den wird. Bei Niederlegung des Oberbefehls halte ich darauf, den Generalen, Offizieren und Soldaten meine ganze Erkenntlichkeit für die loyale Mithülfe, ihre glänzende Tapferkeit in den Kämpfen, ihre Resignation bei den Entbehrungen aus­zudrücken; mit gebrochenem Herzen trenne ich mich von euch.

w o Marschall von Frankreich und Oberbefehlshaber Bazaine. r, 29- Oct. Heute Mittag um 12 Uhr wurden sämmt-

l-r " dre Thore der Festung Metz von preußischen Truppen der Di­vision Kummer besetzt. Der Ausmarsch der französischen Garnison in die Kriegs­gefangenschaft erfolgte zu je 20,000 Mann aus drei verschiedenen Thoren und wird morgen fortgesetzt werden. Auf der Chaussee von Metz nach Ars fui Moselle war, 3/- Meile von ersterer Stadt entfernt, das 2. und 54.' Pommer', sche Jnfaliterie-Negiment, das 2. pommer'sche Jäger-Bataillon, 2 Schwadronen ^^"'^^^r-Regiment und 2 Batterieen vom 2. Artillerie-Regiment un- kr Cent Befehl des Generals v. Fransecky in Parade aufgestellt. Hier hatt« auch der Prinz Friedrich Karl mit zahlreicher Suite seine Aufstellung genommen. Die Regimenter der kaiserlich französischen Garde, Lanciers, Dragons, HussardS, Chasseurs a Cheval und Cuirassiers der Garde, reitende Garde-Artillerie,

Derselbe wollte Preußen gegenüber keine Verpflichtung eingehen, und eS gelang ihm, im Augenblick aus