Temperatur In Gießen, October 1870 :
2,0° R.
6,56 „
7,52 „
14,5 „
5,14 Par. Zoll.
1,71 „ „
Dieß ist der stärkste Ni'derschlaq für der» Monat October binnen 20 Jahren, b. h. soweit überhaupt Beobachtungen für Gießen voriiegen.
niederste ................
mittlere.................
Mittel früherer Jahr«............
höchste...... ..........
Niederschlag: an 11 Tagen..........
„ im Mittel früherer Jahre: an 14 Tagen . .
BSrsennachricbltw.
2. November 1870.
Preuss. 41/g% Obi. 913/4 Frankf. 3‘/2% ObL 793/4
Nass. 41/2% Obi. 913/4
Kurh. 40/y Obi. 833/4
Hess. 4o/o Obi. b. Roths. 92V« „ 31/3o/o do. do. 87Vr
Bayer. 5% Obi. 97 V8 „ 41/2o/o 1 jährige 917/8 „ 4O/o 1/2jährige 85V<
Würtemb. 4i/2% Obi. 911/g
Baden 4i/2% Obi. v. E.L. 911 2
Oestr. 5% b. R. 557/8
„ 50/g National 745 8
„ 50/g Metall. Obi. —
„ 50/g M. steuerf. —
A.mer. 6% 1882r ßds. 959/ig
„ 60/q 1885r 945/tz
Actlevi.
Frankf. Bank 129>/2
Oerter. Bank 692 >/2
„ Creditact 245‘/4
Darmet. Bankact. 324
Prioritäten.
50/g ößtr. F. St. E. B. 374i/2 Ludwigsh.-Bexbaoh 1633/4 Maxbahn 108i/g
Bayer. Ostbahn 124*/4 Hess. Ludwigsbahn — 3% östr. Stsb.-Prior. 56V8 3% östr. s. Lombard. 455/6 3% Livomeser 32‘/8 50/g Tosoaner 50*/2 Frankf. Hypoth.-Bank — Frankf. Vereins-Kasse — 50/g Elisabeth-Prior. 767/8 do. II. Emiss. 741/2________
Anletteiisloose.
Kurh. 40 Thlr. Loose 65 Nassau fl. 25 b. Roth. — Gr. Hees. fl. 50 b. R. — Gr. Hess. fl. 25 b. R. — 40 g bayr. Präm. An). 106i/2 4O/o badische Loose 105 Badische fl. 35 Loose 581 2 1858r Prioritätsloose 151 1860r Loose 773/4 1864r „ 1121/j
Wechsel.
Amsterd, k. S. 100V2 Augsb. k. 3. 997/8 Berlin k. 8. 1043/4 Bremen k. 8. 97 Cöln k. 8. 1047/s Hamburg k. 8. 88 Leipzig k. S. 1043/4 London k. 8. 1187/8 Lyon k. 8. — Paris k. 8. — Wien k. 3. 967/8 Disconto 40/g G.
«Seltfsorten.
Pr. Gass. Sch. 1 4415/16 Div. Cass.-A. — Pr. Friedrdor. 9 58-59 Pistolen . . 9 45 Gld.fehl „ doppelte 9 45 „ „
Holl. fl. 10 St. 9 56 Ducaten . . 5 35-37 20 Frankens!. 9 30^-31 Vt Engi. Souver.il 53-57 Russ. Imper. 9 46-48 Doll, in Gold 2 26-27
Schluß-Cours«.
Darmstädter Bank —. Oesterr. Bankactien 695. Oesterr. Ereditactien 24b3 4 ä i/2 bez u G. Staatsbahn Actien 377-7V8-63/4 bez. Lombarden 166-7‘/2-73/4. Clisabethbahu Actieu 2151/4 ä i/2—143 bez. Galizier 241 ä 40V4 bez. u. P. Böhmische Westbahn-Actien 2393/4 P. Silberrente 56 P. 1860.r Loose 776/8. 1864r Loose—. 1882er Amerikaner 959/ls. 30/g neueste Spanier 31V2 ä 3/8 ä i/4 ä s/10 6fä Madrider Loose 223/4 bez. Fest.
Frankfurt, 2. Nov. 1870. Die Börse war heute fehr lebhaft und d,e günstig« Tendenz machte weitere Fortschritte. Mit Ausnahme von Elisabeth-Bahnaciien, die von Wien bedeutende Marche boten, waren alle Cours« höher. Die Spekulation in Oesterr. Bankactien, sowie in spanischen Fonds wird immer größer und hofft man bis zur nächsten Liquidation hübschen Nutzen rea- lisiren zu können. Selbst Lombarden participirten heute an der Besserung und wurden gegen gestern fl. 2’/o höher bezahlt. StaatSbabn Actieen fortwährend sehr günstig und steigend. Dollars 6 CpS. 2.243/4. Silberrente 6 CpS. 24.27. Glisabethbahn-Actien 80'/2 ä 82 bez.
habe der Vollziehung der Uebergabe thatsächlichen Widerstand entgegensetzt, für
bilden. Alle diese Männer statthabende Geburtstag der 5 gegenwärtig nicht mit Italien, stiezerüchten benützt. (F. I.) < . 1 ■ *"rn ... rv.' -V... r-f..... A <T
Descylktzung oes yori monier oeginnrn mnn.
verlautet, wird dies morgen frühzeitig geschehen und wurde, um dem Feinde jcot: -> b '
Veranlassung zur Beschießung unserer Stadt zu benehmen, die Errichtung der dieffeitigrn Schanzen mindestens eine Viertelstunde abwärts der Stadt bemerk- stelligt. Letzte Nacht wurde aus der Umgebung von Neubreisach Kleingewehrfeuer vernommen. Die Ursache ist noch unbekannt.
Altbreisach, 2. Nov. Heute früh halb 8 Uhr hat die regelrechte Beschießung von Fort Mortier und Neubreisach begonnen.
unbegründet.
Berlin, 1. Novbr. Dem „Staatsanzeiger* zufolge sind die Bedingungen der Capitulation von Metz wesentlich wie die von Sedan. Die Uebergabe der Armee und der Festungsgarnison erfolgt als Kriegsgefangene, das Festungsmaterial wird Kriegsbeute, den Offizieren bleibt, in Anbetracht der bewiesenen Bravour, der Degen.
Posen, 27. Oct. Gestern ist hier ein Marketender vom Kriegsschauplätze als Sträfling eingebracht worden, in dessen Besitz 500 Thaler in verschiedenen Münzsorten, Cylinder- und Stutzuhren, goldene Ringe, wollene Decken und zahlreiche andere Effecten gefunden worden waren. Die Beweismittel gegen den muthmaßlichen Leichenräuber sind indessen nicht zu beschaffen, und würde die königliche Staatsanwaltschaft dem ausgewitzten Burschen gegenüber einen schweren Stand gehabt haben. Indessen stellte sich heraus, daß der Angeklagte in Posen nur kurze Zeit sich früher aufgehalten hat und österreichischer Unterthan ist. Derselbe wird nun nach Oesterreich ausgeliefert und dort selbstverständlich sofort auf freien Fuß gesetzt werden.
Vom bayerischen Wald, 28. Dct. Noch tauchen in unserem gesegneten Niederbayern Ute und da Räuberbanden auf. Zwischen drei Gendarmen und einem Polizeidiener entspann sich in Arnschwang mit zwei Mitgliedern derselben (b?L drei anderen wurden später in der Scheuer aufgefunven) ein heftiger Kampf, wo'ei sämmtliche Sicherheitsmannschasten von. den gefährlichen Burschen durch Pistolenschüsse verwundet wurden. Es war auf die Beraubung eines dortigen Bauern abgesehen, welcher 4000 fl. Heirathsgut für seine Tochter parat batte.
Wien, 20. Oct. Man theilt mit, daß der hessen-darmstädtische Gesandte, Heinrich v. Gagern, dem Reichskanzler eine Note bekanntgegeben habe, wonach der Vertrag, betreffend den Eintritt Hessen-Darmstadt in den Nordbund, vollzogen ist. Nach der erfolgten Natificirung des Vertrages durch den Reichstag würde sofort die Abberufung des Gesandten erfolgen, der indeß seinen ständigen Wohnsitz in Wien zu nehmen gesonnen sein soll. — Der am 19. Novbr. statthabende Geburtstag der Kaiserin wird wieder zur Ausbreitung von Amne-
zu geschehen pflegt. (K. Z.)
Allbreisach, 1. November. Die von der badischen Artillerie am Isenberg aufgeworfene Batterie 24-Pfünder ist soweit in ihre Stellung eingerückt, daß die Beschießung des Fort Mortier beginnen kann. Soviel von militärischer Seite
Brussel, 1." Novbr. Die Exkaiserin Eugenie passirte in den letzten Tagen Brüssel als Gräfin Clary, um sich nach Wilhelmshöhe zu begeben. — Die „Jndependance belge" publicirt einen Brief Boyer's, worin derselbe eine Ehrenrettung Bazaine's versucht, indem sie denselben mit wahrhaft vernichten-
EhassenrS der Garde, ein Regiment der Grenadiers der Garde und zwei Voltigeur-Regimenter defilirten in der Stärke von circa 20,000 Mann hier ohne Waffen vorbei und begaben sich dann auf ein nahe gelegenes Feld, um dort für diese Nacht zu bivouakiren, gespeist zu werden und morgen den Weitermarsch in die deutsche Gefangenschaft anzutreten. Es waren welthistorische Stunden, als die Ueberreste der meist so stolzen französischen Garde als Gefangene vor den preußischen Truppentheilen in langen Zügen vorbeidefilirten.
Die „France du Nord" meldet: „Gestern sind in Boulogne mit dem Post- Dampfboot 'acht Matrasen, welche zum Kriegsschiff „Defaix" gehörten, angekommen. Dieselben waren betraut, ein preußisches Kohlenschiff, welches der „Drfaix' in der Nordsee weggenommen hatte, nach Frankreich zu bringen. Zu Folge eines Sturmes litt das preußische Schiff Schaden und ging zuletzt in der Nähe von Dogger-Bank unter. Die französischen und preußischen Seeleute retteten sich tn zwei Booten und fuhren so lange anfis Gerathewohl, bis sie ein norwegisches Schiff an Bord nahm. Nach Christiania geführt, wurden die Schiffbrüchigen durch ihre Consuln nach ihren resp. Ländern zurückbefördcrt. Nach den uns zu- gehenden Berichten sollen die Resultate der Arbeiten der Flotte sehr befrtcd,gend sein. Eine große Anzahl deutscher Schiffe, welche sich in den Häfen der Ostkuste Englands geflüchtet, patte sich beeilt, in ihre Ausrüstungshäfen zurückzukehren, als sich das Gericht verbreitete, die französische Flotte sei nach Frankreich zurückgekehrt. Das Resultat war, daß die französischen Kreuzer, welche vor dem Sund und dem großen und kleinen Belt auf der Lauer lagen, sehr reiche Beute wachten. Um sich eine Idee zu machen, welchen Schaden unsere Schiffe dem Feinde verursachten, reicht es hin, mitzutheilen, daß eines derselben nach Cherbourg zurückkehren mußte, da in Folge der Bemannung der erbeuteten Schiffe seine Mannschaft nicht mehr ausreichte." Die „France du Nord" sollte sich lieber fragen: „Welch* schreckliches Geld werden wir für all diesen Schaden zahlen müssen, den unsere Flotte unbefugter Meise angerichtet?"
Aus Lothringen, 28. Oct. Außer Garibaldi haben in der letzten Zelt noch mehrere andere italienische, polnische, belgische und amerikanische Freischärler es versucht, Franctireursbanden gegen uns zu bilden. spielen ein sehr gewagtes Spiel, denn da wir c o v
Polen, Nordamerika und Belgien im Kriege, sondern im tiefsten Frieden leben, so dürfen auch die Angehörigen dieser Staaten nicht willkürlich die Waffen gegen uns ergreifen, stellen sich, wenn sie dies thun, ohne vorher naturalifirt und in die reguläre französische Armee gesetzlich eingereiht worden, außer dem Kriegsgesetz, werden daher nicht als Soldaten, sondern als fremde Räuber behandelt und somit innerhalb 24 Stunden standrechtlich verurtheilt und werden erschossen, wenn sie in unsere Hände fallen. Unsere Soldaten sind übrigens gegen diese Fremden so wüthend, daß sie ihnen entschieden keinen Pardon geben wollen, und so möchte auch Garibaldi sein Leben durch deutsche Kugeln enden, wenn er tn unsere Gewalt gerathen sollte. Unsere Truppen dürften in diesem Falle den Mann schwerlich nach seinem Namen fragen, sondern ihn ohne weitere Umstände erschießen, wie es in diesem Kriege, wo die Franctireurs nur zu häufig schon auf unsere Verwundeten geschossen haben, jetzt gewöhnlich mit derartigen Leuten
den Randglossen begleitet. Ä . r «>
London, 31. Oct. Aus Peking vom 16. d. wird gemeldet, daß die Re- qrerung die sofortige Hinrichtung von 20 Chinesen zu Tientsin befohlen hat. Zwei Höhere Beamte wurden in die Verbannung geschickt.
Telegraphische Depeschen.
Künheim. 2. November. Seit heute früh ist das Feuer auf Neu-Breisach aus drei Batterien bei Biesheim resp. Wolfgantzen
und auf das Fort Mortier aus drei Batterien bei Alt-Breisach eröffnet. von Schmeling.
Versailles. 2. November. (Officiell.) General v. Werder meldet, daß General Beyer am 30. vor Dijon hartnäckigen f • Prinz Wilhelm von Baden nahm die Höhen von 8t. Apoilinari und die Vorstädte, worauf der Feind abzog. Am 31. früh wurde die Stadt von dem Maire übergeben. Diesseits sind 5 Offiziere verwundet und 250 Mann theils todt, theils verwundet. Der feindliche Verlust dagegen sehr bedeutend.
Vor Paris nichts besonderes gemeldet. v. Podbielsky.
Kassel, 1. Novbr. Die Kaiserin Eugenie war vorgestern Abend gegen 5 Uhr auf dem Bahnhof zu Wilhelm-Höhe im strengsten Inkognito angeksmmcn und im „Hotel Schombardt" abgestiegen. Hier verweilte sie jedoch nur sehr kurze Zeit, da sie ihre Wohnung im Schlosse beim Kaiser nahm, von wo sie gestern wieter weiter gereist ist. Sie war von zwei Damen begleitet und tief verschleiert — Marschall Bazaine fuhr gestern in einem zweispännigen Wagen zum hie- figen Gouverneur, Graf Monts, verweilte daselbst längere Zeit und begab sich hieraus nach Wilhelmshöhe zum Kaiser. — Unsere städtischen Behörden haben für Strasburg 1000 Thaler aus städtischen Mitteln bewilligt. Die Kosten für die Kriegsleistungen, die der Stadt als Commune und Kreis erwachsen, will man durch ein Anlehen aufbringen.
Kassel, 1. Novbr. Die Kaiserin Eugenie, welche in Wilhelmshöhe eingetroffen war, ist bereits wieder abgereist.
Wilhelmshöhe, 1. Nov. Die unverhoffte Ankunft der Kaiserin, die noch unverhofftere Jnternirung der drei Marschälle in Kassel, die für heute Morgen im Grand Hotel Schombardt bestellten Zimmer für die Herzogin v- Hamilton — die Gerüchte, welche in den nächsten Tagen auch den ziemlich hergestellten Mac Mahon, so wie die Herren Rouher, Schneider, Persigny, Lavalette und Drouyn de Lhuis hierher bringen — alles das genügt, Sie werden es begreifen, um ein weites, ein unabsehbares Feld der politischen Hypothese zu eröffnen. Die Kaiserin hat noch nicht das Schloß verlassen; — ich weiß aus zuverlässi- ger Quelle, daß sie muthig und entschlossen ist und ihr und ^des Landes Unglück, dessen Fürstin sie bis vor Kurzem war, mit einer fast männlichen Energie erträgt. — Den Marschall Bazaine, der einzige der annoncirten Marschälle, der bis jetzt eingetroffen ist, sah ich; — er fuhr zur Meldung zum Grafen Monts und zum General Plonski und von da nach Wilhelmshöhe zum Kaiser- Er sieht ganz verzweifelt aus; — meine Begleiter und ich wir mußten die Köpfe wenden, wir konnten den Anblick dieses Mannes nicht ertragen. Er lo- girt im Hotel du Nord mit seinem Stabe, in welchem sich zwei Offiziere seines Namens befinden. — Das Wetter ist hier entsetzlich, kein Wunder, daß der Kaiser das Schloß nicht verläßt und daß die Gerüchte seines Wohnungswechsels stets von Neuem auftauchen. Entschieden kann ich es dementiren, daß bis heute seinerseits dieser Wunsch geäußert worden ist. (8 3-)
Berlin, 1. Novbr. Gegenüber der gestrigen Mittheilung der „Börscn- zeitung" übe. ein angebliches Attentat auf den König, wobei General v. Roon verwundet worden sei, erklärt die „Kreuzzeitung", es handle sich hier wahrscheinlich um eine Börsennachricht. Auf die Anfrage bei der Gemahlin des Generals v. Roon erfolgte die Antwort: „Mein Mann ist ganz gesund." Die „Kreuzzeitung" bezeichnet das Gerücht, die Garnison der Festung Metz


