Ausgabe 
4.1.1870
 
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Hamburg, Berlin, Basel, Wien, Leipzig, Stuttgart, Zürich, St. Gallen, Genf,

Leipzigerstrasse, 46 ;

Steinenberg, 29;

Stadt, Neuer Markt, 11 ;

Markt, 17, Königshaus;

Kronprinzstrasse, 1 B ;

Elsassergasse, 1 ;

Obere Grabenstrasse, 13 ;

Place du Molard, 2.

HAASENSTEIN & VOGLER Zeitungs-Annoncen-Expedition, in Frankfurt am Main,

grosse Gallusstrasse 1, im 1. Stock, Neuerwall, 50 ;

36) Auf eine Ziegelei wird für die Dauer von sechs Jahren ein mit der Ziegelbren- nerei vertrauter, zuverlässiger Mann, wei­cher gute Zeugnisse besitzt, gesucht. Der­selbe erhält in der Ziegelei Trete Wohnung, etwas Land zu seinem Gebrauch, und außer­dem noch Futter, um einiges Vieh halten zu können. Alles Uebrige nach lieberem; kunst. Franco-Offerten werden von der Exped. d. Bltts. entgegengenommen.

25) Trassiriing;, »iscoeit- u. Accept-Credit auf ein alt. resp. Firma (Fahr.- u. Comm.-Gesch.). Näheres Coln N. L 6 poste rost.

NMional-Vieh-Versicherungs-Gesellschisit in Cassel versichert Pferde, Rindvieh, Schweine und Schafe gegen alle Verluste mcl. Seuchen und Unglücksfälle. Voll-Zahlungen der Schaden. Sofortige Regulirung. Wechsel im Viehstande gestattet ohne Anzeige. Für größere Landwirthe separate Abteilung. Versicherung ganzer Gemeinden, sowie Rückversicherung bestehender Orts- oereine unter erleichterten Bedingungen. Statuten, Antragsformulare gratis. Aus­künfte werden gern ertheilt von allen Spezial-Agenten.sowie von der

General-Agentur in Darmstadt: I. Gg. Schroder.

5x5=* An Jedem Orte werden Agenten angestellt! ______________

Das Hamburg-New-Yorker PostdampfschiffHammonia", Capitain Meier, welches am 15. d. von hier und am 19. d. von Havre abgegangen, ist nach einer R^se von 10 Tagen 16 Stunden am 30. d. 6 Uhr Morgens wohlbehalten in New- York angekommen. Hamburg, 31. December 1869.

Feuilleton

Weib werden.

wird

oder

nicht

Seligkeit war.

Mittlerweile wurde Giovanni kränker und kränker, sein schwacher Körper trug die stete Aufregung nicht und ruhelos walzte er st» auf seinem Lager. Beatrice wußte, daß ein einziges Wort von ihren Lippen ihm das Leben zu-

Dir Mummnerkäuferin der PiaM del Ptebisriw.

Novelle von F. Klinck.

Giovanni seufzte tief auf.

Gebe Dir die heilige Jungfrau, daß meine Ahnung^mick nicht betrügt ich will für Euer Glück beten, Beatrice. Aber ich flehe Euch jetzt an, macht ein Ende. Entdeckt Euch Eurem Vater"

Meinem Vater!" stöhnte Beatrice, und zwei Thränen rollten über ihre Wangen.Das ist der schwerste Schritt, den ich thun kann, Giovanm, und ich will ihn bis zuletzt ausschieben.' x

Thut das, Beatrice vielleicht bleibt ihm dann ein namenloser Schmerz erspart, fügte Giovanni leise hinzu. >

(Schluß folgt.)

das letzte Mal sein sollte.

Doch weinte sie dann wieder glühende Thränen, daß ste, die stolze Bca- trtce Pisano, von der noch Keiner sich rühmen konnte, ihr kaltes Herz gerührt tu baden, sich vor diesem Manne beugte. Was würde ihr Vater, der aristo­kratische Marchese Pisano dazu sagen, wenn er von ihrem Thun und Treiben soll l der lebten Zeit gewußt hätte? Seine Tochter sollte einen armseligen Sing- f 1 meister einen Nicolo Porpera lieben? Ah! es log Ironie in dem Gedanken,

Det iecem Unparteiischen ein heiteres Lächeln entlockt hätte! Und Beatrice wußte taS. Sie wußte, daß sie ihres Vaters höchsten Zorn erregen wurde, wenn er uur das Mindeste von ihrem heimlichen Unterricht ahnte! Aber ste hatte nicht Den Muth, ein Verhältniß abzubrechen, was ihr höchster Schmerz und höchste

iU mögt Recht haben, Signora Beatrice, aber es könnte doch anders fotnmen als Ihr es denkt, und es ist mir ein Räthsel, daß es noch nicht anders gekommen ist der Maestro Porpera muß sehr leichtgläubig geworden^sein. Thal!" lachte Beatrice, selber belustigt über die Art

und Weise, wie ihr Gesanglehrer alle ihre Ausreden aufnahm.Nein, Gio> vanni, schlagt Eure Befürchtungen nieder, und überdies muß bet Untemdjt bald sein Ende erreicht haben - Ihr wißt ja, wie ich singe, ®io»«nm," schloß sie, ihm ihre Hand auf die Schulter legend.

Sffiie ein Engel, Beatrice!" rief Giovanni begeistert aus.

"NUn? Beatrice,"Ich' schwärme nicht, ich spreche die Wahrheit. Ihr singt wie ein Engel: ich begreife nicht, wie man schöner singen kann. Und darum | denke ich immer, Ihr solltet Eure gefährliche Stellung diesem Meister gegenüber , aufgeben - ich möchte nicht, daß der le,feste Schatten d,e Reinheit Cures N""^Jch werde ste aufgeben, Giovanni," sagte Beatrice leicht, von der Liebe ihres bestimmten Verlobten gerührt,nur noch kurze Zeit und dann werde ich blt Giovanni 'seufzte. Selbst dieser Gedanke bereitete ihm keine Beruhigung. Beatrice war so unbeständig wie schön, und man konnte es dem armen Gio­vanni nickt verargen, wenn er seine schöne Verlobte mit ArguSargen hütete.

Und eine lange, lange Zeit war seitdem verflossen, aber Beatrice hieU nicht Wort. Immer mehr trieb es sie zu dem Singmeister Porpera, ob auch der leidenschaftliche, eifersüchtige Giovanni krank wurde vor'innerer Qual

So oft sie es au» versprach, nickt mehr hinzugehen, sobald der erste Strahl der Morgensonne durch das Fenster ihres Gemaches brach, sprang Beatrice von ihrem Lager auf und eilte den gewohnten Weg, und Giovanni sah das hübsche Blumenmädchen vorübergleiten, und immer mehr gewohnte er sich an den Gedanken, Beatrice zu verlieren.

Und Beatrice litt fast nicht minder als Giovanni. Anfangs hatte die Täuschung des berühmten Mannes ste belustigt, sie hatte über feine Leichtgläu- bjnfeil gelacht, sich über feine bewundernden Blicke gefreut und ihn übermuthig mehr und mehr in ihr Netz zu ziehen gesucht. Das war ihr nur zu gut ge- langen Nicolo Porpera hatte noch nie geliebt, und auch eine weniger in de» Künsten der fioquetlerie erfahrene grau, als Beatrice Pisano konnte sein arg- loses Gemstth in Fesseln schlagen. Der fortwährende Umgang mit dem scho- nen Mädchen, das ihn immer mehr an sich zu ziehen wußte, hatte ihm nur zu bald die Gewißheit gebracht, daß er Violetta liebte, mehr als fein Leben, mehr als feine Seligkeit, mehr als feine Musik und als feinen Gesang. Es war eine heiße Liebe für feine schöne Schülerin, die ihn ergriffen, aber er hatte es noch nickt gewagt, ihr dieselbe durch ein Wort oder auch nur durch einen Blick ,n oerratben Ein unbestimmtes-Etwas hielt ihn immer zurück. War es wohl die Furcht daß ste so hell auflacken würde, wie sie es schon so ost gethan, wenn.er ihr sagte, daß ihre Hände zarter als die einer Prinzessin wären, und .ihr Haar schimmerte, wie flüssiges Gold?

Aber mit Beatrice wat plötzlich eine große Veränderung vorgegangen, sie batte einsehen gelernt, daß man nicht ungestraft mit den Gefühlen eines Men. fdien spielen darf. Wenn er die reizenden wehmüthigen Liebeslieder sang, wie nur Nicolo Porpera sie singen konnte, und er ste dabei mit feinen großen, dunklen Augen so glühend und verlangend ansah, dann war plotzl'ck BeatricenS ganzer Uebermuth wie vom Winde verweht, und sie mußte andächtig auf seine Worte lauschen, als habe sie nie etwas Schöneres gehört. Und wenn ste dann ui», weht die Lehrstunden des Maestro Porpera besuchen wollte, wie sie es Giovanni versprochen batte, aber doch jener Liebeslieder gedachte, so trieb es sie mit unwiderstehlicher Gewalt wieder zu ihm, mit dem festen Vorsätze, daß es

(Fortsetzung.) , .

Immer dies knabenhafte Beginnen!" rief sie aus.Giovanni ist em Kind Ich kann ihu oftmals nicht begreifen."

Uno als Giovanni balv darauf in ihr Gemach trat, fand er Beatrice in

ü nicht hinabkommen in den Garten, Beatrice? Die Lnft ist

fo mild, und kaum habe ich die Sterne schöner glänzen sehen?

Ihr schwärmt, Giovanni," entgegnete Beatrice mit vernehmlichem Spott, laßt'doch die Dichter von Sternen und Mondschein sprechen und bedenkt, daß toir in der Wirklichkeit leben, wo wir nicht die geringste Freude davon haben." "Ihr nicht, Beatrice," gab Giovanni schmerzlich zur Antwort,aber ich freue mich über einen prächtigen Sternenhimmel und über einen milden Som- merabend, wo der Duft der Orangen fast betäubend auf mich wirkt. Und cm solcher Abend ist es heute; geht doch mit hinab in den Garten. Beatrice, und dann sagt mir, ob Euch draußen nicht selig zu Muthe wird."

Gut, ich will, aber nur unter einer Bedingung, daß Ihr nie mehr tn meiner Nähe die Mandoline spielt." .

Ihr wißt, ich spiele sie gern," sagte Giovanni vorwurfsvolles ist meine einnae Freude.

Ich gönne Euck diese Freude," spottete Beatrice,nur in meiner

gut werden."

ES wird nie gut, Beatrice," sagte Giovanni traurig.Ihr liebt mich Ihr habt mich nie geliebt, ich füble es von Tag zu Tag mehr, und Ihr mich betrogt, das wird mir das Herz brechen."

3d> betrog Euch nicht, Giovanni," schluchzte Beatricee," ich liebte Euch, glaubte Euch wenigstens zu lieben, bis"

Bis Ihr den Einfall haltet, die Schülerin des Nicolo Porpera zu wer.

den,""endete Giovanni traurig.Da lerntet Ihr die wahre Liebe kennen, dem Manne war es vergönnt, Euch lieben zu lehren, während mein armes Herz ficb vor Jammer krümmte, indem ich den Abgrund sah, aus welchem Zhr toan- teltet und doch nicht die Macht hatte, Euch wegzureißen. Beatrice, ich habe Euch geliebt, ich hätte Euch auf den Händen getragen, als mein SHieib, euer Vater sah seinen innigsten Wunsch erfüllt, und nun ist Alles vorbei. Welchen flämefen geht Ihr entgegen, Beatrice! Was wird jener stolze, rechtschaffene Machro sagen, wenn er erfährt, daß Ihr ibn betrogt? O, ich zittere für Euch! Wenn er Eure Liebe nun von sich weist ?

Beatrice zitterte, aber im nächsten Augenblick glänzten ihre schönen Augen schwärmerisch und ihr Mund lächelte.

Fachtet das nicht, Giovanni. Nicolo liebt mich mehr, als fein Leben."

Si^ gingen hinab in den Garten, aber Giovanni hatte die Freude an tem schönen Abend verloren, uno Beatrice dachte an etwas ganz anderes, al« an cie balsamische Luft und das Gemurmel der Meereswellen, das leise her- überlbnte Schweigend sckritten sie nebeneinander her, beide vom Glucke zu einem heiteren Loose bestimmt, aber ohne den rechten Willen, es }u ergreifen.

Wann sind Eure Lehrstunden beim Maestro Porpera beendet? fragte endlich Giovanni, um nur das Schweigen zu unterbrechen.

Schon wieder diese Frage, Giovanni?" entgegnete Beatrice.

<7.8 Weiß ich doch selber nicht, wann er mich als vollkommen entlaßt.

Also eher werdet Ihr nicht gehen?" fragte jetzt Giovanni nicht ohne Bitterkeit.Und denkt Ihr gar nicht daran, Beatrice, daß die Welt und vor aflem Maestro Porpera eines Tages erfahren könnten, daß die stolze Beatrice Pisano zu einer Lüge ihre Zuflucht nahm, um die Schülerin eines armen Srngmeisters zu werden? Daß ste in einer ihrer unwürdigen Verkleidung «eden Morgen in fein Haus schlich, um ein bischen Singen zu lernen? Denkt Ihr daran nicht, Beatrice Pisano?"

Beatrice zog die stolze, Hobe Stirn in galten.Ihr »ergeh e . «*»'aber sie könnte und wollte das Wort nicht aussprechcn Galanterie, um einen gelinden Ausdruck zu gebrauchen, ®to»«nm, - fegte ff rudgrten »urte, «n Seligkeit willen gekonnt.

gereizt. Es kommt Euch nicht J'V"11 n[AU" _ feine Weigerung, Nur jetzt nicht, Giovanni, nur jetzt besteht nicht auf eine Verbindung," midi Beatritt Pisano als Schülerin auszunehmen. So lange Ihr schweigt, flehte "eines Tag-s Beatrice unter heißen Thränen, ich kann nickt jetzt Euer fflioeMtri so lange wird kein Mensch von diesem Schritt erfahren, und wenn | Weib werden. Habt Erbarmen mit nur - nur cm wenig Geduld und Alles ich genug gelernt habe, dann wird das Blumenmädchen eine« Tages wegblei- den und ich sage Euch, Niemand wird daran denken, es im Palast- P-sano