Ausgabe 
2.11.1870
 
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Erscheint täglich, mit Aus­nahme Montags.

Expedition: Canzletberg Lit. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Arsis Kietzen.

1870

Mittwoch den 2. November

Nr. 1413

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werden noch fortwährend sowohl bet der Expedition, Canzletberg B-1, als auch

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December 187» zu 40 kr.__

Amtlicher T h e i l.

Gießen, den 25. October 1870.

Der preuß. Staats-Anzeiger schreibt:

Kriegsnachrichten.

1. November, eines Widerstandes gegen Vie Fremden wurde immer augenscheinlicher. Die Ge- iger schreib-:Die Blicke von Millionen sinv heute meinve zu Kanton hatte die Konsuln °uf "achs-nd- 8-echh-tt der C^efen denkwürdiges Ereigmß vollzieh,. Nach fünf großen aufmerksam gemacht und erklärt, daß fit auf Schatz rechnete.

GicKen, 1. Nov. Wir brachten kürzlich einen Brief von einem jungen Gießener, welcher beim 32. Regimente steht, der uns Vie Erstürmung von Oileans erzählte. Heute steht uns von einem anderen langen Manne desselben Regiment« ein Brief zu Gebote, welcher die Erstürmung von Chatcaudun beschreibt:An den Tag der Erstürmung von Orleans, kann ich einen anderen furchtbaren reihen, nämlich den von Chateaudun. Am 16. Oktober warschirtcn wir von Orleans weg. Nach,« Quarlier in einer Scheune. Der denkwürdige Tag des 18 brach an. Um *A7 ging es fort; wir marschirten 6 Stunden, bis wie die unglückliche Stadt bemerkten. In unserer Erwartung, ein gutes Quartier zu bifommtn' wurden wir schrecklich g-täuicht. Diese Stadt war voll von Fre.schaaren, Venen sich die Bürgerschaft anfchloß. Die Artillerie eröffnete den Reigen und wir ruck- tcn von allen Seiten an. Hinter einem Haufe wurde Stellung genommen, und der Schützenzug, in welchem ich mich befand, mußte -orruck-n. Ein entsitzltches Gewehrfeuer empfing uns, und wir konnten Nichts auSrichtrn, indem sich Franzosen hinter einer Mauer ausgestellt hatten und durch Sch>eßl°»er un gegen schossen. Die bayerische Batterie, die noch ankam, fing an zu feuern und schoß nun auf Häusrr, die w.r schon besetz, hatten. Die Hauser brannten »fort und wir mußten dieselben räumen. Wir befanden uns nun zwischen zwei Stuern , wir winkten den Bayern mit Tüchern und schrien ihnen zu, b,s ste endltch merk en, vaß ste auf uns schossen. Der Oberst besaht mehrmals, vorzurucken, unser Haupt- mann erwiderte, es sei unmöglich in dem fürchterlichen Kugelregen. Wir IPrangen hinter eine brennende Scheune, wo une aus jedem Loche « Wn)«feuei: »Brt«. äugel und Balken stürzten auf uns herab; es war ein schrecklicher Augenblick Untttdessen brach die Nach! h-rein und dar Feuern horte etwas auf; wir ruhten nun etwas aus und dann hi-ß es, weiter, um sich dem Regiment «nzu chlußen. Wir gingen nun der Mauer entlang, hinter welcher die Franzoien lagen. Da Niemand Auskunft geben konnte, wurde nach dem 32. Regiment gerufen. Da

wurde von eenem Kerls gerufen: Hier 32. Kaum war das Wort ho-bar, - S . es au« allen Ecken blitzte und wir von den Burgern und Freifchaaren Hwterlist g I fürchterlich beschossen wurden. Jetzt ging es nun ohne Commando zurück und es wurde ein anderer Weg eingeschlagen, um das Regiment au'zusuchen. Wir san­den dassewe und nun hieß es vorrücken: Füsiliere voran . Wir stürmten nun ewe Barrikade von Sandsäcken und machten so dem Nachtrupp Platz. Der L s h kam nun, einen jeden Bürger, welcher eine Waffe trug, *obt$uf*ldße"' n'd) lbt' zuschießen. Haus vor Haus wurde nun von uns angesteckt. Es ^"Uder e mich furchtbar; aber als wir an unsere wimmernden Kameraden dachten, da g ng es. Die Franzosen halten sich in den Häusern versteckt und deßhalb wurde gebrannt. Mütter mit heravhängenden Haaren, ihre Kinde, auf dem Arm, stürzten aus den Häusern; e« war zum Erbarmen; aber immer brennen, denn es galt ja untere eigene Rettung. Ein Licht an das Bett und gierig griffen d,e flammen um sich. Die ältesten Männer weinten und rangen die Hände, denn vor 'V°n Außen -,'ng ja ihre gejammte Habe in Flammen auf und nicht« behielten sie al« 'N nack Leben. Mit Beilen, Sexten und Säbel wurden d>e verschloffenen ^huien - geschlagen und in die Häuser eingedrungen. Nachts um 12 Uhr ward > w r w die noch übrigen Häuser gefügt. Kaum ruhten wir mttSackund P-ckewige Stunden auf den kalten Steinptztten, da mußten wir wieder heraus, wd m das Haus zu brennen anfing. Als es Tag war, durchsuchten «,r die noch übrigen Häuser. Ein Anblick wurde mir, der mir das Blut starr machte: es lagen nam-

auf Mell gerichtet, wo fiel) ein u...ö------o - *> » - , - ...

Schlachten und Gefechten, nach zahllosen kleinen Kämpfen, nach unsäglichen Muy- salcn und Entbehrungen zieht unser Heer als Sieger in Den gewaltigen Waffen- rlatz. Die französische Hauptarmee, an ihrer Spitze drei Marschalle von Frank­reich, senkt die Waffen. Es ist der Kern der französischen Heere, der sich unserem konialichen Prinzen ergibt; Krieger von erprobter Tapserkeit, Führer von be­währter Umsicht. Die Sieger versagen dem Gegner, mit dem sie Monate lang t gerungen, da» Zeugniß nicht, daß er es an Kühnheit, Muth und Ausdauer bei , Der Beetheidigung nicht habe fehlen lassen. Daß aber eine so große tapfer i Armee einem solchen Geschicke anheimsallen mußte, steht ewzig da, t«der Ge­schichte Indem unsere Sieger den schwer verdienten Lorbeer mit dem Danke i Ihres Königs und des Vaterlandes empfangen, erfüllt sie ewe besondere stolze i Venugthuung Sie haben da« Bewußtsein, daß > m dem erkampsten Waffen- . Matte taä stärkste Bollwerk für Deutschland künftige Berlhetdigung im W sten unt eine vorzügliche Bürgschaft zur Sicherung des Friedens errungen haben. Wir wollen aber heute auch der Helden gedenken, die ihr Leben Hingaben in den blutiaen Kämpfen um Metz. Hunderttausende daheim werden schmerzliey bewegt b i diesem Namen Ihre feuchten Blicke richten sich nach der großen Grabes- llätte wo ihre Väter, ihre Galten, ihre Söhne und Bruder schlummern. Das Nu rlanv trauert mi ihnen. Es bringt den gefallenen Helden ihre Lorberkrone ®a,er leffen 3u«rUt" daß sie sicher ruhen weiden in der mit ihrem Blicke

1W, «.y I.

.- Ve««'ÄÄ»* ^mbnrtem nt' beginnen Privatnachrichten hochgestellter Militärs f8kU?,n ent Ä er über bie n7d>|1e Zukunft als bisher; die hauptsächlichsten ESftv s

X Ä.Ä.* Ätf'SiK

lungen wird ff$ 0 J > toc(| U um Cje deutsche Angelegenheit handelt. Der Bunde-'-Generab Postdirector Stephan ist bereits nach Metz abgeretst, um die GennaUPostdirection einzusetzen und den Postverkehr, dem nun neue "'"S's-Km.» »"!'» «>»'*« r*lT , r e»ne Niedermetzelung der Fremden in fast allen Vertragshafen,

en9Jßmit einaesckloffen, auf einen bestimmten Tag vorausgesagt worven sei. ^anlon<nmf h' .9nn hprrfehle über Vie versprochene Mitwirkung Englands zum --1"-

Betreffend: Kostenverzeichnisse über Beitreibung der Communalintraden vom III. Ouartal 1870. *

Das Grlißher)oglrche Krersaml Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien Albach, AUendorf a. d. Lahn, Allendorf a. d. Lda., Alt-Buseck, Annerod, Bersrod, Ettingshausen Garbenteich, Gießen, Groß-Linden, Hansen, Mainzlar, Munster, Rodgen, Stembach, Trew a. d. Lda., Trohe und Watzenborn.

Wir erinnern Sie an die Einsendung der rubricirten Kostenverzeichnisse binnen 8 Tagen.

Dr. (Selbmann. ______________