Frucht- und Mehlpreise in verflossener Woche von nachbenannten Orten und Fruchtmärkten.
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Normalgewicht per Malter: Waizen 200, Korn 180, Gerste 160, Spelz und Hafer 120, Erbsen, Linsen, Wicken 220, Kartoffeln 200, Mehl 140 Pfund.__________
Feuilleton.
Der Dsrbone.
(Barbone, im ital. VolkSdialect: der Bärtige.)
Novelle von Fr. Büchner.
(Verfasser der Preisnovelle „Jugendverirrungen.") (Fortsetzung.) , .
Noch einigemal umwondelte er Den Tisch, aber er zog seine Kreise immer enger um denselben. Die Versuchung war zu stark, als daß ihr das Herz eines einsamen Schließers, unbeobachtet von seinen Mitmenschen, die ihn für seine hei- denmüthige Entsagung mit ihrem Beifall hätten entschädigen können, lange Widerstand zu leisten vermochte. Er wankte und — fiel. Als er die erste Flasche entkorkt hatte, nippte er, nippte wieder, bald trank er die köstliche Flüssigkeit in vollen Zügen und bald trösteten zwei leere Flaschen den einsamen Krug in der Ecke mit ihrer Gegenwart.
Mährend der Schließer einen so schwachen Widerstand gegen die zu starke Versuchung geleistet hatte, war Johanna mit einem ziemlich umfangreichen Bündel unter dem Arm wieder in den Garten geschlüpft, wo ihrer der Mönch an dem steinernen Gartenhaus harrte. Nachdem sie einige Worte leise zusammen geflüstert, reichte das Mädchen dem Mönche das Bündel, welches sie unter dem Arme trug, das dieser nahm und in das Gartenhaus eintrat, um nach einigen Minuten wieder aus demselben, in die Kleidung des Obersten gehüllt, hervorzutreten. Johanna stand wenige Schritte von ihm, die Hände in tiefem Gebet gefaltet. Mehrere Male rief der Mönch leise den Namen des Mädchens, ehe rs dasselbe vernahm; als sie aber dann zu ihm hingetreten war, sagte er: „Nun hülle Dich rasch in meine Mönchskleivung, dann laß uns gehen."
Als das Mädchen zauderte, fuhr er in einem Tone, der Johanna wie ein Vorwurf klang, fort: „Nur so kann er gerettet werden." Johanna war nun in einem Augenblick in die düstere Mönchskleidunz gehüllt und bald schritten Beide dem Hause zu, — der Mönch das Gesicht fast ganz durch denh ohne Kragen des Mantels verdeckt, der aber über die Brust zurückgeschlagcn war, so daß die reich mit Orden gezierte Uniform des Obersten sichtbar wurde; Johanna — das Haupt gänzlich in der Kaputze verhüllt und von dem langen, weiten Gewände bis zu den Füßen bedeckt.
Am Eingänge des Hauses blieb der Mönch stehen, und Johanna schlich leise nach dem Gemach des Schließers. Als sie dasselbe geöffnet, bot sich ihr ein sonderbarer Anblick dar. Der Schließer lag ein — auf halb zurückgelegter Bahn nach der bekannten Ruhebank — gefallener Held in der Mitte des Zimmers, durch ein lautes Schnarchen seinen tiefen Schlaf verkündend. Das Mädchen nahm vorsichtig den großen Schlüssel, der alle Zellen des Gefängnisses schloß, von der Wand und verließ das Gemach ebenso leise, wie sie gekommen war.
Bald stieg sie an der Seite des Mönches die breite steinerne Wendeltreppe hinauf, die in den andern Thcil des Gebäudes führte. Die ersten Wachen am Eingang salutirten und ließen sie ungestört vorübergehen; eine einsame Schild- wache auf dem langen, nur von einer einzigen Lampe spärlich erleuchteten Gange verrieth ihnen die Thüre zu dem Kerker Albrechts von Schauenstein. Der Soldat blieb auf seiner Wanderung vor der Zelle des Gefangenen ehrfurchtsvoll stehen, als er die Uniform eines Obersten seines Regiments gewahrte und ließ Beide ungestört eintreteu. Als sie in dem Zimmer des Gefangenen verschwunden waren, begann der Soldat wieder seine kurze, einförmige Wanderung vor der Thür des Gefängnisses, und eine kleine Weile dachte er auch des armen TyrolerführerS da innen, bei dem, wie er glaubte, jetzt der Mönch war, um seine letzte Beichte zu hören und ihn auf den Tod vorzubereiten. *
„Möchte nicht in den Schuhen des armen Kerls stecken," sprach er halb- leise vor sich hin. Da und aber das Andenken an das harte Schicksal eines unser Mitmenschen selten lange zu fesseln vermag, vergaß auch der Soldat bald wieder des armen zum Tod Verurtheilten da innen, und ein munteres Liedchen, das er für sich hinsummte, bekundete zur Genüge, daß sich seine Gedanken in einen ganz anderen Jdeenkreis bald wieder verirrt hatten.
Während eine solch rasche Umwandlung in dem Denken der einsamen Schildwache vor sich ging, ahnte sie nicht, daß innerhalb der vier Wände, die sie zu bewachen ausgestellt war, eine tzoch seltsamere Umwandlung in der äußeren Erscheinung der darin weilenden Personen stattfanv.
Als der Mönch und Johanna eingetreten waren, saß Albrecht von Schauenstein auf einem niederen Stuhl in einer Ecke des düsteren Zimmers, in dem eine kleine, einem Todtenlicht nicht unähnliche Kerze brannte. Der gefangene Jüngling ging eben ernstlich mit sich zu Rathe, um gefaßt von dem Leben Ab- schied zu nehmen, aber es wollte ihm schlecht gelingen, sich durch Erwägung der guten Sache, für die sein Blut fließen sollte, das Scheiden leichter zu machen. Denn das schöne Bild Johanna's und das Glück der Zukunft, das er mit ihr vereinigt gefunden haben würde, trat vor seine Seele, — und die Sehnsucht zum Leben ergriff ihn wieder, die noch mehr durch den Gedanken gesteigert wurde, wie Johanna die Kunde seines schrecklichen Todes ertragen, und wie sich auch ihr künftiges Leben darnach gestalten würde.
Der in dem Schlosse laut knarrende Schlüffe! hatte ihn aus diesem düsteren Sinnen aufgescheucht — und kaum hatte er den Mönch an der Seite des Obersten wahrgenommen, als er sich rasch erhob, den Eingetretenen entgegenging und tief bewegt sagte: „Ich danke für diese letzte Gnade, die man mir vergönnt."
Aber das leise von dem vermeintlichen Obersten ausgesprochene Wort „Albrecht" ließ in dem nächsten Augenblick den Jüngling mit dem Ausrufe: „der
Barbone" in kessen Arme sinken. Als nach der ersten Ueberraschung Albrecht den Mönch wie fragend anblickte, legte dieser zum Zeichen, daß er das tiefste Schweigen beobachten sollte, den Finger auf die Lippen — und führte ihn an die Seite des Mönches, schlug die weit vorgezogene Kaputze desselben zurück — und trotz dem Verbote des Freundes entfuhr den Lippen des Jünglings der laute Ausruf „O Gott, meine Johanna ist bei mir?"
Nicht ohne Besorgniß sah der Mönch nach der nahen Thüre, und sie schwand erst wieder, als er, das Ohr an das Schloß legend, den eintönigen, ununterbrochenen Schritt der Schildwache vernahm. Als er sich wiederum umgewandt, blieb er eine Weile unbeweglich stehen bei dem Anblick, der sich ihm darbot.
Albrecht hielt das Mädchen mit seinen Armen umfangen, das sich, leise weinend, eng an seine Brust angeschmiegt hatte. Nachdem aber nun der Mönch eine Thräne aus den Augen gewischt hatte, trat er zu ihnen und sprach: „Kinder, wir müssen jetzt handeln; jeder Augenblick der Zögerung bringt Gefahr." „Albrecht, Du wirst Dich in meine Kleidung hüllen und mit Johanna diesen Kerker verlasien."
„Aber was wird mit Dir werden, Barbone?" fragte der Jüngling, in dem wieder neue Lebenshoffnung erwacht war.
„Ich bleibe hier," sagte der Mönch in gelassenem Tone. „Nie und nimmer," rief Albrecht; „Dir würde dasselbe Loos zu Theil, welches mir zugedacht ist."
„Du sollst mir vertrauen und folgen," erwiederte der Barbone, etwas un- mulhsooll.
„An dem ersten „Aufsteig" harrest Du bis Mitternacht und wenn ich dann nicht bei Dir bin, halte Dich den morgenden Tag bei „Mariehilf" verborgen, aber es darf Niemand Eure Nähe ahnen, bis ich selbst unter Euch bin."
Der Glaube an außerordentliche, geheimnißoolle Kräfte, welche diesem son- baren Wesen zu Gebote standen, bemächtigte sich auch des Jünglings, und ohne ferneren Widerstand folgte er dem Gebote desselben. Während Johanna an das kleine Fenster getreten war und beiden Männern, den Rücken zugekehrt, dort verweilte, wurden diese rasch mit ihrer Umkleidung fertig. Als das geschehen, fragte Albrecht noch einmal: „Barbone, wagst Du nicht zu viel? Wie, wenn Dein Plan scheitert?"
„Dann," erwiederte der Mönch, „hoffe ich noch Rettung von meinem Amu- let, welches mir der Kaiser umgehangen."
Bei diesen Worten zeigte er eine schwere goldene Gnadenkette, die doppelt um seinen Hals geschlungen auf seine Brust herabfiel.
„Man wird," fuhr er fort, „die Gabe dcö Kaisers ehren und nicht Hand an mein Leben legen." Damit beruhigte er den noch immer widerstrebenden Jüngling völlig, obwohl jener nur allzugut wußte, daß dieses Zeichen der kaiserlichen Gnade ihn nicht vor der Rache des Feindes sicher stellen würde.
Die beiden Männer hielten sich lange in den Armen, ihre Lippen ruhten auf einander, als wenn sie Abschied sür's Leben nehmen. Der Mönch ermannte sich zuerst wieder und drängte den zum Obersten umgekleideten Jüngling, mit Johanna den Kerker zu verlassen.
Das Mädchen kniete vor dem Mönch nieder, ergriff feine; Hand, druckte einen Kuß darauf und sagte tief ergriffen : „Dank, Dank, guter Mann; Gott segne Dich und lasse die Rettung gelingen !"
Beide verließen das Gemach, die Wachen salutirten ehrerbietig, wie das erste Mal und bald befanden sie sich vor dem kleinen steinernen Gartenhaus, an dem Johanna verweilte, bis sich der Jüngling abermals in das Gewand des Mönches umgekleidct hatte. An dem eisernen Gitterthor schlossen sich dann Beide noch einmal in die Arme, und nachdem das Mädchen weinend zum letzten Mal geflüstert hatte: „Behüte Dich Gott und die heilige Jungfrau," schwang sich der Jüngling behende über das Thor. Als der Schritt des rasch davon Eilenden verklungen war, kehrte Johanna, das bekannte Bündlein unter dem Arm, wieder zu dem Haufe zurück. Dort schlich sie mit einiger Angst in die Stube des Schließers und öffnete geräuschlos die Thüre desselben. Aber ihre Befürchtung war unnöthig gewesen. Noch schlief der Schließer Ve.t den Schlaf des Gerechten und behauptete seine alte Lage mit ungeteilter Standhaftigkeit. Der Schlüssel hing wieder, seines begangenen Verbrechens unbewußt, an seinem Na- gel, und Johanna halte sich wieder so leise, wie sie eingetreten war, entfernt.
Während sie auf ihrem Zimmer in brünstigem Gebet Gott für die Rettung des Geliebten dankte, war der Mönch in seinem freiwillig erwählten Kerker längere Zeit aus- und abgeschritten, wie cs schien, in tiefes Nachdenken verloren.
Nun blieb er stehen und betrachtete sinnend das einzige Fenster des Gemaches, das groß genug war, um einen Mann hindurchzulaffen.
Nachdem er den Tisch unter dasselbe an kie Wand gerückt hatte, stieg er auf diesen und untersuchte die eisernen Stäbe, welche in die steinerne Brüstung von oben nach unten eingelassen waren. Sie hatten sich in der Länge der Zeit in ihren Emsenkungen von dem Kitte losgemacht, und der Mönch fühlte, als er mit feiner ungeheuren Kraft sich wider einen der Stäbe stemmte, wie derselbe sich leicht krümmte. Noch ein Paar weitere Anstrengungen und er hielt den ersten Stab los in den Händen, lieber eine Stunde mochte er ununterbrochen fortgearbeitet haben, da glitt ein zufriedenes Lächeln über sein von der schweren Arbeit geröthetcs Antlitz.
(Fortsetzung folgt.)


