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Oberst, indem er sich der beiden Hände seiner Gattin bemächtigte,
Unmöglich!" rief sie bebend.
Ihrem Glücke ganz opfern.
— Der alte Krieger verstand alles Zartgefühl, allen weib-
Sie zu belästigen.
Er drückte einen Kuß auf die
lichen Takt in diesem freundlichen Verfahren.
Die Händchen waren nach der Mutter
Nein, sie . .
hat
fein glän-
ist gewiß," sagte er zu
(Fortsetzung folgt.)
„ich will mich Bedenken Sie
rg Den
von welchem Eabuiette nie- er ruhen und Salon dieses die Allee mit
alt ein
Dein ,Ver-
und abgenützt wie eine weggeworsene Kanone und bedarf nichts weiter, als wenig Tabak und den Constitutionnel." —
den Park von Groslay. Langsam näherte er sich einem Kiosk, man die Straße nach Saint Leu übersah, und ließ sich in einem der, das unterhalb dem Ersteren angebracht war. Hier wollte ungestört seinen Gedanken nachha'ngen. Die Gräfin, welche im Gartenhauses saß, hörte die Fußtritte des Obersten nicht, weil jenem gelben Sande bestreut war, welcher den Flußkies ersetzt.
Hand der Gräfin und bat: „lassen Sie die Kleinen doch kommen!" Das Mädchen sprang her, um über den Bruder zu klagen: „Mama! — Mama! @r
doch, daß Sie dann sich selbst aufgeben müßten und auf authentische Art . . ." — „Wie, Rosine, mein Wort genügt Ihnen nicht?" — Das Wörtchen a u- thentisch fiel dem Greise schwer auf das Herz und erweckte wieder unfreiwillige Zweifel. Er warf seiner Frau einen Blick zu, der ihr Erröthen abzwang : sie senkte die Augen. Dem Obersten bangte, sie verachten zu müssen. Die Gräfin hingegen fürchtete, sein scheues Zartgefühl erschreckt zu haben, die strenge Rechtlichkeit eines Mannes, dessen großmüthigen Sinn und angestammte Tugenden sie kannte. Hatte auch diese kleine Störung einige Wolken auf die Stirnen gelockt, so stellte sich doch das beiderseitige gute Vernehmen bald wieder her. Ein Kinderschrei erscholl von ferne. „Julius, laß Deine Schwester in Ruhe!" rief die Gräfin, „was! Ihre Kinder hier?" der Oberst. — „Ja, aber ich verbot ihnen,
Es entspann sich nun zwischen der Gräfin Ferraud und dem Oberst Cha- bert ein Großmuthstreit, in welchem der Krieger siegte. Eines Abends, da er die Mutter von ihren Kindern umringt sah, riß ihn die rührende Grazie dieses inländischen Stilllebens völlig hin: er faßte den Entschluß, tvdt zu bleiben und erkundigte sich, wie er es angrcifen müsse, um unwiderruflich das Glück der Familie zu sichern; denn ihn schreckte selbst die Authenticität eines ActenftückeS nicht mehr ab. „Handeln Sie nach Gutdünken," entgegnete die Gräfin„ich erkläre Ihnen, daß ich mich durchaus nicht in die Sache mische; ich kann und darf es nicht." —
Delbeeq war indessen angelangt. Auf der nämlichen Gartenbank, in deren Nähe Robert das Gespräch zwischen dem Ehepaare belauscht hatte, schenkte die Gräfin ihrem Intendanten ein geheimes Gehör. Er übergab ihr die bewußten Doeumente. „Nicht die Eopien, gnädige Gräfin," wisperte er und Triumph, lächeln bereitete sich über das Actengesicht, welches gelb und verschrumpft war, wie altes Pergament; „die wahrhaften Originale stelle ich meiner hohen Gönnerin zu. Ihr Geist umschwebte mich schützend; es gelang meiner Gewandtheit, dem Anwälte aller Anwälte, dem überklugen Herrn Derville, eine Nase zu drehen. Er hat nichts gemerkt: die Protokolle gleichen sich wie eine Fliege der anderen."
Angenehm überrascht steckte die Gräfin die Papiere zu sich und nickte bei- fällig. Plötzlich wandte sie sich erschreckt: „horte ich nicht einen Athemzug? Nein, es war nichts, nur der Wind in den Blättern." — Die huldreiche Ge- bieterin gab dem Intendanten noch manchen Wink, und empfahl jenem vor Allem, das Vertrauen des alten Helden zu gewinnen.
Letzteres gelang dem Schleicher Delbeeq so gut, daß Oberst Ehabert sich schon am folgenden Morgen mit dem Exadvoeaten nach Sainl-Leu-Taverny begab, wo er beim Notar ein Protokoll hatte aufsetzen lassen, und zwar in so rohen Ausdrücken, daß der Oberst nach erfolgter Ablesung rasch die Amtsstube verließ. „Alle Wetter, das gäbe einen niedlichen Hahnrei! Man wird mich ober ja für einen Actenverfälseher halten?" rief er. „Mein Herr," sprach Derville, „ich rathe Ihnen, nicht so schnell zu unterschreiben. An Ihrer Stelle zöge ich aus dem Prozesse da wenigstens 30,000 Pfund Einkünfte; die Gräfin gäbe es ganz gewiß."
Der graue Held donnerte den ausgelernten Schurken mit dem leuchtenden Zornblicke eines redlichen Mannes nieder und floh, von tausend widerstreitenden Empfindungen bestürmt. Das Mißtrauen kehrte zurück; bald ward er empört, bald mäßigte er sich wieder. Zuletzt trat er durch ein Loch in der Mauer, in
Die Doppelehe.
Frei aus dem Französischen, von Emma v. Nindorf.
Drei Tage lang übte die Gräfin iyre Wunderkünste an dem ersten Ge- mahle. Durch zarte Sorge und Sanftmuth schien sie die Leiden, welche sie, wie sie vorgab, ihm schuldlos bereitet hatte, aus seinem Gedächtnisse verwischen zu Dollen. Sie gefiel sich darin, unter dem Schleier stiller Trauer allen Zauber zu entfalten, für welchen sie den Oberst empfänglich wußte. Sie wollte seine Theilnahme erregen, ihn so sehr rühren, daß sie sich seines Geistes bemächtigen, ihn lenken konnte. Zu allem fähig, wenn es galt, ihre Zwecke zu erreichen, war sie nur noch nicht darüber einig, was mit ihm beginnen, aber fest entschlossen, ihn für die Menschengesellschaft zu vernichten.
Am Abende des dritten Tages fühlte sie sich, allen Bemühungen zum Trotze, unvermögend, die Unruhe zu verbergen, welche ihr des Unternehmens ungewisser Erfolg verursachte. Um sich einen Augenblick zu erholen, flüchtete sie in ihr Cabinet, setzte sich an ihren Schreibtisch und lüftete die Larve sorgloser Ruhe, welche sie dem Grafen Ehabert vorhielt Sie glich der Schauspielerin, die nach dem anstrengenden fünften Arte ermüdet in ihre Loge kommt, halbtodt hinsinkt und in der Erinnerung der Zuschauer ein Bild zurückläßt, dem das Original nicht mehr gleicht. Die Gräfin beendete einen Brief an Delbeeq, in welchem sie ihm befahl, zu Derville zu gehen; die Mittheilung der Oberst Ehabert be- treffenden Acten zu verlangen; diese zu copiren und augenblicklich nach Groölay zu eilen. Kaum hatte die Gräfin geendet, so hörte sie im Corridor die Schritte des Obersten, der sie unruhig suchte.
„Ach!" sagte sie laut, „ich möchte todt sein. Meine Lage ist qualvoll." — „Nun, was haben Sie denn? ' — fragte der biedere Mann. „Nichts, nichts!" — Sie stand auf, verließ den Grafen und ging hinab, um ihre Kammerfrau ohne Zeugen zu sprechen, der sie gebot, nach Paris abzufahren, Herrn Delbeeq den bewußten Brief selbst zu übergeben, und diesen zurückzubringen, so
„Mein Gatte . . ." sprach die Gräfin, stockte, fuhr zusammen, unterbrach sich selbst, indem sie erröthend fragte: „wie soll ich sagen, wenn ich von Graf Fer- raud rede?" — „Nenne ihn Deinen Mann, Du armes Kind," entgegnete der Oberst mit wahrer Himmelsgüte; „ist er doch Vater Deiner Kinder!"
„Nun, wenn also Ferraud fragt, was ich hier that, wenn er erfährt, raß ich mich mit einem Unbekannten hier zurückzog, was soll ich sagen? Ich bitte Sie," setzte sie hinzu und nahm eine würdevolle Haltung an, „entscheiden Sie über mein Loos: ich bin auf alles gefaßt." — „Liebes Kindantwortete der
Nur einmal noch diene nur, alte List! Armer Kain! Noch immer nicht ist es verlöscht von Deiner Stirne, Vas blutige Zeichen. Das Zeichen?" fragte er, vor sich selbst entsetzt, faßte sich an der Schulter und sah ängstlich umher, im verschwiegenen Parke. „O wie selig könnte ich sein, ruhen in ihrer Liebe, wenn der Fluch mich nicht umherjagte — das Gewissen! — Ihr Glücklichen, Schuldlosen, die ihr lieben dürft, denen die höchste Wonne nicht mit zehrenden Höllenflammen im Busen brennt" ! — Robert vernahm leichte Schritte und ver- barg sich eilend im Gebüsche.
Die Gräfin war es. Nahe dem Lauscher, setzte sie sich auf eine Bank, wo sie von dem Obersten gesehen und gefunden werden konnte. Er suchte sie bereits und kam nun schnell herbei, sich an ihre Seite zu setzen. „Rosine," sprach fr, „was ist Ihnen?' — Sie antwortete nicht. Es war einer von den ruhe- glänzenden Iuniabenven, deren geheime Harmonie so süßen Schmelz über den Sonnenuntergang ausgießt. Rein war die Luft und so tief die Stille, daß man fern im Parke einige Kinverstimmen vernahm, Vie mit einer neuen Melovie in alle diese Naturreize einstimmten. „Sie antworten nicht?" fragte der Oberst.
ausgestreckt, Vie zwei kindlichen Stimmen flössen in einander: ein lieblich flüchtiges Gemälde.
„Arme Kinder!" flüsterte Vie Gräfin und wehrte ihren Thrä'nen nicht länger, „ich soll sie verlassen! Wem wird sie das Gericht zusprechen? Ein Mutterherz läßt sich nicht theilen, ich will sie, ich!" — „Bist Du Schuld, daß die Mama weint?" fragte Julius und sah den Obersten zornig an. „Still Julius!" befahl die Mutter . . . „Ach ja!" begann sie von Neuem, „wenn man mich von Ferraud trennt lasse man mir nur Vie Kinder, und ich will mich in alles fügen." Das war em entscheidendes Wort, dem der gehoffte Erfolg nicht entging: „Ja!" rief der Oberst, gleich, als endige er einen im Stillen begonnenen Satz, „ich muß zurück unter die Erde. Ich habe es mir ja schon selbst gesagt."
„Darf ich ein solches Opfer annehmen?" entgegnete Vie Gräfin. „Gingen Männer auch schon freiwillig in den Tod, ihrer Geliebten Ehre zu retten, so gaben jene ihr Leben doch nur einmal hin: Sie aber würden es jeden Tag neu opfern. Nein, nein, unmöglich! Wenn es sich nur von Ihrem Dasein bandelte, wollte ich noch nichts sagen; aber unterschreiben, daß Sie nicht Oberst Ehabert sind, eingestehen, daß Sie betrogen, Ihre Ehre preisgegeben, zu jeder Stunde im Tage einer Lüge — nein! so weit kann menschliche Aufopferung nicht gehen. Bedenken Sie doch! Nein. Ohne diese armen Kleinen wäre ich schon längst mit Ihnen an der Welt Ende geflohen ..." — „Aber, kann tch nicht hier in Ihrem kleinen Gartenhause als Ihr Verwandter leben? Ich bin
zcnves Loos . . ." „O, hat nicht die Mutter immer gesagt, Liebe, wahrinnige Liebe ist mehr werth, denn alles Gold der Welt? Du hast ja genug, Väterchen." — „Ja, süßer Engel; Deine Mutter, sie sagte mir ja auch auf dem Tovtenbette, ich müßte nun auch ein Mutterherz Dir ersetzen — siehst Du, daher ist der alte Vater so schwach und ..." — er wischte sich die Augen. Hel- mina drückte seine Hand an ihr Herz. „Und ich, Väterchen, ' sagte sie, „ich sollte Dich nun auch für sie lieben. O das thue ich redlich uns? . ." sie stockte und wandte das Köpfchen nach der Straße, in welcher schnelle Hufschläge ertönten. „Armand !" jubelte sie, „darf ich ihm ein Zeichen geben ?" — Der Herzog nickte. Helmina svrang an's Fenster und öffnete beide Flügel. Robert, der auf einem wilden Rappen vahersprengle, traute seinen Augen kaum, da ihm das weiße Batisttuch als zarte Liebevfahnc entgegenwehte.
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8 * 15 •
(Fortsetzung.)
Helmina stand in ihrem Boudoir; auf Divan, Tisch uuD Stühlen war die ganze Pracht der Hauptstadt ausgelegt: Geschmeide, Shwals, Blumen, Spitzen, Bänder, kurz ein bunter Modekram, in dessen M'tte Helmina im schmucklos weißen Morgenkleide, wie eine jugendliche Gottheit blühte. Nichts von all dem Glanze fesselte ihr Auge. Die dunklen Sterne versenkten sich in einen Blumenstrauß, den die Jungfrau hoch in der Rechten hielt. Die Thüre öffnete sich, der greife Herzog trat ein, ohne vaß die Sinnende es bemerkte. Er stand vor ihr, betrachtete sie lächelnd. Plötzlich fuhr sie zusammen und hielt in anmuthiger Verwirrung dem Vater die Blüthen hin: „Rieche nur, wie herrlich!" — „Ei, Kind, welche liebe Hand hat denn viese Blumen gepflückt, daß sie allein Deine Blicke gewinnen, unt r all den hübschen Sachen hier umher?" — Hocherglühend stammelte Helmina: „Väterchen, wie hast Du mich überrascht mit den schätzen, die ich heute Morgen hier ausgebreitet fand! Wo nehme ich den Dank für so Überreiche Gaben? So beschenkt man eine Königin ..." — „Over eine Braut, Helmina."
Sie sah ihn groß an. „Es ist voch nicht mein Namensfest heute, Väterchen!" — „Wenn ich Dir nun einen Bräutigam verschrieben hätte, vielleicht ans Amerika, nun Püppchen?" — „Du weißt, ich heirathe nicht, ich bleibe bei
balD er gelesen sei.
Indessen schlich Robert vurch Den Garten. „Es sich selbst, „sie will mich opfern, die Wortbrüchige. Ihr Intendant hat mich gestern mit einigen Schergen der Polizei bei Mutter Brelot gesucht! Das tiefste Gefängniß, vielleicht die Galeere, venkt mir meine Spielgefährtin zu, Die kleine Nös, Die ich oft auf Den Armen trug, wenn sie weinte; für die ich Näschereien stahl, um sie in ihr Rosenmünvchen zu stecken; die ich zuerst geliebt, als sie so groß uno schön heranwuchs; Der ich, o nur für einen Kuß, Briefchen bestellte und'zusteckte. — O! — Rache? Nein, die treibt mich nicht. Helmina ist mein, der Engel! ihre Hand soll mich entsündigen — ich kann auch Der JuDasschwester verzeihen; aber vernichten will ich ihre Schlingen; auf die Spur will ich ihr kommen. Darum treibt es mich rastlos in immer engeren Kreisen hier umher.
Dir." — „Du sollst auch bei mir bleiben, aber mit meinem Sohne." Sohn?" — „Heißt Armand." — „Väterchen, guter, tbeurer Vater!" sieht sich darauf, Blumen zu pflegen und Mävchenherzen . . ."
Sie verschloß Den MunD Des Vaters mit stürmischen Küssen.
„Der Vicomte ist freilich ohne Vermögen, Helmina, bietet Dir
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