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Denselben. Eva Heist aus Reichels­heim, Kreis Lindenfels, alt 56 I-, gestorben den 20. Januar.

Denselben. Johann Philipp Mohl Bürger, Metzgermcister und städtischer Fleischbeschauer, zweiter Beigeordneter und

Mitglied des Kirchenvorstandes, alt 65 I. 10 M. 11 T-, gestorben den 20. Januar.

Die Pfarrgeschäfte in der nächsten Woche besorgt Pfarrer Dr. Seel.

Frachtbriefe für die Main-Weser- und Cöln-Mindener- Eisenbahn, sowie sämmtliche zollamtlichen Form» lare, sind zu haben bei Wilhelm Klee, Mäuöburg.

Politische Rund schau.

Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fjr. Ehr. Pietsch) in Gießen.

Bundes wacht, wird in der inneren Entwickelung Preußens schmerzlich vermißt."

Hamburg, 20. Jan. DieBörsenhalle" er- fährt aus Berlin, daß auch mit Baiern und Wür- temberg Verträge über gegenseitige Dienstpflichtab- leistung im Norrbundheer und in den süddeutschen Heeren abgeschlossen werden sollen.

Augsburg, 21. Jan. Die AugsburgerAllg. Ztg." meldet: Die Conferenz hat beschlossen, Grie­chenland habe alle Comitt's und Freicorps, welche auf seinen Territorien behufs Unterstützung des kre­tischen Aufstandes gebildet worden sind, auszulö- sen; Griechenland sei durch bestehende Verträge verpflichtet, keine Unternehmung gegen die Integrität des osmanischen Reiches zu begünstigen. Die Con­ferenz habe die drei ersten Punkte des Ultimatums und theilweise auch den fünften gebilligt, den vier­ten (die Entschädigungsfrage) aber fallen gelassen, weil die Pforte diese Angelegenheit bei den ordent­lichen Gerichten auetragen wolle. Auf die Frage wegen derEnosiS" und desPanhellenion" ging die Conferenz nicht ein, weil die Türkei den in die- fcr Frage betretenen Weg der Selbsthülfe fortzu- . setzen gedenkt.

Paris, 19. Jan. Das Straßenleben der fran- zösischen Hauptstadt hatte gestern Nachmittag eine ganz eigenartige Physiognomie angenommen, die beweisen konnte, daß die vielgerügte politische In- differenz der Pariser nicht so ganz gränzcnloS ist, als die publicistischen Catones glauben, oder zu glauben vorgeben. Heber zwei Drittel fammt- licher sog. fliegender Industriellen, die sonst mit allen erdenklichen Handelsartikeln Verschleiß trei­ben, waren damit beschäftigt, die Thronrede an den Mann zu bringen, und Überboten sich gegenseitig in ohrenzerreißendem Geschrei. Man begegnete um 4 Uhr kaum einem Menschen, der nicht las, und vor den öffentlich angeschlagenen Mauerexemplaren dräng- ten sich die Gamins und OuvrierS mit einem Feuer­eifer, als gälte es dem Stein der Weisen. Was den Text der kaiserlichen Ansprache betrifft, so höre ich von meist vortrefflich unterrichteter Sette folgende Details. Noch im letzten Moment veränderte der Kaiser an der Stelle, die sich auf die Relationen Frankreichs zu den übrigen Mächten bezieht, mehrere etwas dunkle Ausdrücke und gab dem Passus:Wir können unseren Wunsch, den Frieden zu erhalten, laut proclamiren", seine endgültige Fassung; die ur» sprüngliche war weniger bestimmt.

Madrid, 21. Jan. Von den bis jetzt bekannt gewordenen Wahlen sind 223 auf Monarchisten, 75 auf Republikaner und 15 auf Absolutisten gefallen, 10 Wahlen sind zweifelhaft.

Newyork, 7. Jan. Am Neujahrstage hielt Präsident Johnson zum letzten Male den üblichen großartigen Empfang ab; viele Tausende drängten sich herzu, um dem Präsidenten die Hand zu schüt- teln, und beinahe die doppelte Anzahl wäre wohl erschienen, wenn General Grant sich strenge an den Vorschriften der Etiquctle gehalten und seinem Geg- ncr einen freundlichen Staatsbesuch abgestattet hatte. Doch Grant, der viel zu ehrlich ist, um seine wahre Meinung hinter einem diplomatischen Lächeln oder freundlichen Händedruck zu verbergen, war Tags zu- vor nach Philadelphia abgereist, um nach den Ferer- lichkettek wieder zurückzukehren.

eine Wahlurne niederzulegende Stimmzettel ohne Unterschrift auSgeübt. Die Stimmzettel, vermittelst deren die Wahl er­folgt, müssen von weißem Papier und dürfen mit keinem äuße­ren Kennzeichen versehen versehen sein. Sie sind außerhalb des Wahllocals mit dem Namen de« Candidaten, welchem der Wähler seine Stimoie geben will, auSzusüllen.

§. 12. Der Wähler übergibt in dem Wahllocal, sobald sein Name in der Wählerliste aufgefunden worden ist, seinen Stimmzettel dem Leiter der Wahlcommission oder dessen Ver­treter, welcher denselben uneröffnet in den ve schloffenen Stimm­kasten legt. Der Stimmzettel muß derart zusammengefaltet sein, daß der auf demselben verzeichnete Namen verdeckt ist. Stimmzettel, bei denen hiergegen verstoßen ist, odee welche nicht von weißem Papirr over mit einem äußeren Kenn­zeichen versehen sind, hat der Leiter der Wahlcommission zu- rückzuweisen. Insbesondere hat derselbe auch darauf zu achten, daß nicht statt eine« mehrere Stimmzettel abgegeben werde».

§. 20. Wird eine Wahl abgelehnt, oder wird für ein ausgeschiedenes Reichstagömitglied eine Ersatzwahl erfoederlich, so wird d-S Ministerium eine neue Wahl veranlassen, welche auf Grund der für die erste Wahl aufgestellten Listen und er- theilten Vorschriften stattfindet. Tritt dieser Fall jedoch später als ein Jahr nach den allgemeinen Wahlen ein, so müssen die gesammten Wahlvorbereitungen mit Einschluß der Aufstellung und Auslegung der Wählerlisten erneuert werden.

II. Bekanntmachung, betreffend die Bestimmung des Zeit­punktes, von welchem an das Gesetz vom 9. Mai 1868 wegen Todeserklärung von Personen, die an dem Feldzuge von 1866 Theil genommen haben und vermißt werden, in Wirksamkeit zu treten hat.

III. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums der Fi­nanzen, die Zollbehandlung der mit den Posten versendeten Packete betreffend.

IV. Bekanntmachung der Großherzoolichen Ober-RechnungS- Kammer, die Vergütung für die in 1869 in Geld zu berich­tigenden BesaldungS- und Pension«. Naturalien betreffend.-

V. Concurrenz für: die evangelische Pfarrstelle zu Kirch-GönS mit einem Gehalte von 1398 st. 39 fr.; die evangelische Pfarrstelle zu Badenheim mit einem Gehalte von 1033 st. 37 fr.; die fatholische Stulstelle zu Appenheim mit einem Einkommen von 300 fl., nebst 35 st. für Heizung deS Schulsaalö.

Mainz. 17. Jan. Die gegenwärtig tagenden Asfisen für daS erste Quartal l. I. bieten die leider auch an den Schwurgerichten der zwei andern Provinzen hervortretende Thatsache, daß fast die Hälfte der Fälle, nämlich 5 von 11, Verbrechen gegen die Sittlichkeit, größtentheils der rohesten Art, find. Eine nicht minder unerfreuliche Erscheinung ist daS Verhältnis der unehelichen zu den ehelichen Geburten. Von 1821 Geburten im Jahre 1868 waren 526 unehelich, also 28,3 pCt-, wovon übrigens auf die Entbindungsanstalt allein 328 kommen. ES ist indessen erwähnenewerth, daß diese Ziffern die vor 1866 nicht erreichen und mit den veränderten GarnisonSverhällniffen zussmmenzuhängen scheinen. Gegen den durch Vermittlung deS norddeutschen Bundes in Nordame­rika verhafteten und am 8. d. ins hiesige Arresthaus ejnge- brachten H. Schäfer aus dem nahen Bretzenheim ist die Un­tersuchung in vollem Gange. Er ist des Doppelmordes durch Gift an feiner Ehefrau und dem Manne seiner Zuhälterin und deS Giftmordsversuchs an dieser angeschuldigt. DaS Verhalten deS Verbrecher« ist ein sehr raffinirteS; inzwischen soll die Erpertise das Gift aus den Eadavern bereit« nachgewiesen haben.

Koburg. Unser Staatsminister v. Eeebach hat soeben eine Broschüre veröffentlicht, die sich gegen daS schamlose Trei­ben Onno Klopp'S und seiner biedern Hietzinger Genossen rich­tet, einer angeblichen verrätheriscken Hinterlist de« Herzogs vou Koburg die Schuld für den Untergang der Hannoverschen Armee bei Langensalza aufzubürden. Er weist nach, daß der Herzog die Verhandlungen vor der Schlacht mit ernstlichem, redlichem Willen geführt, daß dagegen der hannnover'sche Oberst v. Dammers (durch sein Auftreten in dem Zander'schen Prozeß zu München bekannt) nur zum Schein mit dem Herzog verhandelt habe; ja er geht so weit, die beschworenen Angaben deS Herrn Obersten für unwahr zu erklären, und gibt ihm Sckuld, daß er eine von ihm mit dem Herzog vereinbarte Waffenruhe einfach ignorirt und seinem Könige verschwiegen habe, weil er inzwischen zu der Ueberzeugung von ihrer Un­zweckmäßigkeit gekommen. Kurz eS wird ein scharfes Ge­richt über Hietzinger Lug und Trug gehalten.

London. (Neuer Themse-Tunnel.) DaS Project, in der Nähe des Tower, woselbst sich eine Brücke nur unter große» Schwierigkeiten und mit bedeutenden Geldopfer» Herstellen ließe, die beiden Themse-User durch einen unterirdischen Tunnel zu verbinden, ist in das erste Stadium seiner Verwirklichung getreten, und wird den bisherigen Aussichten »ach zu ur- theilen in der festgesetzten Zeit, sechs Monate, vollendet sein. Die Bohrungen unter der Themse haben begonnen, und zwar werden sie auf eine neue, einfache Art betrieben. Die Maschine arbeitet in der Art, wie ein Holzbohrer; so wie sie vorrückt, wird die thonigte Erdmasse nach Hinte» zurückgewor- fen und weggeschafft. An dem Bohrer ist ein Stück Tunnel befestigt, und in dem Grade, wie die Bohrung fortschreitet, werden außen neue Rippen angenietet, bis das jenseitige Ufer erreicht ist. Die Beförderung von Passagieren soll folgender­maßen stattsinden: Sie gehen durch ein Drehkreuz und neh­men ihre Sitze in einem geräumigen, ganz au« Stahlplatten gefertigten Omnibus, welcher vermittelst einer hydraulischen Maschine in den Tunnel Hinabgelaffen und von dort auf Stahl- schienen in 3/2 Minuten nach dem gegenseitigen Ufer befördert wird. Dort erfolgt die Auffahrt wiederum vermittelst einer hydraulischen Maschine.

Beust und Bismarck erschienen neulich Arm in Arm auf dem Maskenball in Wien, die Polizei führte sie ab, geb aber Bismarck (als eine ungefährliche Person) wieder frei.

Darmstadt, 18. Jan. Gestern Abend fand im großen Rttsert'schcn Saale eine Bürgerversamm­lung zur Besprechung des Anschlusses an die Be­strebungen des Protestantenvereins auf Einführung einer Presbyterial - und Spnooalverfassung statt. Es halten sich mehrere hundert Personen eingesun- den, welche einem durchaus gediegenen Vortrage des Hofgerichtsadvokaten Ohly über das Wesen. einer wahrhaft liberalen Kirchenversaffung in größter Auf- merksamkeit und unter häufigen Beileidsbezeugungen folgten. Nach Schluß der Versammlung wurde die Adresse des Protestantenvereins an den Großherzog mit vielen Unterschriften bedeckt.

Darmstadt, 19. Jan. Von Seiten Großh. Ministenums des Innern ist den Ständen ein Ge­setzentwurf vorgelegt worden, durch welchen das Ver­fahren, welches bei den über die Versicherung von Mobilien mit Feuervcrsicherungsanstalten abzuschließen­den Verträgen zu beobachten ist, für sämmtliche im Großherzogthum zum Geschäftsbetriebe zugelassenen Mobiliar-Feuer-Versich^rungS-Anstalten, einschließlich der inländischen, tut Wege der Verordnung gleich­mäßig geregelt werden soll.

Aus Norddeutschland, 19. Jan. Aber- malS geht Vie Nachricht durch die Zeitungen, und zwar dieses Mal von römischen Quellen ausgehend, eS sei endlich ein Vertrag zwischen dem Grafen Bis­marck und dem Cardinal Antonelli zu Stande ge­kommen, nach welchem ein päpstlicher Nuntius in Berlin seinen Sitz nehmen werde. Natürlich lauten die Relationen je nach dem Standpunkte verschieden; entweder: Rom habe endlich eingewilligt, oder: Bis­marck habe endlich den Nuntius zugelassen rc. Wir glauben nicht sehr zu irren, wenn wir mittheilen, daß allerdings in gewissen Kreisen in Berlin einmal eine große Geneigtheit bestanden haben dürste, einen Nuntiuszuzulaffen", freilich in der stillen Voraus­setzung, den römischen Nuntius für gewisse Zwecke zu brauchen, also: den Vertreter Roms für die eige­nen Zwecke zu dirigiren, daß aber diese Geneigtheit, einen Nuntius zuzulassen, der vernünftigen Borstel- lung von anderer Seite habe weichen müssen, daß es nun und nimmermehr gelingen werde, den Nun­tius (und d. h. ja doch nur: die festgeschlossene Phalanx der römischen Hierarchie unter dem Gene­ralstabe der Jesuiten) für die Erreichung der eige­nen Zwecke zu dirigiren, sondern daß durch die Zu­lassung eines Nuntius ein Mittel- und Haltpunkt für Parteibestrebungen in Preußen und Deutschland überhaupt geschaffen werden würde, welche die Zu­kunft Deutschlands auf Jahrhunderte in Frage stell­ten. Hoffen wir, daß die preußische Staatskunst das drohende Unheil gänzlich abwende.

Berlin, 20. Jan. In einer Replik gegen die Köln. Ztg." bemerkt dieNordd. Allg. Ztg." be­züglich der Baron Werther:Allerdings ist gele­gentlich von Wien aus auf die Abberufung des preußischen Gesandten in vertraulicher Weise hinge­wirkt, diese Anregung aber von derselben Stelle so- fort wieder zurückgezogen worden, wahrscheinlich in der Ueberzeugung, daß nicht leicht eine versöhnlichere Versöhnlichkeit, als Frhr. v. Werther, zum Nachfol­ger hätte aufgefunben werden können. Wir glauben deßhalb, diesen letzteren Wunsch, den königlichen Ge- sandten in seiner Stellung lassen, als den Aus­druck der friedlichen Seite in Wien betrachten zu sollen." Ein geistvoller und muthiger Freund Preußens und seines nationalen Berufe-, der Ge- schreiber Treitzschkc, warnt Preußen vor dem Wei- terschretten auf einem Wege, der ihm den Geist Deutschlands entfremden muß. Es gibt, sagt er in den Jahrbüchern, eine von Amtswegen begünstigte Partei in der evangelischen Kirche, die dem besten Inhalt des modernen deutschen Leben» feindselig ge« genübersteht, sie bedroht die Freiheit deutscher Bil­dung, die auf dem friedlichen Nebeneinanderleben der Consessionen beruht. In den neuen Provinzen ist dieß Thcologen-Regiment geradezu eine Gefahr für den Staat, sie verschärft den politischen Streit durch die Unversöhnlichkeit kirchlichen Haders; in Hessen regieren in der Kirche dieNachthcssen", die Genossen Hassenpflugs und Vilmars, in Hannover und Nassau stellt dieses Regiment Kirche und Schule unter die Obhut der geschworenen Feinde Preußens. Das sei, sagt Treitzschkc, ein Abfall von der besten Ueberlieferung preußischer Könige.Der kraftvolle Wille, der über die Ausführung des norddeutschen

Vermischtes.

Gießen. Dem Bernehmen nach wir das schwedische Sängerquartett, im Verein mit dem Pianisten Herrn Fällen aus Frankfurt, nächsten Montag den 25. Januar im Clubsaale ein Concert geben. Die Herren Luttemann Köster, Jtlberg und Syberg habet bei chrem ersten Auf­treten im zweiten Concert de« Cor.certveremS so grotzen Bei­fall errungen, daß allen Musikfreunden die Gelegenheit, zum zweiten Male die herrlichen schwedischen Weisen so vorzüglich auSgeführt zu hören, jedenfalls willkommen sein wird.

Darmstadt, 19. Jan. Das heute erschienene Regie­rungsblatt Nr. 2 enthält: ,

I. Bekanntmachung Großherzoglichen Mimstermms des In­nern vom 14. d., die Wahlen für den Reichstag des nord­deutschen Bundes in den nördlich deS Mains gelegenen Ge- bielstheilen deö GroßherzogthumS betreffend. Dieselbe lautet:

Mit allerhöchster Ermächtigung Sr. Königlichen Hoheit deS Großherzogs werden die in §. 10, 12 und 20 der Be­kanntmachung vorn 18. December 1866, die Wahlen für den Reichstag deS norddeutschen Bundes für die Provinz Ob er­heben betreffend (Regierungsblatt S. 542) enthaltenen Be­stimmungen hiermit aufgehoben und durch nachstehende Vor­schriften ersetzt:

§. 10. DaS Wahlrecht wird in Person durch verdeckte in