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Einladung )um Abonnrment auf das Mainzer Wochenblatt.
Mit dem 1. October 1869 beginnt ein neues Abonnement auf das täglich erscheinende
„Mainzer Wochenblatt."
Dasselbe fährt fort wie seither die wichigsten politischen Nachrichten in gedrängter Kürze zur Kenntniß seiner Leser zu bringen und widmet den lokalen Angelegenheiten von Mainz und Umgegend besondere Beachtung. — Den Interessen des Hande l s, Verkehrs und der Landwirthschaft wird durch besondere Artikel sowohl als durch Mittheilung der genauesten telegraphischen Course und Marktberichte Rechnung getragen.
Das dem „Mainzer Wochenblatte" beigegebene Feuilleton ist fortwährend bemüht, durch eine reiche Auswahl guter Erzählungen ?c. dem Verlangen nach Unterhaltung gerecht zu werden.
Der vierteljährige Abonnementspreis beträgt, durch die Poft bezogen, ohne Bestellgeld 54 fr., und ersuchen wir Bestellungen frühzeitig bei den betreffenden Postexpe- ditionen zu machen.
Das „Mainzer Wochenblatt" erfreut sich in der Stadt Mainz sowohl, als auf dem Lande der größten Verbreitung ist Organ der städtischen Behörden und wird vom Kreisamte Mainz zur Veröffentlichung seiner Bekanntmachungen benutzt-
Inserate finden durch das „Mainzer Wochenblatt," da dieselben auch als Plakat in der Stadt angeschlagen werden, die lohnendste Verbreitung unter billigster Berechnung.
Mainz, im September 1869. Die Expedition.
Hessischr Kmdrs-Zcitnng.
Organ der demokratischen Partei.
Erscheint täglich (mit Ausnahme Montags) und kostet vierteljährig 1 fl., auswärts 1 fl. 27 fr.
Anzeigen die 4spaltige Petitzeile 3 fr.
Abonnements auf das 4. Quartal werden von allen Postämtern
angenommen.
Darmstadt, im September 1869. Die Expedition.
Für die nothleidenden Israeliten in Rußland sind Wetter eingegangen:
l) von Hrn. I. Buch in Gießen . 1 fl — fr. 2) ii „ I Rothschild weiter
gesammelt . . . . 1 „ — „ 3) „ „ Aug. Noll .... 1 „ 12 „
4) „ den Israeliten in Mten-Buseck:
Hrn. M. Löwenstein • ■ • 1 „ — „
n I. Klipstein . . . . — „ 36 „
n S. Löb Löber . . . — „ 36 „
„ I. Rothschild . . . 1 „ 45 „
n Löb Löwer . . . . — „ 45 „
„ M. Löwer.....— „45 „
n Gutkind Rothschild . . — „ 18 „
„ Abraham Wallenstein . — „45 „
„ Löb Rothschild . . . — „ 24 „
5) von Hrn. Philipp Krämer III.
von Alten-Buseck . — „ 12 „ 6) „ „ Wilh. Müller V. das. — „ 12 „
7) „ folgenden Israeliten in
Beuern:
Hrn. Jacob Edelmuth I. . . 3 „ — „ „ Löb Edelmuth IV. . . — „ 36 „
„ Löb Isenberg . . . . 1 „ 30 „
„ Bär Berlin . . . . — „ 18 „
„ Gottschall Griesheim . 1 „ — „ „ Karoel Edelmuth. . . 1 „ 45 „
„ Bär Maierfeld . . . 1 „ 45 „
„ Sal. Maierfeld's Wittwe 1 „ 6 „ 8) von Ungenannt.....— „ 36 „
9) „ Frau P...... — „ 30 „
Zusammen 22 fl. 36 kr.
Wir sagen hiermit im Namen der Nothleidenden den freundlichen Gebern besten Dank und erklären die Sammlungen hiermit für geschlossen. Alle Diejenigen, welche noch Gaben den noth- lcidenden Israeliten in Rußland spenden wollen,
belieben dieselben jetzt direet an das Unter- stützungs-Comitö in Memel einzusenden.
Die Exped. d. Gießener Anzeigers.
Für die Hinterlassenen der verunglückten Bergleute im Plauen'schen Grunde sind weiter etn- gegangen:
1) durch Hrn. Fabr. Bender von
einem Ungenannten i. Steinbach 3 fl. — kr.
2) von einem Ungenannten . . — „ 36 „ 3) durch Hrn. Lehrer Seip in
Klein-Linden gesammelt . . 11 „ 56 „ 4) aus der Schule das. . . . 1 „ 10 „ 5) von Frau P. „ 30 „
6) von Hrn. D......1 „ — „
7) durch Hrn. Pfarrer Eckstein in
der Gemeinde Leihgestern ges. 5 „ — „ 8) aus der ersten Elaste der
höheren Töchterschule zu Gießen 5 „ — „ 9) von den Arbeitern des 2. Looses
(Steinberg-Watzenborn) . . 2 „ 36 „ 10) durch Hrn. Pfarrer Strack in
Großen-Buseck gesammelt. . 22 „ 30 „ 11) von Frau M. K.....1 „ — „
12) durch Hrn. Pfarrer Welcker
in Allendorf a. D. Lahn ges. 5 „ 30 „ 13) durch Hrn. Pfarrer Engel in
der Gemeinde Hausen noch
mals gesammelt . . . . 3 „ 54 „ 14) von der Gesellschaft „Heiterkeit"
in Gießen......4 „ — „
Zusammen 67 fl. 42 kr.
Indem wir den freundlichen Gebern im Namen der Nothleidenden besten Dank sagen, verbinden wir hiermit die Anzeige, daß alle ferneren Gaben direet an das Hülfs-Comitä einzusenden sind. Die Exped. d. Gießener Anzeigers.
F e uil
Die Namenlose.
Novelle von Theodor König.
(Fortsetzung.)
Sie erinnerte sich an die eigene und an die Verwunderung der Frau Berner darüber, daß Berthold so sehr lange gezögert, auch seinerseits den Nachforschungen nach seinem Bruder beizuwohnen, an sein außerordentlich bleiches Gesicht, als er von seinem Zimmer herabkam, und an die jedenfalls außerordentlich auffällige Thatsache, daß, da doch die beiden Brüder zusammen das Haus verlassen, der jüngere allein zurückgekehrt war.
Was konnte nur die Veranlassung dazu gewesen sein, daß sie sich von einander getrennt?
Dann rief sie sich Hyacintha's Ohnmacht im Walde tn'S Gcdä'chtniß zurück, ihr Entsetzen über Earl's Verschwinden, ihren deutlich ausgesprochenen Argwohn, daß er von seinem Bruder um ihretwillen ermordet worden sei.
Felicie mußte zusammenschaudern.
Hyacintha's tiefe Ohnmacht mußte zweifelsohne eine entsetzliche Veranlassung gehabt haben I
Wie so aber sollte die That gerade um ihretwillen geschehen sein?
Schon früher war ein flüchtiger Gedanke in ihr aufgestiegen, als ob ihre junge Schutzbefohlene von dem einen Bruder sowohl wie von dem anderen geliebt werde, jetzt aber gewann er entsetzliche Gewißheit in ihren Augen.
„Es ist furchtbar, es ist entsetzlich!" dachte sie bei sich selbst, „und doch sind solche Dinge schon früher geschehen.
War denn die Geschichte, welche damals in der Familie von Madame la Comtesse de — passirte und allenthalben ziemlich ungenirt besprochen wurde, eben so sehr viel anders?
Nun, wo große Familien im Spiele sind, braucht man dergleichen nicht so ängstlich geheim zu halten, glaube ich.
Natürlich ist es in einem Augenblicke lebhaft aufbrausender Leidenschaft geschehen.
Berthold war ja schon von seinen Knabenjahren an außerordentlich leicht reizbar und zu Eifersüchtigkeiten geneigt. Außerdem ist er ja jetzt der Ge- winnende!
Er ist ja jetzt statt seines Bruders Erbe und, wie Gaspard mir sagt, tief verschuldet.
Dies Verbrechen sichert ihm ein schönes Besitzthum und die Stellung des ältesten Sohnes.
Barmherziger Gott im Himmel, wenn es wirklich wahr ist — und wenn er ein menschliches Herz in der Brust trägt — was wird später mit ihm werden?
Wie aber nun, wenn Gott in seiner ewigen Gerechtigkeit die That an's Licht brächte?"
Der Gedanke an diese Möglichkeit machte Felicie aus'S Neue zusammen- schaudern.
Die öffentliche Schande eines Mitgliedes der Familie, welcher sie nun schon seit so langen Jahren biente und deren Ehre sie mit der eigenen zu identificircn sich gewöhnt hatte, wäre für sie etwas Entsetzliches gewesen.
Eine leichte Bewegung des Kranken unterbrach endlich ihre Betrachtungen, und als sie zu ihm hinüberblickte, sah sie, daß er mit geöffneten Augen dalag.
Durch eine Geste mit der einen Hand, welche er zu bewegen vermochte, forderte er sie auf, sich zu ihm niederzubeugen.
Sie gehorchte und hörte ihn mit matter, schwerer Stimme den Namen des Informators flüstern.
„Gewiß, gewiß, wenn er hier niemals nöthig war, so ist er es jetzt," dachte Felicie bei sich selbst.
„Ich werde sogleich nach ihm schicken," antwortete sie dem Baron. „O, sicherlich, Monsieur, wenn Herr Wittert nur erst da ist, so wird noch Alles gut werden!"
Sie öffnete die Thür des Zimmers und fragte einen Diener, der vor derselben saß, um etwaige eilige Befehle schnell auszusühren, ob er wisse, ob Capita'n Berthold bereits einen Boten an den Informator abgeschickt habe.
I. e r o n.
Der Diener entgegnete, daß dies von dem Capi'tan nicht geschehen sei, da er zu eifrig beschäftigt gewesen, die Umgegend nach seinem Bruder zu durchsuchen, um daran zu denken.
Der Doctor ober habe sogleich an Wittert geschrieben, weil er ja gewußt, wie sehr sich der Baron an die Nähe desselben gewöhnt habe.
„Ich denke auch wohl, Mamsell, er wird in dieser Nacht noch eintreffen," fügte Johann hinzu.
„Herr Wittert wird kommen," flüsterte die Französin dem Kranken in'S Ohr, indem sie sich wieder in dem Stuhl neben seinem Bette nieterließ.
Das Gesicht des BaronS nahm einen Ausdruck von Befriedigung an.
Bald darauf langte der Informator denn auch in der That an, und zwar voll tiefer Trauer und ganz außerordentlich erstaunt über die ihm gewordenen entsetzlichen Nachrichten.
Nach einer langen Unterredung mit Berthold fragte er die ganze Dienerschaft des Hauses aufs Allergenaueste aus, bat die Herren, welche sich vom Diner her noch im Hause befanden, um ihren Beistand und forderte den Polizei- Director in der Stadt schriftlich auf, zwei seiner tüchtigsten Leute nach dem Gute hinauszuschicken.
Die Nachforschungen nach dem Verschwundenen wurden jetzt unter seiner Leitung nach einem sorgfältiger geregelten Plane fortgesetzt wie bisher.
Das Erste indessen, was der Informator nach seiner Ankunft gethan, war gewesen, daß er des Barons Krankenzimmer aufgesucht und diesen durch seine Gegenwart und augesprochene innige Theilnahme Trost gebracht hotte.
Der Baron schien durch seine Nähe wirklich wieder neue Lebenskraft zu gewinnen, sein Gesicht nahm wieder den Ausdruck der Intelligenz an, mit einem Worte, fein Zustand besserte sich zusehends.
Unmittelbar nach seiner Zusammenkunft mit dem alten Herrn ließ Willert Felicie um eine Unterredung bitten, welche ihm diese, obgleich nur nothgedrungen, zugestand, denn sie fürchtete seine Fragen und hegte die feste innere Ueberzeugung, daß er nur allzu bereit sein würde, gegen Berthold Parthei zu nehmen.
Seine erste Frage war indessen nach Hyacintha und sie durste jetzt die Antwort geben, Mademoiselle habe sich von ihrem ersten Schrecken bereits erholt und liege nunmehr schon seit dem Mittage in tiefem Schlafe.
Es ist dies eine sehr geheimnißvolle Geschichte, Felicie, sagte er dann, „ge- heimnißvoü sowohl wie entsetzlich. Erzählen Sie mir Alles, was Sie darüber wissen."
Die Französin entsprach seiner Aufforderung, ohne jedoch des langen Zögerns Berthold's, sich an den Nachforschungen n ch seinem Bruder zu beteiligen und der Ohnmacht Hyacintha's im Walde zu erwähnen.
Er lauschte dem Wenigen, was sie mitzutheilen hatte, mit der größten Aufmerksamkeit und entließ sie dann mit den Worten:
„Sagen Sie dem gnädigen Fräulein, ich werde das Aeußcrste ausbieten, dies Geheimniß aufzuklären und Earl lebend oder todt wieder hcrbeizufchaffcn, nur lasse ich sie bitten, mir zu erlauben, sie persönlich zu sehen, sobald es ihr nur irgend gelegen sein mag."
Fell'cie versprach, die Botschaft zu bestellen, sobald Mademoiselle erwachen würde, und verließ knixend das Zimmer.
Als der Informator sie — nachdem er inzwischen, wie schon gesagt, die ganze Dienerschaft ausgefragt hatte — am nächsten Morgen um eine neue Unterredung bitten ließ, war die gute Französin darüber nicht im Geringsten verwundert, denn sie hatte es ja erwarten müssen, daß er auch von Hyacintha's Ohnmacht im Walde hören und sie darüber befragen würde.
Als sie in das Zimmer trat, wo er sie ganz allein erwartete, schien ihr fein Blick strenger und forschender wie sonst an ihrem Gesichte zu haften.
„Aber warum machten Sie mir nicht über Nacht sogleich die Mittheilung, daß mein Fräulein Hyacintha in derselben Nacht, wo Earl verschwand, ohnmächtig im Walde aufgefunven?" fragte er mit scharfer Stimme.
„Monsieur werden entschuldigen," entgegnete sie, „aber ich glaube nicht, daß Sie mich fragten, was meiner Mademoiselle inzwischen zugestoßen. Meine Meinung war, daß Sie nur von mir zu erfahren wünschten, was mir über das Verschwinden des Monsieur Earl bekannt fei."
(Fortsetzung folgt.)


