15. September.
Ein Berliner Korrespondent btr „Allg. Ztg." will Kenntniß haben von einer im ,.JnstruclionSweg" ein- getroffenen österreichischen Antwort auf die jüngsten Erklärungen, welche der Freiherr v. Werther in Folge der Berliner Weisungen vom 27. v. M. dem kaiserlichen Reichskanzler abgegeben hat. Diese vom Hrn. v. Münch auf dem auswärtigen Amte mündlich er- theilte österreichische Rückäicherung sei der Form nach• durchaus sreundschastlich gewesen, halte aber in der Sache selbst streng an dem abweichenden Standpunkt (über das Verhältniß der Schutz- und Trutzbündnisse mit den süddeutschen Staaten zu Art. IV des Prager Fricdensvcrtrages) fest, welchen man aus den veröffentlichten Actenstückcn des Grafen Brust kenne.
Im „Pruple Francais" äußert sich nun auch Element Duvcrnois über die Guoroult'schen Regent- schafts-Projekte, wahrscheinlich nicht ohne seine Instruction in St. Cloud eingeholt zu haben. Hr. Duvernois begreift recht gut die Unruhe, welche das Land auf die Kunde von der Erkrankung des Kaisers ergriffen habe; aber man dürfe diese Besorgnisse nicht noch übertreiben, und zumal nicht Gespenster sehen, wenn sich der Kaiser selbst wieder ganz wohl befände. „Gott sei Dank," fährt Hr. Duvrr- nois fort, „die furchtbare Eventualität, welche dem Artikel des Hrn. Guöroult zum Thema dient, ist nicht so nahe bevorstehend^, als man hat glauben machen wollen; aber es schadet vielleicht gar nichts, daß man cm wenig Furcht gehabt hat, und es ist auch nicht Überflüssig, den Folgen eines Ereignisses ins Angesicht zu blicken, welches die Vorsehung allein noch auf lange verschieben kann. Nur begreifen wir nicht recht, was Hr. (Sueroult sagen will, wenn er von den Maßregeln spricht, welche für die Organisirnng einer Regentschaft zu treffen wären. Das erheischt Aufklärungen, und nachdem Hr. Gueeoult so gut die Gefahr gezeigt hat, hätte er uns auch vielleicht die Mitfte andeuten sollen, wie ihr zu begegnen wäre. Wir für unseren Theil meinten, daß ein Senatsbeschluß die Frage der Regentschaft schon längst geregelt hätte Wäre dieser Senatöbeschluß etwa aufgehoben worden, oder besäße Hr. Gnoroult ein Wunderwerk, die eventuelle Regentschaft zu stärkend Noch einmal, hierüber wären Aufklärungen nöthig. Sagen wir es frei heraus, der Artikel der „Opinion" schien uns bedauerlich, nicht bloß der Artikel an sich, welcher mehr anspruchsvoll als gefährlich ist, sondern auch der Umstand, daß man mit Unrecht hinter Hrn. Gueroult eine viel angesehenere Persönlichkeit entdecken will, für welche wir eine ehrfurchtsvolle Sympathie haben. Zwischen den Mitgliedern einer regierenden Familie herrscht eine Solidarität, welcher kein einziges sich entziehen kann, welche die Männer, die irgend einem Mitgliede der Familie wahrhaft ergeben sind, niemals zu stören suchen sollten. Wenn der Uebercifer irgendwo indiScret ist, so ist er es auf diesem Gebiete. Auch werden wir nicht das Beispiel des Hrn. Guöroult oder seiner Gegner befolgen und uns in Parallelen, in Vergleiche einlaffen, welche weder würdig noch anständig sind, und wir wollen uns vielmehr nur daraus beschränken, zu sagen : Es gibt Eventualitäten, welche der einfachste Anstand zu untersuchen verbietet, so lange nicht eine absolute Nvthwendigkeit vorliegt, und wenn unter einer Monarchie eine Frage cxistirt, welche der gute Ton und das conscrvative Gefühl von den Debatten fern halten sollte, so ist es die Frage der Erblichkeit oder der Regentschaft, sobald diese durch die Verfassung erledigt ist."
Aus Konstantinopel, 7. Sept., wird der „Jude- pendance" geschrieben, eine officielle Antwort des Vicekönigs von Aegypten auf das zweite Schreiben des Großveziers sei noch nicht cingegangen, doch hätten die Botschafter an der Pforte durch ihre Con- suln in Cairo bereits die telegraphische Mitthcilung erhalten, daß der Khedive so zu sagen nur sub benc- licio inventarii einige der ihm gestellten Bidingun- gen annehmen, z. B. die neuen Gewehre und Pan- zcrfrcgatten abbestellen, aber diejenigen Punkte, welche nur sein Ansehen schädigen und wohlverbricfte Rechte beeinträchtigen könnten, zum Mindesten anders gefaßt wissen wolle.
16. September.
Einiges Aufsehen erregt eine in Wien neu erschienene Flugschrift über die Militärfrage, welche Den Erzherzog Albrecht zum Verfasser haben soll. Die ' Hauptgrundzüge derselben sind: Regeneration im . Innern, nur Vertheidigungslriegc, aber Möglichkeit ra- i scher Offensivstößc; Kriegsstärke 800,000 bis 810,000 Mann, davon 620,000 Infanterie, 50—55,000 Kavallerie, 60—65,000 Artillerie, mit Manne, Sichcr- heitstruppen u. dergl. 840 850,000 Mann (also
fast 2*/2 Procent der Gesammlbevölkcrung). Allgemeine Wehrpflicht: Dienstzeit 10 Jahre, außerdem Landwehr und Miliz; von den zehn Jahren vier als Reserve, „sechsjährige Liniendienstzeit." Ueber Den entscheidenden Punkt, die Dauer Der Präsenz, ist aus den vorliegenden Auszügen Bestimmtes nur zu ersehen, daß für die Jäger dreijährige, für Kavallerie vierjährige Präsenz „unerläßlich" sei.
Die Sensationsnachrichten aus Frankreich sind verstummt, und wenn fein neues Stadium in der Krank- heitegeschichte des Kaisers inzwischen eintritt, so werden wohl bis zum Zusammentritt des gesetzgebenden Körpers (25. Nov.) kaum größere innere Fragen das Publikum in Aufregung bringen. Das einzige Bemcrkcnswerthe des Augenblickes ist Der Kampf, den Die Blätter bezüglich Der eventuellen Regentschaft Der Kaiserin öDer des Prinzen Napoleon fuhren. Der „Figaro", welcher für die Kaiserin seine Lanz-n bricht, tritt in seiner nonchalanten Weise gegen Den Prinzen auf: „Wollen Sie mit uns Die Vortheile überschlagen, welche Der prinzliche Demokrat, Der neulich im Senat seine Gesinnungen bekräftigt hat, aus Dem BuDgct schöpft? Rechnen wir ein wenig. Se. kaiserliche Hoheit, Monseigneur, Der Prinz Napoleon hat Den Rang Des ersten Prinzen von Geblüt, er ist Großkreuz Der Ehrenlegion, Mitglied des geheimen Natys, Divisions-General und Senator. Er bezieht eine jährliche Dotation von einer Million, das heißt 83,333 Francs 33 Centimes monatlich. Er hat Möbel, Heizung, Beleuchtung, Wa^cn und Bedienung auf Kosten des kaiserlichen Hauses. Er hat einen eigenen Hofstaat, bestehend ans: zwei Kammerheirn, einem Ehrenkammerherrn, einem Privatsecretär, einem ersten Adjutanten, drei anderen Adjutanten, zw i Or- dennanz-Ofsizieren; und für seine Frau, Die Prinzessin Clotilde: eine Ehrendame unv Drei Damen zur Begleitung. Er hat Das Palais Royal zur Winter-, Meudon zur Frühlings-, Villegois zur Sommer- und Prangins zur Herbst-Residenz. Er hat seine eigen e Jagden, abgesehen von jenen, welche ihm der Kaiser zur Verfügung stellt. . . . Meiner Treu! Unter solchen Umständen hat die Demokratie ihre Annehmlichkeiten."
Die „Kreuzztg." glaubt, es bereite sich in Spanien wieder etwas vor. Die Republikaner, sagt das Blatt, gewinnen unzweifelhaft an Boden, ein großer Theil nicht nur Der Demokraten, sondern auch Der Progressisien, soll zu ihnen übergegangen sein. Die liberalen Führer Dir monarchischen Partei sehen fein anDereS Mittel mehr, Der Proklamation der Republik vorzubeugen, als ein; Verlängerung Der Regentschaft Serrano'ö auf Drei Jahre. Diesem Auskunsts> mittel der Monarchie in der Theorie und der Republik in Der Praxis wurden auch die Republikaner unbedingt beistimmen
Äccmeschtcv.
Gicßcn. Au« dem Inserate in btr heutigen Nummer dieses Blatte« werben unsere geehrten Leser ersehen, daß die in Frankfurt und Nauheim mit so vielem Beifall ausgcnommene Amerikanische Ausstellung in den nächsten Tagen in unserer Stadt eröffnet wird. Möge der Unternehmer den guten Rus, btr ihm vorausgeht, auch rechtfertigen; an Besuch wird ee dann nicht fehlen
Darmstadt, 14. Sept. Das heute erschienene Regierungsblatt Nr. 43 enthalt:
I. Gesetz, die Folgen der wegen gemeiner Bergehen gegen Milltarpersonen erkannten Strafen betr.
II. Publikation de- Zollverein-,Gesetzes, bit Sicherung der Zollvereinsgrenze in den von dem Zollgebiet ausgeschlossenen Hamburger Gcbietstheilen betr.
HI. Berzcichnlß der Vorlesungen, welche auf der Großherzoglichen LudewigS-Univerfität zu Gießen im Winterhalbjahre 1869/70 gehalten und am 1. Nov. ihren Anfang nehmen werden.
IV. Ermächtigung zur Annahme eines fremden Ordens. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: dem Ehef des Hauses Micheli und De- pierrc in Paris, Earl Adolph Micheli aus Mainz, die Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen des ihm von Sr. Maj. dem Kaiser von Oesterreich verliehenen Ritterkreuze- des Franz Joseph-Orden- zu «rtheilen.
Darmstadt, 12. Sept. Von großem Interesse ist der jüngste Jahresbericht Schultze-Delitzsch ö über die „deutschen Genossenschaften". Vsrschußvereinc gibt eS 1558. Von 606 Vereinen theilt Schultze die Abschlüsse mit. Dieselben Haden demnach 256,337 Mitgliedern für 139,247,793 Thaler Vorschüsse gewährt und arbeiten mit 10,231,000 Thaler eigenem und 33,709,000 Thaler fremdem Kapital. Die Steigerung der gemachten Geschäfte betrug gegen 17 pEt. Wenn die Leistungsfähigkeit sich noch nicht wie früher gehoben hat, so rührt dieß nach Schultzes Meinung daher, „daß die fortgesetzte Kriegsbereitschaft und die Kriegsbefürchtungen auf die Äe chäfte überhaupt und auf die Vereine lähmend cinwirkten." Im' Allgemeinen sind di« Genossenschaften nach der Verleihung kaufmännischer Rechte und Pflichten durch die neuen Genoffen- schaftSgesetze auf weit strengere Grundsätze in der Luch - und Geschäftsführung, besonders bei der Bilanz, Inventar und Eon- trole, angewiesen, was bereits gute Früchte getragen Hal. — Die Zahl aller deutschen Erwerbs- und Wirthschaftsgenossen- fchaften schätzt Schultze-Delitzsch aus 2600 mit 1 Mill. Mitglieder, circa 210—220 Millionen Thaler Geschäfte pro 1868. Neu sind die landwirthschaftlichen Genossenschaften zur Anschaffung von Rohstoffen (Aussaat und Dünger) und Maschinen.
Verkitt. Der deutsche Protestantenverein wird hier in der Turnhalle tagen. Die ersten Ehristen haben'- noch schlimmer gehabt, sie tagten bei Nacht und Nebel in Höhlen und Kluften.
Königsberg, 13. Sept Bei dem heutigen Provinzial- seste hat sich dadurch, daß das Geländer der Schloßteichbrücke durch den Andrang der Menschenmeng« durchbrochen wurde, ein beklagcnöwerthes Unglück ereignet; bis 10 Uhr Abends sind 24 2 übte aus dem Schloßtcichc herausgcschafft worden.
Königsberg, 14. Sept. Der König von Preußen er. wiederte genein bei dem Diner im Schlosse auf die Ansprache de- commandiienden Generals v. Manteuffel: „Ich erhebe mein Glas, um dem ersten Korps meine Anerkennung für die Art ariSzusw echen, wie es heute vor mir erschienen ist. Zu, gleich trinke ich aber auch auf das Wohl der Provinz, ander diese- Korps hervorgegangen ist. Da- Armeecorp- und die Provinz haben zu allen Zeiten, in guten und bösen Tagen, meinem Hause und dem Vaterlande treue Hingebung und Aufopferung bewährt. Diese Treue und Hingkbung hat d«S Corps in jüngstvergangener Zeit auch mit Au-dauer in ernsten Stunden zu wahren gewußt, und das gibt mir Bürgschaft jdafür, daß der Geist, welcher einst in Tagen schwerer Prüfung die Provinz in dieser Richtung belebt, sich auch wieder bewahren wird, wenn gewichtige Momente an un< herantreten."
Frankfurt. Zur „Geschichte der Wiener Krisis" erzählt WarrenS Wochenschrift einige Vorgänge, die einen lehrreichen Beitrag bilden : „Unser erste- Hau- (Rothschild), welches über mehr Geldmittel verfügt, als alle unsere Banken zusammenge- nommen, hat seit langer Zeit die vorsichtige und vornehme Praxis, einen sehr großen Reservefonds in Baarem aufgehäuft zu erhalten, welcher nie unter zehn Millionen zu sinken pflegt und oft die Höhe von zwanzig Millionen übersteigt. Obgleich das Weltharis eine Masse Effecten direct belehnt, so hat e- dennoch nicht die Lust, den täglichen Verkehr mit den kleinen Leuten der Börse aufrecht zu halten, welcher die Bureaukratie zu sehr in Anspruch nehmen und di« stolze Ruhe des großen Hauses stören wurde. Um nun jene großen Geldsummen fruchtbringend zu machen, werden sie zu einem sehr geringen Bintfuße den öffentlichen Instituten anvertrant, und selbst meh. rere der kleinen Banke« können sich der Gunst deS WelthauseS rühmen, welche ihnen durch Darlehen von mehreren Millionen seine- Geldes erwiesen wird. Nun traf eö sich vor kurzer Zeit, daß ein ganz junge- Institut, welches viel von sich reden gemacht bat, eine bedeutende Summe in Wechseln auf das Londoner Hau- W. (Worms) abgab und dieselben an der Börse an jene- Hau-, welche- allgemein al- unser erste- bekannt ist, verkaufte. Al- die Wechsel zum Accept eingesendet wurden, weigerte sich der Bezogene, sie anzunehmen. Nachtheilige Ge- rüct waren zu Ohren des Londoner Hauses gekommen und es hielt nicht für gerathen, dem Wiener Institute Kredit ein-- zuflößen. Als jene Tratten nun ohne Accepte zurücklangten, so wurden sie nach kaufmännischem NsuS sofort präsentirt, welche verpflichtet gewesen wäre, um ihre Solvenz aufrecht zu erhalten, daö für den Verkauf derselben erlangte Geld zurück- zustellen. Aber im Stillen wurde uni eine Frist gebeten, und als dem abwesenden Chef des großen Hauses die Kunde von diesem Ereigniß tclegraphrrt wurde, so gingen ihm die Augen au^ und er erkannte sofort, daß der Wiener Platz sich in einer gefährlichen Lage befinde, und daß die Speculation jene Grän- zen uberschrillen hatte, welche die Vorsicht und die Solidität vorscyreiben. Eine telegraphische Ordre traf hier ein, die vier- zehntägige Kündigung zu ertheilen, nach welcher aus verschiedenen Banken eine Summe von 14 Mill. Gulden an den Gin- leger zuruckgezahlt werden mußte. Die Flüssigmachung dieses großen Belanfes trug nicht wenig dazu bei, jene Banken,' welche mit einem kleine» Kapital arbeiten, in eine Geldklemme zu versetzen, welche sich sofort dem Markte mlttheilte. Die Un- solidltät und Schwindelhaftigt einiger weniger Individuen hat in solcher Art dazu beigetragen, um die an-brechcnde Krise in arger Weise zu verschärfen."
Wien. Der Erkurfürst von Hessen läßt in einem Prager Sölalte erklären, daß er weder direct noch indirect bei einer österreichischen Bank betheiligt sei. Von mehreren Seiten war behariptet worden, daß er, wie der Erkönig Von Hannover, zu den Gründern der „Wiener Bank" (deßhalb auch Fürstenbank genannt), deren Aktien von 285 auf 90 Gulden gesunken sind, gehört habe. Man erzählt auch, daß der Örter Georg V. der mit der Liquidation bedrohten Bank mit einigen Millionen zu Hülfe gekommen sei, da sehr viele Mitglieder des „königs- trcnen" hannover'schen Adels bei der Erhaltung dieses Instituts interessiri sein sollen.
jtrnfail, 13. Sept. Die Versammlung polnischer Me- dicincr und Naturforscher wurde heute bei großer Tbeilnahme Seiten- der Mediciner Galiz end, Posens, einiger Professoren aus Warschau, sowie der Lllediciner Polens im MagiflratS- faaje durch drn Universitäts-Professor und Präsidenten de- hicsigen Gelehrtenvereinö, Dr. Player, eröffnet. In einer längeren Rede begrüßte derselbe die zum erstenmale versammelten Naturforscher aus den historischen Landen Polen-, er sprach von der Aufgabe der Zusammenkunft und fügte hinzu, daß er die Versamuielten im Namen der Wissenschaft, aber auch al# Landsmann und Bruder begrüße. Nach den Begrüßungs-Erwiederungen wurde zum Präsidenten für die ferneren Sitzungen Dr. Mayer, zum Vlcepräfidenten Dr. Galenzow-ki au- Parigewählt. Nachmittag findet die feierliche Eröffnung der na. turhistorifchen und medicinischen Au-stektung statt.
Paris, 12. Sept. Die Journale bringen die Nachricht, daß Prinz Napoleon gestern abgereist ist, um eine Cee-Ercursion an die sranzöfifchey uut> italienischen Küsten zu machen. Seine Abwesenheit wird ungefähr 14 Tage dauern. — Der Kaiser ist heute wieder nach Paris gekon.men, um, wie die „Libertv" sagt, durch seine persönliche Anwesenheit die Wiederherstellung seiner Gesundheit z>i bezeugen.
Philadelphia. Am 5. d. hat sich in dem Kohlenbezirk Avondale, welcher bei Plymouth in Pennsylvanien liegt, ein stwßes Unglück zugetragen. Als die Leute am genannten Tage erfuhren, geriet^ ein 300 Fuß tiefer Schacht auf dem Grunde in Brand, wie es scheint, weil das Gebälke um den Ventilationsofen übermäßig trocken geworden war. Zn wenigen Mi- nuten standen der Schacht und die Gebäude »berhalb desselben in Flammen. Das 'Feuer wüthtte mehrere Stunden, Trümmer und Asche stürzten in den Schacht hinein und füllten ihn. Drunter waren 202 Männer und Knaben f man kann nicht um^in, anzunehmen, daß sie sämuitlich umgekommen sind. — Am 9. hat man mit unsäglicher Mühe 202 Leichen an die Oberfläche gebracht.
Redaclion, Druck und Verlag der Brühl'schen Druclerei (Fr. Kyr. Ptettch) in Gtetzen.


