Kassel, 7. April. Die „Hess. DolkSztg." schreibt: „Den beim Kurfürsten in Horzowitz in Dienst befindlichen Hofdienern ist auf ihre Anfrage bei der General-Verwaltung des kurfürstlichen Fideicommisses eröffnet worden, daß Gehalte nicht in das Ausland gezahlt würden, die Ansprüche der Dienerschaft jedoch mit ihrer jederzeitigen Rückkehr nach Kassel wieder in Kraft treten würben. Daraufhin haben sich die Hofbiener, bis auf einen, der aus anderen Gründen vollständig entlassen wurde, meist alle entschlossen, bei ihrem Herrn zu bleiben, ja ein noch hier weilender Leibreitknecht hat sich entschlossen, wieder in den Dienst des Kurfürsten zu treten, und ist vor einiger Zeit nach Prag abgereist. Herr v. Heeringen soll sich von seinem Eifer, seinem früheren Fürsten Vie Ausgabe eines Gehaltes zu ersparen, so weit haben hinreißen lassen, daß er den Leibreitknecht steckbrief» lich verfolgen läßt. Die Behörde in Prag verweigerte die Auslieferung.
Paris, 10. April. Der Senat hat in seiner gestrigen Sitzung das RecrutirungSgesetz genehmigt. Admiral Bouet bemühte sich nachzuweifen, daß die stattgefundenen Rüstungen keine übertriebenen und die militärischen Ausgaben Frankreichs geringer seien, als die der andern Mächte. Neun Panzerschiffe würden im gegebenen Fall rasch ausgerüstet sein. Michel Chevalier tadelt die Regierung wegen ihrer Rüstungen. Rouland prostetirt. Kriegsminister Niel vergleicht die Dienstzeit und die Instructionen der französischen und preußischen Armee. Der Militär- Etat Frankreichs sei ein FriedentS-Etat und das Budget ein Friedens-Budget. Die Regierung erwarte keinen unmittelbar bevorstehenden Krieg, da sie 40,000 Mann beurlaubt oder entlassen habe. Wenn der Krieg dennoch käme, so wäre Frankreich rasch bereit. Mit dem gegenwärtigen System der Kriegsbereitschaft im Frieden sei die Kriegssührung leichter als jemals. Im Augenblick seien 400,000 Mann unter den Fahnen und eine Million neuer Gewehre vorhanden. Die Fabrikation von 30,000 Gewehren monatlich könnte verdoppelt werden.
Paris, 10. April. In der heutigen Sitzung des gesetzgebenden Körpers sprach sich der Minister des Aeußcrn v. Lavalette über die gegenwärtigen Beziehungen Frankreichs aus. Deutschland betreffend, erklärte derselbe: Wir haben keine speciellen Verhandlungen mit Deutschland zu führen gehabt, diese Haltung ist der beste Beweis für unseren aufrichtigen Wunsch, mit demselben in guten Verhältnissen zu leben und jede Einmischung irgend einer Art in die rein deutschen Angelegenheiten zu vermeiden. Veränderungen wie diejenigen Deutschlands rufen vor vollständiger Beruhigung eine Zwischenperiode voll Aufstreben, Benachtheiligungen und Bedauern hervor. Die Zeit allein kann wieder gut machen, was die Zeit verschuldet hat. Für uns ist vieß ein Grund, jede Einmischung in Fragen zu vermeiden, welche uns nicht direkt interessiren. Nur Gründe von großem Gewicht könnten uns veranlassen, diese Haltung aufzugeben, aber nichts läßt etwas Derartiges voraussehen. Wir respectiren die Rechte Anderer, um so weniger brauchen wir zu fürchten, daß man die unserigen nicht respectiren werde. Bezüglich Italiens sagte Lavalette: Unsere Beziehungen zu Italien sind sehr freundlich, der Moment ist aber noch nicht da, um dem September-Vertrag gemäß Rom zu räumen. Bezüglich Griechenlands führte der Redner aus, daß Frankreich im Orient nur eine einzige Politik verfolge, die Politik des Friedens. Der Redner schloß mit den Worten: „Unsere äußern Beziehungen sind gut und wir fön- nen sagen, daß der Friede, der Gegenstand unserer Wünsche, weder bedroht noch unsicher ist. Wir werden den Frieden durch alle legitimen Mittel zu erhalten suchen, und, wenn auch unter verschiedenen Beringungen, im Westen dasselbe thun, was wir gethan haben, um im Orient den Frieden zu erhalten. Eine fürchterliche Verantwortlichkeit würde Derjenige auf sich laden, welcher, der Empfindlichkeit oder dem Ehrgeiz nachgebend, zwei Nationen auf einander Hetzen würde. Die Politik Frankreichs ist eine Politik des Friedens, und wir werden dieselbe mit Hülfe Gottes und der öffentlichen Körperschaften aufrecht erhalten." (Beifallsbezeugungen.)
Madrid, 7. April. Cortes. Herr Mala, Mitglied der Commission, welcher Herrn Figueras antwortet, sagt, die Frage der Aufhebung der Scla- »erei werde nach Ankunft der Deputaten von den Colonien zur Verhandlung kommen. Er bestrebt sich sodann, zu zeigen, daß der Artikel bezüglich der reUgtösen Frage geeignet ist, selbst Diejenigen zu befriedigen, die die bedeutendsten Forderungen stellen. Emilio Castelar bedauert, zu sehen, daß die Verfassung den Monarchen eine so große Autorität etn- räumt. Er findet, die individuellen Rechte seien nicht genügend garantirt. Er erklärt, die Republik
könne allein den Aspirationen der Semtember-Revo- lution Genüge leisten. Er tadelt schließlich lebhaft die Progressisteck, weil sie sich nicht im Voraus der Annahme des Don Fernando versichert haben, ehe sie ihre Wahl auf diesen Fürsten fallen ließen. Marschall Serrano antwortet Herrn Castellar kurz. Er erklärt, daß eine j<de Restauration, sei sie carlistisch oder isabellistisch, unmöglich ist. Salustiano de Oio- zaga antwortet sodann auf einige persönliche Angriffe des Hrn. Castellar. Die Discussion des Verfassungs- Entwurfes wird morgen fortgesetzt. — Die „Epoca" äußert, daß, obgleich man noch keine Nachricht vom Eintritt carlistischer Banden in Spanien habe, die Regierung dennoch beschlossen hat, eine Brigade unter dem Befehl des Brigadier Vargas nach den Nordprovinzen abrücken zu lassen.
Madrid, 8. April. Cortes. Hr. Moret, Mitglied der Commission, erklärt, daß die Verfassung eine Transaktion zwischen den Parteien ist. Er hofft, das Land werde begreifen, daß alle individuellen Rechte gewahrt find. Hr. Canovas, Deputirter der Majorität, findet, daß die Verfassung nicht hinreichend das öffentliche Recht und die öffentlich-n Freiheiten garantirt. Er bedauert, daß die Regierung auf die Aufhebung der Confcription eingegangen ist. Er fürchtet, daß diese Aufhebung die Zerstückelung des spanischen Gebietes zur Folge haben werde. Er findet die der Magistratur bereitete Stellung wenig befriedigend. Er sagt, daß die Geldbußen nicht genügende Strafen find, um die Regierungsmacht aufrecht zu halten. Die Sitzung dauert fort. — Hr. Rios-Rosas, welcher dem Blatt „Iberia" antwortet, erklärt, daß die vorgeblichen Restaurations-Entwürfe, die dem General Prim zugeschrieben werden, eine Verleumdung sind; er fügt hinzu, daß eine jede Rückkehr zur Vergangenheit unmöglich ist.
Vermischtes.
Darmstadt. Vor einigen Tagen wurde im Bessunger Waide in Der Nahe der Klippensteins. Eiche durch zwei anständig gekleidete junge Leute Feuer angelegt. Nur durch die glückliche Hinzukunft des Försters Fritz wurde das Feuer, welches sich schon 6—8 Klafter auSgebreitet, durch denselben mittelst Draufschlägen mit Reisig erstickt. Die Thäter konnte er leider nicht mehr erreichen.
Köln. Die „Köln. Ztg." bringt bezüglich deS dortigen Theaterbrandes vom 16 Februar die Mittheilung, daß die Annahme, an der dem Brande zum Opfer gefallenen Familie des TheaterkafsirS Backhaus könne möglicherweife ein grausiger Raubmord verübt und das Theater nach der That in Brand gesteckt worden sein, um das Verbrechen zu verdecken, habe nunmehr eine praktische Unterlage bekommen und zwar durch vertrauliche Mittheilungen, welche die als Brandstifterin sich selbst anklagende Ursula Schmitz im Arresthaus ein.r Mit- gesangenen gemacht. Deo fraglichen Mittheilungen zufolge hätte das Verbrechen schon früher verübt werden sollen, dann aber habe man für besser gehalten, daS Gastspiel der Hedwig Raabe (15. und 16. Februar) abzuwarten, das eine sehr bedeutende Einnahme in Aussicht gestellt habe. Diese Zeit war von den angeblichen Raubmördern wirklich sehr klug gewählt, denn eS waren außer den eingezogenen Abonnementügeldern auch noch die TageS-Einnahmen von Sonntag und Montag im Verwahrsam deS Kassierers, weil am 16. Februar die Gagen ausgezahlt werden sollten. Zn der Hauptsache gehen die vertraulichen Geständnisse der Ursula Schmitz dahin: „Zch unb mein Franz Joseph und noch Einer haben eS gethan." Zn einigen der zur Untersuchung gezogenen Theaterarbeitern vermuthet man die Mitschuldigen der k. Schmitz.
Braunschweig. Das hiesige „Tageb att" bringt eine Mittheilung über eine Waffeivelocipöde, welches vom hiesigen Architekten Sch. construirt und gebaut, von deniselben mit bestem Erfolge hinter der Anatomie auf der Oker versucht wurde. Der Leser denke sich einen Eisstuhl, dessen eigentlicher Schlitten au« zwei wasserdichten, leichten Blechröhren besteht; während diese Röhren den Fahrenden selbstverständlich über Wasser halten, bewirkt dieser, auf dem Stuhle sitzend, durch das vor demselben befindlichen Tretwerk die Rotation einer am Hintern Ende des Fahrzeuges im Wasser befindlichen Schraube (ähnlich wie bei Dampfschiffen) und durch diese die Fortbewegung. Von Augenzeugen wirb versichert, daß diese auf so einfache Weise bewerkstelligte Wasserfahrt selbst für den Zuschauer äußerst interessant war.
Schweidnitz, 1. April. Die „W. Z." berichtet: Eine Granate, 1866 aus dem österreichischen Feldzüge von einem Knechte mitgebracht, ist jetzt Ursache eines Unglücks geworden. Zn der SiyriuSmuhle des Hrn. P. befindet sich zugleich für das Etablissement eine Privatschmiede. Drei Knaben, einer 11 Zahre, der andere 6 Jahre und ein noch jüngerer, hatten die Granate, die unter altem Eisen lag, entdeckt und als willkomnieneS Spielzeug hervorgeholt. Tie Granate war der Vorsicht halber des Zunders beraubt und ausgebohrt worden, jedoch war dieß mangelhaft geschehen. Die Knaben beschäftigten sich nun damit, auf einem leer stehenden Ambo- Pulverkörnec herau-zuklopfen und diese anzu- zunbcn. Damit hatten sie sich schon eine Weile belustigt, als ein in der Schmiede beschäftigter Arbeiter, der hinzukam, zu ihnen sagte: „Wartet, ich will euch einen Spaß machen", sich wieder entfernte und darauf, ein glühende« Stück Stabeisen an einer Zange haltend, zuruckkehrte. Der 11jährige Knabe blieb beherzt sieben, der 6jährige siellte sich hinter ihn und der Kleine suchte Deckung hinter der Thur. Nun fuhr der Arbeiter mit dem glühenden Eisen in die Granate — ein furchtbarer Knall erschütterte das ganze Gebäude. Die mangelhaft ausgebohrte Granate war crepirt, hatte die Zange deS Schmiedes gebogen, über denselben hinwegqewoifen und ihn zuruckgeschleuder». Der Mensch soll, wie verlautet, um'S Ge hör gekommen sein, sonsi ist ihm merkwürdiger Weise nicht« Passirt. Der älteste Knabe, der dicht bei dem Amboß stand ' erhielt ein Stuck Granate mitten in den Unterleib, daS ihm I das Netz und die Dünndärme zerriß, ein zweites zerschmetterte I
ihm die Schulter und ein dritte« riß ihm die Finger einer Hand weg. Dem mittleren Knaben schlug ein Granatsplitter in den Oberarm. Der kleinste kam unversehrt davon. Der Luftdruck hob daS Dach de« Anbaue«, in welchem die« geschah, und ein Stück Granate drang in den unteren Raum einer Sägemühle, in welcher sich wenige Augenblicke vorher viele Menschen aufgrhalten hatten.
Striegau, 31. März. Eine ruchlose That meldet die „Br. Ztg.- : Ein wunderbare- Geschick hat gestern alle mit dem Abendzuge von Königszelt nach Liegnitz Reisenden vor unübersehbarem Unglück bewahrt. Ruchlose Hände hatten nämlich die Dunkelheit benutzt und eine auf dem Bahnkörper liegende alte Eisenbahnschiene quer über das Geleise gelegt und da- Hinderniß selbst noch mit Steinen versetzt, um dessen Wegschieben zu verhindern. Man hatte auch noch zum Ueber- siuß eine sehr gefährliche Stelle gewählt, nämlich auf einem 18 Fuß hohen Damme zwischen zwei Brücken. Al« nun der um 8V4 Uhe hier ankommende Personenzug diese Stelle pas- firte, erhielt die Maschine einen allerdings sehr heftigen Stoß, kam jedoch glücklicherweise nicht au« den Schienen, sondern zertrümmerte daS Hinderniß und schleuderte dasselbe, sowie die Versetzsteine, zum Theil seitwärts, zum Theil zum Damme herunter. Andernfalls würbe die Waldenburger Katastrophe hier weit Überboten und das Unglück, wa« Menschenleben anlangt, ein weit größeres gewesen sein. Leider ist eS nicht gelungen, die ruchlosen Verbrecher zu ermitteln.
Erfurt., Die chinesische Zgname oder Chinaknolle ist in dem dießjährigen Katalog der hiesigen Saamenhandlung von Ernst Benary ausgenommen; 100 kleine runde Knollen kosten 1 l/z Thaler, 12 Stuck 8 Sgr.
Wiesbaden, 6. April. Dieser Tage ereignete sich in der hiesigen Artilleriekaserne eine drollige Geschichte, welche den Durchfall so vieler sich zum einjährigfreiwilligen Dienste Meldenden etwa- illustrirt. Ein Artillerie-Lieutenant erklärte nämlich in der ZnstructionSstunde, wie ein breitrippige« Pferd zu satteln sei, wenn der Sattel nicht paffe. Um die Sache anschaulicher zu machen, ersuchte er einen der Herren Einjährigen, doch einen Bock (einen hohen Sattel) herbeizuholen. Der junge Herr sträubte sich erst, geht dann hin und bringt einen Bock, einen natürlichen Geiöbock herbei!
Frankfurt. Zn der unter dem Vorsitze de« Hrn. v. Rabenau am 5. d. dahier abgehaltenen Versammlung von Landwirthen ans Hessen-Nassau, Hessen-Darmstadt, Frankfurt und den Rheinlanden, welche sehr zahlreich besucht war, stand auf der Tagesordnung die an den Reichstag zu richtende Petition in Betreff der Besteuerung des Branntweins. Nach einer langen und eingehenden Verhandlung wurde die im Entwurf vorgelegte Petition genehmigt und unterzeichnet. Die Anträge der versammelten Landwirlhe gehen dahin: 1) Der
Reichstag wolle unter geneigter Berücksichtigung einer früher von derselben Versammlung ergangenen Petition, betreffend die Einführung der Spjritugfabrsikat.'steuer, die zu erwartende Gesetzesvorlage, soweit solche eine Erhöhung der Branntweinsteuer begründet, oblehnen; 2) der Reichstag wolle weiter beschließen, die Fabrikatssteuer in keinem höheren Satze zuzulaffen als demjenigen, welcher eine durchschnittliche Ausbeute von mindesten» 7i/2 pEt. Quart per Maisch rein entspricht, d. i. höchstens 1 Sgr. pro preußisch Qaart Branntwein, 50 pEt. TralleS. An diese Versammlung schloß sich diejenige deS landwirth- schaftlichen Clubs und war dieselbe äußerst animirt.
Gotha. Der Kaiser von Oesterreich hat die ihm von Dr. Petermann als Erinnerung an die erste deutsche Nordfahrt überreichte Eisbärendecke „huldvollst entgegengenommen". Zugleich Hot der Kaiser Hrn. Dr. Petermann in Würdigung seiner hervorragenden Verdienste um die Wiffenschaft im Allgemeinen und insbesondere um daS Zustandekouimen eines der deutschen Nation zur Ehre gereichenden Unternehmens als Zeichen der Anerkennung den Or en der eisernen Krone 3. Claffe unb dem Eapitän K. Koldewey, dem verdienten Führer der Erpedition, das Ritterkreuz des Franz-Joseph Ordens verliehen. Der Kaiser hat ferner einen zweiten Beitrag von 1000 fl. Silber für das Unternehmen angewiesen.
Heidelberg, 5. April. Ein hiesiger, wohlbeleumundeter Kutscher hatte vor geraumer Zeit Nachts 10 Uhr einen alten Herrn überfahren, der in Folge davon in derselben Stunde starb. Der Fall kam jetzt vor dem KreiSgericht zur öffentlichen Verhandlung, und der Kutscher wurde von der Klage fahrlässiger Tödtung freigesprochen, weil sein Vertheidiger die notorisch über die Maßen schlechte Straßenbeleuchtung zu seiner Entschuldigung geltend machen konnte.
Heidelberg, 5. April. Nach einem Fahndungs-AuS- chreiben unseres Amtsgericht« ist am Ostermontag Nachmittag» mitten in der Hauptstraße von drei Personen ein Einbruch versucht worden. Sie fanden die Bewohner des dritten StockeS de« betreffenden Hause« alle auSgegangen und nur die Magd zu Hause, schleppten diese mit verstopftem Munde auf den Speicher, war en sie unter Fußtritten nieder, wälzten einen vorfindlichen schweren Ofenstein von einem altmodischen, großen Qfen so auf sie, daß ihre Arme festgehalten waren, und bedrohten sie überdieß mit dem Tod wenn sie sich nicht ganz still verhielte. Mit einem Handbeil öffneten sie sodann die verschlossene Tbüre zu einem Zimmer, woraus sie nur Kleider und Weißzeug hätten entwenden können, was der TageShelle wegen unausführbar war, vielmehr machten sie sich an die von Innen verriegelte Thür eines zweiten Zimmer«, suchten ein Loch in dieselbe zu hauen, ehe dieß aber groß genug war, brach der Stiel de« Beils ab, und sie fanden es gerathen, unvknichteter Dinge abzuziehen. Die Magd aber wurde in Folge des Schreckens und der Mißhandlung krank, so daß sie bis zum dritten Tage des Arztes bedurfte.
Aus dem wurtembergifchcn Strohgau, 5. April. Dor 14 Tagen hat ein muthwllliger junger Wirth in einem Nachbarort einem seiner Gäste die Tabackepfeife mit Pulver fl‘füllt und oben mit Taback bedeckt. Die Erplosion war so stark, daß der Mann zu Boden geworfen wurde und das Gesicht derart verbrannte, daß er mehrere Tage völlig blind war; der Verunglückte sieht jetzt wieder au» einem Auge, das andere soll, wie man hört, verloren sein. Der Thäter sitzt feit 14 Tagen im Gefängniß.
Zur Ruffificirung wird Folgende« gemeldet: In Riga werden die deutschen Straßennamen jetzt in russische umgetauft. Auf den baltischen Krongütern werden die Wegweiser mit russischen Runen bemalt, die kein Mensch boit zu Lande versteht. Die feit dem 20. Februar in Reval erscheinende esthländische Gouvernementszeitung trägt nicht nur einen russischen Kopf, sondern bringt auch die Polizeianzeiqen, die Witterung«benchte und die Getreidepreise in russischer Sprache. Deutsche Privat- annon^en kosten 4, russische dagegen nur 3 Kopeken per Zeile.
Nedaction, Druck unb Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. CHr. Pietsch) in Gietzen.


